Sturmgewehr 44 (MP 43)




Um die schwindenden "Ressourcen" an frischen Soldaten zu kompensieren, entschloß man sich in der deutschen Führung den einzelnen Soldaten aufzuwerten und ihm mehr Kampfkraft zu geben, ein Weg der auch heute noch eingeschlagen wird, heute spielen allerdings vor allem finanzielle Aspekte eine Rolle. Man brauchte also ein neues Gewehr, das möglichst vollautomatisch schießen konnte und einfach herzustellen war um als neue Einheitswaffe für die gesamte Infanteriekomponente eingeführt werden zu können. Die Einführung dieser neuen Waffe verzögerte sich jedoch stark und somit konnte sie dem deutschen Soldaten erst in der Endphase des 2.Weltkriegs zur Verfügung gestellt werden.


Am Anfang der Entwicklung stand der Maschinenkarabiner 42, der im Winter 1942/43 die Truppen an der Ostfront erreichte. Er verfeuerte die für den reinen Infanteriekampf viel zu starke 8x57 mm IS Patrone, die zudem den Rückstoß für einen ungeübten Schützen zu einem großen Problem werden ließ. Entgegen den Weisungen Hitlers entschloß man sich daher beim Heereswaffenamt, den von Hugo Schmeisser entwickelten Schnellfeuerkarabiner auf die ebenfalls neu entwickelte Polte-Kurzpatrone 7,92x33 mm umzurüsten.

Der daraus entstehende Maschinenkarabiner (Mkb) 42(H), wobei das "H" für Haenel steht, wurde nach dem Einbau von einigen Elementen des Walter-Systems und heftigem Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen beteiligten Dienststellen als Maschinenpistole MP 43 eingeführt. Kleine Verbesserungen im Detail der Waffe wie einem Schutzdach für das Korn, das sich im harten Gefecht zu leicht beschädigen ließ und ein verändertes Gewinde an der Laufmündung führten zur MP43/1, die ab April 1944 ohne weitere Veränderungen MP 44 genannt wurde. Hitler fand ebenfalls Gefallen an der neuen Waffe und gab ihr den von der Propaganda gut ausschlachtbaren Namen "Sturmgewehr", was in Verbindung mit der Jahreszahl logischerweise zu dem Namen Stgw. 44 führte. Nun konnte die Produktion, die zwischenzeitlich gestoppt worden war, wieder mit ganzer Energie aufgenommen werden. 


Das Stgw. 44 war wie viele seiner Vertreter ein Gasdrucklager und wurde zur Vereinfachung der Fertigung fast ausschließlich aus Stanz- und Prägeteilen gefertigt. Der Schütze war mit dieser Waffe in der Lage Einzel- und (unechtes) Dauerfeuer abzugeben, zumindest bis das 30 Schuß fassende gebogene Magazin leer war. Eine weitere Neuheit bei dieser Waffe war die bereits erwähnte neuentwickelte Kurzpatrone 43, die in dieser Waffe erstmals zum Einsatz kam. Ihre Gesamtlänge betrug 47 mm, was weitaus weniger war als die 79 mm der 8x57 mm IS Gewehrpatrone. Sie hatte ein Gewicht von 16,3 g (8x57 mm IS: 23,7 g).


Das Stgw. 44 kann als der Prototyp des modernen Sturmgewehrs betrachtet werden. Es konnte im Einzelschuß relativ präzise gegen Infanterie eingesetzt werden und im Notfall seine gesamte Kampfkraft im Nahkampf entfalten. Denn obwohl die neue Kurzpatrone schwächer war als die große 8x57 IS, konnte sie diesen Nachteil durch den geringeren Rückstoß und eine hohe Schussfolge ausgleichen. Zudem reichte sie in ihrem Anwendungsgebiet als Infanteriepatrone völlig aus, die Kampfentfernungen waren in Wirklichkeit sowieso weitaus kleiner als zuvor mit 1.000 m angenommen worden war. 
Mit dieser Waffe hatte die deutsche Infanterie das große Los gezogen, zu den Vorteilen an erhöhter Kampfkraft kam noch eine einfache Bedienung sowie Wartung. Die Waffe war relativ präzise und vor allem für ungeübte Schützen mit ihrem geringen Rückstoß leicht kontrollierbar. Man konnte bei schnellen Vorstößen die überlegene Feuerkraft nutzen und im Abwehrkampf eine hohe Feuerdichte und Schußfolge erreichen. Unterstützungsfeuer durch MGs war nicht mehr zwingend notwendig. So wurde sie schnell zur bevorzugten Waffe der deutschen Fronttruppen und Forderungen nach immer mehr Exemplaren wurden laut, die jedoch wegen der desolaten Situation der deutschen Kriegsindustrie nicht in dem Umfang erfüllt werden konnten. So wurde das Stgw. 44 vorzugsweise an besondere Truppeneinheiten ausgegeben, bis Oktober 1944 gab es lediglich 110.000 Waffen dieser Art.

Von einer Einheitswaffe der Infanterie zu sprechen war zu diesem Zeitpunkt also noch verfrüht, das gelang jedoch auch im weiteren Verlauf des Krieges nicht mehr, zu groß waren die Schwierigkeiten für die deutsche Industrie.


Wie für jede Waffe gab es auch für das Stgw. 44 mehr oder weniger sinnvolle Zusatzgeräte. So entwickelte man einen gebogenen Lauf mit Periskopvisier der dazu geeignet war "um die Ecke" zu schießen. Ausführungen für Infanterie (I) und Panzerbesatzungen (P) wurden entwickelt, die Panzerbesatzungen sollten dadurch feindliche Angreifer in den toten Winkeln der Panzer bekämpfen können. So richtig funktioniert hat diese Konstruktion allerdings nie, sie beanspruchte jedoch Entwicklungspotential, das woanders vielleicht besser eingesetzt worden wäre. Ein Infrarot-Nachtsichtgerät, Vampir genannt, erlaubte die Bekämpfung des Feindes auch in der Nacht und unabhängig von den Leuchtmitteln.

 

Die intelligente Konstruktion der MP 43 fand nach dem Krieg viele Nachahmer und auch alte Wehrmachtsbestände wurden weiterverwendet, beispielsweise in der Tschechoslowakei.




Bezeichnung der Waffe: Sturmgewehr 44 (MP 43)
Entwicklung: Hugo Schmeisser
Länge: 930 mm
Gewicht: 4,62-5,62 kg
Lauflänge: 418 mm
Kaliber: 7,92 mm (kurz)
Mündungsgeschwindigkeit: 650 m/s
Feuerrate: 500 Schuss/min
Visierschussweite: 100-800 m
effektive Schussweite: bei Einzelfeuer: 600 m
bei Dauerfeuer: 300 m
Produktionszahlen: 426.000

Nahaufnahme eines Stgw. 44



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Text by Dietl. Letztes Update: 23. December 2007