Dornier Do 335 "Pfeil"



Die Do 335 wurde als Jagdbomber, Zerstörer, Tag- und Nachtjäger und als Aufklärer konzipiert. Die lange Nase und die "hochbeinige" Konstruktion brachten diesem Flugzeug die Beinamen "Pfeil" und "Ameisenbär" ein.

Die Dornier Flugzeugwerke bauten während des 2. Weltkrieges mit einer einzigen Ausnahme, nämlich der Do 335 Pfeil, nur Bomber und Flugboote für die Deutsche Luftwaffe. Doch der geniale Konstrukteur Claudius Dornier arbeitete schon seit dem Ende des 1. Weltkrieges an einer neuartigen Antriebsgeneration. Dieser Antrieb basierte auf dem Prinzip des Zug- und Hubantriebes. Ein auf diese Weise angetriebenes Flugzeug hatte zwei Motoren, die beide auf der Längsachse des Flugzeuges angebracht waren. Dieses neuartige Konzept war wendiger und schneller als irgendein konventioneller Jäger zu dieser Zeit und die Tragflächen mußten nicht verstärkt werden, um die Triebwerksgondeln aufnehmen zu können. Weiterhin gab es keinerlei asymmetrische Flugeigenschaftsveränderungen, falls ein Motor ausfallen sollte.


Als Dornier diesen neuartigen Antrieb an seinen Flugbooten ausprobieren wollte, kam es ständig zu Problemen mit der hinteren Antriebsachse. Es wurde dann Ulrich Hütter übertragen einen kleinen Versuchsträger zu entwerfen, der nur diesen Heckantrieb besaß. Diese Göppingen Gö 9 wurde von Schempp-Hirth gebaut und mit einem 80 PS starken Hirth HM 60R Motor ausgestattet. Aufgrund der bleistiftdünnen Form und dem in Ganzholzbauweise gefertigten Rumpf schaffte der Versuchsträger auch mit dem schwachen Motor eine Geschwindigkeit von 220 km/h. Die Gö 9 hatte 1940 ihren Jungfernflug und brachte viele Erkenntnisse in Hinsicht auf den heckinstallierten Druckpropeller. Nun konnte Dornier seine Arbeit an seinem Hochgeschwindigkeitsjäger, der sowohl einen Zug- als auch einen Druckpropeller erhalten sollte, fortsetzen. Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) strich dann aber die Mittel für dieses Flugzeug, da sich Dornier wieder auf seine Bomber- und Flugbootkonstruktionen konzentrieren sollte. Als dann aber das RLM 1942 einen Wettbewerb für einen Hochgeschwindigkeitsjäger ausschrieb, reichte Dornier sein Projekt 231 ein und bekam den Zuschlag vor Arado und Junkers.

 

Das RLM veränderte das Flugzeug in Hinsicht auf seine Einsatzmöglichkeiten und Dornier mußte seine Do 335 nicht nur als Hochgeschwindigkeitsjäger konzipieren, sondern auch als Mehrzweck-Tagjäger, Nachtjäger, Kampfbomber, Zerstörer und Aufklärer bauen. Durch die vielfältigen Anforderungen wurde das Projekt aber verzögert, und so konnte der erste Prototyp erst zum Herbst 1943 fertiggestellt werden.
In die Do 335 waren zwei Daimler-Benz DB 603 A-Serie Motoren eingebaut, der eine davon saß vorne unter einer Ringverkleidung während der andere hinter den Tragflächen saß und durch die Auspuffrohre und die große Staulufthutze an der Unterseite des Rumpfes erkennbar war. Sowohl der Zug- als auch der Druckpropeller hatten drei Blätter. Diese beiden Propeller und das Kreuzleitwerk machten ein hochbeiniges Spornradfahrwerk notwenig. Im Rumpf hinter dem Bugfahrwerk befand sich ein Waffenschacht für eine 500 kg oder zwei 250 kg Bomben. Da sich die Tragflächen bei diesem Jäger ungewöhnlich weit hinten befanden, kam die Do 335 schnell zu dem Beinamen "Ameisenbär" oder "Pfeil". Die Do 335 war zudem das zweite in Deutschland gefertigte Serienflugzeug mit Schleudersitz und das untere Seitenleitwerk ließ sich für eine Notlandung absprengen.

 

Der erste Prototyp Do 335 (CP+UA) absolvierte am 26. Oktober 1943 seinen Erstflug in Oberpfaffenhofen und wurde danach zu Testflügen nach Rechlin überführt. Die Piloten, die dieses Flugzeug flogen, waren von der Geschwindigkeit, Beschleunigung und vom Kurvenradius begeistert. Ab dem fünften Prototyp wurde dann die vorgesehene Bewaffnung von zwei 15 mm MG 151 in der Vorderrumpfverkleidung und einer 30 mm MK 103, die durch die Propellernabe schoß, eingebaut. Den Abschluß der Prototypenreihe für den Jäger bildete die Do 335 V-9, die später auf den Serienstandard umgebaut wurde. 1944 wurden 10 Do 335 A-0 Vorserienflugzeuge gefertigt und mit ihnen konnte dann die Einsatzbewertung erfolgen. Im September 1944 gründete das RLM das Erprobungskommando 335, das die Do 335 in Hinsicht auf ihre taktischen Möglichkeiten testen sollte.
Kurze Zeit später wurde dann die erste Serienmaschine gefertigt. Diese Do 335 A-1 besaß zwei DB 603 E-1 Motoren mit Wasser-Methanol-Einspritzung und je 1.800 PS und es wurden zwei Unterflügelstationen für Treibstofftanks oder zwei zusätzliche 250 kg Bomben angebaut. Zudem wurde eine einzige Do 335 A-0 zum Aufklärer umgebaut. Diese Maschine erhielt zwei Rb50/18 Kameras, die sich im Waffenschacht befanden und eine erhöhte externe Treibstoffzuladung war möglich. Die Nachtjägerversion Do 335 A-6 entwickelte sich aus dem Do 335 V-10 Prototypen und erhielt ein FuG 217J Neptun Radargerät, welches aus einem zweiten Cockpit hinter dem Piloten bedient werden mußte. Durch das zweite Cockpit und das durch Radarantennen, Flammendämpfer und andere Modifikationen verursachte Mehrgewicht wurde die Leistung um etwa 10 Prozent vermindert. Zudem musste bei der zweisitzigen Do 335 auch die ganze Treibstoffanlage neu konzipiert werden. Der Waffenschacht entfiel und stattdessen wurde ein zusätzlicher Rumpftank eingebaut. Die letzten Exemplare der A-Serie waren die A-10 und die A-12, welche beide aus dem V-11 Prototypen hervorgingen. Beide Versionen besaßen ein zweites Cockpit und wurden für Trainings- und Umschulungsaufgaben verwendet.


Im Winter 1944/45 wurden von der Luftwaffe dringend Zerstörer benötigt und Dornier entwickelte die Do 335 B-1, welche Treibstofftanks anstelle des Waffenschachtes besaß. Die Bewaffnung dieses Zerstörers wurde dahin optimiert, dass die zwei 15 mm MG 151 ausgebaut wurden und zwei 20 mm MG 151/20 eingebaut wurden. In die zweite Version Do 335 B-2 wurden noch zwei zusätzliche 30 mm MK 103 in die Tragflächen eingebaut. Dornier hatte noch Pläne für weitere Versionen, wie die B-4, die B-5 und die B-8, welche größere Tragflächen besaßen und einen leistungsstärkeren Motor bekommen sollten, aber mit dem Ende des 2. Weltkrieges kam auch das Ende für diese Versionen. Auch die geplante Verlagerung der Produktion des Nachtjägers Do 335 A-6 vom Dornier Werk in Oberpfaffenhofen zu Heinkel in Wien wurde nicht mehr realisiert. Auf der Do 335 basierende Entwürfe waren beispielsweise der Nachtjäger Do 435 mit nebeneinanderliegenden Sitzen oder der Jäger Do 535 mit DB 603 Motor im Bug und einem Düsenantrieb im Heck.
Es wurden insgesamt 37 "Pfeile" gebaut und es gab noch Teile für weitere Maschinen. Die Historiker streiten bis heute ob die Do 335 jemals zum Einsatz kam, denn US-Piloten wollen eine Silhouette dieses Flugzeugs am Himmel gesehen haben, aber die deutschen Aufzeichnungen aus diesen Jahren berichten, dass sie nie eingesetzt wurde. Auf jeden Fall konnten die Amerikaner bei der Eroberung des Dornier Werks in Oberpfaffenhofen neun A-1, vier A-4 und zwei A-12, fertig montierte Maschinen erobern.

 

Zusammenfassend läßt sich sagen, dass die Do 335 ein gelungener Entwurf war und ihr Abschneiden gegen Muster wie P-51D Mustang wäre bestimmt nicht schlecht gewesen, aber die desolate Lage der Rüstungsindustrie und die durch die hastige Entwicklung aufgetretenen Kinderkrankheiten verhinderten einen Einsatz.



Das Cockpit einer Do 335 A-1 Serienmaschine.

Bezeichnung des Flugzeugs: Dornier Do 335 A-1
Typ: einsitziger Jagdbomber
Hersteller: Dornier Flugzeugwerk, Oberpfaffenhofen
Erstflug: 26.10.43
Baujahr: ab Spätherbst 1944
Besatzung: 1 Pilot
Antrieb: zwei 12-Zylinder-Reihenmotoren Daimler Benz 603 A-2
Leistung (PS): je 1.750 PS
Höchstgeschwindigkeit: 770 km/h in 6.400 m Höhe
Dienstgipfelhöhe (m): 11,400
Kraftstoffvorrat (kg): 1.230 intern, 500 extern
Einsatzradius (km): 1,380
Gewicht (kg): 7.400 Leergewicht, 9.600 maximales Startgewicht
Länge (m): 13,85
Höhe (m): 5
Spannweite (m): 13,80
Flügelfläche (m2): 38,50
Bewaffnung: eine 30 mm MK 103,
zwei 15 mm MG 151,
eine 500 kg oder zwei 250 kg Bomben im Waffenschacht,
zwei 250 kg Bomben an Außenlaststationen
Produktionszahlen: 37 (für alle Versionen)

Die siebte Maschine der Anlaufserie A-0, die beim Erprobungskommando 335 eingesetzt wurde.

Das Bild zeigt einen der Do 335 V-11 Prototypen, welche als Vorlage zu den zweisitzigen Trainerversionen A-10 und A-12 dienten.


 

Text by Sebastian Schneider. Letztes Update:  7. September 2007