Pistole P 08




Geschichte

Um die P 08 rankt sich manche Legende, und ein echter Hollywood-Film über den Zweiten Weltkrieg ist nicht authentisch, wenn nicht eine P 08 auftaucht, mit der ein (böser) "Kraut" herumfuchtelt. Dass diese Waffe ursprünglich bereits 1908 beim kaiserlichen Heer in Dienst gestellt wurde (darum die Bezeichnung "Pistole 08"), und dass nicht nur ein gewisser Herr Luger, nach dem die Pistole im amerikanischen Sprachgebrauch oft bezeichnet wird, sondern auch ein Herr Borchardt maßgeblich entscheidend für den Bau dieser Waffe war, ist leider nicht so sehr bekannt.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entwickelte der Konstrukteur Hugo Borchardt den Kniegelenk-Verschluss, der auch im Maschinengewehr MG 08 verwendet wurde, und konstruierte daraufhin den Grundtyp dieser Waffe. 1899 brachte die Firma DWM eine durch Georg Luger verbesserte Waffe heraus, aus welcher schließlich in ihren weiterentwickelten Versionen die P 08 geschaffen wurde. Eine dieser Varianten wurde schließlich 1908 als "Pistole 08" in das kaiserliche Heer eingeführt, wo sie die zuvor verwendeten Revolver Modelle 79 und 83 verdrängte. 1913 wurde noch eine Version der P 08 mit langem Lauf  (203 mm) bei der Artillerie und den Festungsbesatzungen eingeführt. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges lieferte allein die Firma DWM 250.000 Stück an das kaiserliche Militär aus, wobei man insgesamt von einer Produktion von über 1,5 Millionen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ausgeht.  Wie allgemein bekannt sein dürfte, verloren Deutschland und seine Verbündeten den Ersten Weltkrieg und unterlagen danach dem Versailler Vertrag, welcher - in den Augen der Siegermächte - ein für alle Mal die Gefahr eines militärisch starken Deutschlands, welches als alleiniger Kriegsverursacher angesehen wurde, bannen sollte. Unter anderem erlegte das Vertragswerk der Waffenentwicklung und -produktion schwere Beschränkungen auf. So wurde unter anderem die Produktion von Faustfeuerwaffen über dem Kaliber 8 mm verboten. Als Folge dieses Vertrages wurden nur noch die Ausführungen der P 08 in Kaliber 7,65 mm produziert. Nur einer einzigen Firma (Simson & Co. in Suhl) war es offiziell erlaubt, weiterhin für Reichswehr und Polizei in Kaliber 9 mm Parabellum zu produzieren. Allerdings wurden in dieser Zeit etliche Pistolen für den Export hergestellt, die in folgende Länder verkauft wurden: USA, Niederlande, Finnland, Lettland, Portugal, Persien, Spanien, Peru, Brasilien, Bulgarien und Türkei. 1930 wurde die Produktion dann nach Oberndorf zur Mauser AG verlagert und von dort aus weitergeführt. Die Mauser P 08 spielten dann bei der Wiederbewaffnung der Wehrmacht eine gewichtige Rolle.



Technik

Zu der Technik der Waffe: Die P 08 ist ein Rückstoßlader mit kurz zurückgleitendem Lauf und einem nach oben aufknickendem Kniegelenk-Verschluss. Im Griffstück ist ein Stangenmagazin mit einer Kapazität von 8 Patronen 9x19 mm. Die Visierung besteht aus einer festen V-Kimme und einem Dachkorn, die Sicherung wird über einen Sicherungshebel an der linken hinteren Gehäuseseite betätigt. Im Gegensatz zu ihrer Nachfolgerin, der P 38 (die vielen altgedienten Bundeswehrlern unter dem Begriff P 1 bekannt sein dürfte), besitzt die P 08 keine Spannanzeige. Zwar war diese Waffe vom Prinzip her eine sehr zuverlässige und treffsichere Pistole, allerdings muss man dazu sagen, dass sie als Dienstwaffe eigentlich zu empfindlich und kompliziert ist. Der Kniegelenk-Verschluss erfordert in der Herstellung eine präzise Bearbeitung und reagiert empfindlich gegen Staub und Schmutz. Außerdem erfordert die Verriegelung durch diese Art Verschluss eine genauestens auf die Trägheit und Bewegung des Verschlusses abgestimmte Pulvermenge in der Patrone (mit fachmännischen Worten: eine exakt laborierte Parabellum Patrone), denn wenn stärker laborierte Munition verwendet wird, kann dies dazu führen, dass durch den erhöhten Gasdruck sich der Verschluss schon dann entriegelt, bevor der Gasdruck nicht auf ein für Schütze und Waffe ungefährliches Maß gesunken ist. Als geringstes Problem sind dann Verklemmungen und Ladehemmungen oftmals nicht zu vermeiden.
Allerdings war es damals weniger die Schmutzanfälligkeit, welche die Wehrmacht zu einem Wechsel der Dienstwaffen bewogen hat, sondern vielmehr die sehr hohen Produktionskosten und -zeiten. Für die Herstellung einer P 08 waren 778 unterschiedliche Arbeitsgänge erforderlich, davon 642 maschinell und die restlichen per Hand. Dies war der Hauptgrund, warum mit der P 38 ein Nachfolger für die P 08 eingeführt wurde. Ab 1942 wurde offiziell die P 08 als Dienstwaffe abgeschafft, aber allein die Tatsache, dass die Wehrmacht im Laufe des Krieges nie genügend einheitliche Waffen, egal welcher Art, hatte, ließ diese Pistole bis 1945 überleben. Die meisten Frontsoldaten hatten es sich damals sowieso zum Grundsatz gemacht, immer eine Pistole zusätzlich zum Gewehr oder der Maschinenpistole zu führen, und außerdem verschoss die P 08 ja dieselbe Munition wie ihre Nachfolgerin, so dass es eigentlich keinen triftigen Grund für einen Wechsel gab.
Nach 1945 wurden viele dieser beinahe schon legendären Pistolen als hochgeschätzte Kriegstrophäen in die Heimat der alliierten Soldaten gebracht, die damals Deutschland besetzt hatten. Vor allem in den USA waren die "Luger", wie man dort die P 08 nannte, hochbegehrt und manch ein G.I. hatte sich somit ein "Souvenir" aus Deutschland mitgebracht. Auch heute noch umgibt eine ganz besondere Aura diese Pistole, die sich mit Waffen wie dem Colt "Peacemaker" oder dem Colt 1911 den Status eines Klassikers teilt.



Eine P 08 mit ihrer Munition 9x19 Parabellum

Bezeichnung der Waffe: Pistole P 08
Hersteller: DWM, ab 1930 Mauser
Länge: 222 mm
Gewicht: 0,877 kg
Lauflänge: 103 mm
Zahl der Züge: 6
Drall: Rechtsdrall
Kaliber: 9x19 mm Parabellum/ 7,65 mm
Mündungsgeschwindigkeit: 320 m/s (9 mm Para)
Mündungsenergie des Projektils: 490 J (9 mm Para)
Feuerrate: Einzelschuss
effektive Schussweite: 50 m Einsatzschussweite
Munitionszufuhr/Magazingröße: Stangenmagazin mit 8 Schuss
Stückpreis: ohne Angabe



Interne Links zum Thema

Patrone 9 mm Parabellum



Weiterführende Literatur/Links

Handbuch/Manual zu dieser Waffe bei www.gunmanuals.ch
Explosionszeichnung zu dieser Waffe beim Schützenverein Mittleres Erzgebirge e.V.



 

Text by Landser 95. Letztes Update:  7. September 2007