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> Entwürdigende Schikanen bei der Bundeswehr, Mutproben und Aufnahmerituale in Mittenwald
Nightwish
Beitrag 10. Feb 2010, 11:13 | Beitrag #1
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Bei den Bundeswehr-Gebirgsjäger im oberbayerischen Mittenwald sind junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden.

Diese mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können...


http://magazine.web.de/de/themen/nachricht...Bundeswehr.html


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lerne leiden, ohne zu klagen

manchmal geht der Horizont über die klassische BW-Schiessausbildung hinaus (Goschi)

Ich habe mit Debilen gesprochen, mit Debilen die einen Schulabschluss haben und mit Debilen die einen Schulabschluss vergeben.
 
ChrisCRTS
Beitrag 10. Feb 2010, 11:27 | Beitrag #2
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ZITAT
mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken


Es klingt wie ein Wochenende in die Disco. kotz.gif


--------------------
ΜΟΛΩΝ ΛΑΒΕ!
 
den otes
Beitrag 10. Feb 2010, 18:18 | Beitrag #3
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fand ja auch alles ausserhalb der dienstzeit und des dienstgeländes statt. da ist ja fast ein college-aufnahme-ritual ärger


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Ota, so sauer wie die Ewigkeit. Romantikerträume werden wahr!
Und merket euch, egal wie tief man die Messlatte für den menschlichen Verstand setzt, man trifft jeden Tag mindestens einen der drunter durchgeht!
Es gibt keinen Grund eine gute Theorie aufzugeben nur weil sie nicht stimmt
Take the Panzershrek and destroy the Shilka
 
SoldierofFortune
Beitrag 10. Feb 2010, 19:17 | Beitrag #4
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Hat da wieder einer Pippi in den Augen gehabt, weil er wegen Blümchen pflückens ausgelacht wurde??

Ich frag mich grad, was an roher Leber und viel Alkohol so schlimm ist. Zugegeben, sein Essen auf die Rückreise zu schicken ist nicht immer ganz angenehm aber wer hat sowas noch nicht gemacht.
Da kommt es ja bei den Pfadfindern, in Jugendgruppen und Studentenverbindungen zu schlimmeren Mutproben.


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Über 15000 Jahre Kriegsgeschichte und Waffenentwicklung und wir schießen immer noch mit Pfeilen!!

Gibt es in einer Teefabrik eine Kaffee-Pause??
 
Hummingbird
Beitrag 10. Feb 2010, 19:51 | Beitrag #5
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Was du schlimm findest ist überhaupt kein Maßstab.
 
SoldierofFortune
Beitrag 10. Feb 2010, 19:56 | Beitrag #6
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Und was ist der Maßstab?


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Über 15000 Jahre Kriegsgeschichte und Waffenentwicklung und wir schießen immer noch mit Pfeilen!!

Gibt es in einer Teefabrik eine Kaffee-Pause??
 
General Gauder
Beitrag 10. Feb 2010, 20:02 | Beitrag #7
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Na klar ist es nicht so klasse wenn Leute dazu gezwungen werden, die Vorfälle an sich sind finde ich jetzt nicht so schlimm
Sich besaufen und dann Leber essen dafür bezahlen einige Leute richtig Geld
Was mir nur auffällt das so etwas in letzter Zeit immer mehr auftritt, kann es sein das einige diesen Spaß der es wohl zu Anfang einmal war ein wenig zu Ernst nehmen?

Und ich meine jetzt nicht die Opfer.

General Gauder


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Ehemaliger König von Team Bravo der wahren Nr.1!
Bier ist kein Alkohol, sondern ein Nahrungsmittel. Peer Steinbrück
 
Hummingbird
Beitrag 10. Feb 2010, 20:03 | Beitrag #8
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Disziplinarecht, Strafrecht, Beschwerderecht der Bundeswehr, erschienen im Walhalla Verlag; Autoren Karl Helmut Schnell & Heinz-Peter Ebert; Oktober 2006; 21., aktualisierte Ausgabe; 1032 Seiten; 19,95 Euro; ISBN 978-3-8029-6294-3
 
nobody
Beitrag 11. Feb 2010, 00:33 | Beitrag #9
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ZITAT(Hummingbird @ 10. Feb 2010, 20:03) *
Disziplinarecht, Strafrecht, Beschwerderecht der Bundeswehr, erschienen im Walhalla Verlag; Autoren Karl Helmut Schnell & Heinz-Peter Ebert; Oktober 2006; 21., aktualisierte Ausgabe; 1032 Seiten; 19,95 Euro; ISBN 978-3-8029-6294-3


Wer sich an alle regeln hält hat kein Spaß im Leben.
Jeder bricht jeden Tag Gesetzte.
Die Frage ist ob er wirklich gezwungen wurde oder nicht.
Und das sowas in jeder Armee vorkommt und in anderen Ländern ganz anders abläuft (Russland...) ist auch klar.
Was mich stört ist das einige denken (nicht du) sowas wäre ein Einzelfall und danach wäre das Problem gelöst.
 
kato
Beitrag 11. Feb 2010, 00:43 | Beitrag #10
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ZITAT(General Gauder @ 10. Feb 2010, 20:02) *
Was mir nur auffällt das so etwas in letzter Zeit immer mehr auftritt

Da is nix neues dran - Die Presse greift das nur stärker auf.

Es gibt kaum einen Jahresbericht des Wehrbeauftragten, wo so was nicht irgendwo mal vorkommt. Und dabei führt der Jahresbericht ja auch nur Einzelbeispiele für ganze Eingaben-Gruppen an. Siehe üblicherweise Kapitel Dienstaufsicht, Ausübung der Disziplinarbefugnis, Führungs- und Ausbildungsverhalten und ähnliches. Im 2008er wars z.B. eine Gruppe, in der ein Soldat zum Trinken von Urin gezwungen werden sollte.

ZITAT(den otes @ 10. Feb 2010, 18:18) *
fand ja auch alles ausserhalb der dienstzeit und des dienstgeländes statt.

Was ja wohl eher darauf hindeutet, daß man sich der Problematik bzw. der Tatsache, daß es dafür Diszis und Strafverfolgung gibt, sehr bewußt war.

ZITAT(den otes @ 10. Feb 2010, 18:18) *
da ist ja fast ein college-aufnahme-ritual ärger

Die natürlich genauso strafbewehrt sind, und das ist auch gut so. In Deutschland greift mindestens §240 StGB, je nachdem auch §223 StGB, in anderen Ländern (etwa zur "Bizutage" in Frankreich) gibts dazu sogar spezielle Strafgesetzparagraphen.

Der Beitrag wurde von kato bearbeitet: 11. Feb 2010, 09:50
 
stillermitleser
Beitrag 11. Feb 2010, 08:30 | Beitrag #11
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Da wird die Presse mal wieder sich für eine Woche dran aufhängen und nächste Woche ist das schon wieder passe für die Schreiberlinge von der Journalie.
Solche Vorfälle hat es schon immer gegeben, wird es immer geben und so etwas war auch schon immer Strafbewehrt und auch bleiben.
Wie der Sachverhalt aussieht wird die Untersuchung zeigen. Bisher sind es nur Anschuldigungen, aus welchen Gründen auch immer.


--------------------
ZITAT
Aufpassen, dass man nicht mit der Arroganz des eigenen Weltbildes andere aburteilt
Goschi
Je fester man davon überzeugt ist, im Recht zu sein, desto natürlicher ist der Wunsch, jeden anderen mit allen Mitteln dahin zu bringen, ebenso zu denken. - George Orwell
 
Panzerfuchs
Beitrag 11. Feb 2010, 09:17 | Beitrag #12
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Es geht wieder mal weniger um die Tatsachen an sich, diese sind seit Jahren bekannt ;-)

Das versteckte Ziel dieser Aktion ist unser IBUK ;-)
 
kato
Beitrag 11. Feb 2010, 09:54 | Beitrag #13
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Wieso, der ist doch angeblich so toll und kann jeden Job machen?
 
motorpunk66
Beitrag 11. Feb 2010, 10:06 | Beitrag #14
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Ist nur meine unmassgebliche Meinung, aber:
1. Schon klar, das Herr von und zu G. ebenfalls Ziel in der Berichterstattung ist, geht ja nicht, dass der Verteidigungsminister beliebter ist als die Kanzlerin.....
2. Aber: Was in Russland oder sonstwo stattfindet, ist kein Massstab. In China gibts auch Todesstrafe fuer Dissidenten und trotzdem moechte man HIER die Meinungsfreiheit nicht abschaffen
3. Es handelt sich weder um Pfadfinder noch um Kolllegestudenten. Die Truppe gehoert m.M.n. schon eher zur Elite. Da sind so pubertaere Ausbrueche mehr als peinlich
4. @Soldier of Fortune: Was ist an roher Leber und Bier schlimm? Nichts, solange man nicht gezwungen wird. Stell Dir einfach vor, Du musst im Dirndl auf Stoeckelschuhen durch die Stadt, unmaskiert, am verkaufsoffenen Samstag.
Was ist schlimm an Dirndl und Stoeckelschuhen?
5. Das Misstrauen bestimmter Buergergruppen und allg. der oeffentl. Meinung wird so geweckt bzw. gefoerdert.
Im Eigeninteresse der Bw, sowas sollte nicht vorkommen und wenn, dann hart bestraft werden. Hat nichts mit Weichspuelhippiescheiss zu tun, ist eher eine Frage professionellen Auftretens und guter PR

Der Beitrag wurde von motorpunk66 bearbeitet: 11. Feb 2010, 10:06
 
Stefan Kotsch
Beitrag 11. Feb 2010, 11:01 | Beitrag #15
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Es ist eine Aufnahmeprozedur, ein INAUGURAL-Verfahren. In vielen Eliteeinheiten (oder wo man sich dafür hält) findet Ähnliches statt. Man kann sich streiten über das für und wider, vor allem darüber, wo die Grenzen sind.
Aber eines sollte beachtet werden, weswegen Vorgesetzte in diesen Fragen meist einen gewissen (!) Grad Großzügigkeit walten lassen. Die Kernzelle einer Armee ist die kleine Kampfgemeinschaft, die Gruppe. Die Fähigkeit dieser Gruppe (maximal 10 Soldaten) unter allen Bedingungen des Kampfeinsatzes, auch der allerexetremsten denkbaren Belastung zu funktionieren, ist eines der wichtigsten Kriterien für die Kampfkraft. Forschungen aus allen Kriegen bestätigten, dass der Einzelsoldat im Krieg in erster Linie für seine Gruppe kämpft, für das Überleben seiner Gruppe eintritt und dafür so gut wie alle Belastungen auf sich nimmt. Ausgestoßen zu werden aus seiner Gruppe hat im Krieg faktisch die Bedeutung eines Todesurteils für den Ausgestoßenen. Jeder gute Vorgesetzte wird alles tun, um die kleinen Kampfgemeinschaft zu fördern.
Jede Gruppe, jeder Zug, jede Kompanie zeichnet sich durch bestimmte, nicht immer sichtbare Riten aus. Die einen sind extrem lässig, andere geben sich extrem zackig; Wappen, Wimpel, Abzeichen, bestimmte Uniformtrageweisen, heimliche Nachlässigkeiten und anderes - eben solche Aufnahmerituale - haben Symbolkraft für die elementar wichtige Identifikation mit der eigenen Truppe, im Interesse der Stärkung des Gruppengedankens.

Gibt es Übertreibungen, dann muss eingeschritten werden, gar keine Frage, die Menschenwürde darf nie angetastet werden. Der Kommandeur hat auf mich übrigens eine guten Eindruck gemacht. Und er hat sicher wenig Einflussmöglichkeit, wenn solche Dinge in der dienstfreien Zeit außerhalb der Kaserne passieren, wie er im Statement vor der Presse sagte.
Wenn sich über die Jahre eine Übertreibung eingeschlichen hat, ist es jetzt Zeit zum Gegensteuern.

Der Beschwerdeführer wird sicher in keiner Kampfgemeinschaft mehr Fuss fassen. Für den Kriegseinsatz nicht zu gebrauchen. Soll Sani werden, ist auch wichtig. Das klingt hart, aber die Bundeswehr befindet sich mit Teilen im Kriegseinsatz in A-Stan und nicht im Sozialdienst.
 
lastdingo
Beitrag 11. Feb 2010, 11:46 | Beitrag #16
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Wenn solcher Unfug getrieben wird, dann verdient zuallererst mal der Spieß nen Anschiss.


Eigentlich gehören solche Skandälchen nicht in die überregionale Presse, aber scheinbar schient es ja nicht einmal mit solch einem Druck zu gelingen, Unfug aus der Bw herauszuhalten.
Angesichts der Langlebigkeit solcher Phänomene über die Jahrzehnte der Bundeswehr darf man wohl zum Schuss kommen, dass bei hunderttausenden Soldaten und der Verwendung von abertausenden jungen Leuten in Führungsverantwortung solcher Unfug wohl nicht zu verhindern ist.

Beswtimmte Gesellschaftskreise werden sich in Vorurteilen bestätigt fühlen, aber bei mir kommt momentan Neugierde auf, wie die Bw im Vergleich zur Wirtschaft in Bezug auf solch entwürdigende Aktionen wegkommt. Ausbildungsbetriebe sind auch nicht gerade Paradiese.


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Styx
Beitrag 11. Feb 2010, 14:12 | Beitrag #17
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Solche Rituale finden sich bevorugt in selbsternannten Eliteeinheiten und tolerierbar sind sie in keinster Weise. Witzig fand ich auch die Aussagedes Kdr das von den Vorgesetzten das keiner gewusst hätte und dann werden normale Mittenwalder befragt die dazu doch glatt meinen "Och sowas gibts doch schon seid vielen Jahren".
Das zeigt das selbst der Kdr nicht geeignet ist die Untersuchungen zu führen, denn entweder fangen da schon die ersten Vertuschungen an oder die Bande ist komplett unfähig.
Genaues ist über die Rituale zwar noch nicht nach aussen gedrungen aber das was bis jetzt anklang in der Presse reicht ja eh schon für ne Abgabe an die Staatsanwaltschaft, da wird dort wohl ne dicke Bombe einschlagen.

PS: Ehrlich gesagt ich würde keine Grp führen wollen deren Struktur sich über Schickane und Druck definiert, da wäre mir die Gefahr das sich das im Einsatz auf einmal blutig klärt viel zu gross. Das wäre dann splittern auf anderer Ebene.


--------------------
Rund 550 Millionen Kleinwaffen befinden sich weltweit im Umlauf. Das ist eine Waffe für jeden zwölften Menschen auf diesem Planeten! Daher stellt sich mir die Frage: Wie können wir auch noch die anderen elf bewaffnen?  
"Yuri Orlov, Lord of War - Händler des Todes"
Wen Gott strafen will den lässt er in Afgahnistan einmarschieren. (asiat. Sprichwort)
 
Volk
Beitrag 11. Feb 2010, 14:43 | Beitrag #18
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Ich bezweifle den Wert solcher Inaugurationen für Kampfgemeinschaften in wirklichen Kampfsituationen. Ich denke solche Rituale sind eher ein Produkt von Friedenszeiten.
 
Stefan Kotsch
Beitrag 11. Feb 2010, 14:57 | Beitrag #19
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Ja sicher, das mag so sein. Es ist nur ein kleiner Punkt, aber er ist unverkennbar ziemlich zählebig. Nicht nur bei Streitkräften.

Googelt doch mal nach Bildern zum Begriff bizutage (SafeSearch AUS ...) , es scheint dann fast, die Gebirgsjäger sind eine müde Truppe ... biggrin.gif

Der Beitrag wurde von Stefan Kotsch bearbeitet: 11. Feb 2010, 14:59
 
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Beitrag 11. Feb 2010, 15:46 | Beitrag #20
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ZITAT(Stefan Kotsch @ 11. Feb 2010, 11:01) *
Es ist eine Aufnahmeprozedur, ein INAUGURAL-Verfahren. In vielen Eliteeinheiten (oder wo man sich dafür hält) findet Ähnliches statt. Man kann sich streiten über das für und wider, vor allem darüber, wo die Grenzen sind.
Aber eines sollte beachtet werden, weswegen Vorgesetzte in diesen Fragen meist einen gewissen (!) Grad Großzügigkeit walten lassen. Die Kernzelle einer Armee ist die kleine Kampfgemeinschaft, die Gruppe. Die Fähigkeit dieser Gruppe (maximal 10 Soldaten) unter allen Bedingungen des Kampfeinsatzes, auch der allerexetremsten denkbaren Belastung zu funktionieren, ist eines der wichtigsten Kriterien für die Kampfkraft. Forschungen aus allen Kriegen bestätigten, dass der Einzelsoldat im Krieg in erster Linie für seine Gruppe kämpft, für das Überleben seiner Gruppe eintritt und dafür so gut wie alle Belastungen auf sich nimmt. Ausgestoßen zu werden aus seiner Gruppe hat im Krieg faktisch die Bedeutung eines Todesurteils für den Ausgestoßenen. Jeder gute Vorgesetzte wird alles tun, um die kleinen Kampfgemeinschaft zu fördern.
Jede Gruppe, jeder Zug, jede Kompanie zeichnet sich durch bestimmte, nicht immer sichtbare Riten aus. Die einen sind extrem lässig, andere geben sich extrem zackig; Wappen, Wimpel, Abzeichen, bestimmte Uniformtrageweisen, heimliche Nachlässigkeiten und anderes - eben solche Aufnahmerituale - haben Symbolkraft für die elementar wichtige Identifikation mit der eigenen Truppe, im Interesse der Stärkung des Gruppengedankens.

Gibt es Übertreibungen, dann muss eingeschritten werden, gar keine Frage, die Menschenwürde darf nie angetastet werden. Der Kommandeur hat auf mich übrigens eine guten Eindruck gemacht. Und er hat sicher wenig Einflussmöglichkeit, wenn solche Dinge in der dienstfreien Zeit außerhalb der Kaserne passieren, wie er im Statement vor der Presse sagte.
Wenn sich über die Jahre eine Übertreibung eingeschlichen hat, ist es jetzt Zeit zum Gegensteuern.

Der Beschwerdeführer wird sicher in keiner Kampfgemeinschaft mehr Fuss fassen. Für den Kriegseinsatz nicht zu gebrauchen. Soll Sani werden, ist auch wichtig. Das klingt hart, aber die Bundeswehr befindet sich mit Teilen im Kriegseinsatz in A-Stan und nicht im Sozialdienst.


Achso, weil ich (bzw der Beschwerdeführer) das nicht so doll finde Hering mit Frischhefe zu essen bin ich fürn Kriegseinsatz nicht zu gebrauchen?

Was ne bescheuerte Einstellung wallbash.gif

Du bist vermutlich auch wieder so einer, der der Meinung ist, dass Frauen an Vergewaltigungen mit Schuld sind, weil sie durch ihr kurzes Röckchen den Täter provoziert habe. hmpf.gif

Der Beitrag wurde von Reservist bearbeitet: 11. Feb 2010, 15:47
 
Thomy
Beitrag 11. Feb 2010, 16:07 | Beitrag #21
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So ein paar Rituale im Sinne einer Abschlussfeier zu AGA finde ich nicht schlecht. Aber so widerliche Sachen wie nacktes rum klettern oder rohes Fleisch essen geht dann doch zu weit.

Wir haben zum Abschluss unserer AGA die Litzen verliehen bekommen. Dazu hat der Zugführer ein paar Worte gesprochen und jede Gruppe hat irgendwas vorgeführt. Dazu gab es reichlich Bier und was zu essen. Also gekotzt habe ich auch, war aber meine Schuld und ich hoffe noch insgeheim das ich was schlechtes gegessen habe und nicht zu viel getrunken. Der nächste Tag war dann der Horror und dann auch noch zur Stammeinheit, war ein guter Einstand.
In der Stammeinheit ist es dann ganz genauso gelaufen. Gab jedes Halbjahr einen Zugabend und auch sonst haben sich nach Feierabend die Dienstgrade vermischt und so die Zeit totgeschlagen.

Wüsste jetzt nicht, welches elitäre Ritual da eine bessere Kameradschaft fördern würde.
 
Stefan Kotsch
Beitrag 11. Feb 2010, 16:21 | Beitrag #22
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ZITAT
Du bist vermutlich auch wieder so einer, der der Meinung ist, dass Frauen an Vergewaltigungen mit Schuld sind, weil sie durch ihr kurzes Röckchen den Täter provoziert habe

Ich bin so einer der der Meinung ist, dass Taliban selber dran schuld sind, dass auf sie geschossen wird, weil sie durch Schießen den Schütze provoziert haben.

Was für ein Schmarrn... rofl.gif


Das Ganze ist übertrieben hochgekocht.
Focus
 
Joker
Beitrag 11. Feb 2010, 18:22 | Beitrag #23
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Hier wird auch oft genug das Wort "Schikanieren" benutzt, aber ich denke, dass das der falsche Ausdruck ist. Es geht nicht darum, den betreffenden zu quälen, ihn also zu mobben, es ist ja eher eine Prüfung, ein Beweis, dass man in irgendeine "elitäre", verschworene Gemeinschaft gehören darf.

Als krasses Beispiel nehme ich mal die Szene vom Anfang in "Jarhead" (Ja is'n Film, aber die Szene is ja wohl nicht zu unrealistisch), wo gezeigt wird, dass sich die Soldaten sogar darauf freuen, gebrandmarkt zu werden! Es geht nicht darum, gequält zu werden, sondern sich für die anderen "aufzuopfern"...

Insofern glaube ich, dass Stefan Kotsch durchaus nich Unrecht hat! Bei soetwas kann man nicht mit blindem Gutmenschentum ("Oh! Sowas gehört sofort unterbunden!") und politischer Korrektheit kommen, da es sich hierbei um etwas sehr "irrationales", da emotionales handelt.

Ich sage nicht, dass das absolut okay ist, aber Fakt ist, dass es außerhalb der Dienstzeit und außerhalb des Geländes stattfand... deshalb kann man nicht gerade sagen, dass die betreffenden direkt dazu gezwungen worden sind. Indirekt wahrscheinlich schon, weil sie entweder a) Gefahr laufen, anschließend gemobbt zu werden, weil sie nicht dazugehören wollen, oder b) weil sie dann nicht in den Genuss irgendwelcher zusätzlichen Privilegien kommen, und sei damit auch nur das gemeinschaftliche Abhängen gemeint. Während a) strikt unterbunden gehört, ist b) meiner Meinung nach okay, weil man Leute nicht zwingen kann, einen in die Gruppe aufzunehmen. Wenn die Bedingung dafür ist, rohe Leber zu essen, dann muss man halt selbst abwägen, ob die Freundschaft der Kerle das wert ist, oder ob man lieber drauf verzichtet, und getrennte Wege geht. Und da sind wir wieder beim Post von Stefan.

Der Beitrag wurde von Joker bearbeitet: 11. Feb 2010, 18:23
 
Markus11
Beitrag 11. Feb 2010, 18:24 | Beitrag #24
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Das klingt nicht wirklich wahnsinnig schlimm, meiner Meinung nach zumindest.

Ist aber wahrscheinlich nur der Gipfel des Eisbergs und aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen wenn von uns auch nur ein Charge der (Skandal)Presse erzählen würde was er alles mitbekommen hat was generell nicht richtig läuft könnte unser Verteidigungsminister sicher den Hut ziehen.

Mfg. Markus

 
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Beitrag 11. Feb 2010, 20:35 | Beitrag #25
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Jedenfalls scheint es wohl nicht mit vollsten Einverständnis des jwl. Soldaten abgelaufen zu sein, sonst hätte er sich nicht an den Wehrbeauftragten gewandt!
 
harmlos
Beitrag 11. Feb 2010, 21:08 | Beitrag #26
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In meinen Augen wäre es sinnvoll, sowas in geordnete, offizielle Bahnen zu lenken - dann hat man die positiven gruppendynamischen Effekte, verringert aber die Gefahr von Entgleisungen.

Der Beitrag wurde von harmlos bearbeitet: 11. Feb 2010, 21:09


--------------------
Die ZDV liegt - gottseidank - in irgendeinem Panzerschrank.
Bei irgendeinem fremden Mann, der sie bestimmt nicht brauchen kann.
 
Reservist
Beitrag 12. Feb 2010, 14:15 | Beitrag #27
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ZITAT(Joker @ 11. Feb 2010, 18:22) *
weil man Leute nicht zwingen kann, einen in die Gruppe aufzunehmen. Wenn die Bedingung dafür ist, rohe Leber zu essen, dann muss man halt selbst abwägen, ob die Freundschaft der Kerle das wert ist, oder ob man lieber drauf verzichtet, und getrennte Wege geht. Und da sind wir wieder beim Post von Stefan.


Wär für mich aber argh unkameradschaftlich...
 
Opa Paul
Beitrag 12. Feb 2010, 15:06 | Beitrag #28
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zum glück ist das was wir gemacht haben und was mit uns gemacht wurde schon lange verjährt. biggrin.gif

ich kann mir so richtig vorstellen, was das für ein typ war, der sich da beschwert hat. sicherlich so ein kleiner heimsch****er der an allem und jedem was auszusetzen hat, überall dagegen ist, sich nirgends in die gemeinschaft mit einbringt und nicht den arsch in der hose hat, um zu sagen: nein, das mache ich nicht mit! um dann später beim wehrbeauftragten heulen zu gehen.

ganz grossartig. biggrin.gif

 
lastdingo
Beitrag 12. Feb 2010, 15:31 | Beitrag #29
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Vielen Dank für den Blick darauf, wie schnell Sie mit Rückgriff auf Stereotypen verurteilen.

Wenn Ihr Forumsnickname für mich von Relevanz wäre würde ich jetzt dentsprechend meine Wertschätzung Ihrer Meinung bis auf Weiteres festlegen.


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Hummingbird
Beitrag 12. Feb 2010, 17:13 | Beitrag #30
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Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung eingeleitet. Alles nur aufgebauscht?
 
 
 

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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 9. February 2023 - 03:50