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> Landtagswahlen in Deutschland - und deutsche Politik generell, ausgelagert
Broensen
Beitrag Gestern, 19:49 | Beitrag #241
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ZITAT(Freestyler @ 22. Sep 2023, 14:08) *
Schön wie du wissenschaftliche Erkenntnisse ignorierst, weil sie dir nicht passen.
Eine Studie, die in einem anderen Land durchgefĂŒhrt wurde mit einem anderen Rechts- und Steuersystem sowie einem anderen GebĂ€udebestand, anderen Bauvorschriften, anderen Wohntraditionen etc. pp. und noch dazu zum Zeitpunkt einer ganz anderen Immobilien- und Finanzmarktlage, hat einfach extrem wenig zu sagen, wenn es darum geht, ob Omma Inge ihr kleines Reihenhaus in Hintertupfingen verkauft oder nicht.

NatĂŒrlich haben Steuern immer einen Einfluss, sollen sie auch haben, deswegen heißen sie Steuern. Aber sie wirken sich unter unterschiedlichen UmstĂ€nden unterschiedlich aus und haben auf einige Sachverhalte mehr, auf andere weniger Einfluss. Und wenn ich -als jemand der beruflich mit Immobilien und auch deren Handel beschĂ€ftigt ist- davon spreche, dass die derzeit extrem hohen Immobilienpreise einen sehr viel grĂ¶ĂŸeren Teil des Problems ausmachen und dass sich entsprechende Steuererleichterungen auf die Möglichkeiten der unteren Mittelschicht zum Erwerb von eigenen Ein- und ZweifamilienhĂ€usern nur marginal auswirken, wĂ€hrend andere Faktoren einen sehr viel grĂ¶ĂŸeren Einfluss haben, dann hat das rein gar nichts mit dem Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse zu tun, sondern mit deren Einordnung in einen realen Kontext.

ZITAT
Je nach Bundesland muss man zwischen neun und zwölf Prozent des Kaufpreises als Kaufnebenkosten zahlen. Das ist kein "sehr geringer Ausmaß", sondern tut auch dem "wohlhabenden EFH-Erbauer" weh, weil das ganz schnell mittlere fĂŒnfstellige BetrĂ€ge fĂŒr den KĂ€ufer sind. Ab wann ist man wohlhabend genug, damit es nicht mehr weh tut?
Bei der aktuellen Marktlage? Sobald man sich eine Einfamilienhaus leisten kann. Es werden abbruchreife EFHs fĂŒr Hunderttausende verkauft! Wer sich das leisten kann, fĂŒr den hat die Grunderwerbssteuer nur einen Einfluss darauf, welches Haus er sich leisten kann, aber nicht darauf, ob er das kann.
9 bis 12% ist momentan ĂŒbrigens gerade mal die Baukostensteigerung innerhalb eines Jahres! Da soll Schantall mal lieber leise heulen.
ZITAT
Warum setzt du Wohneigentum automatisch mit EFH gleich?
Das tue ich nicht, aber ich habe nun mal primĂ€r ĂŒber diese Objekte gesprochen, weil die einen extrem großen Anteil an dem Problem darstellen. Eine Eigentumswohnung ist selten 300mÂČ groß und wird nur noch von einer Witwe bewohnt, die noch zwei Zimmer davon nutzt. Bei EFHs ist das ein gĂ€ngiges Bild. Auch haben Menschen viel weniger Probleme, sich im Alter emotional von einer ETW zu lösen und sich zu verkleinern als das bei EFHs der Fall ist. Zumal sich ETWs auch deutlich einfacher vermieten lassen als EFHs wegen der meist geringeren MietflĂ€che und dem VerhĂ€ltnis zwischen Mieteinnahmen und Unterhaltskosten.
ZITAT
Hast du mal nach Eigentumswohnungen fĂŒr Familien mit mehr als einem Kind gesucht? rolleyes.gif
Die gibt es kaum. Und die lassen sich aktuell auch nicht wirtschaftlich neu bauen. Daher muss ja gerade fĂŒr Familien der Bestand aktiviert werden, indem fĂŒr die Senioren gebaut wird. Und deshalb wĂ€re es auch wichtig, praktikablere Regeln fĂŒr Sanierungen und Umbauten zu schaffen. Da gibt es vieles, was nicht sinnvoll ist. Außerdem braucht es viel mehr staatlich getragene Finanzierungsmodelle, so dass EigentĂŒmer sich tatsĂ€chlich Sanierungen voll finanzieren lassen und mit den gewonnenen Einsparungen die Kredite dafĂŒr zinsarm zurĂŒckzahlen können. Da gĂ€be es viele Ansatzpunkte. Eine Grunderwerbssteuererleichterung steht ganz weit hinten auf der Liste, es sei denn, es geht einem gar nicht darum, möglichst vielen Menschen ein bezahlbares Zuhause zu bieten, sondern nur ein paar wenigen etwas Geld zu sparen, damit sie sich ein grĂ¶ĂŸeres Haus leisten können oder auch durch Kauf und Verkauf von ETWs und Investorenobjekten Geld zu verdienen.

Ich hĂ€tte ja noch nicht mal etwas dagegen, diese Steuer aufkommensneutral zu ĂŒberarbeiten. Aber dann bitte z.B. so, dass man die Höhe dieser Steuer daran knĂŒpft, wie lange das Objekt im Besitz bzw. selbst bewohnt war. Es bringt nĂ€mlich gar nichts, wenn der Immobilienmarkt dadurch in Bewegung kommt, dass sich Investoren gegenseitig die Objekte hin und her schieben, weil sie bei jedem Verkauf einen kleinen Gewinn machen können. Im Gegenteil: gerade das muss unterbunden werden, wĂ€hrend staatliche Steuerungswerkzeuge in dem Bereich dafĂŒr sorgen sollten, dass der vorhandene Wohnraum optimal genutzt werden kann. Jede Änderung muss darauf abzielen, den Wohnraum je Person zu reduzieren. Und das hat nichts damit zu tun, den Leuten Vorschriften zu machen, wie sie zu wohnen haben, aber WENN der Staat handelt, DANN muss er das zum Allgemeinwohl tun und dem schadet jeder Quadratmeter WohnflĂ€che, der existiert, aber nicht genutzt wird. Das soll man natĂŒrlich nicht verbieten, aber man sollte es eben nicht auch noch fördern.
ZITAT
Abreisen und Neubauen ist oft gĂŒnstiger.
Ja, das ist auch so ein großes Problem. Durch den stĂ€ndigen Abriss und Neubau werden Unmengen an Ressourcen verbraucht und zusĂ€tzliche Belastungen verursacht, zum Einen durch die Entsorgung des Alten, zum Anderen durch die Errichtung des neuen. FĂŒr beides werden nicht nur Rohstoffen verbraucht, sondern auch Kraftstoffe eingesetzt und Schadstoffe abgegeben. FĂŒr das, was an CO2 freigesetzt wird, um ein altes energieineffizientes Haus durch einen Neubau zu ersetzen, könnte man auch den Altbestand noch Jahrzehntelang mit Gas heizen. Auch deswegen brĂ€uchte es dringend bessere Regeln fĂŒr die Sanierung von BestandsgebĂ€uden, so dass diese zu erhalten rentabler wird als sie zu ersetzen. Was aber auch helfen wĂŒrde: Wenn eben nicht Senioren noch ewig in HĂ€usern wohnen bleiben, die sie nicht ordentlich unterhalten können. So entsteht ein Großteil des Sanierungs- und Modernisierungsstaus im GebĂ€udebestand, was dann eben dazu fĂŒhrt, dass irgendwann der Abriss wirtschaftlicher ist als das alles nachzuholen, was jahrzehntelang vernachlĂ€ssigt wurde.
ZITAT
Aber die Normalverdiener werden sich bedanken, wenn sie "mit viel Sparsinn" noch Altbestand erwerben könnendĂŒrfen, weil es dir so passt.

Wie hier irgendwelchen Schichten verordnet wird, was sie zu tun und zu lassen haben, hat ziemlich autoritĂ€r und ziemlich erschreckend. Warum wundert sich eigentlich jemand ĂŒber die guten Umfragewerte der AfD, wenn man einzelnen Schichten/Mileus vorschreiben will, was sie (noch) dĂŒrfen?
Ein hervorragendes Beispiel dafĂŒr, wie rechtspopulistische Narrative konstruiert werden. mad.gif
In einem freien Internetforum spricht eine Privatperson -wenn auch mit gewisser Fachkenntnis- davon, dass eine angedachte staatliche Fördermaßnahme (Steuererleichterung) seiner persönlichen Meinung nach weniger hilfreich fĂŒr die Lösung eines konkreten Problems (Wohneigentumsmangel in der Mittelschicht) wĂ€re als andere Maßnahmen. Und daraus wird dann: "die da oben (implizit) verbieten den einfachen Menschen, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten!". Das ist astreines Bildzeitungsniveau!
 
Sensei
Beitrag Gestern, 19:55 | Beitrag #242
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ZITAT(Broensen @ 22. Sep 2023, 20:49) *
Ein hervorragendes Beispiel dafĂŒr, wie rechtspopulistische Narrative konstruiert werden. mad.gif
In einem freien Internetforum spricht eine Privatperson -wenn auch mit gewisser Fachkenntnis- davon, dass eine angedachte staatliche Fördermaßnahme (Steuererleichterung) seiner persönlichen Meinung nach weniger hilfreich fĂŒr die Lösung eines konkreten Problems (Wohneigentumsmangel in der Mittelschicht) wĂ€re als andere Maßnahmen. Und daraus wird dann: "die da oben (implizit) verbieten den einfachen Menschen, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten!". Das ist astreines Bildzeitungsniveau!


Und zeugt gut davon, wie sich in einer 'freiheitlichen' Partei, wie der FDP, rechtsextreme Tendenzen derart breitmachen konnten:

Auszug aus dem Bericht zur "Mitte-Studie":

ZITAT
ErwartungsgemĂ€ĂŸ sind die rechtsextremen Einstellungen unter den AnhĂ€ngerinnen und AnhĂ€ngern der AfD besonders verbreitet. Knapp ein Viertel von ihnen teilt ein rechtsextremes Weltbild. Unter den anderen Parteien fĂ€llt die FDP auf, von deren WĂ€hlerschaft gut 15 Prozent solchen Einstellungen zuneigen, wĂ€hrend es etwa bei CDU- und CSU-AnhĂ€nger:innen lediglich sechs Prozent sind.

(Ohne irgendwelchen Nutzern hier irgendetwas zu unterstellen. Aber es ist schlicht frappierend, dass Rechtsextremismus in der FDP doppelt so hÀufig ist wie in der Union)

Der Beitrag wurde von Sensei bearbeitet: Gestern, 19:57
 
Nite
Beitrag Gestern, 20:24 | Beitrag #243
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ZITAT(Sensei @ 22. Sep 2023, 20:55) *
Aber es ist schlicht frappierend, dass Rechtsextremismus in der FDP doppelt so hÀufig ist wie in der Union

Eigentlich nicht. Vom pervertierten Freiheitsbegriff, der nur noch ein lauer Versuch ist als Deckmantel fĂŒr völlig entgrenzten Egoismus zu dienen, der FDP zum Sozialdarwinismus ist es nur ein winzig kleiner Schritt.

//Edit:
Und da reden wir jetzt noch nicht einmal ĂŒber diverse Altlasten der FDP


Der Beitrag wurde von Nite bearbeitet: Gestern, 20:33


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#flapjackmafia #GuaranaAntarctica #arrr #PyramidHoneyTruther
 
Sensei
Beitrag Gestern, 20:41 | Beitrag #244
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Der entgrenzte Freiheitsbegriff ist halt nach dem Rechtskonservatismus der CDU und dem Strukturkonservatistischen "Sozialismus" der Linken das dritte Eintrittstoor dieser neu verfestigen "Schwurbelfront".
 
 
 

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