Panzerfäuste der Wehrmacht



Panzerfaust 60


Im Sommer 1944, als das Schicksal des deutschen Reiches schon besiegelt war, wurde mit einem riesigen Propagandaaufwand eine neue Panzerabwehrdistanzwaffe in den Dienst gestellt. Dadurch erhoffte man sich eine moralische Verbesserung der Truppe und die effektive Bekämpfung der vielen gegnerischen Panzereinheiten. Die Vorteile der Panzerfaust waren die einfache Bedienung und Einweisung, die geringen Produktionskosten und eine effektive Durchschlagskraft. Dem standen aber auch Nachteile gegenüber: häufige Blindgänger, geringe Reichweite und Bedienungsfehler durch schlecht ausgebildete Soldaten (Volksturm). Die hohe Durchschlagskraft der Panzerfaust beruht auf der Hohlladung, die sich im Sprengkopf befindet. Die Hohlladung war schon im Ende des 18. Jahrhunderts bekannt, aber militärisch wurde sie erstmals am 10.5.1940 bei der Eroberung des Forts Eben Emael von deutscher Seite aus eingesetzt. Die Effektivität einer Hohlladung liegt darin, dass sie weder von der Auftreffgeschwindigkeit oder der Schussweite abhängig ist und dadurch eine ideale Angriffswaffe gegen gepanzerte Ziele ist. Die Durchschlagskraft ist wiederum von der Art des Hohlkegels und des verwendeten Sprengstoffes abhängig. Der entscheidende Nachteil auf die Durchschlagskraft ist der Drall der durch die Zentrifugalkraft ausgelöst wird. Dadurch eiert die Hohlladung auf das Ziel und der Energiestrahl ist deswegen nicht mehr so durchschlagkräftig, da sich die Energie auf einer grösseren Fläche verteilen kann. Dieses Problem wurde durch ein Leitwerksstabilisierung gelöst (ab der Panzerfaust 150) und dieses Hohlladungsprinzip ist auch in der modernen Panzerbekämpfung aktuell und verbessert worden.



Ein Hohlladungssprengkopf besteht aus einem hohlen mit Sprengstoff gefüllten Kegel. Die Spitze ist mit einer hohlen Kappe bedeckt, die zum Schutz des Sprengmittels dient und dieses bei einer Detonation auch zündet.

Beim Aufprall auf das Ziel wird der Sprengstoff gezündet und die Explosion wird durch die Trichterform zu einer resultierenden Kraft gebündelt, die in Richtung der zu durchschlagenden Panzerung zeigt. Die vektorielle Addition der einzelnen Sprengkräfte im Hohlladungskegel führt somit zu einem auf einen Punkt konzentrierten Energiestrahl aus Explosionsgasen. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 8.000 m/s beziehungsweise einem Druck von mehr als 10 Millionen kg/cm² schießt dieser Jet auf die Panzerung.

Das Metall wird durch die enorme Hitze von über 8.000° Celsius sofort geschmolzen oder verdampft gar. Die hohe kinetische Energie des Jets beschleunigt nun auch diese Partikel und es entsteht ein Plasmastrahl, der weitere Schäden anrichtet. Dieser Effekt kann durch einen im Hohlladungsgsprengkopf angebrachten Metallstab noch verstärkt werden.

 Panzerfaust 30 klein (Faustpatrone 30)

Die Panzerfaust 30 klein, auch Gretchen genannt, wurde im Jahre 1941/42 durch den Forscher Dr. Langweiler bei der Firma HASAG entwickelt. Da die Sowjetunion in dieser Zeit ihre grosse Gegenoffensive durchführte, kam diese Waffe wie gerufen für die Panzerbekämpfung. Weil die Panzerbüchsen nicht die Panzerung der Panzer durchschlugen und Panzerabwehrgeschütze zu unbeweglich im Morast waren, wurde die Panzerfaust 30 klein von den Truppen mit Freuden aufgenommen. Erstmals wurde das Prinzip einer rückstoßlosen Kanone mit eine Rakete kombiniert. Das Modell Faustpatrone klein, 30 m, war ein typische Einwegwaffe und besass ein Gewicht von 3,2 kg bei einer Gesamtlänge von 985 mm. Durch eine 54 g schwere Treibladung aus Schwarzpulver wurde der 360 mm lange und 100 mm breite Kopf, der eine Hohlladung von 0,4 kg einer 50:50 Hexogenmischung trug, aus dem 800 mm langen Verschlussrohr vom Kaliber 33 mm ausgestossen. Am Heck des in den Kopf eingesetzten Holzschaftes entfalteten sich dann die zusammengerollten Leitwerksflächen. Mit 28 m/s flog der Kopf dem Ziel zu und durchschlug bei 30 m eine 140 mm starke Panzerung.

 

 Panzerfaust 30

Die Panzerfaust 30, 30 m war ein Weiterentwicklung der Faustpatrone 30. Man hatte festgestellt, dass die Hohlladung besonders beim T-34 durch die schräge Panzerung wegrutschte und dadurch nicht mehr so effektiv war. Man änderte deshalb die Breite auf 140 mm und die Sprengstoffmenge auf 0,8 kg, so dass man eine grössere Auftrittsfläche erreichte. Die Durchschlagskraft betrug 200 mm, die Länge des Abschussrohres blieb gleich, nur die das Kalibers wurde auf 44 mm vergrössert und die Treibladung wurde auch auf 95 g erhöht. Der Kopf war 2,9 kg schwer und erreichte eine Geschwindigkeit von 30 m/s. Das gesamt Gewicht dieser Einwegwaffe war 5,1 kg und sie war 1.045 mm lang. 

 

 Panzerfaust 60

Da bei der Panzerfaust 30 die effektive Reichweite zur Panzerbekämpfung nur 30 m betrug und diese Entfernung sehr unsicher für die Schützen war, wurde die Panzerfaust 30 zur Panzerfaust 60, 60 m weiterentwickelt. Die Treibladung war nun 134 g schwer, wodurch die Geschwindigkeit auf 45 m/s anstieg und die effektive Reichweite auf 60 m gesteigert wurde. Die technischen Daten waren mit Ausnahme der oben genannten Veränderungen dieselben wie bei der Panzerfaust 30.

 

 Panzerfaust 100

Da man merkte, dass man mit einer weiten Kampfentfernung viel effektiver gegnerische Panzer ausschalten konnte, wurde die Panzerfaust 100, 100 m entwickelt. Man erreichte diese effektive Reichweite von 100 m durch eine zweiteilige Treibladung, die 190 g wog, und man erzielte damit eine Geschwindigkeit von 60 m/s. Da es auch nur eine Weiterentwicklung war, sind die technischen Daten dieselben wie bei der Panzerfaust 30.

 

 Panzerfaust 150

Die Panzerfaust 150, 150 m war auch eine Weiterentwicklung, der bis dahin entwickelten Panzerfäuste 30 klein, 30, 60 und 100. Sie wurde im Januar 1945 entwickelt und zwar von der Firma HASAG. Das Besondere an dieser Waffe war, dass sie einige Stabilisierungsflächen besass, um eine stabilere Flugbahn zu erreichen. Dadurch wurde eine höhere Reichweite von 150 m und eine bessere Durchschlagskraft erreicht. Durch eine größere Treibladung stieg die Projektilgeschwindigkeit auf 85 m/s. Das Abschussrohr wurde ebenfalls verstärkt und dadurch konnte man damit bis zu zehnmal schiessen. Es hatte aber die selben Abmessungen wie die oben genannten Panzerfäuste, da man Herstellungskosten sparen wollte. Durch die Benutzung eines neuen Zündungsmechanismuß konnte das Gewicht des Sprengstoffes und die Sprengkraft im Verhältnis zur Panzerfaust 100 gehalten werden, obwohl der Sprengkopf kleiner wurde. Die Länge des Kopfes betrug 560 mm und die Breite 106 mm, die Breite der Leitflächen 140 mm. 

 

 Panzerfaust 250

Die Panzerfaust 250, 250 m war eine Weiterentwicklung der Panzerfaust 150. Das Abschussrohr war auch wiederbeladbar, hatte ein Pistolengriff, und das Projektil sollte eine Geschwindigkeit von 150 m/s haben. Diese Waffe ist nie in Produktion gegangen, da der Krieg davor zu Ende war.

 

 sonstige Panzerfäuste

Es gab noch folgende Modelle, die teilweise in der Entwicklung waren, oder zur Probe vom Heer getestet wurde: Brandfaust, Flammenfaust, Gasfaust, Fliegerfaust, Luftfaust und die Schrappnellfaust, die 8 kg schwer war und in einer Höhe von 2 bis 3 m explodierte und eine Reichweite von 400 m besass.



Panzerfaust 150

Bezeichnung der Waffe: Panzerfaust 30 klein Panzerfaust 60 Panzerfaust 150
Hersteller: HASAG Hugo Schneider AG, Werk Schlieben HASAG Hugo Schneider AG Lampenfabrik in Leipzig HASAG Hugo Schneider AG
Länge: 985 mm 1.045 mm 1.045 mm
Gewicht: 3,2 kg 6,10 kg 6,80 kg
Lauflänge: 800 mm ? ?
Kaliber: 33 mm 44 mm 44 mm
Treibladung (Schwarzpulver): 54 g 134 g ?
Hohlladungskegeldurchmesser: 100 mm 140 mm 106
Sprengladung (1:1 Mischung von TNT und Trihexogen.): 400 g 800 g 800 g
Projektilgeschwindigkeit: 28 m/s 45 m/s 85 m/s
effektive Schussweite: 30 m 60 m 150 m
Durchschlagsleistung: 140 mm 200 mm 200 mm
Lebensdauer: 1 1 10

Soldat mit Panzerfaust 30

Volkssturmmann mit Fahrrad und Panzerfäusten (Technikmuseum Sinsheim)



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Text by Tank/UncleK/Bumrush. Letztes Update:  7. September 2007