eGun

Willkommen, Gast ( Anmelden | Registrierung )

Zurück zum Board Index
18 Seiten V  « < 16 17 18  
Reply to this topicStart new topic
> Medienkritik, Wie Massenmedien uns beeinflussen (wollen?)
Dave76
Beitrag 21. Dec 2018, 16:11 | Beitrag #511
+Quote PostProfile CardPM
Oberstleutnant
Beiträge: 14.858



Gruppe: VIP
Mitglied seit: 13.01.2005


Der Spiegel hat sich jetzt auch zur schon erwähnten Fergus Falls-Geschichte geäußert:
ZITAT
Fergus Falls
US-Kleinstadt vom Fall Relotius betroffen

20.12.2018
Claas Relotius hat über Fergus Falls eine SPIEGEL-Geschichte geschrieben. Zwei Einwohner haben seine Reportage überprüft. Ihr Urteil ist vernichtend. Dieser Fall zeigt exemplarisch, dass die Sicherheitsmechanismen der Redaktion versagt haben.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/...-a-1244806.html


--------------------
"avenidas/avenidas y flores/flores/flores y mujeres/avenidas/avenidas y mujeres/avenidas y flores y mujeres y/un admirador" - Eugen Gomringer
"Two possibilities exist: either we are alone in the Universe or we are not. Both are equally terrifying." - Arthur C. Clarke
Proud member of Versoffener Sauhaufen™!
#natoforum
 
Glorfindel
Beitrag 21. Dec 2018, 16:20 | Beitrag #512
+Quote PostProfile CardPM
Major
Beiträge: 5.578



Gruppe: VIP
Mitglied seit: 10.09.2003


Ich hatte Lust den Artikel über die US-Kleinstadt nachzulesen, wo diverses oder fast alles erfunden ist. Wer es auch möchte, hier

hier die Entgegnung zweier Einwohner.

Ich habe den Artikel damals auch gelesen und mir eigentlich nicht soviel gedacht. Gewundert habe ich mich damals über folgende Passage:

ZITAT
Am Stadtrand, dort wo Fast-Food-Filialen leuchten, gibt es auch ein Kino. In diesem Kino, einem flachen, rechteckigen Bau, gibt es zwei Filme an einem Freitagabend. Der eine, "La La Land", vor leeren Reihen laufend, ist ein Musical, eine Romanze über Künstler in Los Angeles. Der andere, "American Sniper", ein Kriegsfilm von Clint Eastwood, ist ausverkauft. Der Film ist eigentlich schon zwei Jahre alt, fast 40 Millionen Amerikaner haben ihn gesehen, aber in Fergus Falls läuft er noch immer.

Ich fand das damals schon merkwürdig und wahrscheinlich habe ich es auch nicht geglaubt, sondern einfach zur Kenntnis genommen.

Relotius kann sicherlich gut schreiben und vermutlich noch besser erfinden, aber man die Schilderung dieser Hinterwälder-Amerikaner wollte man ihm auch glauben, auch wenn das ganze im Nachhinein sehr aufgetragen wirkt. Im Endeffekt handelt es sich um unbewussten Rassismus.


--------------------
"Dort stand das Haus der Goldenen Blume, deren Männer eine Strahlensonne auf den Schilden hatten und ihr Anführer, Glorfindel, trug einen Mantel so kunstvoll mit Goldfäden durchwirkt, dass er gelb durchschossen war wie ein Feld im Frühling; und ihre Waffen waren kunstvoll mit Gold überzogen."
 
Dave76
Beitrag 21. Dec 2018, 18:36 | Beitrag #513
+Quote PostProfile CardPM
Oberstleutnant
Beiträge: 14.858



Gruppe: VIP
Mitglied seit: 13.01.2005


ZITAT
20. Dezember 2018
Fälschungen beim "Spiegel"

"Ich wusste, dass er lügt"

Die Fälschungen des Reporters Claas Relotius treffen den "Spiegel" hart. Sein Kollege Juan Moreno deckte den Fall auf. Ein Gespräch über die Probleme bei der Enttarnung und Relotius' brillante Lügen.

[...]
Kann man an dieser einen Reportage erklären, warum Relotius' Masche so lange funktionierte, die Kontrollen versagten?

Das fällt alles wunderbar zusammen in seinen Geschichten, die haben etwas Tröstendes. Es ist totaler Zeitgeist. Die Reportage hat sich in den letzten Jahren massiv Richtung Kurzgeschichte, Richtung Literatur entwickelt. Wenn man in eine Geschichte wie "Jaegers Grenze" schreibt, die Zahl der Flüchtlinge hat sich in den letzten Jahren aber um 85 Prozent reduziert, zerstört das den ganzen Mood.
[...]
https://www.sueddeutsche.de/medien/claas-re...eno-1.4261593-2


--------------------
"avenidas/avenidas y flores/flores/flores y mujeres/avenidas/avenidas y mujeres/avenidas y flores y mujeres y/un admirador" - Eugen Gomringer
"Two possibilities exist: either we are alone in the Universe or we are not. Both are equally terrifying." - Arthur C. Clarke
Proud member of Versoffener Sauhaufen™!
#natoforum
 
Jolly Jack Ketch
Beitrag 21. Dec 2018, 18:52 | Beitrag #514
+Quote PostProfile CardPM
Gefreiter
Beiträge: 47



Gruppe: Members
Mitglied seit: 11.03.2015


Bei den Artikeln fühle ich mich, im Nachhinein betrachtet, wie Mittwochs Nachmittag auf RTL2. Scripted-Reality-Reportagen sozusagen. Alles ist sehr nah, sehr emotional, sehr deutlich und mit dem Holzhammer gezeichnet.
Das schlimme ist: ich hab ihm den ganzen Mist auch noch abgekauft. Mir war zwar irgendwo klar, dass hier nur der Teil der Menschen gezeigt wird, der ins Konzept passt und dass die Sache doch eigentlich etwas komplizierter ist, doch dass hier Sachen erfunden wurden hätte ich nie im Leben gedacht.
Im Nachhinein etwas naiv vielleicht, da die Geschichte von erfundenen Geschichten, die als wahr verkauft werden, so alt wie der Journalismus selbst ist. (Müsste da mal recherchieren …)

Und genau hier liegt dann das Problem. Zum einen leidet die Glaubwürdigkeit der Medien allgemein unter dieser Geschichte, zum anderen lädt der Prosa-Journalismus nach Spiegel-Art oder Huffington-Manier (der leider immer mehr um sich greift) auch geradezu dazu ein, Details nun zumindest „auszuschmücken“. Und brauchbare Informationen müssen dann auch nicht mehr vorkommen. Das Einordnen des Geschilderten wird dann den Lesern überlassen. Und wenn die mentalen Regale nur mit den gängigen Vorurteilen beschildert sind, dann ist auch klar, was raus kommt.
Wie Hummingbird schreibt, das war dann Zeitverschwendung. Und nicht nur ihn nervt das.


Ach ja, nur um das klarzustellen: mit „fauler Journalist“ hab ich ganz sicher nicht alle gemeint, sondern nur den, der jetzt aufgeflogen ist. Und da hab ich mich noch höflich ausgedrückt.


--------------------
It is better to keep your mouth closed and let people think you are a fool than to open it and remove all doubt. --Mark Twain--
 
Seneca
Beitrag 21. Dec 2018, 20:50 | Beitrag #515
+Quote PostProfile CardPM
Oberleutnant
Beiträge: 1.117



Gruppe: Members
Mitglied seit: 09.08.2008


Die Realität ist vielschichtig und oft genug wenig spannend. Manche Zeitungen berichten realitätsgetreu. Die Artikel in der NYT sind deshalb oft faktenreich aber sehr nüchtern. Der " Spiegel" mag es seit jeher dramatischer. Wie verführerisch ist es doch eine kleine spannende , klischeehafte Fabel zu schreiben.
Die FAZ dazu: Die Besessenheit davon, statt Nachrichten „Stories“ zu verfassen, verführt zum laxen Umgang mit der Wahrheit.https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueber-die-faelschungen-von-claas-relotius-im-spiegel-15954144.html
Und nochmal : Mich erschreckt, wie leicht man im Spiegel simplifizierende, unausgewogene, von antiamerikanischen Klischees triefende " Stories" unterbringen kann.

Der Beitrag wurde von Seneca bearbeitet: 21. Dec 2018, 20:50
 
Schwabo Elite
Beitrag 21. Dec 2018, 23:05 | Beitrag #516
+Quote PostProfile CardPM
Generalmajor d.R.
Beiträge: 17.125



Gruppe: Moderator
Mitglied seit: 10.06.2002


Das mit den "Stories" ist nicht falsch. Das ist eine Strömung, die seit 20+ Jahren eine eigene Arbeitsphilosophie in den Redaktionen prägt. Boris Johnson war dafür als Journalist ebenfalls sehr bekannt. Und genau das schildert das Problem: Fakt und Fiktion gehen da fließend ineinander über, wie man ja auch nicht nur in den Reportagen solcher Journalisten sieht, sondern auch im politischen Denken und Handeln bei Menschen dieses Schlages.


--------------------
Sapere Aude & Liber et Infractus
"He uses statistics as a drunken man uses lamp-posts... for support rather than illumination." –- Andrew Lang (1844-1912)
"Seit ich auf deutsche Erde trat, durchströmen mich Zaubersäfte – Der Riese hat wieder die Mutter berührt, Und es wuchsen ihm neue Kräfte." -- Heinrich Heine (1797-1856), Deutschland ein Wintermärchen, Caput I
Quidquid latine dictum, altum videtur. -- Nενικήκαμεν! -- #flapjackmafia
 
ede144
Beitrag 22. Dec 2018, 10:11 | Beitrag #517
+Quote PostProfile CardPM
Feldwebel
Beiträge: 420



Gruppe: Members
Mitglied seit: 03.04.2015


ZITAT(Seneca @ 21. Dec 2018, 20:50) *
Die Realität ist vielschichtig und oft genug wenig spannend. Manche Zeitungen berichten realitätsgetreu. Die Artikel in der NYT sind deshalb oft faktenreich aber sehr nüchtern. Der " Spiegel" mag es seit jeher dramatischer. Wie verführerisch ist es doch eine kleine spannende , klischeehafte Fabel zu schreiben.
Die FAZ dazu: Die Besessenheit davon, statt Nachrichten „Stories“ zu verfassen, verführt zum laxen Umgang mit der Wahrheit.https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueber-die-faelschungen-von-claas-relotius-im-spiegel-15954144.html
Und nochmal : Mich erschreckt, wie leicht man im Spiegel simplifizierende, unausgewogene, von antiamerikanischen Klischees triefende " Stories" unterbringen kann.


Der Regierung und Polizei / Geheimdiensten wirft man gerne vor auf dem einen oder anderen Auge blind zu sein. Bei de Presse scheint das auch zu sein, was aber weiter nicht verwunderlich ist.
 
xena
Beitrag 22. Dec 2018, 14:34 | Beitrag #518
+Quote PostProfile CardPM
Major
Beiträge: 9.417



Gruppe: Members
Mitglied seit: 03.10.2002


Deswegen informiert man sich auch möglichst breit und verlässt sich nicht auf nur einer Zeitung.


--------------------
Eine komplette Waffenübersicht (naja, fast komplett... ...naja auch nicht fast komplett, aber sehr vieles...):

waffen-der-welt.alices-world.de

 
Dave76
Beitrag 22. Dec 2018, 15:17 | Beitrag #519
+Quote PostProfile CardPM
Oberstleutnant
Beiträge: 14.858



Gruppe: VIP
Mitglied seit: 13.01.2005


ZITAT
Letzte Überlebende der "Weißen Rose"
Lafrenz-Interview vom Fall Relotius betroffen

Kaum ein Text von Claas Relotius wurde so gelobt wie sein Gespräch mit Traute Lafrenz, der letzten Überlebenden der "Weißen Rose". Jetzt zeigen erneute Recherchen: Auch in diesem Text sind Passagen offenbar erfunden.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/...-a-1244756.html


ZITAT
Kujau Relotius

Über 50 Geschichten soll ein preisgekrönter SPIEGEL-Journalist teilweise oder komplett erfunden haben. Angeblich täuschte er sehr geschickt. Auch das stimmt nicht: er manipulierte grob – weil er sich sicher sein konnte

https://www.publicomag.com/2018/12/kujau-relotius/


--------------------
"avenidas/avenidas y flores/flores/flores y mujeres/avenidas/avenidas y mujeres/avenidas y flores y mujeres y/un admirador" - Eugen Gomringer
"Two possibilities exist: either we are alone in the Universe or we are not. Both are equally terrifying." - Arthur C. Clarke
Proud member of Versoffener Sauhaufen™!
#natoforum
 
der_finne
Beitrag 22. Dec 2018, 16:54 | Beitrag #520
+Quote PostProfile CardPM
Leutnant
Beiträge: 631



Gruppe: Members
Mitglied seit: 25.04.2009


ZITAT(ede144 @ 22. Dec 2018, 10:11) *
ZITAT(Seneca @ 21. Dec 2018, 20:50) *
Die Realität ist vielschichtig und oft genug wenig spannend. Manche Zeitungen berichten realitätsgetreu. Die Artikel in der NYT sind deshalb oft faktenreich aber sehr nüchtern. Der " Spiegel" mag es seit jeher dramatischer. Wie verführerisch ist es doch eine kleine spannende , klischeehafte Fabel zu schreiben.
Die FAZ dazu: Die Besessenheit davon, statt Nachrichten „Stories“ zu verfassen, verführt zum laxen Umgang mit der Wahrheit.https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueber-die-faelschungen-von-claas-relotius-im-spiegel-15954144.html
Und nochmal : Mich erschreckt, wie leicht man im Spiegel simplifizierende, unausgewogene, von antiamerikanischen Klischees triefende " Stories" unterbringen kann.


Der Regierung und Polizei / Geheimdiensten wirft man gerne vor auf dem einen oder anderen Auge blind zu sein. Bei de Presse scheint das auch zu sein, was aber weiter nicht verwunderlich ist.


Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Staatliche Stellen müßen diesbezüglich neutral sein, private nicht. So gibt es Tageszeitungen von der "Taz "bis "Welt" oder noch extremer "junge Welt" bis "Junge Freiheit"-da weiß man was man bekommt. Sollte jetzt auch nichts neues sein. Meine zuständige Polizeidienststelle allerdings kann ich mir nicht aussuchen.

An die Fakten sollten sich natürlich alle halten, aber bei der Interpretation geht es halt schon los... einfach mal die Presseschau im DLF hören.

Der Beitrag wurde von der_finne bearbeitet: 22. Dec 2018, 17:02
 
xena
Beitrag 22. Dec 2018, 17:02 | Beitrag #521
+Quote PostProfile CardPM
Major
Beiträge: 9.417



Gruppe: Members
Mitglied seit: 03.10.2002


Er wäre der ideale Kandidat für die Bild Zeitung. biggrin.gif


--------------------
Eine komplette Waffenübersicht (naja, fast komplett... ...naja auch nicht fast komplett, aber sehr vieles...):

waffen-der-welt.alices-world.de

 
der_finne
Beitrag 22. Dec 2018, 17:07 | Beitrag #522
+Quote PostProfile CardPM
Leutnant
Beiträge: 631



Gruppe: Members
Mitglied seit: 25.04.2009


ZITAT(xena @ 22. Dec 2018, 17:02) *
Er wäre der ideale Kandidat für die Bild Zeitung. biggrin.gif


Relotius? Ja durchaus, die Sorte braucht immer fähige Leute, die sich Promi-Storys aus den Fingern saugen können.
 
goschi
Beitrag 22. Dec 2018, 17:50 | Beitrag #523
+Quote PostProfile CardPM
Herr der Dunkelheit
Beiträge: 31.782



Gruppe: Admin.WHQ
Mitglied seit: 21.04.2002


ob der in die BILD passt?
Immerhin entielten einige seiner Storys etwas Wahrheit!


--------------------
Die Eibohphobie, die Angst vor Palindromen, ist selbst ein Palindrom

Qui tacet, consentire videtur
ZITAT(KGB @ 17. Nov 2015, 12:54) *
Zitat Auto: "Brumm"
 
Dave76
Beitrag 22. Dec 2018, 21:40 | Beitrag #524
+Quote PostProfile CardPM
Oberstleutnant
Beiträge: 14.858



Gruppe: VIP
Mitglied seit: 13.01.2005


ZITAT
Fall Claas Relotius
Reporter täuschte Leser offenbar mit Spendenaufruf

22.12.2018
Gegen den ehemaligen SPIEGEL-Reporter Claas Relotius gibt es neue Vorwürfe. Er hat offenbar Leser ermuntert, Geld für Protagonisten seiner Texte zu spenden. Das Geld sei auf seinem Privatkonto gelandet.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/...-a-1245226.html



--------------------
"avenidas/avenidas y flores/flores/flores y mujeres/avenidas/avenidas y mujeres/avenidas y flores y mujeres y/un admirador" - Eugen Gomringer
"Two possibilities exist: either we are alone in the Universe or we are not. Both are equally terrifying." - Arthur C. Clarke
Proud member of Versoffener Sauhaufen™!
#natoforum
 
ede144
Beitrag 22. Dec 2018, 21:50 | Beitrag #525
+Quote PostProfile CardPM
Feldwebel
Beiträge: 420



Gruppe: Members
Mitglied seit: 03.04.2015


ZITAT(der_finne @ 22. Dec 2018, 16:54) *
ZITAT(ede144 @ 22. Dec 2018, 10:11) *
ZITAT(Seneca @ 21. Dec 2018, 20:50) *
Die Realität ist vielschichtig und oft genug wenig spannend. Manche Zeitungen berichten realitätsgetreu. Die Artikel in der NYT sind deshalb oft faktenreich aber sehr nüchtern. Der " Spiegel" mag es seit jeher dramatischer. Wie verführerisch ist es doch eine kleine spannende , klischeehafte Fabel zu schreiben.
Die FAZ dazu: Die Besessenheit davon, statt Nachrichten „Stories“ zu verfassen, verführt zum laxen Umgang mit der Wahrheit.https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueber-die-faelschungen-von-claas-relotius-im-spiegel-15954144.html
Und nochmal : Mich erschreckt, wie leicht man im Spiegel simplifizierende, unausgewogene, von antiamerikanischen Klischees triefende " Stories" unterbringen kann.


Der Regierung und Polizei / Geheimdiensten wirft man gerne vor auf dem einen oder anderen Auge blind zu sein. Bei de Presse scheint das auch zu sein, was aber weiter nicht verwunderlich ist.


Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Staatliche Stellen müßen diesbezüglich neutral sein, private nicht. So gibt es Tageszeitungen von der "Taz "bis "Welt" oder noch extremer "junge Welt" bis "Junge Freiheit"-da weiß man was man bekommt. Sollte jetzt auch nichts neues sein. Meine zuständige Polizeidienststelle allerdings kann ich mir nicht aussuchen.

An die Fakten sollten sich natürlich alle halten, aber bei der Interpretation geht es halt schon los... einfach mal die Presseschau im DLF hören.


Wenn man privat agiert. Wenn man sich aber als vierte Gewalt im Staat sieht, hat das aber ein Geschmäckle. Vor allem wenn man im Stil vor Relotius gerne etwas drauf legt, damit die Geschichte in ins eigene Weltbild passt.
 
der_finne
Beitrag 22. Dec 2018, 22:00 | Beitrag #526
+Quote PostProfile CardPM
Leutnant
Beiträge: 631



Gruppe: Members
Mitglied seit: 25.04.2009


ZITAT(ede144 @ 22. Dec 2018, 21:50) *
ZITAT(der_finne @ 22. Dec 2018, 16:54) *
ZITAT(ede144 @ 22. Dec 2018, 10:11) *
ZITAT(Seneca @ 21. Dec 2018, 20:50) *
Die Realität ist vielschichtig und oft genug wenig spannend. Manche Zeitungen berichten realitätsgetreu. Die Artikel in der NYT sind deshalb oft faktenreich aber sehr nüchtern. Der " Spiegel" mag es seit jeher dramatischer. Wie verführerisch ist es doch eine kleine spannende , klischeehafte Fabel zu schreiben.
Die FAZ dazu: Die Besessenheit davon, statt Nachrichten „Stories“ zu verfassen, verführt zum laxen Umgang mit der Wahrheit.https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueber-die-faelschungen-von-claas-relotius-im-spiegel-15954144.html
Und nochmal : Mich erschreckt, wie leicht man im Spiegel simplifizierende, unausgewogene, von antiamerikanischen Klischees triefende " Stories" unterbringen kann.


Der Regierung und Polizei / Geheimdiensten wirft man gerne vor auf dem einen oder anderen Auge blind zu sein. Bei de Presse scheint das auch zu sein, was aber weiter nicht verwunderlich ist.


Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Staatliche Stellen müßen diesbezüglich neutral sein, private nicht. So gibt es Tageszeitungen von der "Taz "bis "Welt" oder noch extremer "junge Welt" bis "Junge Freiheit"-da weiß man was man bekommt. Sollte jetzt auch nichts neues sein. Meine zuständige Polizeidienststelle allerdings kann ich mir nicht aussuchen.

An die Fakten sollten sich natürlich alle halten, aber bei der Interpretation geht es halt schon los... einfach mal die Presseschau im DLF hören.


Wenn man privat agiert. Wenn man sich aber als vierte Gewalt im Staat sieht, hat das aber ein Geschmäckle. Vor allem wenn man im Stil vor Relotius gerne etwas drauf legt, damit die Geschichte in ins eigene Weltbild passt.


Artikel in der Art des Hr. Relotius (diese hat er auch nicht exklusiv...) sind das eine. Das Zeitungen oder Redakteure in eine bestimmte Richtung schreiben was ganz anderes und darum geht es hier seit anbeginn des Threads. Das ist an sich nicht zu beanstanden.
Im übrigen sind das private Medien und keine staatlichen. Auch wird keiner gezwungen die "Welt" oder die FR zu lesen.
 
Merowinger
Beitrag 6. Jan 2019, 18:37 | Beitrag #527
+Quote PostProfile CardPM
Oberleutnant
Beiträge: 1.645



Gruppe: Members
Mitglied seit: 25.10.2009


Bei dieser ARD Meldung kräuseln sich mir die Zehennägel - der Redakteur schreibt offensichtlich bei den Meldungen der Nachrichtenagenturen Fars und Irna mehr oder weniger gedankenlos ab und ist nicht in der Lage sie richtig einzuordnen:

"Zitat: ...Stationierung eines Flottenverbands im Atlantischen Ozean..."
"...Zum Flottenverband zählen der neue Zerstörer "Sahand", der vom Radar nicht zu orten ist..."
ZITAT
Die iranische Marine hat in den vergangenen Jahren ihr Operationsgebiet sukzessive ausgeweitet und angedeutet, auch Gewässer nahe der US-Küste befahren zu wollen, da amerikanische Flugzeugträger ja auch im Persischen Golf unterwegs seien.
Himmel Herr/Frau Redakteur (von Inforadio?), schon einmal auf die Dimension der iranischen Marine geschaut, und sich auch nur kurz mit der Freiheit der Meere und den international üblichen Auslandsausbildungsfahrten auseinandergesetzt? Interessanter ist an der Meldung eher die maritime Kontaktaufnahme mit einem oder mehreren lateinamerikanischen Staaten, speziell Venezuela.

Von der ARD waren wir dieses Niveau zum Glück bislang nicht gewohnt.

ADDENDUM: Man könnten dem Redakteur einmal nahelegen, einen Vergleich der "Hubschrauber tragenden Zerstörrer" von Japan und Iran vorzunehmen - nur zum Spaß.

Der Beitrag wurde von Merowinger bearbeitet: 7. Jan 2019, 00:20
 
Dave76
Beitrag 9. Jan 2019, 14:07 | Beitrag #528
+Quote PostProfile CardPM
Oberstleutnant
Beiträge: 14.858



Gruppe: VIP
Mitglied seit: 13.01.2005


ZITAT
Germany’s Leading Magazine Published Falsehoods About American Life
A reporter with Der Spiegel fabricated information in more than a dozen articles—most of which were meant to reveal America’s brutality.

Jan 3, 2019
James Kirchick


https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2...cations/579307/


Daraus:
ZITAT
An open-minded editor would have doubted this astonishing tale about a town so jingoistic that its only cinema continues to sell out screenings of American Sniper years after the film’s release (another easily disproven lie). The fact that these blatant deceptions were not exposed until nearly two years after publication speaks to the ignorance about America that characterizes a wide swath of elite German society. Relotius, I submit, was able to get away with his con for so long because he confirmed the preconceived notions of people who fashion themselves worldly yet are as parochial as the red-state hicks of their imagination.

Though it is respected abroad as an authoritative news source, Der Spiegel has long peddled crude and sensational anti-Americanism, usually grounded in its brand of knee-jerk German pacifism. Covers over the years have impugned the United States as “The Conceited World Power” (with an image of the White House bestriding the globe), repeated the hoary “Blood for Oil” charge as the rationale for the Iraq War, and, in the run-up to George W. Bush’s reelection campaign, asked, “Will America Be Democratic Again?” When Edward Snowden leaked information detailing U.S. surveillance practices several years ago, Der Spiegel went on a crusade unlike anything in its recent history, railing about U.S. intelligence cooperation with Germany and demanding that Berlin grant Snowden asylum. (The magazine demonstrated none of the same outrage when, two years later, Russia hacked the German parliamentary computer network). Last year, Der Spiegel notoriously featured a cartoon of Trump beheading the Statue of Liberty on its cover. And this May, one of its columnists misappropriated the memory of those who struggled against Nazism by calling for “resistance against America,” quite a demand for a magazine from the country that started World War II.

The biases that Relotius stoked in his stories are ones that Europeans, and Germans in particular, have voiced about America since the first colonists set foot here hundreds of years ago. “European elites have consistently and passionately expressed the same negative sentiments about America for centuries,” the scholar Andrei Markovits observed in his 2007 book Uncouth Nation: Why Europe Dislikes America. “In both substance and tone, what stands out is this continuity, rather than change.” Among the negative traits Europeans have long associated with America, Markovits writes, are “venality, vulgarity, mediocrity, inauthenticity,” along with the perception that the country is a “threatening parvenu.” America’s frontier spirit and radically democratic ethos frightened European elites, who distrusted their own masses with political power. “You dear German farmers!” the 19th-century poet Heinrich Heine, who never visited America, implored his countrymen. “Go to America! There, neither princes nor nobles exist; there, all people are equal; there, all are the same boors!”

This sort of reflexive anti-Americanism matters. Relations between the United States and Germany are at their lowest point since the early 1980s, when the deployment of American Pershing nuclear-tipped missiles on German soil sparked the largest protests in the history of the Federal Republic. While Trump’s singling out of Germany for rhetorical abuse is obviously a huge part of the lamentable decline in transatlantic relations, so are the latent anti-American prejudices routinely aroused by Der Spiegel’s brand of yellow journalism masquerading as high-minded critique.

When Trump was elected president, it seemed to confirm every negative impression Europeans hold about Americans. Here, in the shape of our reality-TV leader, was the ur-American: vulgar, crass, ignorant, bellicose. Trump may be all those things, but to depict his supporters with such a broad brush is akin to writing off half of Germany as a bunch of goose-stepping, would-be fascists. The wildly popular work of Relotius reads exactly like what you would expect a snotty, effete, self-righteous, morally superior, latte-sipping European to say about America. Pardon the stereotype.


--------------------
"avenidas/avenidas y flores/flores/flores y mujeres/avenidas/avenidas y mujeres/avenidas y flores y mujeres y/un admirador" - Eugen Gomringer
"Two possibilities exist: either we are alone in the Universe or we are not. Both are equally terrifying." - Arthur C. Clarke
Proud member of Versoffener Sauhaufen™!
#natoforum
 
400plus
Beitrag 9. Jan 2019, 14:42 | Beitrag #529
+Quote PostProfile CardPM
Oberleutnant
Beiträge: 2.254



Gruppe: Members
Mitglied seit: 24.10.2010


Ein guter und in meinen Augen weitgehend richtiger Artikel. Diesen Teil finde ich dann doch etwas überzogen:

ZITAT
And this May, one of its columnists misappropriated the memory of those who struggled against Nazism by calling for “resistance against America,” quite a demand for a magazine from the country that started World War II.


Kirchick bezieht sich dabei auf diesen Kommentar von Klaus Brinkbäumer- und ganz ehrlich, eine Heraufbeschwörung des Widerstandes gegen die Nazis sehe ich da absolut nicht. Die Nazis werden nicht einmal erwähnt, einzig das Wort "resistance" kommt im (englischen) Text einmal vor- das ist mir dann doch ein bisschen dünn, bzw. ein wenig überinterpretiert. Brinkbäumer will einfach, dass sich Europa gegen Trump zur Wehr setzt. Das nennt man eben "Widerstand", aber ich sehe da weder im Englischen noch im Deutschen eine klare Anti-Nazi-Konnotation. Wenn Brinkbäumer jetzt explizit von der "résistance" geschrieben hätte, okay, aber ohne aigu heißt das für mich einfach: "Cleverer Widerstand ist nötig. Widerstand gegen Amerika.", und aus dem Rest des Textes ergibt sich recht klar, was gemeint ist. In der Überschrift ist dann Resistance groß geschrieben, aber auch hier würde ich sagen, dass "resistance" gegen Trump ein von den Nazis unabhängiges Eigenleben hat (hier z.B. Hillary Clinton im Mai 2017: "I'm now back to being an activist citizen and part of the resistance"), und dass Brinkbäumer eher hierauf anspielt, als auf den Widerstand gegen das NS-Regime.

(Zugegeben: Es gibt SpOn-Kolumnisten, denen ich solche Vergleiche durchaus zutrauen würde hmpf.gif , aber in dem konkreten Fall sehe ich das Problem nicht wirklich.)

Der Beitrag wurde von 400plus bearbeitet: 9. Jan 2019, 14:48
 
Crazy Butcher
Beitrag 11. Jan 2019, 16:14 | Beitrag #530
+Quote PostProfile CardPM
Major
Beiträge: 8.724



Gruppe: Members
Mitglied seit: 22.02.2002


Deutsche Ausgabe der 'Huffington Post' wird eingestellt.


--------------------
"In the future, if you don't want the shit missions, don't be so good at doing them."
- General Downer in 'Over There'
 
Stefan Kotsch
Beitrag 12. Jan 2019, 15:28 | Beitrag #531
+Quote PostProfile CardPM
Oberleutnant
Beiträge: 2.389



Gruppe: Members
Mitglied seit: 10.12.2001


Oh. Ich mach drei Kreuze in den Kalender. xyxthumbs.gif
 
 
 

18 Seiten V  « < 16 17 18
Reply to this topicStart new topic


1 Besucher lesen dieses Thema (Gäste: 1 | Anonyme Besucher: 0)
0 Mitglieder:




Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 20. January 2019 - 16:35