Fallschirmjägergewehr 42

(FG 42)


Das FG 42, hier ein frühes Modell 1, war der Versuch, die deutschen Fallschirmjäger mit einem Gewehr auszurüsten, das eine hohe Feuerkraft bot und als MG-Ersatz dienen konnte.

Im Juni 1941 landeten deutsche Fallschirmjägertruppen auf Kreta um die britische Oberherrschaft in diesem Bereich des Mittelmeers zu brechen und eine halbwegs sichere Seeroute für die deutschen und italienischen Frachter zu schaffen, die lebensnotwendigen Nachschub für die Front in Nordafrika heranschaffen mussten (Unternehmen Merkur). Die Besetzung der kleinen Mittelmeerinsel war äußerst verlustreich und gelang erst nach harten Kämpfen gegen die sich verbissen wehrenden britischen, griechischen und neuseeländischen Truppen.
Als Konsequenz aus den schlechten Erfahrungen, die man mit dem wenig Feuerkraft bietenden Karabiner K98k gemacht hatte, wurde von der Luftwaffe eine neuartige Waffe gefordert, auf Basis der durchschlagskräftigen Patrone 8x57 IS und mit der Möglichkeit zu vollautomatischem Feuer. Das Heer konzentrierte sich dagegen aufgrund anderer taktischer Vorstellungen auf die Kurzpatrone 7,92x33 mm.
Rheinmetall konnte schließlich nach umfangreichen Truppenerprobungen das 7,92 mm Fallschirmjägergewehr 42 (FG 42) vorstellen, eine für die Deutschen wahrlich neuartige Konstruktion, die als eine der ersten Waffen eine geradlinige Schulterstütze verwendete. Mit dieser lässt sich der Rückstoß einer automatischen Waffe um ein Vielfaches besser kontrollieren, ein Merkmal, das sich durchgesetzt hat und heute bei jedem Sturmgewehr zu finden ist. Das Magazin mit zehn oder zwanzig Schuss befand sich auf der linken Seite und war beim Transport der Waffe am Mann oftmals hinderlich, und ließ das FG 42 beim Feuern schlecht ausbalanciert erscheinen. Serienmäßig gab es ein stabiles Zweibein, welches in angeklappter Position das Bajonett verdeckte.
Das FG 42 war ein Gasdrucklader für Einzel- und Dauerfeuer. Interessanterweise funktionierte dieses System bei Einzelfeuer aufschießend und bei Dauerfeuer zuschießend um eine bessere Kühlung zu gewährleisten. Das Dioptervisier konnte auf Entfernungen zwischen 100 und 1.500 m eingerichtet werden, die Verwendung eines optischen Visiers war optional und erlaubte den Einsatz als feuerstarkes Heckenschützengewehr. Zusatzgeräte wie ein Wurfbecher zum Verschuss von Granaten konnten ebenfalls angebracht werden und dienten zur Erweiterung des Einsatzspektrums. 
Die von der Luftwaffe geforderten hohen Stückzahlen konnten während des Krieges mit den resultierenden knappen Ressourcen nicht erreicht werden, woran letztendlich auch die komplizierte Fertigung des FG 42 nicht ganz schuldlos war. Änderungen in Details der Waffe wurden in die laufende Produktion eingebracht und machten eine Serienproduktion schließlich möglich. So wurden der Schaft und der Pistolengriff ab der dritten Ausführung ausschließlich aus Holz gefertigt, das Zweibein wurde verstärkt und wanderte weiter in Richtung der Mündung um die Waffe besser beherrschbar zu machen. Der Wert dieser Einsparungen und Umbauten war jedoch nur gering und die Stückzahl blieb daher bis zum Ende des Krieges auf 7.000 Stück begrenzt. Nicht weiter tragisch, da der Einsatz von Luftlandetruppen im weiteren Verlauf des Krieges so gut wie nicht mehr erfolgte und für den Abwehrkampf im Rahmen des Heeres gab es taktisch bessere Alternativen.
Der erste Einsatz des FG 42 fand im September 1943 im Rahmen des Einsatzes "Eiche" statt, als 9 Lastensegler mit der 1. Kompanie des Fallschirmjäger-Lehrbattallions unter Kommando von Oberleutnant Freiherr von Berlepsch und einem SD-Sonderkommando unter Sturmbannführer Skorzeny in einer waghalsigen Aktion den gestürzten italienischen Diktator Mussolini aus dem Berghotel Campo Imperatore befreiten und ihn mit einem Fieseler Storch vorerst ins immer noch von der Wehrmacht besetzte Rom brachten.
Als Vorläufer und "Trendsetter" hat sich das FG 42 einigen Ruhm erworben, Konstruktionsmerkmale dieser Waffe sollen angeblich im M60 zu finden sein und die gerade Schulterstütze ist, wie bereits angesprochen, ein Merkmal aller modernen Sturmgewehre.



FG 42 Modell 3

Bezeichnung der Waffe: Fallschirmjägergewehr 42 (FG 42)
Modell 1
Fallschirmjägergewehr 42 (FG 42)
Modell 3
Hersteller: Rheinmetall Rheinmetall
Länge: 940 mm 970 mm
Gewicht: 4,53 kg 4,98 kg
Lauflänge: 502 mm 502 mm
Kaliber: 7,92 x 57 mm (8 x 57 mm IS) 7,92 x 57 mm (8 x 57 mm IS)
Mündungsgeschwindigkeit: 761 m/s 755 m/s
Feuerrate: 750 bis 800 Schuss/min 600 s/min
Munitionszufuhr/Magazingröße: 10 oder 20 Schuss Kastenmagazin 10 oder 20 Schuss Kastenmagazin

die späte Version des FG 42 mit dem modifizierten Griff

Ein Bild aus einem Ausbildungsbuch: Das Abfeuern des FG 42 in der richtigen Lage.


 

Text by Dietl, Daniel, UncleK. Letztes Update:  7. September 2007