MG 34




Das MG 34 ist in seinen Ursprüngen auf die Schlachten des Ersten Weltkriegs zurückzuführen, einem Krieg, in dem erstmals der Einsatz der schweren Maschinengewehre dem Kriegsgeschehen eine entscheidende Wendung gegeben hat. Während die schweren Maschinengewehre so manche breit angelegte Infanterieattacke unter unbeschreiblichen Verlusten der Angreifer abwehren konnten, suchte man im kaiserlichen Deutschland nach einer Möglichkeit, ein Einheits-Maschinengewehr zu entwickeln, das sowohl als ortsfestes, schweres MG auf einer Lafette in der Verteidigung dienen konnte, aber auch mit Zweibein den vorgehenden Truppen mobile Feuerunterstützung liefern konnte. Ein Produkt dieser Überlegungen war das MG 08/15, das allerdings immer noch zu schwer war, um es im Sturmangriff zu verwenden. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges traten dann die Bestimmungen des Versailler Vertrages in Kraft, welche die von Reichswehr und Industrie auch nach Ende des Krieges weiter betriebene Entwicklung neuer Maschinengewehre mit Verboten belegt hatte. Dennoch wurden - unter anderem im Ausland, wie etwa in der Schweiz - die Entwicklungen insgeheim fortgesetzt. Über mehrere Vormodelle und Prototypen, wie etwa dem MG Dreyse Modell 13 oder auch dem MG Steyr Solothurn S2-200 wurde die Entwicklung eines neuen Einheits-MG vorangetrieben. Neuen Aufwind für diese Forschungen ergaben Versuche der Heeresversuchsstelle Kummersdorf, in denen bewiesen wurde, dass die bisher als leichten Maschinengewehre bezeichneten Waffen sich mit Lafetten auch in Gefechtsaufgaben bewährten, in denen bisher schwere Maschinengewehre als unverzichtbar gegolten hatten. Allerdings war keines der bisher eingeführten Modelle in der Lage, als universell einsetzbares Maschinengewehr zu dienen. Die Forderungen, die an ein solches Modell gestellt wurden, waren allerdings auch immens: - Verwendung als leichtes MG auf Zweibein - Verwendung als schweres MG auf Lafette - Außerdem Verwendbarkeit in Gefechtsfahrzeugen, Flugzeugen und Festungen Des Weiteren wurde für die Flugabwehrfähigkeit eine Kadenz von 1.200 Schuss/min gefordert, doppelt so viel, wie es bisher für Erdkampf nötig gehalten wurde.

1929 fanden erste Versuche mit Waffen der Firmen Rheinmetall und des Konstrukteurs Vollmer statt. Nachdem diese Waffen abgelehnt wurden, arbeiteten die Firmen Rheinmetall und Mauser zusammen, um 1931 modifizierte Versionen ihrer Versuchswaffen vorzustellen. Doch erst eine erneut modifizierte Konstruktion, die Elemente aller ihrer Vorgänger vereinte, fand 1933 in den Augen der Militärexperten Zustimmung.
Das nun endlich als MG 34 bezeichnete Maschinengewehr wies einige Besonderheiten auf, die zum Teil sogar wegweisend für spätere Konstruktionen waren. Vom Funktionsprinzip her war das MG 34 ein luftgekühlter Rückstoßlader mit Drehzapfenverschluss und einem beweglichen Lauf, der sich in einem mit Kühlschlitzen versehenen Mantel befand. Neuerungen waren z.B. der Verschluss, der sich im Laufgehäuse bewegte, da man auf Gleitbahnen und Verschlusshülse verzichtet hatte. Durch das mit wenigen Handgriffen abnehmbare Bodenstück war gewährleistet, dass man unkompliziert den Verschluss auswechseln konnte. Außerdem hatten die Konstrukteure die Voraussetzungen geschaffen, um heiß geschossene Läufe schnell wechseln zu können. Dazu musste der Schütze nur den Verschluss zurückziehen, eine Sperrklinke lösen und das Gehäuse um 120° schwenken. Danach konnte man den heißen Lauf mit einem Spezialwerkzeug nach hinten aus dem Laufmantel ziehen und einen Ersatzlauf einführen. Wurde dann das Gehäuse in Richtung Lauf zurückgeschwenkt, war das MG 34 wieder einsatzbereit.
Obwohl die ersten Modelle noch mit Trommelmagazinen ausgerüstet waren, wurde bereits ein Jahr nach Produktionsbeginn das MG 34 auf Gurtzuführung umgestellt. Dazu musste nur der Trommelhalter gegen einen Gurtzuführer getauscht werden. Mit diesen Gurten erreichte das MG 34 eine Kadenz von ca. 800 bis 900 Schuss je min. Diese Waffe galt zu Beginn des 2. Weltkriegs als das modernste und konstruktiv ausgewogenste Maschinengewehr der Kriegsteilnehmer, hatte allerdings auch gravierende Nachteile.

Ironischerweise war einer dieser Nachteile die Tatsache, dass das MG 34 im Gegensatz zu anderen Konstruktionen eine Präzisionswaffe war. Bedingt durch hochwertige Materialien, die unbedingt mit sehr präzisen Werkzeugmaschinen bearbeitet werden mussten, war das MG 34 eine empfindliche Waffe, die eine sehr gut ausgebildete Mannschaft erforderte. Auch die Tatsache, dass die Waffe bei nicht typenreiner Munition zu Zuführstörungen neigte und auch bei extremen Minusgraden die Funktionssicherheit nicht immer gewährleistet war, trug viel zu den Nachteilen dieser Konstruktion bei. Im Endeffekt war allerdings auch der durch die Präzisionsfertigung sehr hohe Preis ausschlaggebend für die Ablösung des MG 34 durch das MG 42. So kostete damals das MG 34, welches 150 Stunden Produktionszeit brauchte, 312 Reichsmark, während das MG 42 nur 75 Arbeitsstunden in Anspruch nahm und nur 250 RM kostete.
Trotz alledem war das MG 34 bis im Frühjahr 1942 auf allen Kriegsschauplätzen im Einsatz. Das Problem der hohen Ausbildungszeit war in der Anfangsphase des Krieges eher nebensächlich, viel mehr machten die mangelnde Wintereignung und die Neigung verschmutzter Waffen zu Störungen den Soldaten zu schaffen. Dennoch war das 34er als leichtes MG auf Zweibein als auch im Einsatz als schweres MG auf der Dreibein-Lafette und als Fliegerabwehrwaffe erfolgreich. Ein englischer Autor allerdings brachte das Dilemma, dass die Wehrmacht eine Waffe besaß, die eigentlich zu gut für ihren Einsatz im Kriegsgeschehen war, auf den Punkt: "Der Einsatz einer so präzisen und ausgezeichneten Waffe im rauen Kriegsgeschehen war, als würde man einen Rolls Royce zum Pflügen eines Ackers benutzen."
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kam das MG 34 noch in einigen Ländern zum Einsatz. So wurde es in Portugal als Modell 944 bis Mitte der 70er Jahre genutzt und auch in Vietnam, der CSSR, Frankreich und Israel war es noch einige Jahre im Gebrauch.



Das MG 34 als schweres MG auf Lafette

Bezeichnung der Waffe: Maschinengewehr 34
Hersteller: diverse Hersteller
Länge: 1.225 mm
Gewicht: 11,5 kg mit Zweibein
Lauflänge: 625 mm
Zahl der Züge: 4
Drall/Dralllänge: Rechtsdrall mit 240 mm Länge
Kaliber: 7,92 x 57
Mündungsgeschwindigkeit: 755 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 3.600 J bis 4.956 J
Feuerrate: 800 bis 900 Schuss/min
effektive Schussweite: 1.200 m als lMG, 3.500 m als sMG
Munitionszufuhr/Magazingröße: Trommelmagazin mit 50-75 Schuss,Gurt mit 300 Schuss
Stückpreis: Waffe 312 RM, Zweibein 15 RM, Lafette 400 RM
Produktionszahlen: 400.000 Stück insgesamt, selbst im letzten Kriegsjahr von Jan. 1945 bis Kriegsende noch ca. 20.000





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Text by Landser 95. Letztes Update:  7. September 2007