Maschinenpistole MAT 49



Die erste moderne französische Maschinenpistole, die MAT 49 (Picture by Securityarms.com)

Oftmals wird der Erste Weltkrieg als der Krieg der Maschinengewehre bezeichnet. Sicherlich hatten die MG-Nester den größten Anteil daran, die ursprünglich geplanten Bewegungsschlachten in einen blutigen und verlustreichen Grabenkrieg zu verwandeln, doch dass gerade dieser Grabenkrieg ein Geburtshelfer der Maschinenpistolen war, wird oft übersehen. Gerade die Stoßtrupp-Unternehmen gegen feindliche Gräben bewiesen den Wert einer leichten automatischen Waffe für kurze Distanzen, bei denen die langen und unhandlichen Repertiergewehre oftmals unbrauchbar waren. Auch Frankreich, das sehr beeindruckt von den Leistungen der deutschen Maschinenpistole 18 von Hugo Schmeisser war, visierte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eine Bewaffnung der Infanterie mit Maschinenpistolen an. 1921 wurde erstmals eine Maschinenpistole aus eigener Entwicklung vorgestellt, die allerdings - beeinflusst durch italienische Vorbilder - ein leichtes Zweibein trug. Ob der französische Generalstab diese Waffe nun als Feuerunterstützung für die vorgehende Infanteriegruppe einsetzen wollte, also ihr die Rolle eines LMG zuteilen wollte, verliert sich allerdings im Dunkel der Zeitläufte. Aus diesen Anfängen wurde schließlich über diverse Umwege die MPi MAS 38 im Kaliber 7,65 x 20, da sich das taktische Denken in der französischen Armee geändert hatte. Man wollte keine Sturmtruppen mit MPi-Schützen als den Hauptträgern des Feuerkampfes, sondern wendete sich der "klassischen", um das LMG als Hauptkampfmittel aufgebauten Infanteriegruppe zu. Durch diese Veränderungen in den Taktiken und die Einführung des MG Châtellerault Mle 1924/29 wurde die MPi in ihrer Bedeutung von einer Offensivwaffe zu einer Zusatz- und Defensivwaffe für den Nahkampf degradiert. Die gewaltigen Summen, die im Militäretat seinerzeit für den Bau der Maginotlinie aufgebracht werden mussten, taten ihren Teil dazu, eine Neukonzeption des taktischen Denkens und der Bewaffnung zu verhindern. So musste Frankreich bei der Mobilmachung 1939/40 mit wenigen modernen Waffensystemen und einem Sammelsurium alter und sehr alter Waffen gegen die Wehrmacht, einer hochmodern ausgestatteten Armee, antreten. Wie dieser Waffengang für die Grande Nation ausging, ist hinlänglich bekannt.

Bei der Befreiung Frankreichs besaß die Armée de Libération keine eigenen Waffen mehr: Sie stammten nun größtenteils aus amerikanischer und britischer Produktion sowie aus erbeuteten deutschen Beständen. An MPi's führten de Gaulles "Freie Franzosen" Stens, Tommy Guns, M3 oder erbeutete MPi 40. Nach dem Mai 1945 begann in Frankreich der Wiederaufbau des Militärs. Die Kader der neuen Armee stammten großteils aus Elite-Einheiten wie den Commandos oder Fallschirmjägern, die ihre Erfolge vorwiegend ihren aggressiven Gefechtstaktiken zu verdanken hatten. Diese alten Haudegen waren es auch, die in den nun folgenden Konflikten und Kriegen, die Frankreich in seinen alten Besitzungen führen musste, den Ton angaben. Diese "neuen" und begrenzten Kriege, die sich so sehr vom Zweiten Weltkrieg unterschieden, lehrten Frankreich eine wichtige Lektion: Luftbeweglichkeit war ein Zauberwort in den sogenannten begrenzten Kriegen. Für diese Luftbeweglichkeit allerdings brauchte man Waffen, die kompakt zu verstauen waren, aber auch grosse Feuerkraft entwickeln konnten. Somit standen auf einmal die Maschinenpistolen wieder im Blickpunkt des Interesses. Allerdings war die altehrwürdige MAS 1938 auch schon in die Jahre gekommen, und die 7,65 mm Munition war militärisch von sehr begrenztem Wert. Also begann wieder die Suche nach einem neuen Modell, diesmal allerdings im Kaliber 9 mm. Die Forderungen der französischen Armee waren klar: Da der Indochinakrieg tobte, musste die Waffe schnell zu produzieren sein. Dies zielte klar in die Richtung, die bereits die MPi 40, die Sten und die MP M3 "Grease Gun" eingeschlagen hatten, bedeutete also die Zuhilfenahme von Techniken zur Massenproduktion (Kaltverformung, Blechstanzteile, Verzicht auf aufwendige Holzschäftungen, usw). Desweiteren sollte die Waffe unkompliziert bedienbar und schnell zu demontieren sein, was ebenfalls eine relativ einfache Konstruktion voraussetzte. Außerdem sollte die neue Waffe beim Transport in Fahrzeugen oder Flugzeugen und beim Marsch möglichst nicht hinderlich sein, ein Tribut an die Luftbeweglichkeit.

Alle diese Voraussetzungen wurden schließlich von der Waffe erfüllt, die 1949 offiziell eingeführt wurde: Der MAT 49. Diese Waffe ist ein Rückstoßlader mit feststehendem Lauf und Masseverschluss, die als zuschießende Waffe ausgelegt ist. Das bedeutet, dass erst beim Vorlauf des Verschlusses in Richtung des Laufes eine Patrone aus dem Magazin ins Patronenlager eingeführt und gezündet wird. Diese Konstruktionsmerkmale machten, ähnlich wie bei der Uzi-MPi, die auf dem selben Konstruktionsprinzip basiert, eine schnelle, wirtschaftliche und leichte Produktion möglich. Trotz aller Konstruktionsvereinfachungen hatten die Väter der MAT 49 sehr viel Wert auf die Sicherheit der Waffe gelegt. So besteht das Gehäuse aus 2 mm Stahlblech (Sten: 1,5 mm), die Griffstücksicherung (im Amerikanischen "Beavertail") ersetzt den ansonsten üblichen manuellen Sicherungshebel, und besonders der wegklappbare Magazinschacht erhöhte die Sicherheit des ansonsten etwas gefährlichen Prinzips der zuschießenden Waffe. Sobald der Magazinschacht mit Magazin nach vorne weggeklappt wird, befindet sich keine Patrone vor dem Masseverschluss, so dass sich selbst bei einem Schlag oder Stoß, der den Verschluss vorschnellen lässt, kein Schuss lösen kann. Ansonsten ähnelt die MAT 49 den übrigen Vertretern ihrer Generation: Gehäuse aus Stahlblech, einschiebbare Schulterstütze aus Stahldraht, Plastik-Griffschalen, Klappvisierung auf 100 und 200 Meter.

Die MAT 49 diente in ihrer aktiven Zeit nicht nur dem französischen Militär, sondern auch der Fremdenlegion, der Polizei, der Gendarmerie, dem Gefängnispersonal und dem Zoll. Viele der insgesamt über 1.000.000 Exemplare wurden auch in Länder der Dritten Welt exportiert, vorwiegend natürlich in ehemalige französische Kolonien. Die MAT 49 ist untrennbar mit vielen Ereignissen der 50er und 60er Jahre verbunden, etwa mit dem Ende der französischen Kolonialmacht in Indochina, den Kämpfen in Dien Bien Phu, dem Algerienkrieg und der Suezkrise von 1956. Allerdings spielte sie auch in der von inneren Unruhen und Anschlägen der OAS geprägten Zeit des französischen Abzugs aus Nordafrika 1961 bis 1963 eine Rolle. Damals gehörten Polizei- und Militärstreifen mit geschulterten MAT 49 zum Alltag in französischen Großstädten. Zweifellos waren die Jahre des Zweiten Weltkriegs und die darauffolgenden Jahre die große Ära der Maschinenpistolen, doch die Tage des Vietnamkriegs läuteten den Untergang der 9 mm-Para-Maschinenpistolen ein. Dort bewiesen die amerikanischen Streitkräfte die Überlegenheit von Sturmgewehren und Maschinenkarabinern, während Frankreich als letzte westliche Nation bis 1979 an Repetiergewehren und Maschinenpistolen festhielt. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde das Gewehr MAS 49/56 und die Maschinenpistole MAT 49 schrittweise durch das neuentwickelte Sturmgewehr FAMAS (´Fusil d'Assaut de la Manufacture d'Armes de St. Etienne, Sturmgewehr aus der Staatlichen Waffenfabrik St. Etienne) ersetzt. Bei der Polizei und Gendarmerie rückte ebenfalls das FAMAS nach, und immer öfter wurden ausgemusterte MPis durch Ruger Mini-14 in cal. .223 ersetzt. Trotz alledem warten in Frankreich immer noch in einigen Arsenalen gut geölte MAT 49, bereit um ihre Nation in kritischen Situationen zu verteidigen.



Eine MAT 49 mit eingeschobener Schulterstütze und abgeklapptem Magazin. Die Magazine unter der Waffe fassen 32 Schuss in 2 Reihen, ein spezielles einreihiges Magazin für 20 Schuss wurde für Operationen in Wüstengegenden oder bei Landeoperationen an Sandstränden verwendet. (Picture by Securityarms.com)

Bezeichnung der Waffe: Maschinenpistole MAT 49
Hersteller: Manufacture Nationale d'Armes de Tulle
Länge: 460 mm, 720 mm mit ausgezogener Schulterstütze
Gewicht: 3,5 kg leer, 4,175 kg mit 32 Schuß Magazin
Lauflänge: 230 mm
Zahl der Züge: 4
Drall/Dralllänge: Linksdrall
Kaliber: 9 mm x 19 (9 mm Parabellum)
Mündungsgeschwindigkeit: 365 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 490 J
Feuerrate: 600 Schuss/min
effektive Schussweite: 200 m Visierschussweite
größte Schußweite: 1.600 m
Munitionszufuhr/Magazingröße: Stangenmagazine zu 20 und 32 Schuss
Stückpreis: keine Angaben, Dekowaffen etwa 2.500 bis 3.500 Francs



Interne Links zum Thema

Patrone 9 mm Parabellum



 

Text by Landser 95. Letztes Update:  7. September 2007