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400plus
Beitrag 12. Nov 2022, 18:41 | Beitrag #2581
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Bei mir kommt nach Jim Storr und dem Kalten Krieg mal wieder der Amerikanische BĂĽrgerkrieg: "To Antietam Creek- The Maryland Campaign of September 1862" von D. Scott Hartwig.
 
muckensen
Beitrag 15. Nov 2022, 04:21 | Beitrag #2582
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ZITAT(Kampfhamster @ 25. Jun 2022, 20:07) *
Jordan Peterson - 12 rules for life.

Hab auf Youtube ein paar Vorträge von ihm gesehen und fands ganz interessant.

Hab mir jetzt doch mal noch das Buch geholt und hmpf.gif als jemand für den Gott nur in unseren Köpfen existiert sind einige Äusserungen richtig schwierig. Die 500irgendwas Seiten hätte man zudem auf etwa ein Drittel eindampfen können ohne das religiöse Zeugs aus dem Märchenland von vor 2000 Jahren. Ein paar interessante Sachen hats aber trotzdem und ich werde es auch zu Ende lesen.
Wenn ich Peterson richtig verstanden habe – ich habe das englische Original gelesen und mit Sicherheit nicht alles verstanden –, geht es ihm darum, dass bestimmte judeo-christliche Dogmen gut mit den natürlichen Anlagen der Menschheit harmonieren würden, ewige Wahrheiten beinhalteten und den Weg in die Aufklärung vorgezeichnet hätten, daher die theologischen Ausführungen.

John Freely hat dieser Entwicklung in 'Aristoteles in Oxford' ein ganzes Buch gewidmet, in dem er anhand einer Vielzahl von Biographien sowie der philosophischen bzw. theologischen Zusammenhänge nachweist, dass die ersten Wissenschaftler im modernen Sinne keineswegs zufällig gläubige Christen oder sogar Kleriker waren, sondern der christliche Topos der Wahrheit zur Herausbildung der modernen Naturwissenschaften führen musste, und dass der zunehmende Bedeutungsverlust des Christentums in der christlichen Theologie angelegt ist, wie es auch schon Nietzsche bemerkte.

Ein interessanter und schlüssig begründeter Denkansatz, den Peterson in seinen Vorlesungen aber verständlicher herausgearbeitet hat. Und genau das ist das Problem: Ich musste jetzt schon Nietzsche und den nicht gerade bekannten John Freely anführen, um überhaupt eine Hoffnung darauf zu haben, irgendwie verständlich zu machen, worum es – meiner Wahrnehmung nach – bei Petersons Lehre geht. Wer weiß, ob ich Recht habe, und ob es mir gelungen ist. Für einen Lebensratgeber ist das Thema damit wohl ein wenig zu komplex.

Jedenfalls, ich habe auch 'Maps of Meaning' gelesen, und es kommt mir so vor, als sei Peterson an der Aufgabe gescheitert, aus der philosophischen Abhandlung des Erstlingswerks einen handhabbaren Ratgeber zu machen. Das wundert mich nicht. Er bekennt schon in 'Maps of Meaning', tagelang an einzelnen Nebensätzen gefeilt zu haben, und kaum jemals mit dem Ergebnis wirklich zufrieden gewesen zu sein. Entschlackung liegt einem solchen Charakter nicht, das ist, als würde man von einem Koch verlangen, Chili con Carne ohne Chili zuzubereiten.
ZITAT(Almeran @ 27. Jun 2022, 09:42) *
Jordan Peterson ist ein schwieriger Typ, um es mal milde auszudrĂĽcken.
Jordan Peterson ist die folgende Art von schwierig: Ein Mann, der einen Gutteil seiner publizistischen Tätigkeit damit zugebracht hat, vor den Gefahren des Totalitarismus zu warnen, und der insgesamt 13 Stunden Seminarmaterial zum Thema "Warum Hitler sogar schlimmer war, als Du denkst" anbietet, und trotzdem als Faschist beschimpft wird.

Ich bin 2014 auf Peterson gestoßen, als ich für ein Essay recherchierte, damals habe ich auch sein erstes Buch gekauft; regelmäßig verfolge ich seinen Werdegang seit der Bill C-16-Kontroverse. In meinen Augen steht diese Kontroverse stellvertretend für das Phänomen Jordan Peterson. Damals wurde ihm Transphobie vorgeworfen, obwohl er schon in seiner ersten öffentlichen Einlassung zu dem Thema klarstellte, dass es ihm nicht um Transgender-Themen gehe und er, würde er von einem transsexuellen Studenten gebeten, dessen bevorzugte Pronomina zu verwenden, dies tun würde; Peterson wehrte sich vielmehr dagegen, der Legislative das Recht zu geben, die Redefreiheit durch Gebote (im Englischen: compelled speech) zu regulieren, in seinen Augen ein gefährlicher und verfassungswidriger Präzedenzfall.

Tragischerweise ähnelt Peterson ein bisschen den von ihm kritisierten Aktivisten. Denn er hat sicher das Gefühl, gegen eine Wand anzureden, und wie für sie wird die Wand auch für ihn zunehmend zum Gegner – denn warum sonst sollte sie seinen Argumenten nicht nachgeben? In letzter Zeit scheint er sich verhärtet zu haben, in Interviews und Vorlesungen wirkt er oft ungehalten, schneidet anderen das Wort ab. Ich denke, Peterson besitzt ein zu hohes Maß an Intelligenz und Bildung, um noch zu erkennen, dass er auf der Abstraktionstreppe eine Stufe erreicht hat, auf die ihm nicht jeder folgen kann, und dass die Zurückbleibenden nicht allesamt radikale Ideologen sind, die es auf ihn abgesehen haben.

Ein weiteres Beispiel für eine Kontroverse, die auf einem Missverständnis beruht, ist seine (Carl Jung folgende) Beschreibung des Femininen als "Chaos", was Feministinnen zum Anlass genommen haben, ihm wegen des Untertitels von '12 Rules for Life' ("An Antidote to Chaos") Frauenfeindlichkeit zu unterstellen. Peterson hätte das vorhersehen können. Der Hintergrund dieser Formulierung ist nämlich nur mit einem gewissen Verständnis der Jung'schen Philosophie erschließbar, die die "maskuline" Ordnung und das "feminine" Chaos wertfrei als zwar entgegengesetzte, aber essentiell aufeinander angewiesene Prinzipien beschreibt. Bei Jung und Peterson ist das Chaos nichts Schlechtes, sondern bspw. die Kraft, die die Ordnung begrenzt und dadurch erst Freiheit und Menschenwürde ermöglicht.

Andererseits ist es vielleicht unvermeidlich, dass jemand eine kurze Lunte entwickelt und ins Lagerdenken verfällt, wenn er erleben muss, wie die Polizei bei einer seiner Lesungen einen Aktivisten mit einer Garotte (!) verhaftet. Oder hören muss, dass die schwedische Außenministerin ihn als "Troglodyten" beschimpft, der aus Schweden verschwinden und in seine Höhle zurückkehren solle, nur um später eingestehen zu müssen, dass sie vom Inhalt seiner Bücher keine Ahnung hatte.

Dass Peterson das Virus des Schwarz-Weiß-Sehens befallen hat, zu dessen intelligentesten Kritikern er eigentlich gehört, ist schade und schadet seiner Glaubwürdigkeit. So hat er etwa zum Ukrainekrieg unhaltbare Aussagen voller unzulässiger Verallgemeinerungen getroffen, in denen für mich durchscheint, dass er die Politik westlicher Regierungen in dieser Sache vor allem deshalb kritisiert, weil er sich schon vorher oft genötigt sah, sie in anderen Dingen zu kritisieren. Und also die Motive, die er sonst bei ihnen sieht, auch hier verortet.

Peterson ist mit Sicherheit nicht das Übergenie, der Heilsbringer, wozu ihn manche seiner Anhänger stilisieren (oft auch ohne ihn gelesen zu haben, scheint mir). Aber er ist mit Sicherheit auch nicht das Monster, als das ihn seine Kritiker dämonisieren, oder gar ein Scharlatan. Ich empfinde ihn als einen sehr profunden und einfühlsamen Denker, der definitiv wertvolle Denkanstöße geben kann, wenn man sich auf seine Lehre einlässt.
ZITAT(Almeran @ 27. Jun 2022, 09:42) *
Es gibt durchaus Biologen, die ihm zugestimmt haben, z.B. die Evolutionsbiologin Heather Heying.

Bevor jetzt irgendwer einwendet: Ja, aber die gehört zum Intellectual Dark Web … Sind denn seine Kritiker frei von Vorurteilen? Interessanterweise zeigen sich aber auch hier Parallelen zwischen dem Peterson- und dem Hater-Camp. Denn unter seinen Lesern sind die Hummer zu einem ebenso beliebten Meme avanciert, wie sie von seinen Kritikern angegriffen werden. Beide Seiten verkennen, dass es sich für Peterson nur um ein handliches Beispiel zur Veranschaulichung der – auch anderweitig belegbaren – Tatsache handelt, dass sich Hierarchien natürlich herausbilden und keineswegs immer soziale Konstrukte sind.

Der Beitrag wurde von muckensen bearbeitet: 15. Nov 2022, 04:38


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"The notion that freedom of speech protects 'oppressors' is absurd. Why would those powerful enough to oppress need to appeal to the Bill of Rights? Who's to silence them if they are, as you insist, powerful?" – T. Rhine-Douglas
 
bill kilgore
Beitrag 25. Nov 2022, 08:50 | Beitrag #2583
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ZITAT(400plus @ 7. Nov 2022, 10:27) *
Ich habe es selbst nicht gelesen, aber das hier mal meinem Vater geschenkt und er fand es glaube ich gut. Vom gleichen Autor gibt's auch was zu 70/71.



ZITAT(Almeran @ 7. Nov 2022, 10:33) *
ZITAT(bill kilgore @ 7. Nov 2022, 10:17) *
Das ist ein guter Punkt - nach der LektĂĽre der ganzen Clark-Preussen-BĂĽcher in den letzten Jahren wollte ich was zu den "Einigungskriegen" und dem (wie mein Opa sagte) "70er-Krieg" lesen. Hat da jemand Empfehlungen?
Grundsätzlich wäre für mich das große Ganze interessanter wie einzelne Schlachtengemälde, aber vereinzelt stören würde es mich auch nicht. Es sollte halt einigermaßen den Stand der Forschung abbilden und einen gewissen Umfang haben.

Für den Deutsch-Dänischen Krieg habe ich dieses Buch in guter Erinnerung: 1864: The forgotten war that shaped modern Europe


Ganz vergessen - Danke fĂĽr die Tipps!

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Hab im obersten Regal ungelesene (?) Pratchett-BĂĽcher gefunden. biggrin.gif
Gerade: The fifth Elephant


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Look into the eyes of a chicken and you will see real stupidity. It is a kind of bottomless stupidity, a fiendish stupidity. They are the most horrifying, cannibalistic and nightmarish creatures in the world.
 
Freestyler
Beitrag 25. Nov 2022, 12:41 | Beitrag #2584
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ZITAT(400plus @ 7. Nov 2022, 10:27) *
Ich habe es selbst nicht gelesen, aber das hier mal meinem Vater geschenkt und er fand es glaube ich gut. Vom gleichen Autor gibt's auch was zu 70/71.

Und zu den TĂĽrkenkriegen, das auch richtig gut ist - vor allem weil der Autor die Rolle der polnischen Hussaria in der Schlacht am Kahlenberg 1683 einordnet xyxthumbs.gif
 
 
 

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