Land-Wasser-Schlepper



Der Land-Wasser-Schlepper war ein Zwitter aus Schiff und Kettenzugmaschine.

Dieses wie ein Zwitter aus Panzerlaufwerk und Schiff anmutende Gebilde war im Verlauf des Zweiten Weltkrieges selbst auf deutscher Seite nur wenig bekannt geworden. Die deutsche Wehrmacht verpflichtete Rheinmetall 1936 vertraglich, einen speziellen Schlepper für amphibische Operationen zu bauen, der einen schwimmenden Frachtanhänger schleppen sollte. Der Anhänger sollte eine Fracht von 18.000 kg befördern können und die als Land-Wasser-Schlepper (LWS) bezeichnete Zugmaschine sollte den Anhänger auch bei schlammigem Ufer sicher an Land transportieren können. Im Prinzip war der Land-Wasser-Schlepper ein mit Ketten versehenes Motorboot mit der Fähigkeit bis zu 20 Passagiere zu tragen. Das Fahrwerk bestand aus acht Laufrädern die paarweise an mit Blattfedern gedämpften Aufhängungen montiert waren. Wie auch bei sämtlichen deutschen Panzern wurde das Kettenfahrwerk vorn angetrieben. Der Bug sowie der gesamte Rumpf hatte die Form eines Bootsrumpfes und der kabinenartige Aufbau mit den runden Bullaugen verstärkte den Eindruck eines mit Ketten versehenen Motorschleppers. Die Kabine hatte Platz für eine dreiköpfige Besatzung sowie für 20 Passagiere. Der wie ein Trichter wirkende Schornstein war der Lufteinlass des Motors, durch den der Motor seine Kühlluft erhielt. Hinten am Aufbau befand sich dann ein weiterer Schacht, der Auspuff, über den mittels eines 9,3 PS starken Ventilators die Abgase abgeleitet wurden. Zur Fortbewegung im Wasser waren am Heck zwei große Schiffsschrauben befestigt. Der Anhänger war im Gegensatz zum LWS flach gehalten und hatte drei Achsen, eine vordere und zwei hintere. Zum Beladen des Anhängers war am Heck eine Rampe vorhanden, wobei als typisches Ladegut eine 18 t Halbkettenzugmaschine Sd.Kfz. 9 angenommen wurde. Während der Überfahrt sollte die Besatzung in die Kabine des LWS umsteigen.
Bis Kriegsbeginn existierten 21 Land-Wasser-Schlepper, die Landungs-Pionierbataillonen zugeteilt waren. Überhaupt hatte das Projekt anfangs keine große Dringlichkeit, was sich erst mit der Planung der Operation "Seelöwe" änderte. Obwohl der LWS für die ruhigen Binnengewässer konzipiert war, verfolgte man doch energisch das Projekt, ihn für einen möglichen Seeangriff auf England hochseetauglich auszurüsten. Nach Aufgabe dieser Pläne schwand das Interesse, und das Projekt wurde abgebrochen. Dennoch stellte man sieben seetaugliche Prototypen her, von denen einige 1941 an der Ostfront eingesetzt wurden. So zum Beispiel bei der Eroberung der baltischen Ostseeinseln Moon, Ösel und Dagö. Im Vergleich mit einigen anderen zeitgenössischen Amphibien war der Land-Wasser-Schlepper kein Kampfmittel, sondern, wie seine Bezeichnung schon erkennen lässt, für Transportaufgaben vorgesehen. Dementsprechend war er auch nicht gepanzert und verfügte über keinerlei Bewaffnung. Die war auch der Hauptnachteil des LWS, denn trotz der eher unbeholfenen Erscheinung, die über die effektive Leistung dieses Fahrzeugs hinwegtäuschte, war der LWS eine gut durchkonstruierte Zugmaschine.
Aufgrund der fehlenden Panzerung plante man noch ein weiteres Fahrzeug, die sogenannte Panzerfähre (PzF), die vom Konzept dem LWS ähnelte, aber über das Fahrwerk des Panzer IV und eine leichte Panzerung verfügte. Nachdem zwei Prototypen gebaut wurden, ließ man das Projekt 1942 aber fallen.



Der Land-Wasser-Schlepper war ein Zwitter aus Schiff und Kettenzugmaschine.

Bezeichnung des Fahrzeugs: Land-Wasser-Schlepper
Typ: amphibisches Transportfahrzeug
Hersteller: Rheinmetall
Projektdauer: 1936 - 1941
Motor: Maybach HL 120 TRM
Zylinderzahl, Anordnung: 12, V Form
Hubraum (ccm): 11.952
Drehzahl (U/min): 3.000
Höchstleistung (PS): 300
Leistungsgewicht (PS/t): 20,4
Höchstgeschwindigkeit (km/h): Straße 40/Wasser 12,5
Fahrbereich (km): 240
Länge über alles (mm) : 8.600
Breite über alles (mm): 3.160
Höhe über alles (mm): 3.130
Gewicht (t): 13
Besatzung: 3 + 20
Panzerung (mm): -
Bewaffnung: -


 

Text by Dietl. Letztes Update:  7. September 2007