Colt Modell 1911



Das Modell 1911 war ein wichtiger Beitrag der Colt Company zur Waffenentwicklung im frühen 20. Jahrhundert. Die 1911 findet sich auch 90 Jahre nach ihrer Entwicklung noch im Dienst vieler Armeen. In der US-Armee wurde sie erst Anfang der 90er Jahre durch Pistolen der italienischen Firma Beretta im Kaliber 9 x 19 mm ersetzt.
Die US-Armee brauchte damals zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu 5 Jahre für ihre Tests, an deren Ende fest stand, dass die neue Pistole von Colt die beste und zuverlässigste aller erprobten Waffen war. Daraufhin wurde 1911 die sofortige Übernahme dieser Waffe angeordnet und obwohl man bei Colt mit diesem Ausgang der Testreihen gerechnet hatte, brauchte das Unternehmen einige Zeit um große Stückzahlen liefern zu können. Als dann der Erste Weltkrieg über die Welt hereinbrach, wurde die Pistole auch von verschiedenen Herstellern in Lizenz hergestellt und damit begann der nicht mehr enden wollende Siegeszug der Modell 1911. Noch heute bauen viele Sportpistolen auf dem Prinzip der 1911 auf.
Die Pistole ist im Grunde simpel wie genial. Sie beruht auf Brownings Standardprinzipien, die schon in vorangegangenen Konstruktionen Verwendung fanden. Da es jedoch viele Verfeinerungen und Verbesserungen gab, wurde sie als eigene Konstruktion angesehen. Die Pistole besteht aus drei wesentlichen Teilen: Griffstück, Schlitten und Lauf. Das Griffstück beinhaltet das Magazin und hat eingefräßte Nuten zur Aufnahme des Schlittens. Der Schlitten wird von vorne auf das Griffstück geschoben. Ein Anschlag verhindert, dass der Schlitten bei technischen Defekten nach hinten von der Pistole geschleudert wird. Dies war ein Manko vieler vorangegangener Pistolen. Der Lauf wird mittels einer im Rahmen vernieteten Kupplung gehalten. Wenn der Schlitten in vorderster Position steht, wird der Lauf nach oben gedrückt und verriegelt mittels Nocken im Schlitten. Bewegt sich der Schlitten nach hinten, durch Schuss oder manuell von Hand, nimmt er den Lauf ein Stück mit. Dann zieht die Kupplung die Nocken aus ihrem Sitz. Der Schlitten öffnet das Patronenlager und die Hülse wird ausgezogen. 
Bei leer geschossenem Magazin hält der Schlittenfanghebel den Schlitten in der hintersten Position fest. Dies geschieht durch eine kleine Klinke im Magazin, die den Schlittenfanghebel nach dem Zuführen der letzten Patrone nach oben drückt. Dadurch braucht man nach dem Einführen eines neuen Magazins nur noch mit dem Daumen auf den Schlittenfanghebel zu drücken und der Schlitten führt die erste Patrone in das Patronenlager ein. Die normale Magazinkapazität beträgt im Kaliber .45 ACP (Automatic Colt Pistol) 7 Patronen. Die Pistole besitzt zwei Sicherungen: Eine, die den außen liegenden Hahn und den Abzug blockiert, und eine zweite, die so genannte Handballen-Sicherung. Diese trennt die Abzugsstange vom Abzug, bis sie durch die Schusshand eingedrückt wird.



Abarten und Weiterentwicklungen

 Automatikpistole 1911 A1

Während der Bauzeit der 1911 wurden viele kleine Details verbessert. Dies führte dazu, 1923 die neue Bezeichnung einzuführen. Unter anderem hatte die neue Ausführung einen stärkeren Griffstückrücken, wodurch die Handhabung der Waffe verbessert wurde.

 

 Automatikpistole 1931 Ace Model Kaliber .22

Das Ace Model wurde als Übungswaffe für die 1911 konzipiert. Es wurde das gleiche Griffstück wie bei der 1911 verwendet. Auch Gewicht und Größe sind identisch. Die Kritik wegen mangelnder Funktion (die .22 er Patrone war einfach zu schwach um den schweren Schlitten zu bewegen) konnte sie durch die guten Schussleistung wieder wett machen. Die 1941 gestoppte Produktion wurde nach dem Krieg in kleiner Serie wieder aufgenommen. 

 

 Automatikpistole 1933 First National Match Kaliber .45

Diese Pistole stellt eine in Serie gefertigte Scheibenversion der 1911 A1 dar. Aus ausgewählten Teilen sehr sorgfältig zusammengesetzt, bestach die 1933 durch ihre hervorragende Präzision, die durch eine spezielle Visierung weiter gesteigert wurde.

 

 Automatikpistole 1937 Service Model Ace Kaliber .22

Die Militärversion der Ace. Eine neues Verschlusssystem brachte nun die gewünschte Funktionssicherheit. Gebaut in kleiner Serie von 1935 bis 1945. 

 

 Wechselsystem .22 / .45 1938

Ein Wechselsystem für die 1911 A1 für die billige .22 er Munition. Da Schlitten, Lauf, Magazin und weitere kleine Teile ausgetauscht werden mussten, war das eine sehr teure Sache. Die Kosten waren aber nach ein paar hundert Schuss wieder hereingeholt. Wenn das .22 er System montiert war, wurde aus der 1911 praktisch eine "Ace". Es wurden nur wenige hergestellt.

 

 Automatikpistole Modell 1949 Commander

Die Nachfrage nach einer kleinen, leichten Pistole im Kaliber .45 beantwortete Colt mit der Commander. Das Griffstück wurde aus einer Aluminiumlegierung gefertigt. Lauf und Schlitten bestanden aus Stahl, wurden jedoch verkürzt. Das Ergebnis war eine handliche, kleine, gerade einmal 740 g wiegende Pistole. Auch gefertigt im Kaliber 9 mm Parabellum, und für Italien in 7,65 mm Parabellum.

 

 Automatikpistole Modell 1971 Combat Commander

Da das Alugriffstück der Commander nicht standfest war, wurde wieder ein Stahlgriffstück verbaut. Mit dem Nachteil das sich das Gewicht auf 935 g erhöhte. 

 

 Automatikpistole 1957 Gold Cup National Match

Nach dem Krieg wurde das Scheibenschiessen in den USA immer beliebter. Die Schützen forderten eine präzise und zuverlässige Pistole. Die Gold Cup wurde aus ausgesuchten Teile sorgfältig zusammengesetzt. Alle gleitenden Teile wurden poliert. Der Abzug wurde zu einem Skelettabzug reduziert. Eine Scheibenvisierung wurde standardmäßig angebracht.

 

Diese Liste kann ins Unendliche fortgesetzt werden. Viele Kopien (vor allem aus China) und Modifikationen wurden im Laufe der Jahre hergestellt und können vorerst leider keine Beachtung finden.



Prinzip Colt 1911 - Sportpistolen, wie hier für IPSC Wettkämpfe mit Compensator und

Bezeichnung der Waffe: Automatikpistole .45 Modell 1911
Entwicklung: Colt Firearms Company
Jahr der Einführung: 1911
Länge: 220 mm
Gewicht: ca. 1.050 g
Lauflänge: 127 mm
Kaliber: .45 ACP
Geschossgewicht: standardmäßig 200 Grains (12,9 Gramm)
Mündungsgeschwindigkeit: bis 300 m/s
effektive Schussweite: 50 m

In militärischen Diensten

Die 1911 und ihre Nachfolgerin, die Beretta 92 F


 

Text by Kreuz As. Letztes Update: 29. June 2009