Stoner 63



Das Stoner 63A Automatic Rifle mit Munitionszuführung von oben, wie das britische "Bren" bzw. deren Vorbild, das tschechische ZB/Vz 26. (Picture from Mongo´s MG-Pages)

Das Baukastensystem der Stoner 63 wurde von dem berühmten amerikanischen Waffenkonstrukteur Eugene Stoner entwickelt. Durch den modularen Aufbau konnte die Grundwaffe für sieben verschiedene taktische Rollen angepasst werden. Ein System das auch in den modernen Sturmgewehren wie Steyr AUG und H&K HK50/G36 zu finden ist. Zur Zeit der Entwicklung war Eugene Stoner Mitarbeiter bei der Cadillac Gage Corporation.
Anfangs konzentrierte man sich noch auf das NATO-Kaliber 7,62 mm, woraus das Stoner 62 entstand. Es wurde jedoch nie produziert, und kam auch nicht über den Prototypen-Status hinaus, nachdem das US-Militär die kleinere 5,56x45 mm Patrone im M16 übernommen hatte. Man war bei Cadillac der festen Überzeugung, dass dieser Patrone die Zukunft gehöre und baute das Stoner-System dementsprechend um.
Das Stoner mit der neuen Patrone entstand erst 1963 und wurde auch nach dieser Jahrezahl benannt: Stoner 63. Man verschickte Testmuster an die US-Marines, die von dem Konzept sehr angetan waren und reihenweise Verbesserungsvorschläge einbrachten; u.a. einen Staubschutz für die Waffenöffnungen sowie ein verbessertes Einzugssystem für die Gurtzuführung. Nach Umsetzung dieser Vorschläge im Jahre 1966 wurde das verbesserte Modell Stoner 63A getauft. Durch Umbau und Austausch weniger Teile konnte sechs verschiedene Konfigurationen erreicht werden, 1969 kam mit der Commando-Version noch eine siebte dazu, eine achte Version blieb im Prototypenstatus und wurde nicht weiterverfolgt:



Stoner 63A Rifle:

Die Gewehrversion schießt im Einzelschuss und vollautomatisch. Der Patronenauswurf ist im Gegensatz zu den LMG-Versionen auf der rechten Seite. Eine Folge davon, dass das Teilstück der Waffe, in dem sich der Lauf sowie Patronenauswurf und Magazinaufnahme befinden, lediglich andersherum eingebaut wird. Was vorher oben war ist jetzt unten und umgekehrt. Alle Teile, die einen festen Platz haben, wie Visierung, Wahlhebel, Abzug und Handschutz, müssen natürlich ebenfalls umgebaut werden. Die hintere Visierung lässt sich durch eine einfache Drehung nach vorne auf Entfernungen von 300 und 500 m einstellen.
Die Gewehrversion feuert aufschießend, die Patrone befindet sich also bereits in der Kammer, während bei den LMG-Versionen die Patrone erst zugeführt wird, nachdem der Abzug betätigt wurde. Weitere Unterschiede bestehen darin, dass die Waffe nach dem letzten Schuss offen bleibt, und dass kein schneller Laufwechsel möglich ist. Desweiteren hat sie einen funktionierenden Feuer-Wahlhebel, der bei den LMGs lediglich zur Sicherung angebracht ist.



Stoner 63A Rifle (Picture from Mongo´s MG-Pages)

Stoner 63A Carbine:

Vom Aufbau her weitgehend identisch mit der Rifle, lediglich der Lauf und die Schulterstütze sind kürzer. Auch entfällt wegen dem kurzen Lauf die Möglichkeit Gewehrgranaten zu verschießen weshalb das Gasventil am Lauf entfernt werden konnte. Die Schulterstütze ist abklappbar und sie gibt es auch mit verschiedenen Konstruktionen aus dickem Draht.



Stoner 63A LMG:

Das LMG hat den Hülsenauswurf auf der linken Seite, wie auch die anderen auf dem Stoner 63 basierenden leichten Maschinengewehre, die Munitionszuführung erfolgt ebenfalls von links. Das führte manchmal dazu, dass die ausgeworfenen Hülsen wieder dahin zurücksprangen wo sie herkamen, ein Mißstand der dadurch behoben wurde, dass man eine Munitionszuführung von der rechten Seite entwickelte. Das Standard-Magazin hat 100 Patronen in einer Plastikbox vorrätig.
Der Laufwechsel kann im Gegensatz zum M60 ohne Handschuhe und sehr zügig vorgenommen werden, da sich ein Griff am Lauf befindet. Man hat lediglich eine Feder runterzudrücken, den Lauf abzunehmen und einen neuen wieder einzustecken. Fertig. Das vordere Visier muss nach einem Laufwechsel nicht neu justiert werden.
Der Gasdruck ist einstellbar und lässt sich damit der Munition bzw. dem Verschmutzungsgrad anpassen. So ist eine Feuerrate zwischen 700 und 1.000 s/min einstellbar. Der Feuerwahlhebel hat keine Auswirkung auf die Funktion der Waffe, es ist nur vollautomatisches Feuer möglich.



Stoner 63A Medium MG:

Ein normales LMG auf dem M2-Dreibein. Weil ein Adapter benutzt werden muss, ist die Munitionszuführung von rechts nicht möglich.



Das Stoner 63A Medium MG auf einem Dreibein des schweren MGs Browning M2. Funktioniert aber nur mit einem speziellen Adapter. (Picture from Mongo´s MG-Pages)

Stoner 63A Fixed MG:

Ebenfalls ein LMG, jedoch wurde der Pistolengriff, die Schulterstütze sowie der Handschutz entfernt. Die Auslösung eines Schusses geschieht entweder elektrisch oder mechanisch über einen Seilzug.



Das Fixed MG (Picture from Mongo´s MG-Pages)

Stoner 63A Automatic Rifle:

Das Automatic Rifle erinnert durch die Anordnung des Magazins stark an das britische "Bren". Es ist auch ein normales Stoner 63 LMG, allerdings umgerüstet von Gurtzuführung zum Magazin. Das Magazin sitzt oben auf der Waffe mit der Öffnung nach unten, dadurch kann der Schütze beim Einsatz auf flachem Untergrund tiefer auf dem Boden bleiben und setzt sich weniger Gefahr aus. Auch muss er die Waffe zum Magazinwechsel nicht drehen was den Wechsel beschleunigen kann. Der Lauf ist ebenfalls leicht auswechselbar, durch dasselbe System wie beim LMG. Auch ist die Automatic Rifle eine zuschießende Waffe und kann nur vollautomatisch geschossen werden.



Stoner 63A Commando:

War als leichte Unterstützungswaffe für die SEALS in Vietnam gedacht und wurde von der Navy als XM-207 bezeichnet. Anfangs wurde eine 150er Munitionsbox benutzt um die Patronen von links zuzuführen. Doch wie beim LMG traten dabei Probleme auf, so dass man eine Munitionszuführung von rechts einbaute und eine 100er Munitionstrommel verwendete. Ein schneller Laufwechsel war nicht vorgesehen und im Gefecht angeblich auch nicht notwendig. Der kurze 14 inch-Lauf und die schlechte Positionierung der Gas-Bohrung am Ende des Laufes führten dazu, dass die Waffe relativ wenig Energie zur Verfügung hatte, was teilweise und vor allem bei verschmutzten Waffen zu Funktionsfehlern führte. Die Waffe feuert dann weiter nachdem der Abzug losgelassen wurde. Die XM-207 wurde bis 1981 benutzt, als das M249 eingeführt wurde.



Stoner 63 Survival Carbine:

Eine Experimental-Waffe die 1964 entwickelt wurde. Grund war die Forderung der US-Luftwaffe nach einer Waffe die klein genug war, um in eine 15 inch (38,1 cm) große Tasche zu passen, auch sollte sie nicht höher als 16,5 cm sein. Sie sollte von abgeschossenen Air Force-Piloten eingesetzt werden. Erreicht wurde die geringe Länge durch einen Lauf der sich schnell wechseln ließ und erst angebracht wurde, wenn die Waffe ausgepackt war. Dadurch konnten bei der Lauflänge die vollen 15 inch ausgenutzt werden. Die Waffe wurde zwar von der Air Force getestet und sie funktionierte auch hervorragend. Allerdings verließ Stoner die Niederlassung von Cadillac Gauge in Richtung einer anderen Zweigstelle und nahm das Projekt mit sich, bevor man die Waffe der US-Army zeigen konnte. Später zog sich auch noch Cadillac Gage aus dem Geschäft mit Handfeuerwaffen zurück und somit war die Waffe in der Versenkung verschwunden.



Das modulare System der Stoner 63A besteht aus ein paar festen Teilen die in allen Versionen enthalten sind und recht vielen Teilen, die benötigt werden, um eine der sieben Konfigurationen zu erreichen. Das Gassystem kann mit Magazinen und Gurten umgehen, was nicht selbstverständlich ist, da die Gasdrücke zum Funktionieren der Waffe unterschiedlich sind. Da das M16 zur Zeit der Entwicklung schon weit verbreitet war, lehnte man bei der US-Army die Einführung der Stoner 63A ab; lediglich die Navy SEALS benutzten die Waffe in Vietnam. Auch war man skeptisch gegenüber dem geringen Kaliber, vor allem im Hinblick auf die Nutzung als LMG. Eine Herstellungslizenz wurde an Mauser vergeben, wo man sie später an die niederländische Firma NWM weiterverkaufte, doch auch in Europa war dem Stoner 63A kein Glück beschieden. So beschränkte sich die Gesamtzahl der gebauten Stoner 63 auf etwa 2.400, während der Nachfolger Stoner 63A sogar nur auf 800 Stück kam bevor die Produktion auslief. Heute ist sie eine äußerst begehrte Sammlerwaffe, und sehr teuer. Unter 15.000 $ wird man kein Stoner 63(A) bekommen können.



Das Hauptbauteil des Stoner 63, das sich bei allen Versionen wiederfindet. (Picture from Mongo´s MG-Pages)

Bezeichnung der Waffe: Stoner 63A Rifle
Hersteller: Cadillac Gage
Länge: 1.006 mm
Gewicht: 3,6 kg
Lauflänge: 500 mm
Kaliber: 5,56x45 mm
Mündungsgeschwindigkeit: ca. 950 m/s
Feuerrate: 700 Schuss/min
effektive Schussweite: 500 bis 600 m
Stückzahl: Stoner 63: 2.400 Stück
Stoner 63A: 800 Stück


 

Text by Bumrush. Letztes Update:  7. September 2007