Steyr AUG



Standard-Version mit 30-Schuß-Magazin

Geschichte

Das futuristisch anmutende Sturmgewehr Steyr AUG (Armee-Universal-Gewehr) ist eine 5,56 mm Bullpup-Konstruktion. Das Gehäuse des 1978 eingeführten Gewehres besteht hauptsächlich aus schlagfestem Kunststoff, während der Lauf aus innen verchromtem Qualitätsstahl gefertigt ist. Die Bullpup-Bauweise erlaubt eine kürzere Gesamtlänge bei relativ langem Lauf. Das Magazin für 30 oder 42 Schuss ist durchsichtig, so dass man den Munitionsbestand jederzeit ablesen kann. In den Tragegriff ist ein optisches Visier mit 1,5facher Vergrößerung integriert. Jedoch gibt es auch ein anderes Gehäuse mit flacher Halterung zur Montage von aufwendigeren Zielfernrohren und Nachtsichtgeräten. Die effektive Reichweite liegt normalerweise zwischen 350 bis 400 m, weil aber ab 300 m ein Mensch den inneren Ring der Visiereinrichtung ganz ausfüllt, bedeutet ein Schuss auf weitere Entfernungen eher das Niederhalten des Gegners als ein gezielter Schuss. Markant ist der große Bügel um Griff und Abzug, der es erlaubt, die Waffe auch mit dicken Pelzhandschuhen abzufeuern. Der sich unter dem Rohr befindende Handgriff kann an das Rohr angelegt werden und dient so als Vorderschaft. Trotz seines komplex anmutenden Designs ist die Steyr äußerst stabil und zuverlässig und funktioniert bei jedem Klima. Ein Test, bei dem ein Exemplar zur Veranschaulichung der Stabilität mehrfach von einem LKW überrollt wurde, zeigte keine relevanten Schäden, lediglich das Glas des Visiers war zerbrochen. Außer in Österreich wird das Gewehr auch in Australien, Neuseeland, Irland, Luxmburg, Marokko, Oman, Saudi-Arabien, Bolivien und Ecuador verwendet.



zerlegte Waffe

Technik

Alle Steyr AUG im Kaliber .223 sind Gasdrucklader mit starrer Verriegelung und verstellbarem Gasdruck, das Steyr AUG 9 mm Luger ist ein Rückstoßlader mit Masseverschluss.

Einzelteile

 Verschluss

Der Verschluss besitzt zwei auffällige Führungsrohre. Das eine Führungsrohr dient zum Repetieren per Hand das andere dient zum automatischen Repetiervorgang. Der Verschluss besteht aus fünf Teilen welche alle zerlegt werden können. Den Verschluss gibt es in zwei Versionen, welche sich aber nur durch den Einbau des Steuerbolzen unterscheiden. Teile des Verschlusses können gedreht werden um die Waffe für Linksschützen umrüsten zu können. Der Verschluss bedarf die meiste Pflege, welche sich in Form von ein paar Tropfen Öl darstellt.

 Lauf

Der Lauf beinhaltet den Laufgriff, welcher sich wahlweise in aus- oder eingeklappter Position je nach Verwendungszweck der Waffe im Einsatz befinden kann. Zusätzlich befindet sich am Lauf die Gasdruckeinrichtung, die für das automatische Repetieren verantwortlich ist. Auf der Laufaußenseite sitzt ein Gewinde auf dem sich die Halterung für das Bajonett aufschrauben lässt. Auf diesem Gewinde wird ebenfalls ein Feuerdämpfer aufgeschraubt, wobei zwei Arten von Feuerdämpfern erhältlich sind.
Es gibt derzeit drei Läufe im Kaliber .223 und einen Lauf im Kaliber 9 mm Luger. Die Lauflängen betragen 407 ,508 und 610 mm. Der Lauf hat 6 Züge mit einem konstanten Rechtsdrall.
Es können alle drei Läufe untereinander getauscht werden. Der Wechsel eines Laufes dauert ca. fünf Sekunden. Er erfolgt indem man den Spannschieber zurückzieht und in hinterer Position einrastet. Danach wird die Laufgriffsperre nach unten geschwenkt und der Lauf im Uhrzeigersinn gedreht bis man ihn herausziehen kann. Das Einsetzen des Laufes erfolgt indem man den Lauf in das Gehäuse schiebt, ihn gegen den Uhrzeigersinn dreht und den Spannschieber nach vorne schnellen lässt.

 Gasdruckeinrichtung

Die Gasdruckeinrichtung sorgt für das automatische Repetieren nach der Schussabgabe. Sie ist an der rechten Seite des Laufes angebracht und besteht aus drei Teilen: dem Gasdruckventil, einer Gasdruckfeder und einem Gasdruckkolben. Es wird fälschlicherweise angenommen, dass das AUG .223 keinen Gasdruckkolben besitzt, jedoch ist der Gaskolben gerade fünf cm lang. Durch den Gasdruck welcher in der Mitte des Laufes abgezweigt wird, wird der Gaskolben nach hinten beschleunigt, überträgt die Bewegung auf den Verschluss, welcher die leere Patronenhülse ausstößt. Das Gasdruckventil hat die Aufgabe einen kontrollierten Gasdruck auf den Gasdruckkolben zu übertragen. Dazu können drei Arten eingestellt werden: großer, kleiner und kein Gasdruck. Der große Gasdruck, signalisiert durch einen großen Punkt, wird bei vereister bzw. verschmutzter Waffe oder für Manöverpatronen benutzt. Der kleine Gasdruck, signalisiert durch einen kleinen Punkt, wird im Normalfall benutzt. Die Stellung „GR“ bedeutet das kein Gasdruck auf den Gasdruckkolben wirkt. Er wird zum Abschießen von Gewehrgranaten verwendet.

 Gehäuse

Das Gehäuse verbindet den Lauf und den Verschluss und bildet die Halterung für die Verriegelung der Waffe. Sie beinhaltet weiterhin den Spannschieber und die Halterung für die Visiereinrichtung.
Die Varianten der Visiereinrichtung umfassen einerseits das Standardgehäuse mit der standardmäßigen 1,5fachen Visiereinrichtung sowie zwei Gehäuse mit welchen man jede Art von Nachtsichtgeräten und Zielfernrohren montieren kann. Es gibt zwei Arten von Spannschiebern, einen eckigen und einen abgerundeten. Mit dem einen ist das leise Repetieren der Waffe möglich, dazu führt man den Verschluss nach vorne, jener verriegelt nicht. Nun kann ein Knopf betätigt werden, welcher den Spannschieber mit dem Verschluss fixiert und so kann die Waffe leise geladen werden. Während das normale Laden der Waffe mit einem typischen Geräusch vonstatten geht.

 Kolben

Das Gehäuse besteht aus bruch- und ölfesten Kunststoff. Es gibt zwei verschiedene Arten des Kolbens. Ein Kolben mit einer Auswurföffnung an der rechten Seite und ein Kolben mit zwei Auswurföffnungen (links und rechts). Beim letzteren wird eine Auswurföffnung mit einem Deckel verschlossen. Zudem gibt es die Kolben in verschiedenen Farben. Olivgrün, Schwarz, Sandfarben und Camo. Im Kolben integriert ist das Abzuggestänge, die Sicherung der Waffe, die Führungen für den Verschluss, und ein Fach für das Reinigungsgerät. Für die zivile Version des AUG, das AUG USR gibt es einen separaten Kolben in hellgrauer Farbe Auffallend ist dabei, dass es einen zusätzlichen Bügel hinter dem Pistolengriff besitzt.

 Zubehör

Das Zubehör des AUG beinhaltet einen Tragriemen und das Reinigungsgerät bestehend aus einer Kupferbürste, einer Kunststoffbürste, einem Dochthalter, einer Schnur und einem Ölfläschchen. Zudem gibt es noch eine Laufkappe sowie einen Hülsenfangsack

 Visiereinrichtung

Die Standardvisiereinrichtung besteht aus einem Kreisring mit einem Durchmesser von drei Strich, zusätzlich finden sich Ansätze eines Fadenkreuzes um die Waffe gerade richten zu können. Bei richtig eingeschossener Waffe ist das Treffen von Zielen auf 300 m kein Problem. Außerdem gibt es eine Notvisierung in Form von Kimme und Korn, wobei Kimme und Korn rechts der Schussachse liegen

 Magazine

Es können beim AUG im Kaliber .223 vier Magazine verwendet werden, das 30 Schuss, das 42 Schuss, das „Beta“ Magazin sowie für die USR ein 10 Schuss Magazin.

Herstellen der Feuerbereitschaft

 Laden

Die erste Tätigkeit beim Laden ist das Anstecken des Magazins. Normalerweise wird die Waffe mit der rechten Hand am Griff gehalten , Zeigefinger am Abzug oder unmittelbar in der Nähe. Mit der linken Hand wird das Magazin eingeführt. Danach wird mit der linken Hand der Spannschieber zurückgezogen. Dabei wird der Verschluss nach hinten bewegt, beim Loslassen des Spannschiebers schnellt der Verschluss aus hinterer Position nach vorne und nimmt eine Patrone in den Lauf.

 Schussabgabe

Die Schussabgabe erfolgt durch das Betätigen des Abzuges, dabei können folgende Feuerarten mittels Abzug gesteuert werden: Einzelfeuer und Dauerfeuer. Beim Einzelfeuer wird der Abzug bis zu einem spürbaren Widerstand gedrückt. Dabei wird das Abzugsgestänge nach hinten geschoben welches auf die Schlageinrichtung wirkt. Diese lässt den gespannten Hahn nach vorne auf den Schlagbolzen schnellen, welcher dann den Schuss auslöst. Das Projektil wird aus dem Lauf beschleunigt. Die entstehenden Pulverdämpfe bewirken das der Gasdruckzylinder den Verschluss nach hinten beschleunigt, dabei wird der Verschluss entriegelt, die Patronenhülse ausgeworfen, der Hahn wieder gespannt. Bei der Vorwärtsbewegung nimmt der Verschluss eine Patrone aus dem Magazin, schiebt sie in den Lauf und verriegelt wieder.
Bei Dauerfeuer wird der Abzug ganz durchgedrückt der erste Repetiervorgang ist der selbe wie beim Einzelfeuer, jedoch schnellt nach dem Verriegeln der Waffe automatisch der Hahn wieder auf den Schlagbolzen und somit wiederholt sich der Vorgang bis die Munition verschossen ist, bzw. man den Abzug loslässt.

 Nachladen

Nach dem Abfeuern des letzten Schusses wird der Verschluss mittels Verschlussfang in hinterer Position gehalten. Nun wird das Magazin mit der Linken Hand entfernt und ein neues angesteckt. Der rechte Zeigefinger bleibt dabei am Abzug bzw. in dessen unmittelbaren Nähe. Mit der Linken Hand wird der Spannschieber leer nach hinten gezogen. In den letzten Zentimetern wird der Verschluss wieder nach hinten bewegt. Der Spannschieber wird nun losgelassen und die Waffe ist wieder feuerbereit.

 Schussverhalten

Die Waffe hat einen sehr geringen Rückstoß. Beim Verschießen von Manöverpatronen ist kein Rückstoß zu spüren, so dass man die Waffe lässig mit einer Hand abfeuert, was jedoch nicht im Sinne der Erfindung ist. Das AUG ist gut ausbalanciert, somit entstehen keine groben Abweichungen von der Schusslinie. Die Hemmungsanfälligkeit ist aufgrund des Systems sehr gering, jedoch sind Hemmungen infolge von Materialermüdung nie ganz auszuschließen.



Hierbei handelt es sich um die kürzere AUG-P 5,56 mm Karabiner-Variante im Standard-Gehäuse.

Versionen

Das AUG basiert auf einem Baukastenprinzip, das es erlaubt verschiedene Läufe, Visiere und Abzugseinrichtungen sowie Zweibeine ohne Werkzeug zu montieren. Durch Austausch weniger Teile wie z.B. des Verschlusses kann das 5,56 mm Sturmgewehr zum kürzeren Karabiner, leichten MG und sogar zur 9 mm Para MP umgebaut werden.

 AUG A1 - StG77

Das StG77 ist das Standardgewehr des österreichischen Bundesheeres: Es setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:
- Olivgrüner Kolben mit ein oder 2 Auswurföffnungen (bei alten Waffen)
- Gehäuse mit dem 1,5fach Visier mit erweitertem Kreisabzeichen oder Kreisabzeichen (bei alten Waffen)
- 508er Lauf
Normalerweise eingeschossen auf 300 m.

 AUG-P

Diese Abart des AUG wird bei Spezialeinheiten wie dem Gendarmerieeinsatzkommando eingesetzt. Sie besteht aus den selben Komponenten wie das StG77, besitzt jedoch einen kürzeren Lauf. Zusätzlich sind Laserpointer im Einsatz; eingeschossen auf 100 m.

 AUG 9 mm Para

Die 9 mm Luger /Para Version wurde 1988 bei der Gendarmerie und der Polizei unter der Bezeichnung Steyr AUG 9 mm eingeführt und gehört neben der Glock 17 zur Standardbewaffnung der österreichischen Gendarmerie. Sie besteht aus einem schwarzen Kunststoffschaft mit Rechtsauswurf, dem 9 mm Lauf, dem zugehörigen Verschluss, dem Standardgehäuse sowie einem Adapter für die 9 mm Magazine. Das Funktionsprinzip ändert sich vom Gasdrucklader zum Rückstoßlader. Als Munition kommen sowohl Vollmantel als auch Teilmantelpatronen zum Einsatz. Eingeschossen ist die AUG 9 mm auf 50 m, wobei zu sagen ist, dass größere Reichweiten möglich wären, jedoch seitens der Behörden keine größeren Reichweiten in Anspruch genommen werden. Für Spezialoperationen können ein Bajonett, Nachsichtgeräte, Schalldämpfer, Laserpointer usw. an der Maschinenpistole montiert werden. Ebenso gibt es Adapter und Vorrichtungen für das Verschießen von Gewehrgranaten.

 Steyr USR

Die zivile Version des AUG. Sie besitzt einen Lauf ohne Mündungsfeuerdämpfer, das Standardgehäuse mit 1,5facher Vergrößerung und einen neuen hellgrauen Kolben mit dem charakteristischen Bügel. Die Gasdruckeinrichtung wird beibehalten. Änderungen ergeben sich in der Abzugseinrichtung und im Verschluss. Zusätzlich gibt es noch ein 10-Schuss Magazin.



Steyr AUG 9 mm der österreichischen Gendarmerie mit schwarzem Schaft

Bezeichnung der Waffe: Steyr AUG Steyr AUG 9 mm Para
Hersteller: Steyr Mannlicher (Österreich) Steyr Mannlicher (Österreich)
Länge: 790 mm 665 mm
Breite: 85 mm 85 mm
Höhe: 275 mm 255 mm
Gewicht: 3,6 kg (ohne Magazin)
4,1 kg (volles 30er Magazin)
ca. 0,13 kg leeres Magazin
ca. 0,5 kg gefülltes Magazin (30)
3,30 kg (ungeladen)
Lauflänge: 510 mm 420 mm
Zahl der Züge: 6 6
Drall/Dralllänge: Rechtsdrall/228 mm Rechtsdrall
Kaliber: 5,56 x 45 mm 9 mm Luger
Geschossgewicht: 3,56 g (M 193 US Version),
3,95 g (SS 109 FN Version)
-
Mündungsgeschwindigkeit: ca. 970 m/s (Standard-Patrone) -
theoretische Feuerrate: 650 bis 700 s/min 700 s/min
praktische Feuerrate: ca. 100 Schuss/min ca. 100 Schuss/min
effektive Schussweite: 350 bis 400 m 100 m
größte Schussweite: 2.700 m -
Munitionszufuhr/Magazingröße: 30 oder 42 Schuss 25 oder 32 Schuss
Visiereinrichtung: optisches Visier mit 1,5facher Vergrößerung, mechanisches Hilfsvisier optisches Visier mit 1,5facher Vergrößerung, mechanisches Hilfsvisier

Steyr AUG 9 mm mit dem verkürztem Lauf

AUG HBAR-T - Ausführung mit schwerem Lauf



Interne Links zum Thema

Patrone 9 mm Parabellum/Luger



Weiterführende Literatur/Links

Handbuch/Manual zu dieser Waffe bei www.gunmanuals.ch
Explosionszeichnung zu dieser Waffe beim Schützenverein Mittleres Erzgebirge e.V.



 

Text by Da Mania & Verci; Korrektur: Kreuz As, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007