Heckler & Koch G11/ACR



Die überarbeitete Version als G11K2. Picture by www.hkpro.com

Das 1988 vorgestellte G11 von Heckler&Koch stellt eine recht außergewöhnliche zukunftsorientierte Waffe dar. Das Ziel bei dieser plump und eckig aussehenden Konstruktion ist einfach: Die Trefferwahrscheinlichkeit bei Feuerstößen soll auch für mäßige Schützen drastisch erhöht werden (3 Projektile gelten als optimal um ein Ziel auszuschalten). Theoretisch wird diese Funktion von vielen Schnellfeuerwaffen unterstützt, doch in der Realität verzieht der Lauf der Waffe schon durch den Rückstoß des ersten Schusses, so dass ein (sich bewegendes) Ziel von den nachfolgenden Kugeln nicht unbedingt getroffen wird. Das Prinzip von Heckler&Koch besteht darin, die Feuerrate so hoch zu halten, dass alle 3 Schuss einer Salve abgefeuert sind, ehe sich der Rückstoß an der Schulter des Schützen bemerkbar macht. Eine realistische Feuerrate zu diesem Zweck wäre bei Geschwindigkeiten um die 2.000 Schuss/min anzulegen. In der Umsetzung verwendet H&K nun einen Drehverschluss und spezielle Munition ohne Hülse, um den Vorgang des Hülsenauswurfs wegzulassen, um unmittelbar nach dem Schuss schon den nächsten zu laden. Das Problem bestand nun darin eine Treibladung zu entwickeln, die ohne den Schutz der Hülse den Anforderungen des Gefechts standhält, z.B. Vermeidung von Rohrverschleimung und unbeabsichtigtes Auslösen eines Schusses durch die erhitzte Waffe. Dieses Problem ließ sich in der Praxis nicht völlig durch die neue Treibladung ausschalten: Das G11 neigt demnach zum Überhitzen und so musste die Feuerrate im vollautomatischen Modus sehr reduziert werden. Das Magazin fasst in der ersten Version 50 Schuss der blockartigen Munition bei der das Projektil von der offen liegenden Treibladung umschlossen wird. In späteren Versionen wurde die Magazingröße auf 45 Schuss begrenzt. Vom Magazin werden die Geschosse in einen Drehverschluss gedrückt, welcher sich anschließend um 90 Grad nach unten dreht um Projektil und Rohr in eine Linie zu bringen. Nach Abfeuern des Schusses werden Rohr, Verschlusssystem und Magazin mit dem Rückschlag nach hinten geschoben und da keine Hülse auszuwerfen ist kann bereits der nächste Schuss geladen werden. Dieser Zyklus findet 3 mal statt, ehe der gesamte Mechanismus gegen einen Puffer schlägt und der Schütze den Rückschlag spürt. Der Feuerstoß hört sich an wie eine einzelne Detonation. Das Gewehr besitzt ein nicht abnehmbares Visier (1:1) das auf Entfernungen bis zu 300 m optimiert ist. Zusätzliche Zieleinrichtungen sind nicht vorgesehen, weil die Konstrukteure von der Robustheit ihres Produkts überzeugt waren. Nach 2 Jahren mit harten Tests und ständigen Verbesserungen wurde das G11 K2 (Konfiguration 2) vorgestellt. Zu den Veränderungen gehörten neben ergonomischen Verbesserungen auch geringe Änderungen bei der Mechanik der Waffe. Zudem wurde das Gehäuse so modifiziert, dass 2 weitere 45-Schuss Magazine an der Waffe angebracht werden können um die Nachladezeiten möglichst gering zu halten. Bei den Tests mit der neuen Version wurden im Schnitt 50% mehr Treffer erzielt als mit dem alten G3.



Die hülsenlose Munition des G11. Picture by www.hkpro.com

Das G11 nahm am amerikanischen ACR-Programm teil (ACR=Advanced Combat Rifle) und musste sich dort gegen 3 andere Kandidaten durchsetzen. Eine verbesserte Version der M16, eine Variante der Steyr AUG, die Nadelgeschosse verschießen sollte (Steyr Flechette) und ein Gasdrucklader für Nadelgeschosse waren die Konkurrenten. Ein offizielles Ergebnis gibt es nicht, jedoch wurde die G11 von den teilnehmenden Schützen für ihre Präzision und hohe Trefferwahrscheinlichkeit gelobt. Trotzdem geht die US-Army nun mit der M16A3 ins nächste Jahrtausend.
Die Technik des G11 macht das Gewehr extrem teuer und deswegen ist eine große Verbreitung nach dem politischen Umbruch der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts unwahrscheinlich. Ebenso existiert bereits eine Variante, das so genannte LMG11 mit einem 300 Schuss Magazin (!). Voll geladen wird sie wohl weniger wiegen als die M249 SAW. Ansonsten sind die Leistungsdaten abgesehen von einer höheren Reichweite durch einen schwereren Lauf identisch.



Die 4,73x33 mm caseless (oben) im Vergleich mit einer herkömmlichen Patrone (schematische Darstellung).

Bezeichnung der Waffe: G11
Hersteller: Heckler&Koch, Oberndorf/Neckar
Länge: 752 mm
Breite: 58 mm (stellenweise auch 64 mm)
Höhe: 290 mm
Gewicht: 3,8 kg
Lauflänge: 540 mm
Bohrung: polygonal
Kaliber: 4,73x33 mm hülsenlos (nach amerikanischer Meßart: 4,92x34 mm)
mittlerer Gasdruck im Rohr: < 4.000 bar
Mündungsgeschwindigkeit: 930 m/s
Mündungsenergie des Projektils: 1,46 KJ
Feuerrate: 600 Schuss/min ~ 2.000 s/min Salvenmodus
effektive Schussweite: 400 m

Vereinfachte schematische Darstellung des Drehverschlusses des G11

Picture by www.hkpro.com



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Bildergalerie zum G11



Der allererste Prototyp von 1974. Picture by www.hkpro.com

 

Text by Da_Maniac. Letztes Update:  7. September 2007