Karabiner 98k



Der K98k mit Riemen, aufmunitioniertem Ladestreifen, Patronentaschen und Seitengewehr.

Kurzüberblick

Der Karabiner K98k (kurz) ist ein Repetierer auf Grundlage des Mauser-Systems 98, welches von den Gebrüdern Wilhelm und Peter-Paul Mauser entwickelt wurde. Er verschießt die leistungsstarke Patrone 8x57 IS aus einem zweireihigem Mittelschaftskastenmagazin welches 5 Patronen faßt. Der aus dem im 1. Weltkrieg verwendetem G98 hervorgegangene K98k wurde offiziell am 21. Juni 1935 in der Wehrmacht eingeführt. Zahlreiche Vorgänger ebneten den Weg zum K98k, aber ebenso zahlreiche Veränderungen flossen später in die Produktion ein.



Geschichte

Erste Versuche einen Karabiner auf Basis des Mauser-Systems 98 zu etablieren fanden bereits Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts statt. Das Ergebnis war der 96cm lange Karabiner 98, welcher einen 43,5 cm langen Lauf, sowie bereits einen gebogenen Kammerstengel und eine seitliche Riemenbefestigung hatte ( beim Gewehr 98 war der Kammerstengel gerade, die Riemenbefestigung wurde unterhalb am Schaft angebracht).

Aufgrund des extrem starken Mündungsknalls dieser kurzläufigen Waffe wurde die Produktion im Jahre 1905 wieder eingestellt. Ein Exemplar dieses heute überaus seltenen Karabiners befindet sich in der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz. Dieser Mißerfolg sollte jedoch nicht das Ende der Karabiner-Entwicklung bedeuten. Schließlich wurde mithilfe dieser Erfahrungen der Karabiner 98az (Aufpflanz- und Zusammensetzvorrichtung) entwickelt. Dieser hatte bei einer Gesamtlänge von 109 cm einen 59 cm langen Lauf, was das Problem des überaus starken Mündungsknalls des Karabiners 98 beseitigte. Nichtsdestotrotz war der Mündungsknall des K98az immer noch erheblich lauter als vom G98.

Der Karabiner 98az wurde ab dem Jahre 1909 an das Deutsche Heer ausgegeben und fand dort z.B. in der Kavallerietruppe oder in der Artillerietruppe Verwendung, wo ein langes Gewehr eher hinderlich war. Auch er hatte den gebogenen Kammerstengel sowie die seitliche Riemenbefestigung. Ein speziell für Radfahrer entwickeltes Gewehr namens Radfahrergewehr existierte ebenfalls. Das Radfahrergewehr unterschied sich vom G98 nur durch den typischen gebogenen Kammerstengel, sowie die seitliche Riemenbefestigung, die Abmessungen waren im Gegensatz zum Karabiner 98 und Karabiner 98az mit denen des G98 identisch. Eine neue Version des Radfahrergewehrs entstand 1923 mit dem Karabiner 98b. Dieser hatte lediglich ein neues Schiebevisier, welches an die ballistische Flugbahn der neuen als „sS-Patrone“(schweres Spitzgeschoß) bezeichneten Patrone angepaßt wurde, sowie einen neuartigen Zubringer. Dieser verhinderte das Schließen des Verschlusses bei leerem Magazin und sollte den Schützen im Eifer des Gefechts vor unangenehmen Überraschungen bewahren.

Karabiner des Typs 98b wurden sowohl neugefertigt, als auch aus alten G98 umgebaut. Größere Stückzahlen blieben, wohl auch wegen des Versailler Vertrages, allerdings aus.

 

Auch das Ausland war in der Karabinerentwicklung nicht untätig. Die Tschechoslowakei sowie Belgien boten Karabiner des Modells 24 an, die schon große Ähnlichkeit mit dem späteren K98k hatten. Zahlreiche Waffen diesen Typs wurden nach Südamerika und China exportiert. Die Mauser-Werke mussten nachziehen und so wurde das sogenannte Standardmodell entwickelt. Das Standardmodell hat einen 600mm langen Lauf, sowie das auf die neue Patrone abgestimmte Schiebevisier. Allerdings auch eine untere Riemenbefestigung und einen geraden Kammerstengel. Da der Versailler Vertrag die Waffenproduktion in Deutschland stark einschränkte, wurde eine kleine Fabrik in der Schweiz gekauft. Mauser schickte die Verschlüsse getrennt von den Gewehren an diese Fabrik, wo diese im Keller schließlich endmontiert, abgenommen, beschossen und versandt wurden. Im Erdgeschoß befand sich eine zivile Produktionsstätte für Kleidung.

Kleinere Verbesserungen am Standardmodell führten zu einer Waffe mit der Tarnbezeichnung „Gewehr für deutsche Reichspost“. Dieses erhielt den gebogenen Kammerstengel sowie die seitliche Riemenbefestigung. Das Standardmodell und das Gewehr für deutsche Reichspost hatten außerdem Fingerrillen am Schaft. Das "Gewehr für deutsche Reichspost" kann als direkter Vorgänger des K98k betrachtet werden.

 

1934 suchte das Heereswaffenamt eine neue Waffe für die Wehrmacht. Mauser und J.P. Sauer & Sohn beteiligten sich mit Versionen des Reichspostgewehres. Der Mauser-Karabiner unterschied sich lediglich durch die einzelne Ringfeder, die Ober- und Unterring hielt, vom Sauer-Karabiner . Beim Sauer-Karabiner fanden zwei einzelne Federn Verwendung. Am 21. Juni 1935 wurde die Waffe unter der Bezeichnung K98k in der Wehrmacht eingeführt. Sowohl die Mauser-Werke in Oberndorf, als auch J.P. Sauer & Sohn  produzierten bereits vor der offiziellen Einführung diese Karabiner. Bei Sauer hatten die ersten noch zwei Ringfedern, erst später, aber noch vor der Einführung wechselte man auf eine Ringfeder. Der K98k hatte im Gegensatz zu den Reichspostgewehren aber keine Fingerrillen mehr. Dafür erhielt er den geänderten Zubringer, der das Schließen des Verschlusses bei leerem Magazin verhinderte und eine Stempelplatte im Kolben, die beim Zerlegen des Verschlusses hilfreich war.

Es gab auch K98k, die aus alten G98 und K98b konvertiert wurden.



Technik

Die Verriegelung findet über 3 Verriegelungswarzen statt. Zwei befinden sich vor dem Patronenlager, eine weitere korrespondiert mit einer Aussparung in der Hülsenbrücke. Zum Laden wird der Kammerstengel um 90° nach links gedreht. Dadurch wird die Schlagbolzenfeder bereits teilweise gespannt. Der Verschluß wird dann vollständig nach hinten gezogen. Ein Ladestreifen wird in eine Aussparung an der Hülsenbrücke gesetzt und die Patronen werden in das Magazin gedrückt. Schließlich wird der Verschluß wieder nach vorne und eine Patrone ins Patronenlager geführt. Verriegelt wird über eine 90°-Drehbewegung nach rechts, wobei die Schlagbolzenfeder nun vollständig gespannt wird.

Der Karabiner ist bereit zum Feuern und kann jetzt auch gesichert werden. Die Sicherung hat drei Positionen: 1. Feuerbereit, 2. Zerlege-Stellung, bei der nicht mehr gefeuert werden kann, der Verschluß aber noch beweglich ist und 3. die Stellung Sicher, auf der weder gefeuert, noch der Verschluß bewegt werden kann. In der Kammer sind außerdem zwei ovale (später runde) Gasentlastungsbohrungen




Zerlegung des Verschlusses

Zum Zerlegen des Verschlusses wird dieser zunächst gespannt, der Sicherungsflügel wird in die mittlere (Zerlege-)Stellung gebracht. Dann wird der Verschluß geöffnet, zurückgezogen und durch betätigen des Schloßhalters vom Rest des Karabiners getrennt. Am Schlößchen befindet sich ein Drücker. Betätigt man diesen, kann der Schlagbolzen samt Feder, Schlößchen und Schlagbolzenmutter von der Kammer, an der sich der Auszieher befindet, abgeschraubt werden. Dann wird der Schlagbolzen in die Stempelplatte gesteckt. Mit einer Hand wird das Schlößchen gegen den Federdruck nach unten gedrückt. Die Schlagbolzenmutter kann nun mit einer Vierteldrehung nach links oder rechts entnommen werden. Gleichmäßig läßt man das Schlößchen wieder nach oben, damit es von der Feder nicht wegkatapultiert wird. Nun kann das Schlößchen vom Schlagbolzen getrennt, der Sicherungsflügel nach rechts gelegt und vom Schlößchen entnommen werden. Die Feder läßt sich nun auch vom Schlagbolzen abstreifen. Der Auszieher kann ebenfalls von der Kammer getrennt werden, wenn das allerdings nicht unbedingt notwendig sein sollte, braucht man dies in der Regel aus Materialschonungsgründen nicht machen. Das Zusammensetzen erfolgt sinngemäß in umgekehrter Reihenfolge.




Produktion

Die Hersteller des K98k hatten als Herstellerzeichen einen Code um alliierte Inspektoren zu verwirren, da der Versailler Vertrag eine umfangreiche Waffenproduktion verbot (eine vollständige Liste der auch wechselnden Codes der Hersteller ist am Ende des Artikels als Link zu finden). Im Laufe des Krieges gab es nicht nur 10 verschiedene Hersteller des K98k, es gab auch zahlreiche Veränderungen sowie Verbesserungen am K98k, die darauf abzielten die Produktion zu beschleunigen sowie billiger zu machen. Hier eine Liste der Veränderungen:



  • 1936: Verkürzung des Visierdrückers
  • 1938: Offizielle Änderung des Beschußstempels von Weimarer Adler zu Adler mit Hakenkreuz
  • 1938: Verwendung von schweren Schichtholzschäften, da Nußbaumschäfte knapp wurden
  • 1939: Einführung eines 32 cm langen und somit 7 cm längeren neuen Putzstockes. Beim kürzeren Putzstock kann es zu Schaftrissen kommen
  • 1939: Einführung des Kornschutzes, sowie eines neuen Mündungsschoners aus Gummi
  • 1939: Einführung eines Kolbenschuhs (Kolbenkappe mit hochgezogenen Rändern)
  • 1942: Einführung eines vereinfachten, nun nicht mehr H-förmigen Oberringes
  • 1943: Einführung von Blechprägeteilen, Ober- und Unterring aus Blech. Es gibt Übergangsoberringe die gefräst und geschweißt waren
  • 1944: Gröbere Oberflächenbehandlung, Kolbenschuh nicht mehr gehärtet
  • 1944: Einführung der Phosphatierung
  • 1944: Zunehmendes Weglassen von Bestempelungen von Kleinteilen
  • 1944: vereinfachtes/grober bearbeitetes Schlösschen
  • 1944: teilweises Weglassen der Stempelplatte, Einführung einer Bohrung in dem Kolbenschuh als Ersatz
  • 1944: Teilweise Weglassen des Bajonetthalters und Putzstockes
  • 1944: Einführung von Kasten und Magazinteilen aus Blechprägeteilen
  • 1944: Teilweise Weglassen der Ringfeder, Schrauben als Ersatz
  • 1944: Einführung eines Winterabzuges
  • 1944: Vereinfachung des Verschlusses, Weglassen der Verschlußführung
  • 1945: Waffenwerke Brünn: einfaches Standvisier als Blechprägeteil
  • 1945: Vereinfachung des Verschlusses, runde statt ovale Gasentlastungsbohrungen
  • 1945: Ringfeder als Blechprägeteil

Bei all diesen Veränderungen ist anzumerken, daß diese nicht immer sofort von allen Herstellern umgesetzt wurden.



Links ein deutscher Soldat an der Ostfront mit einem K98k

Zubehör

Als Zubehör zum K98k gibt es einen Riemen, das Reinigungsgerät 34, das Seitengewehr (Bajonett) SG84/98, das seltene SG42 mit Werkzeug im Griffrücken, Mündungsschoner, Patronentaschen, Gewehrgranatgeräte, Winterabzug, ein Schloßschützer aus Leder, sowie seltener Schalldämpfer. Außerdem gab es versuchsweise Krummläufe.



Sondermodelle

Es gab verschiedene Sondermodelle vom K98k. Zum einen gibt es das seltene G40k mit einer Lauflänge von 49 cm, eine verkürzte Ausführung des K98k. Zum anderen gibt es spezielle Exemplare für Fallschirmjäger: Es sind Exemplare mit Klappschäften sowie Exemplare mit abschraubbaren Läufen bekannt.  

 

Scharfschützenwaffen: K98k aus der Serienproduktion, die eine überdurchschnittliche Präzision aufwiesen, wurden mit einem Zielfernrohr versehen und an Scharfschützen ausgegeben. Die Montagen der Zielfernrohre, sowie die Zielfernrohre selbst, sind unterschiedliche Fabrikate. Es gibt: Das Zf41 mit weit vorn liegender Seitenmontage. Dieses Zielfernrohr ist für den Einsatz für Scharfschützen ungeeignet gewesen, da es lediglich eine 1,5-fache Vergrößerung sowie ein viel zu kleines Sichtfeld bot. Ursprünglich war es auch nicht für diese Verwendung, sondern als Verwendung für einen Gruppenscharfschützen gedacht. Zudem fanden eine auf Hülsenkopf und Hülsenbrücke angebrachte, sogenannte hohe bzw. niedrige Turmschwenkmontage und eine seitlich am Systemkasten befestigte lange bzw. kurze Seitenmontage, Verwendung. Als Zielfernrohre wurden zumeist welche mit 4-facher Vergrößerung zur Verfügung gestellt. Außerdem existiert eine seltene Seitenmontage mit nach hinten abgewinkelten Ringen, die sogenannte Guß-Montage. Das 4-fach vergrößernde Zielfernrohr, das bei dieser Montage benutzt wurde, ähnelt dem russischen Modell PU.



Triviales

  • Heutzutage wird der K98k beim Wachbataillon der Bundeswehr verwendet
  • Bei frühen MPi K (AK47) der NVA wurden alte K98k-Kolben als Kolben verwendet
  • Auch nach dem 2. Weltkrieg fand der K98k, teilweise abgeändert in andere Kaliber, wie zum Beispiel  .308Win, in zahlreichen Ländern Verwendung
  • Gegen Kriegsende sollen wenige K98k im Kaliber 8x33 mm hergestellt worden sein


Verwandte Waffen (ein Ausriß)

 Deutschland:

G98

K98

K98AZ

Radfahrergewehr

K98b

Standard Modell I

Standard Modell II (Gewehr für deutsche Reichspost)

G40k

Verschiedene Fallschirmjägerversionen mit Klappschaft oder abschraubbarem Lauf  

 

 USA:

Springfield M1903  

 

 Belgien:

M24

 

 Tschechoslowakei:

Vz24 Vz16/33 (Der Gebirgsjägerkarabiner G33/40)  

 

 Polen:

Wz29  

 

 Spanien:

FR8  

 

 Jugoslawien:

M48



Bezeichnung der Waffe Karabiner 98k
Hersteller (Ort in Klammern) Mauser-Werke AG (Oberndorf am Neckar), J.P. Sauer & Sohn (Suhl), Feinmechanische Werke GmbH (Erfurt), Mauser-Werke AG (Werk Borsigwalde), Berlin-Lübecker Maschinenfabriken Bernhard Berghaus (Werk Lübeck), Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke, Gustloff-Werke (Weimar), Steyr-Daimler-Puch AG (Steyr), Waffenwerke Brünn Ag (Bystrica), Waffenwerke Brünn AG (Brünn)
Länge 111 cm
Gewicht 3,9 kg (Nußbaumschaft)
4,2 kg (Schichtholzschaft)
Lauflänge 600 mm
Drall-Länge 240 mm
Drall-Art Rechtsdrall
Anzahl der Züge 4
Kaliber 8x57 IS
Mündungsgeschwindigkeit 755 m/s
Munitionszufuhr Zweireihiges Kastenmagazin im Schaft für 5 Patronen
Visierung Kurvenvisier mit Entfernungsmarken von 100 m bis 2000 m, V- Kimme und horizontal verstellbares Dachkorn


Weiterführende Literatur/Links

Richard D. Law: Karabiner 98k

Richard D. Law: K98k als Scharfschützenwaffe

Guus de Vries & Bas J. Martens: Waffen im Einsatz Band 1: Der Karabiner 98k

Robert W. D. Ball: Mauser military rifles of the world

Dieter Storz: Gewehr & Karabiner 98

Albrecht Wacker: Das System Adalbert

Friedrich Graf: Karabiner 98 kurz

 

Liste aller Hersteller sowie Herstellercodes:

http://www.mausershooters.org/k98k/K98_manuc.html

 



 

Text by Schnibbs. Letztes Update: 26. November 2007