Walther PP/PPK



Ein sehr frühes Modell der PP

Geschichte

Im Alter von 28 Jahren gründete Carl-Wilhelm-Freund Walther im Herbst 1886 seine eigene Waffenschmiede, deren Name während des letzten Jahrhunderts Weltruf erlangte. Anfangs noch auf Jagdbüchsen und Scheibengewehre spezialisiert, richtete sich das Hauptaugenmerk der Firma schon bald auf die Herstellung und Entwicklung von Selbstladepistolen. Der Grundstein wurde 1908 mit der Walther Modell 1 im Kaliber 6,35 mm Browning gesetzt. Die Modelle 1 bis 9 sind heute nicht mehr sonderlich bekannt. Der erste Welterfolg wurde schließlich die Walther PP (Polizei-Pistole), die 1929 auf den Markt kam. Entwickelt wurde sie von Fritz Walther, der nach dem Tod seines Vaters Carl 1915, zusammen mit seinen Brüdern Georg und Hans, den Familienbetrieb übernommen hatte. Wie bereits erwähnt war die PP ein großer Erfolg, denn sie war die bis dahin erste wirklich brauchbare Pistole mit Double-Action-Abzug. Die Polizeipistole erfreute sich großer Beliebtheit bei den Beamten vieler Länder und wurde von vielen Dienststellen in ganz Europa eingeführt. Ein ebenso großer Erfolg wurde 1931 die PPK (Polizei-Pistole-Kriminal, oft auch fälschlicherweise als "kurz" bezeichnet), deren Abmessungen noch geringer waren als die der PP. Das machte sie besonders für Zivilstreifen interessant. Beide Modelle waren bei den Offizieren der Reichswehr begehrt, die sich die Waffen privat beschafft hatten, das war nach 1933 bei Wehrmacht und Luftwaffe nicht anders. Nach dem Krieg wurden sämtliche Produktionsanlagen der Firma Walther in Zella-Mehlis von den Sowjets demontiert und alle Fabrikgebäude gesprengt, die Gebrüder Walther und ihre Familien befanden sich jedoch schon in einem amerikanischen Internierungslager, aus dem sie nach drei Wochen entlassen wurden. In den ersten Nachkriegsjahren konzentrierte sich das Unternehmen hauptsächlich auf die Herstellung von Büromaschinen, woraus sich bald ein eigenständiger Betrieb unter Georg Walther entwickelte. Fritz hingegen beschäftigte sich immer noch mit der Herstellung von Waffen und verlegte seinen Fabriksitz bald nach Ulm, wo er sich auf die Produktion von Luftdruckwaffen konzentrierte. Zwischenzeitlich hatte er die Patentrechte an der PP und der PPK nach Frankreich verkauft, wo die Pistolen bei der Firma Manurhin seit 1952 für einige Zeit in Serie produziert wurden. Seitdem es der Firma wieder erlaubt war scharfe Waffen herzustellen, wurden die PP und die PPK auch wieder bei Walther in Serie gefertigt. Wegen der Gesetzeslage in den USA hat man zudem eine PPK speziell für den amerikanischen Markt entworfen. Diese PPK/S ist etwas höher als das Original. Außerdem gibt es eine nur 135 mm lange Taschenpistole, die Walther TPH, basierend auf der PPK, in den Kalibern .22 lfB und 6,35 mm Browning. Mit der PP/PPK "Last Edition" endet bei Walther in Ulm die Produktion dieser traditionsträchtigen Waffe. Zwischenzeitlich wurde bei der ungarischen Firma FÉGARMY die Serie PPK/E (das "E" steht für Europa) in Auftrag gegeben. So gibt es die PP und ihre Varianten nun schon mehr als 70 Jahre und doch ist sie noch immer aktuell. Zwar wurde sie als Dienstpistole der Polizei schon vor langer Zeit abgelöst, die Zahl der Privatbesitzer steigt aber immer noch und ihr Konzept wurde, in aller Welt, vielfach kopiert.



Eine PPK aus Zella-Mehlis, verwendet von der Polizei

Technik

Bei der PP und deren Nachfolgemodellen handelt es sich um unverriegelte Rückstoßlader mit feststehendem Lauf und Masseverschluss, auf stärkere Kaliber oberhalb der 9 mm kurz wurde verzichtet. Grundlegend besteht sie aus dem Griffstück mit Lauf und dem Schlitten. Die Schließfeder ist einfach auf den Lauf, der gleichzeitig die Aufgabe einer Führungsstange erfüllt, aufgesetzt, was viel Platz spart. Die Bedienelemente sind auf der linken Seite der Waffe angeordnet. Der Sicherungshebel liegt über dem Griffstück auf dem Schlitten und sichert die Waffe in der unteren Position. Wird er nach oben geschwenkt ist die Waffe entsichert, was durch einen vorher verdeckten, roten Punkt signalisiert wird. Der Sicherungshebel dient gleichzeitig als Entspannhebel, der das Schlagstück entspannt. Hinter dem Abzug liegt, gut für den Daumen zu erreichen, der Druckknopf des Magazinhalters, der bei Betätigung das Magazin freigibt.
Was die "Walther" damals so populär machte war ihr völlig neues und revolutionäres Sicherheitskonzept, das bis heute bei beinahe allen Selbstladepistolen zum Standard wurde: Der Spannabzugsmechanismus, der das Abfeuern der entspannten Waffe möglich machte, ohne vorher den Hahn manuell spannen zu müssen. Denn diese Arbeit wird beim Durchkrümmen über die Kraft des Zeigefingers erledigt. Natürlich konnte man die PP auch mit vorgespanntem Schlagstück abfeuern, dadurch wurde der Abzugswiederstand von etwa 62 auf 18 N verringert und dadurch konnte man die Waffe beim Abfeuern wesentlich ruhiger halten. Neben dieser und der manuellen Schlagbolzensicherung verfügte die PP aber noch über eine weitere automatisch wirkende Schlagbolzensicherung, die mit dem Abzug verbunden ist. Erst wenn dieser durchgekrümmt wird, löst sich, kurz vor dem Schuss, ein Riegel, der vorher den Schlagbolzen vom Patronenlager trennte. Diese Sicherung sorgt dafür, dass sich bei starken Erschütterungen nicht unbeabsichtigt ein Schuss lösen kann. Ebenfalls neu war ein Signalstift, der über dem Schlagstück aus dem Schlitten ragt und den Ladezustand der Waffe anzeigt. Tritt dieser Stift hervor, befindet sich eine Patrone in der Kammer. Zudem ist der Stift auch bei Dunkelheit deutlich fühlbar. Durch die hohe Sicherheit war das Tragen der geladenen Waffe erstmals gefahrlos möglich und somit war die PP in dieser Hinsicht ihren damaligen Konkurrenten weit überlegen.
Die PPK unterscheidet sich äußerlich nur in ihrer Größe von der PP - es wurde lediglich der Lauf verkürzt und ein kleineres Griffstück verwendet. Sie wurde hauptsächlich in den Kalibern 7,65 mm Browning (7,65 x 17 = .32 ACP) und 9 mm kurz (9 x 17 = .380 ACP) hergestellt, es wurden vor und während des 2 Weltkrieges aber auch kleinere Mengen in 6,35 mm Browning und .22 lfB produziert. Die PPK/S wird seit Anfang der 70er Jahre hergestellt und verwendet wieder das "große" Griffstück der PP und ist somit um etwa 10 mm höher und 45 g schwerer als die ursprüngliche PPK. Sie ist hauptsächlich im Kaliber 9 mm kurz vertreten, ihr Magazin fasst 7 Schuss. Bei der PPK/E handelt es sich um eine überarbeitete und an heutige Fertigungstechniken angepasste PPK, sie hat eine Länge von 165 mm, misst 113 mm in der Höhe und wiegt ungeladen etwa 670 bis 720 g (je nach Kaliber). Ihre Lauflänge beträgt 86 mm. Sie ist in den Kalibern 7,65 mm Browning, 9 mm kurz und .22 lfB erhältlich. Bei der PP/PPK "Last Edition" handelt es sich um die wahrscheinlich letzten 500 Exemplare, die die Walther Werke verlassen haben. Sie wurden hochglanzpoliert und mit den Schriftzügen "Last Edition 1929 bzw. 1931 - 1999" versehen.



Eine teilzerlegte PPK: Gut zu erkennen - die einfache Funktionsweise

Bezeichnung der Waffe: Walther PP Walther PPK
Hersteller: Carl Walther GmbH, Zealla-Mehlis / Ulm Carl Walther GmbH, Zella-Mehlis / Ulm
Länge: 172 mm 155 mm
Breite: 30 mm 30 mm
Höhe: 110 mm 99 mm
Gewicht: 680 g 590 g ungeladen
Abzugsgewicht SA/DA: 1.800/6.200 g 1.800/6.200 g
Lauflänge: 98 mm 83 mm
Zahl der Züge: 6 Züge 6 Züge
Kaliber: 7,65 mm Browning oder 9 mm kurz 7,65 mm Browning oder 9 mm kurz
Mündungsgeschwindigkeit: 290 m/s 280 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 200 J 186 J
effektive Schussweite: bis 25 m bis 25 m
Magazingröße: 7 - 8 Schuss, je nach Kaliber 6 - 7 Schuss, je nach Kaliber


 

Text by Overlord; Korrektur: Kreuz As, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007