MILAN

(Missile d`Infanterie Léger ANtichar)


Die Waffenanlage auf langem Dreibein.

Panzerabwehrlenkraketen (PALR) haben seit Ihrer Einführung 1955 die Panzerbekämpfung radikal revolutioniert. Waren vorher Pak, Panzerabwehrminen, Panzerfäuste oder geballte Ladungen die einzigen Mittel gegen gepanzerte Fahrzeuge, so gab es nun eine effektive Möglichkeit, diese auch während des Manövrierens auf dem Schlachtfeld zu "knacken". Deutlich wurde dies unter anderem im arabisch-israelischen Krieg 1973. Dort wurden über 50% der Panzer von PALR zerstört. Mitte der 70er Jahre entwickelten Aerospatiale (Frankreich) und MBB (Deutschland) die MILAN (Missile d´Infanterie Léger ANtichar). Die Rakete wird drahtgelenkt und kann vom SPz Marder, TPz Fuchs und abgesessen verschossen werden. In der Bundeswehr sind Panzergrenadiere, Jäger und Pioniere damit ausgerüstet. Letztere haben als Transportmittel den MILAN-Wolf. Der Unterschied zum normalen Geländefahrzeug Wolf besteht darin, dass sich anstatt des vierten Sitzes hinten ein Gestell befindet, an dem die MILAN mit allen Teilen, dem MIRA und 8 Flugkörpern, befestigt wird. Die gesamte Anlage ist zudem lufttransportfähig und wird dazu in einer speziellen Transportkiste verpackt. In dieser Form kann sie auch mit dem Fallschirm abgeworfen werden.



Technik

In der MILAN kommt das SACLOS-Steuersystem (Semi Automatic Command to Line of Sight) zum Einsatz. Bei früheren PALR mußte der Richtschütze das Ziel und den Flugkörper im Auge behalten, hier braucht er nur das Zielkreuz der Optik auf das Ziel zu richten. Das SACLOS-System funktioniert folgendermaßen: Nach dem Abschuss der Rakete bleibt der Richtschütze mit dem Zielkreuz auf dem Zielobjekt. Am Heck des Flugkörpers befindet sich ein Infrarotsender, der ständig seine Position an das SACLOS-System in der Waffenanlage sendet. Mit Hilfe dieses Signals steuert die Lenkelektronik die Rakete genau dahin, wohin der Richtschütze das Zielkreuz richtet. Bewegt sich das Ziel, bleibt der MILAN-Schütze drauf und lenkt die Rakete somit halbautomatisch. 
Die Waffenanlage besteht aus Startschiene, Lenkelektronik, MIRAhalter, Tragegriff, kurzem Dreibein und der Optik, die 7fach vergrößert. Zusätzlich kann die komplette Waffenanlage auf ein langes Dreibein geklemmt werden und erreicht so eine Höhe von ca. 1,20 m. Die Rakete befindet sich in einem Startrohr und ist somit handlich und wartungsfrei. Außerdem enthält das Startrohr auch den Draht, der sich nach dem Abschuß abspult und ca. 2.000 m lang ist. In den 80er Jahren wurden die MILAN-Systeme mit dem Wärmebildgerät MIRA (MILAN InfraRot Adapter) ausgestattet. Die MIRA wird auf einer dafür vorgesehene Schiene arretiert. Sie ermöglicht die Bekämpfung von Zielen bei Nacht und bei Nebel. Während in der BW die MIRA mit Strom arbeitet (aus Akkus oder mit Hilfe der Stromversorgung durch das Transportfahrzeug), um die Sensorik abzukühlen, benutzt zum Beispiel die britische Armee Ein-Weg-Kühlpatronen, die den Geräuschpegel erheblich senken, aber auch kleiner und leichter als die Akkus und die dazugehörige Stromversorgungseinheit der BW sind.



Einsatz

Eingesetzt wird die MILAN zur Bekämpfung von gepanzerten und leicht gepanzerten Zielen. Bei den Panzergrenadieren und Jägern kann sie direkt vom Fahrzeug (SPz Marder oder TPz Fuchs) verschossen werden. Bei den Pionieren wird die Waffenanlage außerhalb des MILAN Wolfes in Stellung gebracht und hauptsächlich zur Überwachung von Minenfeldern und zur Sicherung bei pioniertechnischen Arbeiten eingesetzt. Zum Milantrupp gehören meist zwei Mann: der MILAN-Truppführer und der Richtschütze. Bei den Pionieren wird der MILAN-Wolffahrer ebenfalls zum Richtschützen ausgebildet und fungiert als Ersatz bei Ausfall. Durch das Wärmebildgerät MIRA wird die Waffenanlage auch zur Aufklärung bzw. Gefechtsfeldüberwachung eingesetzt.
Nach dem Abfeuern der Waffe verlässt der Flugkörper das Startrohr und dieses wird nach hinten ausgeworfen. Die Rakete verliert kurz an Höhe, bevor sie genügend Schub entwickelt. Die Aufgabe des Richtschützen besteht nun darin, den Flugkörper in das Ziel zu lenken. Dazu richtet er das Zielkreuz der Optik auf das Fahrzeug und kann diesem auch folgen, wenn es in Bewegung ist. Um dies zu ermöglichen, lässt sich die gesamte Waffenanlage auf dem Dreibein drehen und neigen. Die Lenkelektronik wandelt diese Bewegungen in elektronische Signale um, und sendet der Rakete die entsprechenden Befehle über den Draht, der während des Fluges Waffenanlage und Flugkörper verbindet. Der Richtschütze sollte, wie allgemein üblich, zwischen Turm und Wanne des Panzers treffen. Ein Frontalangriff sollte vermieden werden. Die MILAN 2, die derzeit in den Bundeswehrbeständen ist, durchschlägt 1.000 mm, die MILAN 3 1.200 mm Panzerstahl mit ihrer Hohlladung. Mit der weiterentwickelten MILAN 3 können auch reaktiv gepanzerte Fahrzeuge erfolgreich bekämpft werden.
Der sich abspulende Steuerdraht ist allerdings sehr empfindlich. Eine Berührung durch Äste, Zweige oder ähnliches kann zur vorzeitigen Explosion der Rakete führen. Bricht der Kontakt zur Lenkelektronik z.B. durch ein Reißen des Drahtes ab, oder wurde die maximale Drahtlänge von ca. 2.000 m abgespult, hat dies ebenfalls die vorzeitige Zerstörung des Flugkörpers zur Folge. Strom- oder Telefonleitungen stellen zudem eine Gefahr dar, und darum sollte nur ausreichend davon entfernt oder weit genug darunter durch geschossen werden. Aus Sicherheitsgründen wird die Rakete, ähnlich wie bei einem Torpedo, erst nach 75 m scharf. Die sinnvolle Kampfentfernung beginnt dort, wo die der PzFst 3 aufhört, sprich bei 300 m.



Hier sieht man wie der Richtschütze hinter der Waffenanlage kniet. Mit der rechten Hand verstellt er den Neigungswinkel mit Hilfe eines Drehgriffes (ähnlich dem Gas geben beim Motorrad) und korrigiert so die Flugbahn des Flugkörpers in der Vertikalen.

Bezeichnung des Flugkörpers: MILAN (Missile d´Infanterie Léger Antichar)
Typ: Panzerabwehrlenkrakete
Hersteller: Aerospatiale (Frankreich) & MBB (BRD),heute EADS
Stückpreis: 70er Jahre: 117.000 DM,
heute: ca. 7.700 EUR (entspricht etwa 15.000 DM)
Indienststellung: Ende der 70er Jahre
Antrieb: Festtreibstoff
Höchstgeschwindigkeit: 720 km/h
Reichweite: max. 2.000 m
Gewicht: Flugkörper mit Startrohr: 5 kg
Länge: Startrohr: 1,2 m,
Flugkörper: 0,75 m
Durchmesser: Startrohr: 15 cm
Spannweite: 26,5 cm
Zielsuchsystem: halbautomatisch drahtgelenkt, SACLOS-System
Zünder: zündet bei Aufschlag (Hohlladung)

So sieht der Richtschütze sein Ziel vor dem Abschuss. Er visiert es mit der Kimme (Visierpunkt 1) an. Nach dem Abschuss senkt sich die Waffenanlage automatisch und nun wird die Rakete mit dem Zielkreuz (Visierpunkt 2) in der Mitte ins Ziel gelenkt. Der Schütze orientiert sich am Leuchten des Feuerstrahls der Rakete. Ist das Ziel näher als 300 m muss der Richtschütze manuell mit der Kimme anrichten.


 

Text by VaderT, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007