Enfield No.1

(SMLE)


Das 1903 eingeführte Enfield No. 1

Das Lee-Enfield Gewehr ist nach seinem Konstrukteur James Paris Lee und der britischen Stadt Enfield benannt. Lee hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Idee, die bis dato noch einzeln zu ladenden Gewehre mit einem Magazin auszurüsten. Diese Idee war zwar nicht neu, aber nur seine Konstruktion setzte sich auf britischer Seite letztendlich durch. Der Name Enfield kommt daher, dass die Läufe der Lee-Enfield Gewehre in Enfield gefertigt bzw. gezogen wurden. Das SMLE (Short Magazin Lee-Enfield) wurde am 6. November 1903 eingeführt und löste somit das Lee-Enfield Mark I ab.


Das abnehmbare 10-Schuss Magazin sitzt im Mittelschaft und fördert die Patronen mittels einer Zickzack Feder in das Patronenlager. Nachgeladen wird das Magazin mittels zweier 5-Schuss Ladestreifen: der Verschluss wird geöffnet und der Ladestreifen angesetzt, mit dem Daumen werden die Patronen von oben in das Magazin gedrückt und der Ladestreifen wird herausgezogen. An einen Magazinwechsel wurde zur damaligen Zeit noch nicht gedacht. Ersatzmagazine zum Nachladen wurden nicht ausgegeben und oft wurde das Magazin mit einer kleinen Kette am Schaft festgemacht damit es nicht verloren ging. Um den Soldaten zu "bedachtem“ Schießen zu bewegen, besaßen die ersten Lee-Gewehre noch einen kleinen Schieber zwischen dem Magazin und dem Patronenlager. Wird dieser Schieber eingeschoben, blockiert er die Munitionszufuhr vom Magazin und der Soldat muss nun auf herkömmliche Art und Weise jede Patronen einzeln aus seinem Patronenbeutel einlegen und laden. Er schoss somit langsamer und bedächtiger. Nur auf Kommando eines Offiziers wurde der "magazine cutt-off“ weggeklappt , "ten rounds, rapid fire!“ lautete dann der Befehl. Dieser Schieber fiel aber bald weg, da eine hohe Feuergeschwindigkeit gewünscht wurde.


Der Schlossgang des SMLE ist sehr weich, fast sogar klapprig, wenn man im Vergleich dazu an den satten Schlossgang eines Mauser Gewehres denkt. Dies liegt an den zwei Verrieglungswarzen die hinten in die Verschlusshülle eingreifen und den Verschluss dadurch nicht all zu fest verriegeln. Das Lee-Enfield Schloss funktionierte somit auch in den staubigen Wüsten des Sudans und in den schlammigen Schützengräben Flanderns. Und es ließ sich unglaublich schnell, fast mit nur zwei Fingern, durchrepetieren. Der durchschnittliche Soldat konnte 15 bis 18 Schuss in einer Minute abzufeuern. Mit einem Trick schaffte man es auf über 20: Der Daumen und Zeigefinger der rechten Hand hielt den Kammerstengel und ließ ihn auch nach dem Abschluss der Repetierbewegung nicht los. Der Mittelfinger betätigte dann den Abzug. Die Visierung des SMLE besteht aus einer U-Schiebekimme auf dem Mittelschaft und einem Blattkorn mit Kornschutzbacken. Der vordere Teil des Gewehrs wirkt etwas stutzenartig, was wohl an dem unteren Dorn für die Bajonettbefestigung liegt. Oftmals wird dieser Dorn für den Lauf gehalten doch dieser liegt darüber.


Das SMLE wurde vor dem Einsatz im ersten Weltkrieg stark kritisiert, vielleicht auch nicht ganz zu Unrecht. Die von den Tommies liebevoll-spöttisch "Smelly" (nach dem Kürzel SMLE) genannte Waffe schießt auf große Entfernungen nicht so gut wie die Mauser mit ihren vorderen Verrieglungswarzen, auch hält ihr Verschluss nicht so großem Gasdruck stand. Zudem sorgte die .303 Patrone mit Rand für mehr technische Probleme als die 8x57 oder die .30-06 mit ihren eingezogenen Rändern. Aber diese "kleinen" Mankos waren damals in der Hitze des Gefechtes in den Dörfern, Feldern und Schützengräben Frankreichs und Belgiens recht belanglos. Das SMLE ist sicherlich keine gute Scheibenwaffe, jedoch war es zur damaligen Zeit eine der besten Kriegslangwaffen.



Hier ein Soldat, der sein SMLE nachlädt. Man erkennt deutlich das offene Schloss

Bezeichnung der Waffe: Lee-Enfield No.1
Hersteller: Enfield, BSA, u.a.
Länge: 1.143 mm
Gewicht: 3,71 kg
Lauflänge: 642 mm
Zahl der Züge: 5
Drall: links
Kaliber: .303 british (7,7 x 56R)
Mündungsgeschwindigkeit: ca. 740 m/s
Mündungsenergie des Projektils: ca. 3.200 J
Feuerrate: 15 Schuss/min
effektive Schussweite: ca. 900 m
größte Schussweite: 2.000 yd (entspricht 1.829 m)
Munitionszufuhr/Magazingröße: abnehmbares Magazin für 10 Schuss
Stückpreis: 80 bis 300 EUR (je nach Zustand)
Einführungsjahr: 1903




Interne Links zum Thema

Enfield No.4



 

Text by The Dude. Letztes Update:  7. September 2007