MG 3

Maschinengewehre MG 42/59, MG 1, MG 2, MG 3


MG 3 mit Zubehör: Gurttrommel, Patronenkiste, Werkzeugtasche und Ersatzrohrbehälter

Geschichte

Nach dem 2. Weltkrieg tat sich in Sachen Maschinengewehrentwicklung nur sehr wenig. Man untersuchte hauptsächlich Konstruktionen aus der Kriegszeit auf eine weitere Verwendungsfähigkeit. Da waren der Prototyp eines deutschen MG 45, welches vom MG 42 abgeleitet wurde, das MG 81 von Mauser und natürlich das MG 42. Jedoch kam es vorerst zu keiner Weiterentwicklung, da die meisten Staaten ihre Arsenale bereits gut gefüllt hatten und keinerlei Bedarf vorhanden war. Erst mit dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO änderte sich das. Die neu gebildete Bundeswehr musste von Grund auf neu bewaffnet werden und nur das beste verfügbare Material sollte Verwendung finden. Bei den Maschinengewehren war von vornherein klar, dass man das MG 42 weiter nutzen würde.
Jedoch war die Produktion 1945 eingestellt worden. Nur die jugoslawische Rüstungsindustrie fertigte im Kaliber 8 x 57 IS das M53 Sarac, eine modifizierte Kopie des deutschen MG 42. Drei Gründe sprachen jedoch gegen einen Einkauf der Waffe: Die NATO einigte sich auf das Kaliber 7,62 x 51 mm als Standard, in Deutschland sollte eine Rüstungsindustrie etabliert werden und zudem sprachen politische Gründe dagegen. Nun kam Rheinmetall zum Zug. Unter der Firmenbezeichnung MG 42/59 wurde im Kaliber 7,62 x 51 mm neu produziert. Technisch war dieses Maschinengewehr bis auf die geänderte Munition mit dem MG 42 identisch. Viele Änderungen erfolgten über die Jahre und verbesserten das eine oder andere Detail. 



Technik

Die Technik ist weitgehend mit dem MG 42 identisch, wurde jedoch immer wieder im Detail modifiziert. Der Verschluss des MG 3 funktioniert nach dem Prinzip des so genannten Rollenverschlusses. Er verriegelt im Lauf. Der Lauf besitzt daher einen Verriegelungsansatz mit Einfräsungen für die Verriegelungsrollen. Es wird ein zuschießender Mechanismus verwendet. Das heißt, der Verschluss drückt beim Vorlauf eine Patrone aus dem Gurt und führt diese zu. Der Verschluss verriegelt im Lauf und erst dann zündet der Schlagbolzen die Patrone. Nachdem der Schuss gebrochen ist, laufen Verschluss und Lauf ein Stück zusammen zurück. Hierbei wirkt der Restgasdruck im Rückstoßverstärker zusätzlich auf die Laufstirn. Über die Steuerkurven im Verschluss werden die Verriegelungsrollen nach innen gedrückt, woraufhin sich Lauf und Verschluss trennen. Der Lauf bleibt stehen. Der Verschluss aber zieht die Patronenhülse aus und läuft weiter zu seinem Anschlag zurück. Hierbei spannt er die Schließfeder. Während des Rücklaufs, transportiert der Mechanismus im Deckel die gegurtete Patrone um eine Position weiter. Der Verschluss wird von der Schließfeder nach vorn gedrückt und nimmt eine neue Patrone mit. Das ganze Spiel beginnt von vorn, und dauert so lange, bis der Abzug losgelassen wird oder die Munition verschossen wurde. Die Munitionszuführung wird von einem Rollenbolzen auf der Oberseite des Verschlusses gesteuert. Dieses Prinzip funktionierte so gut, dass es in vielen nachfolgenden Waffenkonstruktionen Verwendung finden sollte. Am MG 3 kann eine 50 Schuss fassende Gurttrommel oder eine Munitionsbox mit 120 Patronen angebracht werden. Dadurch ist der Gurt dem Schützen nicht mehr im Weg und wird vor Dreck und Wasser geschützt. Nachteil dabei ist, dass das Gewicht des Behälters und der Munition die Waffe noch schwerer werden lässt und der Schwerpunkt nach links wandert. Es können zwei verschiedene Verschlüsse verwendet werden. Der schwere Verschluss, der in Italien und österreichischen Lizenzwaffen Verwendung findet, senkt die Kadenz auf 900 Schuss pro Minute. Der in Deutschland gebrauchte leichte Verschluss ermöglicht eine Kadenz von 1.200 bis 1.300 Schuss pro Minute. In Österreich wird das MG als MG 74 bezeichnet. Der Lauf kann wegen des ausgeklügelten Mechanismus in 2 bis 3 Sekunden gewechselt werden: Die Rohrwechselklappe wird aufgeklappt und der Lauf schwenkt zur, in Schussrichtung gesehen, rechten Seite aus und kann einfach nach hinten herausgezogen werden.



NATO - Bremse

Die so genannte "NATO - Bremse" ist nichts anderes als die Verschlusssperre im inneren des Verschlussgehäuses (Nr. 3 auf dem Bild des zerlegten Verschlusses). Diese soll verhindern, das sich der Verschluss nach der Schussabgabe zu früh entriegelt. Dieses war beim MG42 oft mit üblen Folgen für Benutzer und Waffe verbunden, da der Gasdruck noch nicht auf eine sicheres Niveau abgesunken war. Die Sperre wirkt auf den Verschlusskopf und wurde erstmalig beim MG 1 eingeführt. Warum aber NATO - Bremse? Da sich im Laufe der Entwicklung auch die Kadenz um ca. 300 Schuss senkte, wurde das neue Bauteil dafür verantwortlich gemacht. Dieses stimmt aber nur zum Teil, denn die Hauptlast der Reduzierung trägt die geänderte Verschlussfeder.



Rohr

Es gibt vier verschiedene Rohre:

 

  • Zugrohr aus Rohrstahl (4 Züge) 
  • Zugohr mit konisch-hartverchromter Bohrung (4 Züge)
  • Polygonrohr 
  • Polygonrohr mit konisch-hartverchromter Bohrung (höchste Lebensdauer)


Munitionsbehälter

Insgesamt existieren drei verschiedene Munitionsbehälter: 

 

  • Gurtkasten (Blech) mit 250 Schuss
  • Patronenkasten (Kunststoff) mit 120 Schuss (Zerfallgurt)/100 Schuss (Patronengurt) 
  • Gurttrommel (50 Schuss)


Zerlegtes Maschinengewehr

Zerlegter Verschluss

Verschluss von unten, die obere Verriegelungsrolle ist verriegelt, die untere nicht

Verschluss von oben

Versionen

  • MG 1 Nachkriegsfertigung, eingeführt als MG 42. Umbenennung auf MG 1 anlässlich Hauptinstandsetzung. Eingesetzt von Zweibein und auf Feldlafette. Einsatz ohne Trageriemen, Zweibein und Schulterstütze (ersetzt durch Gummikappe) als Blenden- und Fliegerabwehrmaschinengewehr.
  • MG 1A1 Nicht eingeführt.
  • MG 1A2 nicht eingeführt.
  • MG 1A3 Einführung neuer Rückstossverstärker.
  • MG 1A4 Blendenmaschinengewehr. Kein Trageriemen, Zweibein, Fla-Visier und Schulterstütze. Schulterstütze durch Gummikappe ersetzt. Kugelring am Rückstossverstärker.
  • MG 1A5 Blendenmaschinengewehr. Kein Trageriemen, Zweibein, Fla-Visier und Schulterstütze. Schulterstütze durch Gummikappe ersetzt. Kugelring am Rückstossverstärker.
  • MG 2 MG 42 Kriegsfertigung von 8 x 57 IS auf die NATO Patrone 7,62 x 51 mm umgerüstet. Änderungen betrafen Rohr, Zuführer und Verschluss.
  • MG 3 Weiterentwicklung des MG 1. Umbenannt nachdem keine Benennung in MG 1A7 erfolgen sollte. Halterung für Patronenkiste mit 100 Schuss. Zuführer Unterteil geändert, um Gurt DM 1, Zerfallgurt DM 13 und den amerikanischen Gurt M13 verschießen zu können. Vergrößerte Auswerferöffnung. Lamellenbremse am Zuführeroberteil. Weitere kleine Änderungen am Rohr, Gehäuse, Staubschutzdeckel, Verschlusssperre und Zweibein.
  • MG 3A1 Blendenmaschinengewehr. Kein Trageriemen, Zweibein, Fla - Visier und Schulterstütze. Schulterstütze durch Gummikappe ersetzt. Kugelring am Rückstossverstärker.
  • MG MRH 3 A3 Kriegsproduktion MG 42. Bei Manurhin auf 7,62 x 51 mm konvertiert und bei der Berliner Polizei eingeführt. Kein Fla Visier und geänderter Rückstossverstärker. 1989/90 ausgemustert und an die BW übergeben.
  • MG 3 E Versuch der Gewichtsreduzierung. Zweibein und Schulterstütze geändert. Nicht eingeführt, da keine zufrieden stellenden Ergebnisse erzielt wurden. Gewichtsersparnis ca. 1,7 kg.

Hinweise:
Die ersten 40.000 MG 1 Visierungen entsprechen der Ballistischen Kurve des MG 42 mit 8 x 57 IS Munition. Die Verschlüsse aller Versionen sind untereinander austauschbar.
Alle alten Versionen wurden ab 1968 nach und nach auf MG 3 bzw. MG 3A1 Standard aufgerüstet.



MG 3 von rechts

Hersteller

  • In Deutschland: Rheinmetall AG. Rohre werden u.a. von Heckler und Koch gefertigt.
  • Lizenznehmer: Pakistan, Österreich, Italien, Griechenland, Spanien, Türkei
  • Nutzerstaaten: Australien (auf Leopard 1 Panzern), Burma, Chile, Dänemark, Guinea - Bissau, Iran, Irak, Kap Verde, Lybien, Mauretanien, Mosambik, Nigeria, Norwegen, Portugal, Saudi Arabien, Sudan, Togo, und Tunesien. Es ist somit neben den russischen Waffen eines der verbreitetsten MG der Welt. Seit neuestem gehört auch Polen zum Kreis der Nutzer. Hier auf dem Leopard II Kampfpanzer.

Verwendung

Bei der Verwendung in der Infanteriegruppe wird das MG durch 2 Personen vorgenommen: Der sog. MG 1 als Schütze der Waffe und der MG 2, welcher den Schützen bei der Feuertätigkeit unterstützt. Auch trägt er das Ersatzrohr, den Ersatzverschluss sowie das Werkzeug. Die Munition wird auf alle Soldaten der Gruppe verteilt.
Darüber hinaus wird das MG 3 auf vielen Fahrzeugen wie beispielsweise dem Fuchs oder dem Leopard als Flugabwehrwaffe und achsparallel zur Hauptwaffe verwendet. Es kommt auch auf nicht gepanzerten Fz. zum Einsatz, wie z.B. dem 2 to Unimog oder den anderen LKW der Bundeswehr. Fliegerabwehrdreibein und ZwiSoLa (Zwillings Sockel Lafette) finden ebenfalls Verwendung. Zudem gibt es eine Ausführung mit Spatengriff ähnlich dem M2 der US Streitkräfte in den Hubschraubern der Heeresflieger für die "Doorgunner".
Bei schnell aufeinander folgenden Feuerstössen oder Dauerfeuer soll nach 150 Schuss der Lauf gewechselt werden.



linke Seite des MG 3

Bezeichnung der Waffe: Maschinengewehr 3
Hersteller: Rheinmetall
Länge: 1.225 mm
Gewicht: mit Zweibein, Trageriemen und Schulterstütze: 11,5 kg
mit Kugelring & Schulterkappe: 10,2 kg
Lauflänge: 565 mm
Zahl der Züge: bei Zug/Feldprofil 4
Drall: rechts
Kaliber: 7,62 x 51 mm
Gasdruck im Rohr: ca. 3.300 bar
Rücklaufweg Verschluss/Rohr: 8 mm
Rücklaufweg Rohr: 21 mm
Mündungsgeschwindigkeit: 820 m/s
Feuerrate: 1.200 +/- 50 Schuss/min
effektive Schussweite: 600 m (von Lafette bis zu 1.200 m )
größte Schussweite: 4.000 m
Munitionszufuhr/Magazingröße: zusammenfügbarer Gurt mit 50 Patronen oder Zerfallgurt mit 120 Patronen, diese Gurte werden im Verhältnis 2:3 mit Leuchtspur:Vollmantel bestückt.

Auf Lafette mit Zubehör


 

Text by Kreuz As, Korrektur: Delta, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007