AIM-132 ASRAAM



AIM-132 ASRAAM

Die Advanced Short Range Air-to-Air-Missile (ASRAAM) ist eine sehr manövrierfähige, kampfeffektive und technisch auf dem neuesten Stand befindliche Waffe. Viele Kampfflugzeuge werden derzeit mit der radargelenkten AIM-120 AMRAAM für den BVR-Luftkampf ausgerüstet und tragen die AIM-9 Sidewinder für den Nahkampf. Diese beiden Raketen sind eine entwicklungstechnisch schlechte Kombination, da fast vier Jahrzehnte zwischen ihrer Indienststellung liegen. Während die AMRAAM in Entfernungen von fünf bis fünfzig Kilometern sehr effektiv ist, so nimmt ihre Wirkung  bei kürzeren Entfernungen jedoch rapide ab.
Als Rivale zur amerikanischen AIM-9X Sidewinder, ist die ASRAAM mit einem Infrarotsucher von Raytheon-Hughes ausgestattet, der auch die Basis für den Sucher der AIM-9X darstellt. Das Unternehmen entwickelte den Infrarotsucher mit einem Entwicklungsumfang von 215 Millionen US-Dollar. Dieser ASRAAM-Sucher spielte auch schon eine Rolle, als das Unternehmen den Produktionsauftrag für die AIM-9X erhielt und sich somit ein Auftragsvolumen von 5 Mrd. US-Dollar in den nächsten 20 Jahren sicherte.


Der Infrarotsucher blickt durch eine Kuppel aus Saphir und hat eine Bildauflösung von 128 mal 128 Pixel. Wenn er mit einer digitalen Signalverarbeitung und einer Bilderkennungssoftware ausgestattet ist, kann die ASRAAM ihr Ziel förmlich "sehen". Es ist für die Software sogar möglich, einzelne Teile wie Triebwerke, Cockpit, Flügel etc., zu erkennen. Durch diese Erkennungsfähigkeit wird die Resistenz gegen einfache IR-Gegenmaßnahmen wesentlich erhöht. Durch die Kombination von High-Off-Boresight Startfähigkeit und einem Helmvisier, wie das des Eurofighters, ist es dem Pilot sogar möglich die Rakete "über die Schulter" hinweg abzufeuern. 
Das ASRAAM-Programm wurde Anfang der 80er Jahre von Deutschland und dem Vereinigten Königreich ins Leben gerufen, aber die beiden Länder konnten sich nicht über die Details dieser Kooperation einigen. Deutschland verließ das Projekt in den frühen 90er Jahren und löst ab 2005 mit der IRIS-T (InfraRed Imagery Sidwinder-Tail controlled), gebaut von der Bodensee Gerätetechnik GmbH (BGT), die bis dahin genutzten Sidewinder Luft/Luft-Lenkflugkörper ab. Diese Entscheidung wurde maßgeblich von den neuen Einblicken in die Fähigkeiten der russischen AA-11 Archer Rakete angeregt, die die deutschen MiG-29 tragen. Die Luftwaffe folgerte, dass die Leistungen der AA-11 bisher sehr unterschätzt worden sind. Es stellte sich heraus, dass die AA-11 der AIM-9L in allen Aspekten überlegen war: Suchkopfsichtfeld, Erfassungsreichweite, Manövrierbarkeit, einfache Zielsuche und -erfassung. Auch der ASRAAM fehle es im Vergleich zur AA-11 Archer an Agilität.
Die britische Regierung hat seit 1992 636 Millionen Pfund in die Entwicklung der ASRAAM gesteckt. Die Auslieferung an die RAF (Royal Air Force) begann Ende 1998. Bis jetzt sind acht Testabschüsse, die drei F-4 Phanthom II-Drohnen zerstörten, gemacht worden. Sie wird von den Tornados F3 und den Harrier GR-7 getragen, bevor sie die Standard-Nahkampfwaffe der britischen Eurofighter wird.
Im Januar 1995 schloss British Aerospace in Stevenage, Hefordshire, England einen Vertrag mit einer Obergrenze von 10.933.154 US-Dollar für ausländische Vergleichstests (FCT - Foreign comparative Test) mit der ASRAAM ab. Der Zweck dieser Tests war das Gewinnen von Informationen, um zu bestimmen, ob die Rakete die Einsatzanforderungen der AIM-9X erreichen kann. Die Tests wurden zu 50% in Stevenage, England, zu 25% auf der Eglin AFB in Florida und zu 25% in China Lake in Kalifornien durchgeführt und waren im Juni 1996 abgeschlossen. Die Tests richteten sich auf die Risikobereiche der ASRAAM aus: Datenverarbeitung im Sucher, Sprengkopfeffektivität, Tests des Raketenmotors und die kinematische Lenkfähigkeit der Rakete um die Treffsicherheitsanforderungen der AIM-9X zu erreichen.

 

Nach etlichen Modifikationen im Zusammenhang mit dem FCT (das Programm war für vier Boden-Luft-Starts, 19 Luft-Luft Tests, vier programmierte Raketenstarts, acht statische Sprengkopftests und vier Raketenmotortests angesetzt) ergab die Auswertung der Tests, dass die ASRAAM die Einsatzvoraussetzungen der AIM-9X in den Bereichen Boresight-Winkel, Resistenz gegen IR-Gegenmaßnahmen, Treffsicherheit und Kompatibilität nicht erreicht hatte. Nachträglich schlugen BAe und Hughes eine verbesserter "P3I"-ASRAAM mit Schubvektorsteuerung, verbesserter Agilität und schwerem Sprengkopf vor.


Im Februar 1998 gewann das britisch-französische Matra BAe Konsortium, welches 1996 gegründet wurde, einen mehrere Millionen Dollar schweren Vertrag für die Lieferung der ASRAAM an die Australian Air Force für die Verwendung an der F/A-18 Hornet. Die ASRAAM setzte sich hierbei gegen die Rafeal Python 4 und die AIM-9X durch. Die ersten Raketen sollten im Jahr 2000 geliefert werden.



ASRAAM an einem EF-2000

Bezeichnung des Flugkörpers: AIM-132 ASRAAM
Typ: Luft-Luft-Abfangrakete für kurze Distanzen
Hersteller: Matra/ BAe
Indienststellung: 1998
Antrieb: 2-phasiger 6 Zoll Feststoffraketenmotor
Höchstgeschwindigkeit: ca. Mach 3
Reichweite: 300 m bis 15 km
Gewicht: 100 kg
Länge: 2,73 m
Durchmesser: 16,8 cm
Spannweite: 45 cm
Gewicht des Sprengkopfs: 10 kg, Hochexplosiv/Splittergefechtskopf
Lenkung: im Streckenflug Trägheitsnavigation, im Endanflug IIR
Zielsuchsystem: IIR (Imaging InfraRed)
Zünder: wahlweise Aufschlags- oder Näherungszünder

4 ASRAAMs auf ihrem Transportgestell


 

Text by Jetpilot. Letztes Update:  7. September 2007