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> Bewaffnete Ersthelfer oder Hilfssheriffs, Braucht Deutschland mehr verdeckte Waffen im Alltag?
Hummingbird
Beitrag 4. Nov 2018, 21:15 | Beitrag #31
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Nachdem sich das anfängliche Chaos im Bataclan etwas gelegt hatte und geflüchtet ist wer konnte und wollte, haben sich Überlebende zum Teil tot gestellt und mussten hilflos mit ansehen wie die Täter gewütet haben. Ich denke darauf bezieht sich der Autor. Ich glaube jedenfalls nicht, dass jemand ernsthaft fordert Konzertbesuchern zu erlauben Waffen mitzuführen. So ein First Responder würde eher beim Sicherheitspersonal des Veranstalters Sinn machen. Aber nicht uneingeschränkt. Manches Türstehermilieu sollte besser unbewaffnet bleiben. Aber wenn das alles ordentlich zertifiziert und staatlich überwacht ist, dann sollten auch Zivilisten in der Lage sein zu erlernen, was hierzulande scheinbar nur Beamten zugetraut wird. Mit dem Übergang in den Beamtenstatus scheinen ja übermenschliche Kräfte freigesetzt zu werden, könnte man meinen. Das erinnert mich etwas an die Diskussion ob nur die Polizei bewaffnete Wachen in der Schifffahrt stelllen sollte, oder ob das nicht auch privatisiert werden kann.
 
Havoc
Beitrag 5. Nov 2018, 02:48 | Beitrag #32
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ZITAT(Hummingbird @ 4. Nov 2018, 21:15) *
Nachdem sich das anfängliche Chaos im Bataclan etwas gelegt hatte und geflüchtet ist wer konnte und wollte, haben sich Überlebende zum Teil tot gestellt und mussten hilflos mit ansehen wie die Täter gewütet haben. Ich denke darauf bezieht sich der Autor. Ich glaube jedenfalls nicht, dass jemand ernsthaft fordert Konzertbesuchern zu erlauben Waffen mitzuführen. So ein First Responder würde eher beim Sicherheitspersonal des Veranstalters Sinn machen. Aber nicht uneingeschränkt. Manches Türstehermilieu sollte besser unbewaffnet bleiben. Aber wenn das alles ordentlich zertifiziert und staatlich überwacht ist, dann sollten auch Zivilisten in der Lage sein zu erlernen, was hierzulande scheinbar nur Beamten zugetraut wird. Mit dem Übergang in den Beamtenstatus scheinen ja übermenschliche Kräfte freigesetzt zu werden, könnte man meinen. Das erinnert mich etwas an die Diskussion ob nur die Polizei bewaffnete Wachen in der Schifffahrt stelllen sollte, oder ob das nicht auch privatisiert werden kann.


Ist es nicht wahrscheinlich, dass die Terroristen die Kommunikation unter den Geiseln / Opfern unterbunden haben, somit eine Koordinierung unter den First Respondern gar nicht möglich gewesen wäre. Was wäre passiert, wenn irgendwann ein First Responder in dem Club die Waffe gezogen hätte? Die AKs waren ja noch funktionsfähig. Hätten dann die verbliebenen Terroristen nicht solange in die Menge gefeuert, bis es keine Gegenwehr mehr gegeben hätte?
Zitat Broschüre:
ZITAT
Bei dem Angriff auf den Pariser Club Bataclan wurden mindestens 70 Personen erschossen. Die Täter haben nicht nur auf, Ihre Opfer geschossen, sondern diese auch mit Messern gefoltert. Stellen Sie sich vor, drei oder vier Bürger ziehen ihre verdeckt getragenen Kurzwaffen und verteidigen sich und ihr direktes Umfeld. Dutzende Leben wären gerettet worden!
Keine Rede von Sicherheitspersonal oder sonstige Angestellte des Veranstalters. Für diese bewaffnete Security wäre eine gesetzliche Zivile First Responder- Regelung gar nicht nötig, da hier neben der gesetzlichen Unterweisung und Sachkundenachweis nach § 34 a GewO (Sachkundenachweis auch bei Bewachungen im Einlassbereich von gastgewerblichen Diskotheken = Türsteher) und der Besitz der Waffenbesitzkarte nach § 10 Abs. 1 WaffG ausreicht, solange die Waffe auf einem Privatgrundstück geführt wird. "DIE WEHRHAFTE REPUBLIK "- Broschüre bezieht sich eindeutig auf bewaffnete Bürger im öffentlichen Raum.

Willst Du hier ernsthaft behaupten, dass Bürger (aka Sicherheitskraft) z.B. nach einem 23- tägigen Vollzeitkurs mit IHK- Prüfung (Vorbereitungskurs: Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft (IHK) Dekra- Akademie; Fachkraft für Schutz und Sicherheit ist ein 3- Jähriger Ausbildungsberuf) einen Terrorangriff, Amokläufer etc. abwehren können, und damit Fähigkeiten erwerben, die über 2 jährige Ausbildung im mittleren Polizeidienst hinaus gehen? Einer Ausbildung, dem ein Eignungstest vorangeht, in dem durch Persönlichkeitstests auch die Charaktereigenschaften der Bewerber geprüft werden. Nicht nur das, der zertifizierte First Responder soll Aufgaben meistern, bei der die Polizei Einheiten wie die GSG- 9, SEK, MEK heranführt, also Spezialeinheiten, bei der Kandidatenauswahl rigoros aussieben.
Was man bekommt, wenn man die Idee des Verfassers umsetzen würde, kann man in den USA sehen: Freizeitmilizen, deren Mitglieder auf "ihre" 15 Minuten Ruhmwarten auf der einen Seite und geschäftstüchtige "Experten", die diesen Milizen Kurse mit (angeblichen) SWAT- und SEAL- Taktiken verkaufen.
In der Broschüre wird auch der Fall Dominik Brunner erwähnt, der zu Tode gekommen ist, als er Zivilcourage zeigte. Das Problem war aber nicht, wie es die Broschüre glauben wachen will die fehlende Bewaffnung. Brunner starb an Herzversagen und nach Aussagen von Zeugen inkl. des Fahrer der S-Bahn, aus der Brunner, die vier Schüler und die beiden Angeklagten ausgestiegen sind, war Brunner derjenige, der die Schlägerei anzettelte. Brunner griff in der Fahrt ein, als die Angreifer die vier Schüler drangsalierten. Laut Zugführer stiegen Brunner und die vier Schüler vorne aus und die Angreifer aus einer weiter hinten liegenden Tür. D.h. Brunner hätte zu diesem Zeitpunkt mit den Schülern den Bahnhof verlassen können, ohne dass es zu einer Konfrontation mit den Angreifern gekommen wäre. Laut Aussage des Zugführers legte Brunner seinen Rucksack ab, ging in Boxstellung und rief den Angreifern zu "Jetzt gibt's hier Ärger!". Laut Zeugenaussagen kam es zu der Schlägerei, in deren Folge Brunner zu Boden ging erst, als Brunner zuerst einen der Angreifer einen Faustschlag verpasst hatte. Der Zugführer beschrieb in dieser Situation Brunner als den Aggressor. Brunner hat zwar Zivilcourage gezeigt, als er im Zug den Schülern zur Seite stand, aber die Situation, die zu seinem Tod führte, infolge einer Fehleinschätzung selbst hergestellt. Sein Faustschlag war keine Notwehr mehr, da zu diesem Zeitpunkt laut Zeugenaussagen keine erkennbaren Angriffsabsichten von den Jugendlichen ausgingen.
Und genau das ist das Problem mit der Idee mit den bewaffnete Bürger, der als First Responder sich und ihr unmittelbares Umfeld verteidigen bis die Polizei eintrifft: Er wird eher in Folge der Selbstüberschätzung oder einer Fehleinschätzung der Bedrohungslage diese verschärfen und nicht abwehren.
Die Broschüre vergleicht den First Responder mit dem Ersthelfer am Umfallort, das heißt flächendeckend, denn der Erste- Hilfe - Kurs bzw. der Lebensrettende- Sofortmaßnahmen- am- Unfallort- Kurs sind bei der Führerscheinprüfung Pflicht. Um die First Responder jetzt vergleichbar flächendeckend zu haben, würde man Qualifizierungskriterien nicht so hoch ansetzen können, um Poser und die, die ihre 15 Minuten Ruhm suchen, mit Sicherheit auszusortieren.

Die "DIE WEHRHAFTE REPUBLIK Zivile First Responder bei Verbrechen, Amok- und Terrorlagen"- Broschüre hat mit Notwehr nichts zu tun, sondern spricht Möchtegerns und Gernegroß an. Also Typen, die einen Aktion- Film zu viel gesehen haben und ernsthaft glauben, dass sie Angehörigen von Spezialeinheiten überlegen sind, ohne deren Auswahlverfahren durchlaufen zu haben.

Und ganz nebenbei: Auch das Hausrecht ist ein notwehrfähiges Rechtsgut, das mit scharfen Mitteln verteidigt werden darf. D.h. Nach geltendem Recht ist der Bürger wehrhaft, er darf nur ohne Waffenschein keine Schusswaffe im öffentlichen Raum mit sich führen. Rein nach der Statistik wird er eher an einem Unfall beteiligt sein, als an einem Amoklauf oder Terroranschlag. Soll der Bürger erst mal seine Freizeit für regelmäßige Erste- Hilfe- Kurse und für Kurse zum Brandbekämpfer (richtiger Umgang mit dem Feuerlöscher) opfern, bevor er meint, einen legalen Grund suchen zu müssen, um im Holster ein Phallussymbol in der Öffentlichkeit herumtragen zu können.
 
Hummingbird
Beitrag 5. Nov 2018, 04:05 | Beitrag #33
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Ich habe ehrlich gesgt dieses Panphlet gar nich so weit gelesen bis es zu irgendwelchen Bahnhofsschlägereien gekommen ist. Es gibt international gesehen durchaus Beispiele die gegen ein staatliches Gewaltmonopol sprechen, dass erst anrückt, wenn es zu spät ist. In Deutschland sind solche Gedanken meines erachtens nach deshalb undenkbar, weil die Menschen hierzulande eher zu Hause bleiben, als sich irgendwohin zu begeben, wo die Polizei nicht so schnell hinkommt. Ich habe hier in Deutschland als Ersthelfer bei einem Unfall mal über vierzig Minuten auf den Rettungsdienst gewartet. Meine Sandienst Ausbildung ist da recht schnell an Grenzen gestossen. Ich dachte zeitweise da stirbt mir einer unter den Händen weg. Wer glaubt immer Hilfe zu erhalten, wenn das gewünscht ist, ist einfach nur naiv.
 
Malefiz
Beitrag 5. Nov 2018, 07:52 | Beitrag #34
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[

ZITAT
Ich habe ehrlich gesgt dieses Panphlet gar nich so weit gelesen bis es zu irgendwelchen Bahnhofsschlägereien gekommen ist.


Ja, merkt man. Schön, dass du trotzdem darüber diskutieren möchtest.

ZITAT
Es gibt international gesehen durchaus Beispiele die gegen ein staatliches Gewaltmonopol sprechen, dass erst anrückt, wenn es zu spät ist.


Diese Beispiele gibt es auch national. Solche gewichtigen gesellschaftlichen Umwälzungen wie "Wir schaffen jetzt Mal das Gewaltmonopol ab, welches verfassungsrechtlich verankert ist, in einem Artikel den wir nicht ändern können" macht man nicht aufgrund von Einzelfällen.

ZITAT(Hummingbird @ 5. Nov 2018, 04:05) *
Wer glaubt immer Hilfe zu erhalten, wenn das gewünscht ist, ist einfach nur naiv.


Was hat denn jetzt die Antwortzeit des Rettungsdienstes mit bewaffneten Zivilisten zu tun? Und wenn man Mal bei diesem hinkenden Beispiel bleiben will: Soll jetzt jeder 500. Deutsche (aka "3-4 Bewaffnete im Bataclan") zum Rettungssanitäter ausgebildet werden und im Kofferraum immer einen voll bestückten Rucksack mit Def, Lucas und Vakuummatratze spazierenfahren, weil es vorkommt, dass der Rettungsdienst nicht rechtzeitig vor Ort ist?


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Camouflage
Beitrag 5. Nov 2018, 09:36 | Beitrag #35
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ZITAT(Hummingbird @ 5. Nov 2018, 04:05) *
Ich habe hier in Deutschland als Ersthelfer bei einem Unfall mal über vierzig Minuten auf den Rettungsdienst gewartet. Meine Sandienst Ausbildung ist da recht schnell an Grenzen gestossen. Ich dachte zeitweise da stirbt mir einer unter den Händen weg.

Und trotzdem dürfte man in einer solchen Situation im deutschen Gesundheitssystem im internationalen Vergleich mit die besten Chancen haben.

ZITAT
Wer glaubt immer Hilfe zu erhalten, wenn das gewünscht ist, ist einfach nur naiv.

Wer glaubt, alle retten zu können, auch.

Zumal eine größere Verbreitung bzw. Verfügbarkeit von Waffen auch die Gefahr, die von Innentätern ausgeht, erhöhen könnte (Fort Hood?). Man kann den Menschen halt nur vor den Kopf gucken.



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Havoc
Beitrag 5. Nov 2018, 10:17 | Beitrag #36
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ZITAT(Hummingbird @ 5. Nov 2018, 04:05) *
Ich habe ehrlich gesgt dieses Panphlet gar nich so weit gelesen bis es zu irgendwelchen Bahnhofsschlägereien gekommen ist. Es gibt international gesehen durchaus Beispiele die gegen ein staatliches Gewaltmonopol sprechen, dass erst anrückt, wenn es zu spät ist. In Deutschland sind solche Gedanken meines erachtens nach deshalb undenkbar, weil die Menschen hierzulande eher zu Hause bleiben, als sich irgendwohin zu begeben, wo die Polizei nicht so schnell hinkommt. Ich habe hier in Deutschland als Ersthelfer bei einem Unfall mal über vierzig Minuten auf den Rettungsdienst gewartet. Meine Sandienst Ausbildung ist da recht schnell an Grenzen gestossen. Ich dachte zeitweise da stirbt mir einer unter den Händen weg. Wer glaubt immer Hilfe zu erhalten, wenn das gewünscht ist, ist einfach nur naiv.


Wir leben aber nicht in den USA oder Australien, wo es Gegenden gibt, bei der der nächste Nachbar 30 km entfernt lebt. Wenn du mit Sanitätsausbildung als Ersthelfer an Deine Grenzen gestoßen bist, dann zeigt das doch auch, dass ein Sportschütze mit einer Zusatzqualifikation zum bewaffneten First Responder in einer Gefahrensituation ebenfalls schnell an seine Grenzen stößt. 40 Minuten auf den Rettungsdienst warten zu müssen, ist zu lange. Die tatsächlichen Gründe dafür kann ich nicht beurteilen, als kann aber nur an der Erreichbarkeit oder an langen Anfahrtswegen liegen. Die Schwachstellen sind dann aber in der Flächenabdeckung des Mobilnetzes, durch Polizei, Feuerwehren und Sanitätsdienste zu suchen. Die Hausaufgaben von Bund, Land und Kommune ist es, Funklöcher im Mobilnetz zu schließen, die Polizei personell aufzustocken und das Ehrenamt gerade für freiwillige Feuerwehren und Hilfsorganisationen zu stärken.
Wenn man einen ehrenamtlichen Schutzmann/ Streetworker/Nachbarschaftshelfer will, dann kann dieser aufgrund seiner Qualifikation nur im Bereich medizinische Erstversorgung, erster Brandbekämpfer (mit dem Feuerlöscher) und Streitschlichter und in einer Beratungsfunktion bei der Einbruchssicherung der Wohnung arbeiten. Bei den meisten Verbrechen reicht es, wenn der Täter in seinem Vorhaben gestört wird und dafür ist keine Schusswaffen nötig, sondern zu wissen, wie man Eingreifen kann, ohne dabei sich und andere zusätzlich zu gefährden. Zu seinen Aufgaben kann mit Sicherheit nicht gehören, Rockerbanden, Mafia und den IS zu vertreiben. Amokläufer und Terroristen sind polizeiliche Lagen, die einen normalen Bürger überfordern. Hier auf den stillen Helden in Form eines bewaffneten Bürgers zu setzen, dass ist naiv.
 
400plus
Beitrag 5. Nov 2018, 10:18 | Beitrag #37
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In dem Flyer wird auch eine einzige Studie (Lott & Mustard 1997) erwähnt, nach der concealed carry permits zu einem Rückgang von Gewaltverbrechen geführt haben. Da gibt es aber eine ganze Literatur dazu, die insgesamt vor allem eins ist: Ohne klare Schlussfolgerung. Hier ein Überblick von RAND: https://www.rand.org/research/gun-policy/an...lent-crime.html
 
Schwabo Elite
Beitrag 5. Nov 2018, 10:20 | Beitrag #38
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ZITAT(Scipio32 @ 3. Nov 2018, 12:15) *
Meiner Meinung nach ist das Konzept zumindest einiger maßen durchdacht, aber ob es in der Praxis funktioniert kann ich nicht abschätzen. Wenigstens wird in dem Konzept gefordert, dass die betreffenden Bürger eine entsprechende Ausbildung haben, was ich in jedem Fall für unerlässlich halte.
Der von Dir beigefügte Link ist ein typischer Fall aus einem sehr eindeutigen politischen Spektrum, da muss man nur den Autor und seine Aussagen im Netz googlen. Die Zahl der möglichen Bürger die für solche Dinge in Frage kommen ist ohnehin sehr begrenzt, es müssten ja Leute mit einem irgendwie gearteten Waffenschein sein. Da sind Soldaten schonmal per se raus. Und es macht auch keinen Sinn über das Für und Wider von Bundeswehreinsätzen im Inneren mit Verweis auf das Grundgesetz zu reden, wenn man dann nach Dienstschluss jedem Soldaten sein Sturmgewehr in die Hand gibt, um für Sicherheit in der Fußgängerzone zu sorgen. Abgesehen davon, dass die meisten Soldaten nicht dazu ausgebildet sind als zivile Hilfsheriffs zu dienen. Die meisten Soldaten dürften recht wenig relevante Waffenpraxis haben, denn die wenigsten sind ja bei den wesentlichen schießenden Gattungen und können die Gefahrenlage in einer 1:1-Sitzuation auf Grund ihrer Ausbildung einschätzen.

Dann bleiben Polizisten, Jäger und private Waffenbesitzer übrig. Polizisten haben vermutlich keine Lust auch privat im Dienst zu sein und Jäger sind Langwaffenschützen und völlig anders sozialisiert. Sollen wir also wirklich unsere Sicherheit in die Hände von privaten Waffenbesitzern legen? Und warum?

Diese ganze Idee kommt aus den USA zu uns, einem Land mit völlig anderer rechtlicher und sozialier Situation. Und nicht zuletzt ist es diese soziale Situaiton, nämlich dass Schusswaffen überall präsent im politischen Denken der Gesellschaft sind, sich aber weitestgehend auf bestimmte Bevölkerungsgruppen und Räume konzentrieren, die das Problem erst möglich machen. Und die Sicherheitslage in bestimmten Teilen der USA wird nicht besser durch die aufgeheizte Diskussion über Waffen und die Möglichkeit, dass Kriminelle, Passanten und selbsternannte "Responder" jederzeit legal Waffen mit sich führen können. Gerade für die Polizeit wird es dann schwer sich selbst zu schützen ohne Schusswaffengebrauch.

Und wenn ich eins in Deutschland nicht will, dann Leute, die "mal einen Kurs" gemacht haben und dann bewaffnet durch die Straßen laufen und der Welt beweisen wollen, dass sie im Ernstfall vor der und besser als die Polizei "Deutschland schützen" können. Wir wissen, auch aus den USA, wer da die ersten Opfer sein werden.

Die bessere Lösung als Geld zur Föderung des Waffenhobbys Einzelner auszugeben ist wieder Polizisten auf Fußstreife zu schicken: sichtbar, im täglichen Kontakt mit der Bevölkerung und gut ausgebildet. Meinetwegen auch als Doppelstreife aus einem Polizisten und einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes, dann hat man zwei Perspektiven und spart ggf. ein paar Stellen bei der Polizei) für andere Aufgaben.

Der Beitrag wurde von Schwabo Elite bearbeitet: 5. Nov 2018, 10:20


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Schwabo Elite
Beitrag 5. Nov 2018, 10:49 | Beitrag #39
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ZITAT(Hummingbird @ 4. Nov 2018, 21:15) *
Nachdem sich das anfängliche Chaos im Bataclan etwas gelegt hatte und geflüchtet ist wer konnte und wollte, haben sich Überlebende zum Teil tot gestellt und mussten hilflos mit ansehen wie die Täter gewütet haben. Ich denke darauf bezieht sich der Autor. Ich glaube jedenfalls nicht, dass jemand ernsthaft fordert Konzertbesuchern zu erlauben Waffen mitzuführen.
Naja, was denn jetzt? Entweder die bewaffneten Ersthelfer sind Teil des Publikums und wir reden über "Waffen im Moshpit" oder wir reden über Schusswaffen beim Sicherheitspersonal und damit nicht über bewaffnete Ersthelfer sondern bezahltes Personal.

ZITAT
So ein First Responder würde eher beim Sicherheitspersonal des Veranstalters Sinn machen. Aber nicht uneingeschränkt. Manches Türstehermilieu sollte besser unbewaffnet bleiben. Aber wenn das alles ordentlich zertifiziert und staatlich überwacht ist, dann sollten auch Zivilisten in der Lage sein zu erlernen, was hierzulande scheinbar nur Beamten zugetraut wird.
Und das nennt man einen Zirkelschluss. Denn nur weil prinzipiell jeder etwas lernen kann, heißt das nicht, das praktisch auch jeder in der Lage ist dazu. Warum können Polizisten Dinge lernen, die Sicherheitsleute nicht lernen können? Weil Auswahlkriterien bei Personal eine Rolle spielen und Fortbildungsgelder des Arbeitgebers auch. Warum gibt es so viele Sicherheitsfirmen und wir lassen den Kram nicht von der Polzei machen? Weil die Ausbildung eines Polizisten teurer ist als die eines Mitglieds aus dem "Türstehermilieu". Und selbst die haben mindestens ein paar Unterrichtsstunden genossen und machen das mindestens semiprofessionell. Wir reden hier aber über Zivilisten als bewaffnete Ersthelfer. Also noch eine Stufe drunter, die selbst verantwortlich sein werden für ihre Ausbildung. Deine Argumentation ist analog zu "wieso lasse ich Teenager mit Mofas keine Schwerlasttransporte mit Castorbehälter fahren?" Antwort: Weil Professionalität ein wesentliches Kriterium ist, das mit dem Kaliber/PS an Bedeutung gewinnt.


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Hummingbird
Beitrag 5. Nov 2018, 11:38 | Beitrag #40
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ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 10:49) *
Deine Argumentation ist analog zu "wieso lasse ich Teenager mit Mofas keine Schwerlasttransporte mit Castorbehälter fahren?" Antwort: Weil Professionalität ein wesentliches Kriterium ist, das mit dem Kaliber/PS an Bedeutung gewinnt.
Jetzt langts mir aber.
 
Malefiz
Beitrag 5. Nov 2018, 12:41 | Beitrag #41
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Dass du zu den anderen Punkten nichts zu sagen hast interpretiere ich so, dass du eingesehen hast dass das Konzept völlig an den Haaren herbeigezogen ist, oder?

Man kann wirklich gerne Mal darüber diskutieren ob Deutschland für Terrorlagen wie zB in Paris ausreichend gerüstet ist, die Idee Zivilisten zu bewaffnen ist aber so offensichtlich blödsinnig, dass ich mich Frage warum wir das hier auf zwei Seiten diskutieren mussten


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KSK
Beitrag 5. Nov 2018, 13:40 | Beitrag #42
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@Hummingbird, Frage zur Einschätzung: Bist du Privatwaffenbesitzer?


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In 90% der Fälle gibt es nur einen Grund, für die Bewerbung im öffentlichen Dienst: Man ist nicht die hellste Kerze auf der Torte und braucht einen Studiengang ohne Mathematik.
 
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Beitrag 5. Nov 2018, 18:53 | Beitrag #43
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Ich will hier bestimmt nicht den allgemeinen Landfrieden aufkündigen, aber:

ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 10:20) *
Da sind Soldaten schonmal per se raus. Und es macht auch keinen Sinn über das Für und Wider von Bundeswehreinsätzen im Inneren mit Verweis auf das Grundgesetz zu reden, wenn man dann nach Dienstschluss jedem Soldaten sein Sturmgewehr in die Hand gibt, um für Sicherheit in der Fußgängerzone zu sorgen. Abgesehen davon, dass die meisten Soldaten nicht dazu ausgebildet sind als zivile Hilfsheriffs zu dienen. Die meisten Soldaten dürften recht wenig relevante Waffenpraxis haben, denn die wenigsten sind ja bei den wesentlichen schießenden Gattungen und können die Gefahrenlage in einer 1:1-Sitzuation auf Grund ihrer Ausbildung einschätzen.

Damit würdest du Ehrenamtliche, wie freiwillige Feuerwehr und co auch disqualifizieren. Denn ein Soldat hat mehr Ausbildung an der Waffe als die freiwillige Feuerwehr am Feuer.

ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 10:20) *
Dann bleiben Polizisten, Jäger und private Waffenbesitzer übrig. Polizisten haben vermutlich keine Lust auch privat im Dienst zu sein


Irrtum, ein Polizist ist quasi immer im Dienst. Schaut er zu wie dein Auto geklaut wird, kannst du ihm Strafvereitelung im Amt anhängen. Selbst als Pensionär könnte er sich wieder in Dienst setzen.

ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 10:20) *
Und wenn ich eins in Deutschland nicht will, dann Leute, die "mal einen Kurs" gemacht haben und dann bewaffnet durch die Straßen laufen und der Welt beweisen wollen, dass sie im Ernstfall vor der und besser als die Polizei "Deutschland schützen" können. Wir wissen, auch aus den USA, wer da die ersten Opfer sein werden.


Will ich zwar auch nicht, aber gibt es nicht in Baden-Württemberg freiwillige Polizisten, die mit 8 Wochen Ausbildung eingesetzt werden?
 
Schwabo Elite
Beitrag 5. Nov 2018, 20:09 | Beitrag #44
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ZITAT(ede144 @ 5. Nov 2018, 18:53) *
Damit würdest du Ehrenamtliche, wie freiwillige Feuerwehr und co auch disqualifizieren. Denn ein Soldat hat mehr Ausbildung an der Waffe als die freiwillige Feuerwehr am Feuer.
Freiwillige Feuerwehren üben sehr regelmäßig und sind demnach nicht mit "Ersthelfern" zu vergleichen. Auch bei Dir gehen die Professionalisierungsstufen durcheinander. Der Vorschlag des verlinkten PDFs ist analog zu Flucht- und Evakuierungshelfern in Betrieben. Wenn man aber Waffen in den Vergleich mit einbringt, wird er gleich viel sensitiver. Zum Beispiel weil die Ersthelfer sich untereinander nicht kennen werden und auch auf sich gegenseitig das Feuer eröffnen müssten: das Gegenüber ist ja jeweils bewaffnet.

ZITAT
Irrtum, ein Polizist ist quasi immer im Dienst. Schaut er zu wie dein Auto geklaut wird, kannst du ihm Strafvereitelung im Amt anhängen. Selbst als Pensionär könnte er sich wieder in Dienst setzen.
Quasi ist kein gültiger Rechtszustand. Wenn ein Polizist zufällig Zeuge eines Diebstahls wird, ist das keine gefährliche Situation. Wenn ich künftig von allen Polizisten erwarte, dass sie ständig mit einer Gefahrensituation rechnen und bereit sind ihre Waffe zu schießen, haben die Beamten keine Ruhezeiten mehr. Ein Polizist muss privat irgendwo sein können ohne bereit sein zu müssen Terroristen abzuwehren. Sonst verschleißen diese Menschen binnen kürzester Zeit. Und ein Polizist, der privat Zeuge eines Terroraktes wird, tut am besten, was jeder tut: sich in Sicherheit bringen, die Polizei rufen, W-Fragen beantworten und dann versuchen ohne Gefährdung von unschuldigen Leben zweckdienlich sein.

ZITAT
Will ich zwar auch nicht, aber gibt es nicht in Baden-Württemberg freiwillige Polizisten, die mit 8 Wochen Ausbildung eingesetzt werden?
Berlin, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben sogenannte Wachpolizeien. Das sind aber eben keine Polizeibeamten, sondern tariflich Angestellte mit dreimonatiger (zumindest in Hessen) Ausbildung. Und diese werden eben nicht dazu ausgebildet in zivil die Augen nach Terroristen aufzuhalten. Ihre Aufgabe ist der Objektschutz und ggf. die Fußstreife. Eine gesonderte Ausbildung für Terrorfälle haben sie nicht und volle polizeiliche Befugnisse schon gar nicht.


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ede144
Beitrag 6. Nov 2018, 09:15 | Beitrag #45
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ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 20:09) *
ZITAT(ede144 @ 5. Nov 2018, 18:53) *
Damit würdest du Ehrenamtliche, wie freiwillige Feuerwehr und co auch disqualifizieren. Denn ein Soldat hat mehr Ausbildung an der Waffe als die freiwillige Feuerwehr am Feuer.
Freiwillige Feuerwehren üben sehr regelmäßig und sind demnach nicht mit "Ersthelfern" zu vergleichen. Auch bei Dir gehen die Professionalisierungsstufen durcheinander. Der Vorschlag des verlinkten PDFs ist analog zu Flucht- und Evakuierungshelfern in Betrieben. Wenn man aber Waffen in den Vergleich mit einbringt, wird er gleich viel sensitiver. Zum Beispiel weil die Ersthelfer sich untereinander nicht kennen werden und auch auf sich gegenseitig das Feuer eröffnen müssten: das Gegenüber ist ja jeweils bewaffnet.

ZITAT
Irrtum, ein Polizist ist quasi immer im Dienst. Schaut er zu wie dein Auto geklaut wird, kannst du ihm Strafvereitelung im Amt anhängen. Selbst als Pensionär könnte er sich wieder in Dienst setzen.
Quasi ist kein gültiger Rechtszustand. Wenn ein Polizist zufällig Zeuge eines Diebstahls wird, ist das keine gefährliche Situation. Wenn ich künftig von allen Polizisten erwarte, dass sie ständig mit einer Gefahrensituation rechnen und bereit sind ihre Waffe zu schießen, haben die Beamten keine Ruhezeiten mehr. Ein Polizist muss privat irgendwo sein können ohne bereit sein zu müssen Terroristen abzuwehren. Sonst verschleißen diese Menschen binnen kürzester Zeit. Und ein Polizist, der privat Zeuge eines Terroraktes wird, tut am besten, was jeder tut: sich in Sicherheit bringen, die Polizei rufen, W-Fragen beantworten und dann versuchen ohne Gefährdung von unschuldigen Leben zweckdienlich sein.

ZITAT
Will ich zwar auch nicht, aber gibt es nicht in Baden-Württemberg freiwillige Polizisten, die mit 8 Wochen Ausbildung eingesetzt werden?
Berlin, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben sogenannte Wachpolizeien. Das sind aber eben keine Polizeibeamten, sondern tariflich Angestellte mit dreimonatiger (zumindest in Hessen) Ausbildung. Und diese werden eben nicht dazu ausgebildet in zivil die Augen nach Terroristen aufzuhalten. Ihre Aufgabe ist der Objektschutz und ggf. die Fußstreife. Eine gesonderte Ausbildung für Terrorfälle haben sie nicht und volle polizeiliche Befugnisse schon gar nicht.


Können wir uns darauf einigen, das wir beide keine bewaffneten Ersthelfer wollen und der Polizist trotzdem immer im Dienst ist? Und bitte schreibe nicht, das freiwillige Feuerwehren regelmäßig üben, das tun sie zwar, aber die Ausbildung ist nicht auf dem gleichmäßig hohen Stand, wie das mancher gerne hätte.
 
Tankcommander
Beitrag 7. Nov 2018, 05:53 | Beitrag #46
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Schreckschusswaffen sind wohl nach einer legalen scharfen Waffe am effektivsten.

Warum? weil sie wegen dem "echten Ausehen" Täter in die Flucht schlagen, das soll übrigends in der Praxis häufiger vorgekommen sein als daß die unbeeindruckt wären.

Von Pfefferspray wird eher abgeraten.

Warum? tauchen mehrere Gegner auf trifft man meist nur einen, weil es wird nur ein Flüssigkeitsstrahl verspritzt, und keine "Wolke" versprüht.
Ausserdem sollen sich Täter mittlerweile gegen die Wirkung durch scharfes Essen abhärten, weil sie am ehesten damit rechnen.
Mit einer Pistole wohl weniger daher ist der Bluffeffekt noch vorhanden.

Von solch zivilen Helfern oder Nachbarschaftswachen halte ich auch nichts da diese kaum ausgebildet sind.
 
Father Christmas
Beitrag 7. Nov 2018, 07:44 | Beitrag #47
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ZITAT(Tankcommander @ 7. Nov 2018, 05:53) *
Schreckschusswaffen sind wohl nach einer legalen scharfen Waffe am effektivsten.

Warum? weil sie wegen dem "echten Ausehen" Täter in die Flucht schlagen, das soll übrigends in der Praxis häufiger vorgekommen sein als daß die unbeeindruckt wären.


Dass der Bedrohte wegrennt, ist die Hoffnung.
Die muß aber nicht eintreten. Ebenso kann er - um sein Leben fürchtend - zum direkten körperlichen Angriff übergehen oder eine eigene - möglicherweise illegale scharfe - Schusswaffe einsetzen. Spätestens wenn der Schuss aus der SRS-Waffe gebrochen ist, hat man bei einem Täter der es drauf anlegt (akute Psychose, absoluter Tatdurchführungswillen, ....) verloren.


ZITAT
Von Pfefferspray wird eher abgeraten.

Warum? tauchen mehrere Gegner auf trifft man meist nur einen, weil es wird nur ein Flüssigkeitsstrahl verspritzt, und keine "Wolke" versprüht.
Ausserdem sollen sich Täter mittlerweile gegen die Wirkung durch scharfes Essen abhärten, weil sie am ehesten damit rechnen.
Mit einer Pistole wohl weniger daher ist der Bluffeffekt noch vorhanden.

[...]


Pfefferspray hat eine Fehlerquote von 15-20%. Einflussfaktoren sind hier bspw. BtM-Konsum, akute Psychosen, Gewöhnung, ... Die "kulturelle" Gewöhnung durch scharfes Essen gibt es. Um sich absichtlich zu gewöhnen, greift man aber idR gleich zur Dose Pfefferspray - wie es bspw. aus Hooligankreisen bekannt ist. Mit einmal scharf essen, ist es nämlich nicht getan. Niemand stellt sein Leben und seine Ernährung um, für seine Karriere als pfeffersprayresistenter Straßenräuber.

Warum ein Pfefferspraystrahl nicht auch gegen mehrere Personen eingesetzt werden kann, erschließt sich mir nicht. Das kann man auf die üblichen Entfernungen, bei normaler Dosengröße durchaus hinbekommen.

Ebenso wie die SRS-Waffe funktioniert Pfeffer in beide Richtungen. Man sollte also auch hier den Einsatz üben und wichtiger: einen Plan für den Einsatz haben.


Ich habe immer eine Taschenlampe dabei. Blenden funktioniert immer. Bei BtM-Einfluss sogar noch besser.

Eine SRS-Waffe würde ich nie anfassen. Damit tut man sich keinen Gefallen - da das Teil mit zu viel Hoffnung verbunden ist (Hoffnung auf die Wahrnehmung täterseits, Hoffnung auf die Wirkung täterseits, ...).
Pfefferspray wäre eine Option für mich - aber auch nur, weil ich genug Pläne habe, wenn es mal nicht funktionieren sollte.
Es gibt Pfefferspray mit Farbbeimischungen - sowas würde ich für ganz brauchbar halten

Der Beitrag wurde von Father Christmas bearbeitet: 8. Nov 2018, 08:24


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ZITAT(Wodka @ 28. Sep 2015, 12:38) *
Zur Kritik an der deutschen Justiz. Natürlich foltert die deutsche Justiz nicht, denn das würde bedeuten, dass ein Richter das Foltern anordnet. Damit verkennt der Fragesteller bereits die Gewaltenteilung in Deutschland. Für Folter ist nach der Gewaltenteilung die Exekutive zuständig.


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Malefiz
Beitrag 7. Nov 2018, 13:11 | Beitrag #48
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ZITAT(ede144 @ 6. Nov 2018, 09:15) *
Können wir uns darauf einigen, das wir beide keine bewaffneten Ersthelfer wollen und der Polizist trotzdem immer im Dienst ist? Und bitte schreibe nicht, das freiwillige Feuerwehren regelmäßig üben, das tun sie zwar, aber die Ausbildung ist nicht auf dem gleichmäßig hohen Stand, wie das mancher gerne hätte.


Ein Polizist hat immer gewisse dienstliche Pflichten (genauso wie zB ein Arzt in der Freizeit auch ärztliche Pflichten hat), Polizisten auch in der Freizeit ständig ihre Dienstwaffe bei sich führen zu lassen damit sie ggf. einen Terrorangriff abwehren können geht doch deutlich weiter. Abgesehen davon wie hochgradig unwahrscheinlich es ist, dass im Falle einer solchen Lage überhaupt ein Polizist außerhalb seiner Dienstzeit vor Ort wäre.


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ede144
Beitrag 7. Nov 2018, 15:41 | Beitrag #49
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ZITAT(Malefiz @ 7. Nov 2018, 13:11) *
ZITAT(ede144 @ 6. Nov 2018, 09:15) *
Können wir uns darauf einigen, das wir beide keine bewaffneten Ersthelfer wollen und der Polizist trotzdem immer im Dienst ist? Und bitte schreibe nicht, das freiwillige Feuerwehren regelmäßig üben, das tun sie zwar, aber die Ausbildung ist nicht auf dem gleichmäßig hohen Stand, wie das mancher gerne hätte.


Ein Polizist hat immer gewisse dienstliche Pflichten (genauso wie zB ein Arzt in der Freizeit auch ärztliche Pflichten hat), Polizisten auch in der Freizeit ständig ihre Dienstwaffe bei sich führen zu lassen damit sie ggf. einen Terrorangriff abwehren können geht doch deutlich weiter. Abgesehen davon wie hochgradig unwahrscheinlich es ist, dass im Falle einer solchen Lage überhaupt ein Polizist außerhalb seiner Dienstzeit vor Ort wäre.


Also gehen Polizisten nicht in die Kneipe oder auf Konzerte? Das ist wohl eher unwahrscheinlich.
 
400plus
Beitrag 7. Nov 2018, 16:11 | Beitrag #50
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ZITAT(ede144 @ 7. Nov 2018, 15:41) *
Also gehen Polizisten nicht in die Kneipe oder auf Konzerte? Das ist wohl eher unwahrscheinlich.


Natürlich tun sie das. Aber in einer Großstadt gibt es Hunderte Kneipen und pro Tag Dutzende Konzerte. Wie groß ist da wohl die Wahrscheinlichkeit, dass gerade zufällig ein Polizist da ist, wenn es in Moes Taverne zu einer Schießerei oder einem terroristischen Angriff kommt?
 
Merowinger
Beitrag 7. Nov 2018, 16:16 | Beitrag #51
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Mitten im engsten Gedränge privat eine Waffe dabei haben? Headbanging mit Holster? Den überraschten Türsteher beim Abtasten alarmieren, womöglich im vorgetrunkenen Zustand? Also nee, ich weiss nicht.

Interessanter ist bei der Überlegung übrigens die Bahn, denn z.B. die Bundespolizei (aka Bahnpolizei) nutzt diese oftmals auf dem Weg zum und von der Arbeit, häufig in Uniform. Siehe z.B. der jüngste Brand im ICE bei dem diverse ausgebildete Helfer selbst mit im Zug waren und schnell Maßnahmen ergriffen. Mit Waffen oder einem Angriff hatte das allerdings nichts zu tun.

Der Beitrag wurde von Merowinger bearbeitet: 7. Nov 2018, 17:52
 
Nightwish
Beitrag 7. Nov 2018, 17:39 | Beitrag #52
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ZITAT(Hummingbird @ 4. Nov 2018, 21:15) *
Mit dem Übergang in den Beamtenstatus scheinen ja übermenschliche Kräfte freigesetzt zu werden, könnte man meinen.


Das Problem ist auch auf Nicht-Polizeibeamte zu übertragen. Man könnte meinen, dass (Ex-) Bundeswehrangehörige und Waffenscheinbesitzer sich pauschal in der Lage sehen, Gefährdungslagen richtig einschätzen und effektiv eindämmen zu können.


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manchmal geht der Horizont über die klassische BW-Schiessausbildung hinaus (Goschi)

Ich habe mit Debilen gesprochen, mit Debilen die einen Schulabschluss haben und mit Debilen die einen Schulabschluss vergeben.
 
Antiterror
Beitrag 7. Nov 2018, 20:46 | Beitrag #53
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ZITAT
Irrtum, ein Polizist ist quasi immer im Dienst. Schaut er zu wie dein Auto geklaut wird, kannst du ihm Strafvereitelung im Amt anhängen. Selbst als Pensionär könnte er sich wieder in Dienst setzen.


Das ist so nicht ganz richtig und immer einer Einzelfallprüfung zu unterwerfen. Der Polizist befindet sich nicht immer im Dienst. Er kann sich jedoch in den Dienst "versetzen". Wie und wann er das tut hängt von vielen Faktoren ab. Aber vorallem ist dann die Katze im Sack und jedes weitere Verhalten des Polizisten ist strafprozzesual bzw. beamtenrechtlich (bsphft. hinsichtlich einer Alkoholisierung) einzuordnen.

Kann sich der Polizist überhaupt im Falle des Einschreitens legitimieren?Wird sein Einschreiten überhaupt polizeilich wahr- geschweige denn ernst genommen?

Davon hängen dann etwaige Widerstandshandlungen ab die evtl. nicht gewertet werden können, weil der Täter die Handlung des Einschreiters nicht als eine dienstliche wahgenommen hat.

Ist es dem Polizisten überhaupt zumutbar ohne eine Gefährdung bzw. Verletzung seines eigenen Leib oder Leben einzuschreiten?

Schwabo hat es schon angesprochen. Es ist ein Unterschied ob man als Polizist bei einem Diebstahl oder einer wechelseitigen Körperverletzung mit mehreren Beteiligten, einschreitet. Genauso kann ich von einem 65-jährigen, gebrechlichen Pensionär nicht erwarten, dass er einen Ladendieb "festsetzt" und ihn im Falle eines Fluchtversuches niederringt.

Was ich jedoch von jedem Polizisten und Bürger erwarten kann bzw. sollte, ist dass derjenige den Notruf wählt und bei Möglichkeit die Situation beobachtet für etwaige Zeugenaussagen.

Aber jetzt sind wir einwenig vom Thema abgedriftet.

Ich denke, dass unser Denken über das Einschreiten mit der Waffe, einwenig durch die unzähligen Videos im Internet, Filme oder Serien verzerrt werden bzw. zu einfach dargestellt werden. Ich würde nichtmal all den eingesetzten Polizeibeamten / Soldaten (mit Erfahrung im Schusswaffengebrauch) uneingeschränkt ein zu 100% richtiges und adäquates Verhalten bei einem Schusswaffengebrauch zusprechen. Weil eben Faktoren wie Angst, Stressresilienz, Übungspraxis, körperliche und mentale Fitness reinspielen, die mit dem Alter abnehmen.

Jetzt brechen wir das auf den Normalbürger herunter der überhaupt keinerlei Erfahrung bzw. regelmäßige Übung in der Hinsicht genossen hat. Da bleibt von euren gewünschten Waffenträgern und potenziellen Einschreitern nur eine marginale Anzahl an wirklich handlungsfähigen und erfolgreichen Einschreitern übrig.

Ich denke, dass das subjektive Sicherheitsgefühl stark nachgelassen hat und sicherlich auch den Anschlägen und Amokläufen in Europa geschuldet ist. Jedoch muss man die Wahrscheinlichkeit in einen Anschlag / Amoklauf (der dann auch noch erfolgreich ausgeführt und einen wirklich in Lebensgefahr bringt) zu geraten, sehen. Und da wissen wir alle, dass die grds. als sehr gering anzusehen ist. Also typisches Restrisiko wie beim Auto fahren, Fliegen oder Unfälle im Haushalt.

Wenn wir das jetzt in Relation zu dem "gewonnen Sicherheitsgefühl" und den zahlreichen First Respondern die auf der Straße unterwegs wären in Verhältnis setzen, steht diese Abwägung in einem völligen Missverhältnis. Ich sehe sogar durch den Einsatz von First Respondern mehr resultierende Nachteile.


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Father Christmas
Beitrag 7. Nov 2018, 22:51 | Beitrag #54
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ZITAT(ede144 @ 5. Nov 2018, 18:53) *
[...]

ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 10:20) *
Dann bleiben Polizisten, Jäger und private Waffenbesitzer übrig. Polizisten haben vermutlich keine Lust auch privat im Dienst zu sein


Irrtum, ein Polizist ist quasi immer im Dienst. Schaut er zu wie dein Auto geklaut wird, kannst du ihm Strafvereitelung im Amt anhängen. Selbst als Pensionär könnte er sich wieder in Dienst setzen.


Polizisten sind Menschen, die jetzt schon kaum Privatleben haben. Wenn die "außer Dienst" noch eine Waffe dabei haben, sind die nicht außer Dienst. Baden gehen fällt aus, mal was alkoholisches trinkes fällt aus, ... Ist ein ganz schöner Einschnitt ins Privatleben, der so nicht zu halten sein wird.


ZITAT
ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 10:20) *
Und wenn ich eins in Deutschland nicht will, dann Leute, die "mal einen Kurs" gemacht haben und dann bewaffnet durch die Straßen laufen und der Welt beweisen wollen, dass sie im Ernstfall vor der und besser als die Polizei "Deutschland schützen" können. Wir wissen, auch aus den USA, wer da die ersten Opfer sein werden.


Will ich zwar auch nicht, aber gibt es nicht in Baden-Württemberg freiwillige Polizisten, die mit 8 Wochen Ausbildung eingesetzt werden?


Diese Freiwilligendienste, Objektschutz, ... sind keine richtigen Polizisten. Ja, nach mehrwöchiger, Vollzeitausbildung dürfen die eine Waffe haben. Dürfen, tun sie damit aber nur in Notwehr schießen - zumindest in den Bundesländern, in denen mir die Rechtslage gerade geläufig ist. Zwang durchsetzen ist nicht.


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ZITAT(Wodka @ 28. Sep 2015, 12:38) *
Zur Kritik an der deutschen Justiz. Natürlich foltert die deutsche Justiz nicht, denn das würde bedeuten, dass ein Richter das Foltern anordnet. Damit verkennt der Fragesteller bereits die Gewaltenteilung in Deutschland. Für Folter ist nach der Gewaltenteilung die Exekutive zuständig.


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Tankcommander
Beitrag 8. Nov 2018, 08:27 | Beitrag #55
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ZITAT(Father Christmas @ 7. Nov 2018, 07:44) *
ZITAT(Tankcommander @ 7. Nov 2018, 05:53) *
Schreckschusswaffen sind wohl nach einer legalen scharfen Waffe am effektivsten.

Warum? weil sie wegen dem "echten Ausehen" Täter in die Flucht schlagen, das soll übrigends in der Praxis häufiger vorgekommen sein als daß die unbeeindruckt wären.


Dass der Bedrohte wegrennt, ist die Hoffnung.
Die muß aber nicht eintreten. Ebenso kann er - um sein Leben fürchtend - zum direkten körperlichen Angriff übergehen oder eine eigene - möglicherweise illegale scharfe - Schusswaffe einsetzen. Spätestens wenn der Schuss aus der SRS-Waffe gebrochen ist, hat man es bei einem Täter, der es drauf anlegt (akute Psychose, absoluter Tatdurchführungswillen, ....), verloren.


In der Praxis ist es trotzdem häufiger vorgekommen das Täter wegen dem Bluff die Flucht ergriffen haben.
Das Risiko dass eine scharfe gezogen wird ist sogar eher unwahrscheinlich, denn der "Ottonormal-Kleinkriminelle" kommt auch nicht viel leichter drann als der normale Bürger auch, es gibt zwar den Waffenhandel im Darknet, allerdings ist dort die Gefahr an einem Betrüger sein Geld zu verlieren höher als eine Waffe zu bekommen.

Und wenn er anderweitig angreift hat man immer noch den Vorteil mehrere Kartuschen hintereinander abzufeuern, was ein wirklicher Vorteil gegenüber dem Spray ist.
 
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Beitrag 8. Nov 2018, 10:06 | Beitrag #56
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ZITAT(Tankcommander @ 8. Nov 2018, 08:27) *
In der Praxis ist es trotzdem häufiger vorgekommen das Täter wegen dem Bluff die Flucht ergriffen haben.
Und genau das ist der Punkt: "häufiger vorgekommen" ist doch für den hier im Zentrum des Themas stehenden Fall des Terroranschlags kein hinreichendes Kriterium. Denn solche Täter sind nicht selten unter BTM-Einfluss, vor allem haben sie aber eine "unbedingte Tatabsicht" gepaart mit dem Willen oder zumindest der Bereitschaft die Tat nicht zu überleben. Das hat mehrere Gründe, nicht nur unmittelbare der religiösen oder ideologischen Überzeugung sondern auch mittelbare, denn nicht selten werden den Familien von "Märtyrern" größere Summen ausbezahlt.

Eine Schreckschusswaffe ist in solchen Fällen also in mehrfacher Hinsicht schlecht: Sie wirkt nicht wie eine scharfe Waffe, sie ermutigt ggf. zum Gegenangriff und sie wiegt den Verteidiger daher in falscher Sicherheit.

Ein Terrorangriff ist eben in voller breite nicht vergleichbar mit einem Raubüberfall nachts im Park. Terrorakte sind bewusst ausgewählt nach sozialer Gruppe, Ort und Zeit und ihnen liegt eine Überzeugung des Täters zugrunde.

Der Beitrag wurde von Schwabo Elite bearbeitet: 13. Nov 2018, 15:11


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Camouflage
Beitrag 8. Nov 2018, 12:19 | Beitrag #57
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ZITAT(Tankcommander @ 8. Nov 2018, 08:27) *
In der Praxis ist es trotzdem häufiger vorgekommen das Täter wegen dem Bluff die Flucht ergriffen haben.

Dieser Bluff funktioniert aber nur, solange der Geheimtipp auch ein Geheimtipp bleibt ...


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kato
Beitrag 8. Nov 2018, 13:52 | Beitrag #58
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ZITAT(Schwabo Elite @ 5. Nov 2018, 21:09) *
Berlin, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben sogenannte Wachpolizeien. Das sind aber eben keine Polizeibeamten, sondern tariflich Angestellte mit dreimonatiger (zumindest in Hessen) Ausbildung.

Es gibt noch die Zwischenoption: Den freiwilligen Polizeidienst, dessen Angehörige ebenfalls keine Polizeibeamten sind, aber genausowenig Angestellte (für die "Erledigung ihrer polizeilichen Dienstverrichtungen" haben diese "Dritten gegenüber die Stellung von Polizeibeamten"). Eine tarifliche Bezahlung oder Besoldung erfolgt man nicht, man erhält eine Aufwandsentschädigung auf Mindestlohnniveau.

In Baden-Württemberg wurde dieser Freiwillige Polizeidienst zwar von rot-grün 2011 ausgesetzt (keine Neuanwerbung mehr), aber soll jetzt durch grün-schwarz wieder eingeführt werden. Hierbei streiten sich seit rund einem halben Jahr die beiden Parteien im Rahmen einer Neukonzeptionierung um eben diese Punkte: Aufgabenportfolio, Ausstattung und Ausbildung. Grün hätte bevorzugt einen unbewaffneten Präsenzeinsatz präventiver Natur (also Vogelscheuchen in Uniform), die CDU am liebsten voll bewaffnete und zu fast allem einsetzbare Billigpolizisten. Die GDP hält von beidem nichts und hätte lieber - in Anlehnung an grün mit anderer Ausrichtung - den KOD verstärkt; die DPG dagegen möchte in Anlehnung an schwarz mit FPDlern den PVD aufbuttern.

Die rund 700 vorhandenen Freiwillig Polizeidienst Leistenden, die aus dem bisherigen Dienst seit 1963 "übrig" sind, haben als gesetzlichen Auftrag ("in der Regel") Objektsicherung, Verkehrsüberwachung und Streifendienst sowie technische Unterstützungsdienste (Kraftfahrer, Fernmelder etc), wobei der Streifendienst für den Dienst seit 2013 nicht mehr stattfindet. Das bisherige Personal hat zwei Wochen theoretische Ausbildung gefolgt von Anlernen vor Ort in Polizeipräsidien, 18 Stunden Fortbildung pro Jahr und regelmäßige Schießausbildung - denn ja, die sind bewaffnet.
 
Tankcommander
Beitrag 9. Nov 2018, 11:52 | Beitrag #59
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Ich bezog ich auch mehr auf die Straßenkriminalität und nicht auf Terror und Amok. Das sind auch eher seltene Ausnahmefälle bei denen dann selbst die Beamten vom Streifenwagen die Unterstützung von 100erSchaften und Spezialeinheiten benötigen werden.

Bei Straßenräubern, Schlägertypen und Sexualtätern da finde ich die Schreckschuss durchaus angebracht.

Von freiwilligen Polizeidienst halte ich nichts, das ist am falschen Ende gespart, da wäre ne Auftstockung der Polizei und Ordungsämtern (die OA könnten die Polizei mit mehr Kompetenzen entlasten, oder noch besser wie bei Frankfurt M. man baut die OA zur Stadtpolizei auf) sinnvoller.
Davon abgesehen geht es auch dabei dann nicht um Terrorismus und Amokläufern.

Von bewaffneten Nachbarschaftswachen und privaten Sicherheitsdiensten, ja wenn die Leute entsprechend ausgebildet werden und polizeilich geprüft sind keine schlechte Idee, schließlich sind die Leute vom Geldtransporter ja auch scharf bewaffnet und es handelt sich dabei auch um Privatunternehmen.

 
Havoc
Beitrag 9. Nov 2018, 19:15 | Beitrag #60
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ZITAT(Tankcommander @ 9. Nov 2018, 11:52) *
Von bewaffneten Nachbarschaftswachen und privaten Sicherheitsdiensten, ja wenn die Leute entsprechend ausgebildet werden und polizeilich geprüft sind keine schlechte Idee, schließlich sind die Leute vom Geldtransporter ja auch scharf bewaffnet und es handelt sich dabei auch um Privatunternehmen.



Der Punkt ist, das für diese genannten Gruppen die Notwehrparagraphen gelten. Beim Geldtransporter ist die Bewaffnung mit einer scharfen Kurzwaffe nicht nachvollziehbar, da diese Personen potentielle Ziele von Schwerstkriminellen sind und das Bedrohungsumfeld klar geregelt ist: Primär der Weg vom Tresor zum Geldtransporter.
Bei der Nachbarschaftswache und bewaffneten Sicherheitskräften sieht die Lage schon anders aus. Um Diebe und Unruhestifte von der Gegend fernzuhalten, benötigt die keine scharfe Schusswaffe. Ich will keinen guten Arzt benötigen, weil mein Schutznachbar der Meinung war, dass ich ein Einbrecher bin und einen Fangschuss abgegeben hat. Die "Kundschaft" von Nachbarschaftswachen und Sicherheitsdienste sind Diebe, Störenfriede und eventuell kleine Drogendeale, die auf der Straße Drogen verticken. Um die zu vertreiben reicht der Räum- und Abdrängstock eventuell mit LED - Leuchte aus. Schreckschusspistole hat das gleiche Problem wie CS-Gas: Bis die Waffe in eine Einsatzfunktion gebracht wurde, ist es meist schon zu spät.

Der Beitrag wurde von Havoc bearbeitet: 9. Nov 2018, 21:09
 
 
 

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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 23. March 2019 - 18:05