21 cm Kanone 12 (E)



Um das Durchbiegen des 33 m langen Rohres zu verhindern, mussten Verspannungen angebracht werden.

Dieses Ferngeschütz hat seinen funktionellen Ursprung in der "Paris-Kanone" des Ersten Weltkriegs. Mit diesem 21 cm Bettungsgeschütz von Krupp wurde damals auf eine Entfernung von über hundert Kilometern Paris beschossen. Obwohl der militärische Nutzen dieses Geschützes schon allein wegen der riesigen Streuung sehr gering war und somit die Wirkung eher eine moralische war, waren die obersten Militärs des Dritten Reichs von der riesigen Schussweite beeindruckt. Und so vergab des Heereswaffenamt 1934 den Auftrag zum Bau eines modernen Ferngeschützes. Bei Krupp baute man zwei 10,5 cm Kanonen mit denen die bestmögliche Art der Züge für ein solches Rohr herausgefunden werden sollte. Schon bald favorisierten die Ingenieure ein Geschoss mit wenigen, gekrümmt verlaufenden Rippen, die genau in die Züge des Rohres passen sollten. So konnte der flugstabilisierende Drall am besten übertragen werden. Die Abdichtung sollte durch einen mit Asbest und Graphit verstärkten Kupferring erfolgen. Versuche mit den kleinkalibrigen Testkanonen im Jahre 1935 unterstrichen dieses Konzept und der Bau des Rohres konnte beginnen.
Wie schon bei der Paris-Kanone wählte man ein 21 cm Kaliber. Das Rohr hatte nur acht Züge und eine Gesamtmasse von 99,7 Tonnen. Das Extreme an der "21 cm Kanone (E)" war aber die Länge von 157, 8 (nominell 158) Kalibern, sprich 33,3 m! Um ein Durchbiegen bei dieser Länge zu verhindern, musste das Rohr mit Verspannungen verstärkt werden. Es erlaubte mit der normalen Sprenggranate von 107,5 kg und einer Mündungsgeschwindigkeit von 1.500 m/s eine Reichweite von 115 km. Versuchsweise wurden mit einer dritten Vorkartusche sogar 1.625 m/s erreicht. Den Rückstoß nahm ein hydropneumatisches Rück- und Vorholsystem auf. Mit einem ähnlichen System konnte auch die Tragkonstruktion auf den beiden Zwischenträgern um circa einen Meter zurückgleiten. Um die Mündungslastigkeit des langen Rohr zu verringern, befand sich am Verschluss ein Gegengewicht. Außerdem wurde der Schildzapfen relativ weit vorne angebracht. Dies führte aber zu einem neuen Problem: Bei hohen Richtbereichen würde der Verschluss aufgrund des weit vorn liegenden Schildzapfens auf den Boden anschlagen. Da das Eisenbahnladeprofil aber einzuhalten war, konnte man die Lafette auch nicht beliebig hoch bauen. Deshalb wurden zwischen der geschweißten Tragkonstruktion und den Zwischenträgern hydraulische Hebevorrichtungen angebracht. So konnte das Tragwerk um etwa einen Meter angehoben werden. Doch da das Laden des Rohres nur in abgesenkter Stellung möglich war, musste das Rohr zwischen jedem Schuss gesenkt und wieder gehoben werden. Dies machte die Bedienung natürlich sehr umständlich. Und so war das einzige bis 1939 fertiggestellte Geschütz "21 cm K12V (E)" natürlich bei der Truppe nicht sehr beliebt. Zum Feuern ließ sich nur der Höhenrichtbereich von +25° bis +55° verwenden. Beim Transport das Geschützes konnte das Rohr in der Wiege um etwas 1,5 Meter zurückgezogen werden, so dass die Achslast gleichmäßig verteilt war. Der vordere Zwischenträger ruhte auf zwei fünfachsigen Fahrgestellen, der hintere auf zwei vierachsigen.


Das Seitenrichten des Geschützes erfolgte auf verschiedene Arten: Das einfachste war natürlich der Bau einer Schießkurve oder Gleisklaue. Das Feinrichten von bis zu 0,23° erfolgte dann über ein seitliches Verschieben der Tragkonstruktion auf einem der Zwischenträger. Einen rundum Drehbereich ermöglichte zum einen die Vögele-Drehscheibe, auf der über 41 Meter lange Geschütz gerade noch Platz fand. Zum anderen wurde eine Konstruktion verwendet, die nur bei diesem Geschütz zum Einsatz kam: Die Kreuzbettung. Hierbei wurde von einem Kran ein Gleisstück senkrecht zum vorhanden Schienenstrang verlegt. Die Kanone 12 wurde dann mit einem der Zwischenträger über das T-Stück, in dem sich die beiden orthogonalen Schienen schnitten, gefahren. Danach wurde dieser Zwischenträger mit seinen beiden Drehgestellen angehoben und um 90° gedreht, um auf das orthogonale Schienenstück gesetzt zu werden. Durch das Verfahren auf dem T-Stück mittels elektrischem Antrieb der Drehgestelle oder per Lokomotive konnte ein enormer Seitenrichtbereich abgedeckt werden. In Feuerstellung wurde das Geschütz dann auf den Schienen festgeklemmt und ein Kran hob die Munition auf die Arbeitsplattform.


1940 wurde schließlich noch ein zweites Geschütz gebaut, das die Bezeichnung "21 cm Kanone 12N (E)" hatte. Es unterschied sich von der ersten Kanone durch eine geänderte Lage des Schildzapfen und eine vergrößerte Rücklauflänge. Beide Geschütze verfeuerten zwischen September 1940 und Mitte 1941 gerade einmal 72 Schuss auf Ziele in England. Geplante Einsätze im Rahmen des Russlandfeldzuges und gegen Malta fanden nicht statt. Bis 1943 wurden auch noch Vorschläge zur Steigerung der Schussweite untersucht. Neben Treibflossengeschossen war auch ein Pfeilgeschoss von 140 kg geplant, dass bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 1.850 m/s eine Reichweite von bis zu 250 km versprochen hätte. Doch Ende 1944 wurden sämtliche Weitschussprojekte eingestellt.




Bezeichnung des Geschützes: 21 cm Kanone 12 (E)
Hersteller: Krupp
Stückzahl: 2
Rohr:  
Kaliber (mm): 211
Rohrlänge (Kal.): 157,8
Länge Züge (Bohrung) (Kal.): 131,4 (152,2)
Rohrmasse (t): 99,708
Lafette:  
Richtbereich Höhe (°): (-0) +25 bis +55
Richtbereich Seite (°): 0,23
Gesamtmasse (t): 317
Länge über Puffer (m): 41,36
feuert von: Gleis, Drehscheibe, Kreuzbettung
Sprenggranate:  
Geschossmasse (kg): 107,5
Anzahl der Treibladungen: 2
Anfangsgeschwindigkeit Vo (m/s):  1.500
Höchstschussweite (km): 115


Weiterführende Literatur

Gerhard Taube, Deutsche Eisenbahngeschütze, Motorbuch Verlag 
Franz Kosar, Eisenbahngeschütze der Welt, Motorbuch Verlag 
Joachim Engelmann, Deutsche Eisenbahngeschütze. 15 - 80 cm Kaliber, Podzun-Pallas



 

Text by UncleK. Letztes Update:  7. September 2007