Walther P 38



Die Tatsache, dass die P 38 bereits seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz ist, bestätigt das hohe Ansehen dieser robusten Waffe. Die als Rückstoßlader im Kaliber 9 mm Parabellum ausgelegte Pistole wurde von Walther ab 1938 in Serie produziert, und sollte die Pistole 08 als neue Ordonnanzseitenwaffe der Wehrmacht ablösen. Die P 38 war, nach der Walther PP, eine der ersten Waffen mit wirklich sicherem Spannabzugsmechanismus. Wenn die Waffe fertig geladen ist, und sich eine Patrone im Lauf befindet, kann der Schlagbolzen gesichert (Sicherungshebel auf Position S) und der Hahn heruntergelassen werden. So kann die Waffe sicher getragen werden und wenn es darauf ankommt, genügt, dank des Double Action-Abzugs, ein Druck auf den Abzug und der Schuss wird abgefeuert. Dieses Prinzip verwenden heute die meisten halbautomatischen Pistolen. Bei der Schwenklaufverriegelung der P 38 gehen nach dem Abfeuern, durch den Rückstoß, der Lauf und der Schlitten zunächst gemeinsam zurück, bis der Lauf einrastet und der Schlitten allein weiter zurückläuft. Dabei zieht er die Hülse aus der Kammer und wirft sie nach oben heraus. Wenn der Schlitten die hinterste Position erreicht hat und die Schlagbolzenfeder gespannt und eingerastet ist, hat die nächste Patrone im Magazin Platz und wird von der Magazinfeder um einige mm nach oben gedrückt. Wenn der Schlitten nun wieder zur Vorwärtsbewegung übergeht, schiebt er diese Patrone in den Lauf und die Waffe ist wieder feuerbereit. An der linken Magazinseite befindet sich ein kleiner Holm, welcher mit der Magazinfeder verbunden ist, so dass immer, wenn ein Schuss abgefeuert wird, dieser ein kleines Stück nach oben wandert. Befindet sich nun keine Patrone mehr im Magazin, so hat der Holm seinen höchsten Stand erreicht und stößt gegen den Verschlussfanghebel, der nun beim letzten Schuss den Schlitten am Vorschnellen hindert. Jetzt braucht man nur noch das Magazin zu wechseln und den Verschlussfanghebel zu betätigen, der Schlitten schnellt nach vorn, führt eine neue Patrone ein und schon ist die Pistole wieder einsatzbereit. Genau wie bei ihren Vorfahren, der PP und der PPK, besitzt auch die P 38 einen kleinen Stift über dem Hahn, welcher anzeigt ob sich eine Patrone in der Kammer befindet. Es waren wohl hauptsächlich diese Sicherheitsmerkmale, welche dazu führten, dass die Waffe 1938 von der Wehrmacht eingeführt wurde. Walther bot dem Heer zwar zunächst nur eine PP im Kaliber 9 x 19 mm an, diese wurde aber abgelehnt. (Das normale Kaliber der PP betrug 9 mm kurz (9 x 17 mm)). Die P 38 gewann bei der Truppe schnell an Beliebtheit, konnte ihre Vorgängerin, die Pistole 08 jedoch bis 1945 nie vollständig ablösen. Da Walther in Zella-Mehlis in Thüringen als Haupthersteller (Kriegscode: „ac“ und Jahreszahl, zum Beispiel ac 42) während des Krieges nicht alleine P38 in genügender Stückzahl herstellen konnte, wurden noch weitere Herstellerfirmen mit der Herstellung beauftragt. Es waren dies nebst Walther die Firmen Mauser, Oberndorf („byf“) und die Spreewerke aus Berlin Spandau („cyq“ bzw. ab 1945 „cvq“).



Nachdem die Bundeswehr anfangs noch den Colt M1911A1 als Ordonnanzpistole nutze, suchte sie jedoch schon bald eine Waffe, die im selben Kaliber wie ihre Maschinenpistolen (9 x 19 mm) gehalten war. Und so wurde die Walther P 38 ab 1957 wieder von deutschen Einheiten eingesetzt, nun unter der neuen Bezeichnung P 1. Der wichtigste Unterschied zur ursprünglichen P 38 ist das Griffstück, das nun nicht mehr aus Stahl sondern aus Leichtmetall besteht, was der Waffe eine Gewichtseinsparung von etwa 160 g einbrachte. Ansonsten erfolgten nur kleine Änderungen an Schlagbolzen und Sicherung. Die Waffe ist heute bei mehreren Armeen im Einsatz, neben Deutschland, wo die P 1 seit Mitte der 1990er Jahre durch die P 8 von H&K ersetzt wird, nutzen sie unter anderem auch die Streitkräfte von Portugal, Norwegen und Chile. Da die Pistole für eine Militärwaffe gute Eigenschaften besitzt; sehr sicher, robust, gut ausbalanciert und präzise; kam man erst Anfang der 90er bei der Bundeswehr zu dem Entschluss, sie abzulösen. Ihre einzigen Nachteile im Wettkampf mit moderneren Faustfeuerwaffen sind eine zu geringe Magazinkapazität (8 Schuss im Vergleich zu durchschnittlich 14 Schuss und mehr), außerdem werden bei der Herstellung keine leichten und kostengünstigen Polymere verwendet. Trotzdem ist und bleibt die P 38 auch weiterhin ein von vielen Sammlern und Sportschützen begehrtes Objekt.



Bezeichnung der Waffe: Pistole P 38/ P 1
Hersteller: Carl Walther GmbH, Ulm
Länge: 216 mm
Breite: 37 mm
Höhe: 137 mm
Gewicht: 960 g (P1: 800 g ungeladen)
Lauflänge: 125 mm
Zahl der Züge, Drall: 6, Rechtsdrall
Kaliber: 9 mm Parabellum
Mündungsgeschwindigkeit: 356 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 508 J
Feuerrate: Halbautomatik
effektive Schussweite: 50 m
größte Schussweite: 1.500 m
Magazingröße: 8 Schuss
Stückpreis: 859 EUR

original Abnahmestempel auf dem Verschluss und die nachträglichen Beschussstempel auf dem Griffstück

Kadetten der US Air Force Academy schießen bei dem Besuch eines deutschen Luftwaffenstützpunktes mit der P 1 (April 1982, Picture by US Air Force).



Interne Links zum Thema

Patrone 9 mm Parabellum



Weiterführende Literatur/Links

Explosionszeichnung zu dieser Waffe beim Schützenverein Mittleres Erzgebirge e.V.



 

Text by Overlord, Kreuz As, UncleK. Letztes Update: 14. July 2009