TDI KRISS Vector SMG .45 ACP



Behördenmodell mit GripPod, EOTech-Reflexvisier, 13-Schuss-Magazin, Surefire-Lampe (über der Mündung) und Trageriemen.

(slp) Im Januar des Jahres 2007 stellte die bis dato noch unbekannte Firma Transformational Defense Industries Inc. (TDI) auf der jährlich in den USA stattfindenden Waffenfachmesse „Shot Show“ erstmals den futuristisch aussehenden Prototypen einer Maschinenpistole der Öffentlichkeit vor und erregte damit einiges Aufsehen. Dieses Muster im Kaliber .45 ACP  wies einen neuartigen Verschluss auf, welcher die Kontrollierbarkeit der Waffe während des Schießens durch teilweises Umleiten der Rückstoßkräfte signifikant steigern sollte. Die Waffe wurde seitdem zur Serienreife weiterentwickelt. Gegenüber der auf der „Shot Show“ präsentierten Version wurden mehr als 50 Veränderungen vorgenommen, welche die Produktion vereinfachen und die Zuverlässigkeit der Maschinenpistole erhöhen sollen.

TDI hofft, mit seiner neuen Waffe hauptsächlich Kunden im Behördenbereich zu finden, jedoch stehen speziell für Sportschützen zwei halbautomatische Versionen mit unterschiedlicher Lauflänge zur Verfügung. Die amerikanischen Streitkräfte bekundeten im Jahr 2004 ihr Interesse und förderten die Optimierung des Verschlussprinzips mit 250.000 Dollar sowie mit fachlicher Unterstützung durch das Armament Research, Development and Engineering Center (ARDEC).

TDI sieht seine Maschinenpistole als Offensivwaffe für Einheiten, die häufig in beengten Räumen operieren, beispielsweise Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs. Sie soll die bisher verwendeten Maschinenpistolen und Pistolen in diesem Aufgabenbereich ersetzen. Aufgrund ihres geringen Gewichts und ihrer kompakten Abmessungen könnte sie auch als Nahverteidigungswaffe zum Beispiel aus Fahrzeugen heraus eingesetzt werden. 



Entwicklung

Im Frühjahr des Jahres 2002 wurde die Gamma Applied Visions Group Holding SA durch den norwegischen Investmentbanker Jan Hendrik Jebsen in der Schweiz gegründet.  Die Gesellschaft soll verschiedene Firmen unter ein Dach bringen, die sich auf die Bereiche Verteidigung, Sicherheit, Kommunikation, Zivilschutz und Terrorabwehr spezialisiert haben. Darunter befindet sich auch die Gamma KDG, die sich auf die Entwicklung innovativer Waffensysteme spezialisiert hat. Eines dieser innovativen Systeme ist der von Renaud Kerbrat, einem früheren Angestellten von FN Herstal, entwickelte Super-V-Verschluss. Bereits im Juni 2002 konnte Jebsen die ersten Patentschriften in den USA und diversen anderen Ländern einreichen. Als diese bewilligt waren, konnte die Entwicklung einer darauf basierenden Waffe in vollem Umfang beginnen. Zu diesem Zweck wurde Transformational Defense Industries inc. (TDI) in den USA gegründet, zudem wurden einige ehemalige US-Militärangehörige eingestellt, die zuvor in Schlüsselpositionen der Beschaffungsbehörden tätig waren. Im Juli 2004 machte sich dieser Schritt bezahlt, das Joint Service Small Arms Program (JSSAP) des ARDEC gab eine Machbarkeitsstudie im Wert von 250.000 US-Dollar in Auftrag. Anhand eines funktionsfähigen Prototyps, der in der Schweiz von Kerbrat und einem Kollegen gefertigt wurde, erstellte das ARDEC  ein optimiertes Computer-Modell. Aufgrund der gewonnenen Daten wurde ein weiterer, sehr unförmig anmutender Prototyp gefertigt. Trotz Problemen mit der Patronenzuführung war dieser so vielversprechend, dass man daran ging, daraus ein serienreifes Modell zu entwickeln. 

Neben dem ARDEC und TDI wurde nun auch MagPul Industries als technische Beratungsfirma am Projekt beteiligt. Die aus der Zusammenarbeit entstandene Waffe mit der Bezeichnung TRL6 Kriss XSMG, die über ein erheblich ergonomischeres Gehäuse von MagPul sowie einen leicht modifizierten Verschluss verfügte, wurde im Januar 2007 auf der „Shot Show“ präsentiert. Wenig später wurden weitere verbesserte Prototypen mit der Bezeichnung TRL7 gebaut. Neun davon wurden an das ARDEC geliefert, um die Tauglichkeit für eine militärische Verwendung zu prüfen. In diesem Rahmen wurde die Waffe widrigen Bedingungen ausgesetzt, darunter hohen und niedrigen Temperaturen, Regen, Sand und Schlamm. Zudem wurde nachgewiesen, dass die Waffe grundsätzlich keine Gefahr für den Schützen darstellt. Mit diesem Nachweis war es nun allen US-Soldaten erlaubt an Feldversuchen mit der KRISS Vector SMG teilzunehmen. Von dieser Möglichkeit wurde bald darauf Gebrauch gemacht. Soldaten des Special Operations Command (SOCOM) schossen die Waffe zur Probe und gaben Anregungen für Verbesserungen. Zusammen mit weiteren Vorschlägen von MagPul flossen diese in die endgültige Serienausführung ein. 

Das finale Modell, die KRISS Vector SMG, ist gegenüber dem letzten Prototypen, der TRL7 XSMG, einfacher zu fertigen, bedienungsfreundlicher und zuverlässiger. Die Produktion in Kleinserie begann im November 2007.



Beschreibung

Um das Waffengewicht gering zu halten besteht das unter der Regie von MagPul entwickelte Gehäuse der KRISS Vector SMG aus glasfaserverstärktem Polyamid. Es ist verwindungssteif, unempfindlich gegenüber Kälte und hält Temperaturen von über 200°C mehrere Stunden stand. Alle anderen Teile bestehen entweder aus Stahl, wie z. B. der Lauf und der Verschlusskopf, oder eloxiertem Aluminium. Die Schulterstütze ist ebenfalls aus Polyamid und lässt sich zur Seite hin abklappen. Die Kolbenplatte mit Gummipolster lässt sich in der Länge verstellen, um sie individuell an den Schützen anpassen zu können. Sicherungs- und Feuerwahlhebel befinden jeweils auf der linken und rechten Seite, die Waffe ist somit in dieser Hinsicht für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen geeignet. Der Sicherungshebel ist auf Höhe des Daumens der Schusshand plaziert, weitere Sicherungseinrichtungen wie z.B. eine Handballensicherung sind nicht vorhanden. Der Feuerwahlhebel, welcher nur beim Behördenmodell vorhanden ist, befindet sich weiter vorne, knapp hinter dem Hülsenauswurffenster. Der abklappbare Ladehebel befindet sich auf der linken Seite und bewegt sich beim Feuern nicht mit. So wird verhindert, dass der Schütze bei der Schussabgabe irritiert oder sogar gefährdet wird. Zusätzlich befindet sich unterhalb des Ladehebels ein Verschlussfanghebel. Der Verschluss verbleibt, nachdem das Magazin leergeschossen wurde, in geöffneter Stellung Nach dem Einführen eines geladenen Magazins und Lösen des Verschlussfangs ist die Waffe sofort wieder feuerbereit, ein vollständiges Durchladen mit Hilfe des Ladehebels ist somit nicht notwendig. Der Magazinschacht befindet sich in der Mitte der Waffe vor der Verschlussbahn, die Magazine werden von unten eingeführt. Der Magazinlöseknopf befindet sich ausschließlich auf der linken Seite, unter dem Verschlussfanghebel. Auf der Waffenoberseite befindet sich eine Picatinny-Montageschiene für Zielhilfen, standardmäßig befindet sich dort eine offene, umklappbare Visierung. Der Lauf  ist 140 mm lang und kann zusätzlich mit einem Gewinde für einen Schalldämpfer oder andere Mündungsvorsätze versehen werden. Im Pistolengriff befindet sich ein Staufach für Kleinteile.



Magazin

Ein weiteres ungewöhnliches Merkmal ist das verwendete Magazin. Es handelt sich dabei nicht um eine eigene Entwicklung von TDI, sondern um das weit verbreitete und bewährte Magazin der halbautomatischen Pistole Glock 21, welches 13 Patronen fasst und vollständig vom Magazinschacht der Kriss SMG umschlossen wird. Wird eine Glock 21 als Zweitwaffe geführt, kann auf untereinander inkompatible Ersatzmagazine verzichtet werden. TDI bietet für dieses Magazin zudem eine von MagPul entwickelte Verlängerung an, der Magazinboden wird dabei durch ein langes rechteckiges Rohr aus im Spritzgussverfahren gefertigtem faserverstärktem Kunststoff ersetzt. Die Zubringerfeder wird ebenfalls durch eine längere ersetzt. Die Magazinkapazität erhöht sich damit auf 30 Patronen. Das verlängerte Magazin lässt sich darüber hinaus ebenfalls mit der Glock 21 verwenden.

TDI empfiehlt jedoch,diese verlängerten Magazine nicht aus dem Magazinschacht auf den Boden fallen zu lassen, um Beschädigungen und daraus folgende Zuführstörungen zu vermeiden.



Das Behördenmodell der KRISS Vector SMG mit diversen Anbauteilen und verlängertem Glock-21-Magazin, es ragt deutlich aus dem Magazinschacht heraus und fasst 30 Patronen.

Das Super-V-System


CAD-Schnittbild, kurz nach dem Entriegeln und kurz vor dem Auswerfen der leeren Hülse. Der Verschlusskopf bewegt sich noch horizontal.

Das Herz der Waffe, der Super-V-Verschluss, befindet sich in dem voluminösen Teil des Waffengehäuses vor dem Abzug. Die futuristische Form der Waffe ist vom Verschlussprinzip vorgegeben und nicht, wie man meinen könnte, Teil einer ausgefallenen Verkaufsstrategie.

Bei einer konventionellen masseverriegelten Maschinenpistole (beispielsweise der IMI Uzi oder der HK UMP) und auch bei anderen Verschlussarten, wie z.B. dem beweglich abgestützten Rollenverschluss der HK MP5, gleitet das relativ schwere Verschlussstück unmittelbar nach dem Schuss gegen den Druck der Schließfeder geradlinig nach hinten und wirkt direkt auf die Schulter des Schützen. Beim „Super V“ getauften Verschluss der KRISS Vector SMG ist genau dies nicht der Fall.

Die Waffe hat einen verzögerten Masseverschluss und ist aufschießend. Krümmt der Schütze den Abzug ab, schlägt das Schlagstück (1) auf den Schlagbolzen, welcher die Patrone zündet. Der Verschlusskopf (2), der mit seinen zwei Nocken (3) am hinteren Ende in die Steuerkurve (4) am oberen Ende des Gleitstücks greift, wird gegen die Schräge der Steuerkurve gedrückt und durch die Führungsnocken (5) über die gesamte Wegstrecke in seiner Bahn gehalten. Erreicht der Gasdruck sein Maximum, überkommt das Verschlussstück die kleine Schräge und drückt das Gleitstück (6) im Winkel von 72° zur Laufseelenachse gegen die Schließfeder (7) nach unten, der Verschluss entriegelt. Bevor der Verschlusskopf ebenfalls nach unten ausweicht, legt er einen kurzen horizontalen Weg zurück, dabei wird die leere Patronenhülse ausgeworfen und das Schlagstück wieder gespannt. 

Wenn sich Verschlusskopf und Gleitstück aufgrund der Federkraft wieder nach oben bewegen, nimmt der Verschlusskopf die nächste Patrone aus dem Magazin auf und führt sie ins Patronenlager. Der Prozess kann wieder von vorne beginnen.

Das nach unten laufende Gleitstück wirkt der steigenden Mündung entgegen. Dies, so gibt der Hersteller an, verringert die in die Schulter geleitete Rückstoßenergie um 60 Prozent und vermindert das Steigen der Mündung um 95 Prozent. Selbst bei der beachtlichen Kadenz von bis zu 1100 Schuss pro Minute soll der Schütze so die Waffe leicht im Ziel halten können.



Verschlusskopf, Gleitstück und Schließfeder einschließlich Bodenstück.

Verschlusskopf und Gleitstück in Verriegelungsposition.

Der Verschluss bewegt sich aufgrund seiner kinetischen Energie gegen den Druck der Schließfeder nach unten.

Gleitstück und Verschluss in der untersten Stellung.

Vor- und Nachteile der KRISS Vector SMG

Bei jeder Feuerwaffe gibt es mehrere Impulse, die die Waffe in unerwünschte Bewegungen versetzen können. Der erste Impuls entsteht, wenn das Geschoss nach vorne aus dem Lauf beschleunigt wird (Geschossimpuls). Diese Komponente verursacht den meisten Rückstoß. Nicht nur das Geschoss wird beschleunigt, sondern auch die Pulvergase - sie bewirken ebenfalls einen Impuls, den Impuls der Pulvergase. Nachdem das Projektil die Mündung verlassen hat, folgt der so genannte Nachwirkungsimpuls. Er entsteht dadurch, dass die Pulvergase mit hoher Geschwindigkeit aus der Mündung strömen. Der Nachwirkungsimpuls wird daher auch als Raketeneffekt bezeichnet. Aufgrund des hohen Geschossgewichtes hat das Kaliber .45 ACP einen vergleichsweise starken Rückstoß zur Folge. Der Rückstoß der Patrone 9x19 mm Parabellum ist, bei fast identischer Mündungsenergie, beispielsweise deutlich geringer. Weder den eigentlichen Geschossimpuls, den Raketeneffekt noch den Impuls der Pulvergase kann das Super-V-System kompensieren. Der Nachwirkungsimpuls, der bei Pistolenpatronen etwa 10-15% des gesamten Rückstoßes verursacht, könnte jedoch durch eine Mündungsbremse abgemildert werden. Bei einer automatischen Waffe müssen jedoch auch noch die beweglichen Verschlussteile betrachtet werden: Zwei weitere Impulse entstehen, wenn der Verschluss jeweils in seiner hintersten und in der vordersten Stellung, also nach dem Zuführen einer Patrone  zum stehen kommt. Der Verschluss eines Rückstossladers kann mitunter eine hohe kinetische Energie innehaben. Bei allen gängigen Verschlussarten wird dieser Verschluss geradlinig nach hinten bewegt und wirkt somit direkt auf die Schulter des Schützen. Im Unterschied dazu wird beim Super-V-System ein Gleitstück nach unten bewegt. Stellt man sich nun die Schulter des Schützen als Drehpunkt vor, dann wirkt diese Bewegung der nach oben schnellenden Mündung entgegen. Die Kräfte heben sich, zumindest teilweise, gegenseitig auf. Die Folge: Die Mündung steigt beträchtlich weniger als bei vergleichbaren Waffen, laut TDI rund ein Drittel weniger stark als bei der HK MP5A3. Des Weiteren ist die einfache Verschlusskonstruktion nur wenig ausbildungsintensiv und ist leicht zu warten. Das Super-V-System hat weniger Teile als vergleichbare verzögerte Rückstoßlader, es besitzt zudem kaum mehr Teile als ein rein masseverriegelter Verschluss. Alle Funktionsflächen sind mit Reinigungswerkzeug leicht erreichbar. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Laufachse auf Höhe der Schusshand und in einer Linie mit dem Unterarm befindet. Dadurch gibt es keinen Hebelarm, der ein Steigen der Mündung begünstigen würde. Dieses Prinzip ist bereits von der russischen Sportpistole MTs-3 "Rekord" aus den 1950er Jahren bekannt. Über dem Hülsenauswurffenster befindet sich keine Schutzklappe, zudem wird es auf der Innenseite auch nicht vollständig vom Verschluss verdeckt. Hierdurch kann Schmutz in das Waffeninnere eindringen und zu Funktionsstörungen führen.

Der nur 140 mm lange Lauf ist für eine Maschinenpistole ungewöhnlich kurz. Sein hexagonales Innenprofil bietet jedoch einige Vorteile. Der Lauf lässt leichter reinigen, anders als herkömmliche Laufprofile besitzt er keine Winkel oder Kanten, in denen sich Verschmutzungen ablagern könnten. Das Geschoss schließt besser mit der Laufinnenwand ab und wird  weniger stark deformiert. Dies reduziert zum einen den Verschleiß am Lauf, zum anderen verringert es die Reibung und erhöht die Mündungsgeschwindigkeit geringfügig. Durch den kurzen Lauf ist die Waffe außerdem sehr kompakt, mit abgeklappter Schulterstütze misst das Behördenmodell lediglich 406 mm in der Länge.

Einen potentiellen Schwachpunkt stellt das Magazin dar, welches ursprünglich für eine halbautomatische Pistole und nicht für eine vollautomatische Maschinenpistole gedacht war. Die Patronen werden nur einreihig zugeführt, dies führte in der Vergangenheit bei Maschinenpistolen,  wie der MP40 und den MP des Typs Sten häufig zu Störungen. Auch aus diesem Grund werden die meisten modernen Waffen nur noch aus zweireihig zuführenden Magazinen gespeist.

Auf die Implementierung eines kombinierten Feuerwahl- und Sicherungshebel wurde vermutlich aus konstruktiven Gründen verzichtet. Das Schlagstück liegt für eine technisch unkomplizierte oder bedienungsfreundliche Lösung zu weit von der Schusshand entfernt. Ein Vorteil der geteilten Hebel ist, dass der Schütze die Feuerart „vorwählen“ kann. In stressigen Situationen kann es somit nicht vorkommen, dass er aus Versehen seine Waffe von „Sicher“ auf „Feuerstoß“ stellt, obwohl er eigentlich nur einen einzelnen Schuss abgeben will. Zum Umstellen der Feuerart muss jedoch die unterstützende Hand von der Waffe genommen werden.



Zerlegen der Waffe

Vor dem Zerlegen muss die Sicherheit an der Waffe hergestellt werden. Dazu wird der Sicherungshebel auf "Sicher" gestellt, anschließend wird das Magazin entnommen. Wenn sich der Verschlussfang nicht im Eingriff befindet, muss der Schütze den Verschlusskopf mit dem Spannhebel soweit zurückziehen, bis er durch das Hülsenauswurffenster Einblick in das Patronenlager bekommt. Bei der KRISS Vector SMG ist dies möglich, ohne den Spannhebel soweit zurück zu ziehen, dass der Verschluss vom Verschlussfang zurückgehalten wird. In diesem Fall entfällt das anschließende Lösen des Verschlussfangs. Bei leergeschossenem Magazin befindet sich der Verschlussfang im Eingriff, nach dem Prüfen des Patronenlagers muss deshalb der Knopf für den Verschlussfang betätigt werden, damit sich der Verschluss in Verriegelungsposition befindet und die Schließfeder vollständig entspannt ist. Die Sicherheit ist hergestellt.  Anschließend erfolgt das eigentliche Zerlegen der Waffe. Zunächst muss die Schulterstütze aufgeklappt werden. Anschließend werden alle vier Haltebolzen, jeweils zwei oben und unten, herausgedrückt. Nun können das obere und das untere Gehäuseteil voneinander getrennt werden. Verschlusskopf und Gleitstück einschließlich Schließfeder mit Bodenstück können jetzt frei aus dem unteren Gehäuseteil gleiten. Zuletzt lässt sich der Verschlusskopf mit einer Drehung um 90 Grad vom Gleitstück entfernen. Die Waffe ist nun zerlegt, das Zusammensetzen erfolgt sinngemäß in umgekehrter Reihenfolge.



Der Prototyp Kriss XSMG wird wie das Serienmodell zerlegt. (Mit freundlicher Genehmigung durch/With kind permission of Frank Borelli)

Varianten

KRISS Vector SMG .45 ACP

Behördenmodell, Lauflänge 5.5“ (140 mm), wahlweise Halb- oder Vollautomat. Optional zwei Schuss Feuerstoß.



Das Behördenmodell mit Vordergriff, offenem Klappvisier und 13 Schuss Magazin.

KRISS Vector CRB/SO .45ACP Carbine

Zivile Variante mit  einer Lauflänge von 16“ (406 mm), nur Halbautomat.



Der halbautomatische Karabiner CRB/SO ist auch mit perforiertem Laufmantel erhältlich.

KRISS Vector SBR/SO .45ACP Carbine

Zivile Variante mit einer Lauflänge von 5.5“ (140 mm), nur Halbautomat.



Der SBR/SO-Karabiner lässt sich am fehlenden Feuerwahlhebel vom Behördenmodell unterscheiden.

Technische Daten

Bezeichnung der Waffe: KRISS Vector SMG .45 ACP
Hersteller: Transformational Defense Industries (TDI)
Verschlussprinzip: Aufschießender, verzögerter Masseverschluss „Super-V-System“
Feuermodi: Halb-/ vollautomatisch, optional 2 Schuss Feuerstoß
Länge: 617 mm/ 406 mm mit abgeklappter Schulterstütze
Gewicht: 3,1 kg geladen mit 30 Patronen
Lauflänge: 140 mm
Laufprofil: Hexagon
Dralllänge: 406 mm
Kaliber: .45 ACP (geplant auch in .40 S&W)
Effektive Schussentfernung: 100 m
Mündungsgeschwindigkeit: ca. 260 m/s
Mündungsenergie: ca. 500 J
Kadenz: 800 Schuss/ min (600 bis 1100 nach Kundenwunsch)
Magazin: 13 Patronen im Glock-21-Magazin + 17 Patronen mit Magazinverlängerung von MagPul. Insgesamt bis zu 30.
Preis mit Zubehör: UVP 2295,00 US-Dollar (April 2009)
Im Lieferumfang sind zwei Glock-21-Magazine, ein Reinigungsset, ein Vordergriff, eine Diebstahlsicherung, Ösen für einen Trageriemen und ein Handbuch.

Fazit

Die KRISS Vector SMG stellt eine innovative, nach modernen Gesichtspunkten konstruierte und kompakte Maschinenpistole dar. Ob sie sich letztlich gegen die starke Konkurrenz von HK MP5, HK UMP und anderen kompakten vollautomatischen Waffen durchsetzen kann, bleibt aber abzuwarten. Das Kaliber .45 ACP, welches in den USA sehr beliebt ist, wird dabei vielleicht ein entscheidendes Argument für eine Beschaffung sein. Denkbar wären auch andere Kaliber, beispielsweise 9x19mm  Parabellum für den europäischen Markt. Eine Variante in .40 S&W befindet sich momentan in der Entwicklungsphase, erhältlich sein wird dieses Modell voraussichtlich noch im Jahr 2009.



Trivia

Kriss ist der Name eines indonesischen Schwerttyps mit geschwungener Klinge aus dem 13. Jahrhundert. Ihm werden mystische Kräfte zugesprochen.

Obwohl die Firma TDI ihren Hauptsitz in den USA hat, ist sie ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Gamma Applied Visions Group SA in der Schweiz.

Der Kunststoff Ultramid, aus dem das Waffengehäuse besteht, wurde von der Firma BASF entwickelt, seine maximale Gebrauchstemperatur beträgt kurzzeitig bis zu 240°C. Die Schmelztemperatur liegt bei ca. 260°C.

Neben „submachine gun“, kurz „SMG“ (dt. Maschinenpistole), wird die Waffe häufig auch als „machine pistol“ (dt. Schnellfeuerpistole) bezeichnet. Der Begriff Schnellfeuerpistole trifft nach deutscher Terminologie auf die KRISS Vector SMG jedoch nicht zu. Als Schnellfeuerpistole werden in der Regel vollautomatische Pistolen wie beispielsweise die Beretta 93R bezeichnet.

Das ARDEC ist im Picatinny Arsenal beheimatet und gilt als eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen der US-Army.



Quellen

Patent US 7,201,094 B2 
Police Magazine (Juni 2008) 
Armed Forces Journal (Dezember 2008) 
American Rifleman (Juli 2008) 
Law Enforcement Technology (Mai 2008) 
Small Arms Review Vol. 12 No. 4 (Januar 2008) 
Small Arms Review Vol. 12 No. 5 (Februar 2008) 
www.kriss-tdi.com (Abgerufen am 20.04.2009)
www.plasticsportal.com  (Abgerufen am 21.04.2009) 

Autor: SLAP
Korrektoren: Ta152, goschi, Nite, Praetorian

Alle Abbildungen, wenn nicht anders angegeben, unterliegen dem Urheberrecht von TDI Inc. und werden mit freundlicher Genehmigung durch TDI Inc. in diesem Artikel verwendet.
All images, except when noted otherwise, are courtesy of TDI Inc. and are used in this article with kind permission of TDI Inc.


We would like to express special thanks to Mr. Chuck Kushell, CEO Transformational Defense Industries Inc., for his efforts in support of the author and granting the permission to utilize the above images.



 

Text by SLAP. Letztes Update: 22. February 2010