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> Havarie der ARA San Juan, Hergang und Hintergründe
SailorGN
Beitrag 21. Dec 2017, 20:26 | Beitrag #61
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Normalerweise würde man selbst mit so "großen Booten" wie 209/212 Stürme getaucht abwettern. Einige Gründe es nicht zu tun können sein:

- Batterieladung: In Friedenszeiten wird kein Kommandant/STO unter bestimmte Restkapazitätsgrenzen gehen. 212 könnte theoretisch auf BZA weiterfahren, aber das ist die teure Alternative zu Diesel+Batterie. Die Argentiner hatten diese Möglichkeit nicht und dazu noch nen Batteriebrand, wonach mindestens in einer Teilbatterie nicht nur die Kapazitäten fraglich sind, sondern auch die Möglichkeiten des neu ladens.
- Befehle: U32 hatte für den Nordseetransit keine Tauchfreigabe. Solche Freigaben werden idR bei der Routenplanung mit beantragt, können aber auch nachträglich noch eingeholt werden. Zweitens können hydrografische Gründe dagegensprechen. Dazu zählen Seeverkehr/Hindernisse (Ölplattformen!), Wassertiefe im Seegebiet (im Friedenstransit sollte man immer eine Sicherheitstiefe ansteuern können), Strömungsverhältnisse, Hoheitsgewässer anderer Nationen.
- Wassertiefe: Wellen an der Oberfläche reichen auch nach unten. Man kann Wellen bis zum zehnfachen der Oberflächenwellenhöhe noch wahrnehmen. Deshalb sollte man auch bei Sturm Sicherheitstiefe halten (können). Ist das Wasser flacher, dann besteht Gefahr, dass das Boot "unkontrolliert" relativ große Tiefenänderungen macht, womit jedes "Grundhindernis" (Bspw. ein Schiffswrack, welches mehrere Meter über den Meeresboden reicht) zur Gefahr wird.


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Schwabo Elite
Beitrag 21. Dec 2017, 21:04 | Beitrag #62
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ZITAT(wARLOCK @ 21. Dec 2017, 20:02) *
Wobei zumindest die Begründung für das nicht abtauchen war (neben dem Befehl), dass die Nordsee an dieser Stelle angeblich nicht tief genug gewesen wäre um dem Seegang zu entkommen. Ob das stimmt vermag ich aber nicht zu beurteilen.
Zunächst war die Begründunge mal "jeder Tauchgang muss von oben erlaubt werden". Und spätestens hinter der Deutschen Bucht kann man dann schon ein paar Meter machen.


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Merowinger
Beitrag 21. Dec 2017, 21:58 | Beitrag #63
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Aus dem Kopf hat die Nordsee im Schnitt nur 30m Wassertiefe, die Ostsee mit 60m etwas mehr. Diese geringe Wassertiefe sorgt im übrigen in der Nordsee für unangenehm steile Wellen.

Zurück zur Frage: Die ARA San Juan hatte wegen ja gerade wegen des hohen Seegangs Wasser im Schnorchel, und um dem zu entgehen entschied sich der Kommandant für langsame Tauchfahrt mit der Hälfte der Batterien.

Der Beitrag wurde von Merowinger bearbeitet: 21. Dec 2017, 22:00
 
SailorGN
Beitrag 21. Dec 2017, 22:34 | Beitrag #64
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@SE: Ja, jeder Tauchgang muss genehmigt werden, weil er im Transit/Frieden in sehr restriktiver Weise erfolgt. Nämlich räumlich+zeitlich sehr genau definiert. Warum das in der Nato so gemacht wird? Damit man eben nicht monatelang nach einem Uboot tausende Quadratkilometer Ozean abgrasen muss, sondern die Chance hat, die Besatzung lebend zu bergen. Bei einem Gebiet mit weniger als 50 Seemeilen Kantenlänge durchaus realistisch.

30m sind für sichere Tauchfahrt mit einem 11m hohen Boot nicht genug. In der Nordsee sind genug große Schiffe mit über 10m Tiefgang unterwegs, selbst ohne jede Sicherheitsmarge wirds da eng. Dazu liegen auf der überschwemmten Wiese hunderte Wracks, Container, Müll rum, so daß Tauchen ausserhalb der ausgewiesenen Tauchgebiete nicht wirklich Spass macht. Vom Transit ganz zu schweigen.


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Beitrag 22. Dec 2017, 10:13 | Beitrag #65
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ZITAT(SailorGN @ 21. Dec 2017, 22:34) *
@SE: Ja, jeder Tauchgang muss genehmigt werden, weil er im Transit/Frieden in sehr restriktiver Weise erfolgt. Nämlich räumlich+zeitlich sehr genau definiert. Warum das in der Nato so gemacht wird? Damit man eben nicht monatelang nach einem Uboot tausende Quadratkilometer Ozean abgrasen muss, sondern die Chance hat, die Besatzung lebend zu bergen. Bei einem Gebiet mit weniger als 50 Seemeilen Kantenlänge durchaus realistisch.

Deswegen ja mein Hinweis, dass man nun wenigstens nicht suchen müsse. smile.gif


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Beitrag 22. Dec 2017, 10:22 | Beitrag #66
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ZITAT(Merowinger @ 21. Dec 2017, 21:58) *
Aus dem Kopf hat die Nordsee im Schnitt nur 30m Wassertiefe, die Ostsee mit 60m etwas mehr. Diese geringe Wassertiefe sorgt im übrigen in der Nordsee für unangenehm steile Wellen.

Umgekehrt wird ein Schuh draus, die Nordsee ist natürlich die durchschnittlich tiefere See, sie liegt ja näher am kontinentalen Rand und dem nächsten Ozean. Auch geographische Gebilde folgen im allgemeinen den Regeln der Physik. Die Nordsee ist im Schnitt 95 m tief, die Ostsee durchschnittlich 55 m. Das sagt nur recht wenig aus, weil das Boot ja in einem sehr spezifischen Gebiet fährt, nämlich zwischen Deutschland und England. Die Nordsee ist aber rund um Norwegen und nördlich sowie südlich der Doggerbank am tiefsten. Der ganze Englische Kanal und die Straße von Dover sind was, so 50 Meter und etwas drüber?


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SailorGN
Beitrag 22. Dec 2017, 12:23 | Beitrag #67
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ZITAT(Schwabo Elite @ 22. Dec 2017, 10:22) *
ZITAT(Merowinger @ 21. Dec 2017, 21:58) *
Aus dem Kopf hat die Nordsee im Schnitt nur 30m Wassertiefe, die Ostsee mit 60m etwas mehr. Diese geringe Wassertiefe sorgt im übrigen in der Nordsee für unangenehm steile Wellen.

Umgekehrt wird ein Schuh draus, die Nordsee ist natürlich die durchschnittlich tiefere See, sie liegt ja näher am kontinentalen Rand und dem nächsten Ozean. Auch geographische Gebilde folgen im allgemeinen den Regeln der Physik. Die Nordsee ist im Schnitt 95 m tief, die Ostsee durchschnittlich 55 m. Das sagt nur recht wenig aus, weil das Boot ja in einem sehr spezifischen Gebiet fährt, nämlich zwischen Deutschland und England. Die Nordsee ist aber rund um Norwegen und nördlich sowie südlich der Doggerbank am tiefsten. Der ganze Englische Kanal und die Straße von Dover sind was, so 50 Meter und etwas drüber?


Naja, Durchschnitt ist so eine Sache, dass weiss man spätestens nach Statistik I biggrin.gif

Die südliche Nordsee oder auch das Gebiet von Jütland runter zur Deutschen Bucht ist sehr flach, sehr stark befahren und daher auch sehr hindernisreich. Dort zu tauchen lohnt nur in bestimmten Gebieten und auch nur bei annehmbaren Wetter. Der Kanal ist zwar stellenweise tief genug, da gibts ein paar Rinnen, aber angesichts des Verkehrs dort zu tauchen und Lagebild zu halten ist gefährlich. Da haben wir noch nicht mal über Strom durch Tide gesprochen, welcher sichere Navigation unter Wasser erschweren kann.


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Alligator
Beitrag 7. Jan 2018, 14:02 | Beitrag #68
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Die Suche nach dem gesunkenen U-Boot läuft weiter:
ZITAT
A late, or early, look at the #ARASanJuan search areas. #yantar and #Sarandi are in the search area, but Sarandi isn’t using #AIS so we can’t see where she is. Both vessels are chasing anomalies, but winds have been stiff, making the task more difficult.

https://twitter.com/MikeChillit/status/949942075096813568
 
Merowinger
Beitrag 5. Mar 2018, 15:50 | Beitrag #69
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Zusammenfassung und Bewertung von Raimund Wallner:
https://dmkn.de/tragik-im-suedatlantik/
 
 
 

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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 26. April 2018 - 18:20