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5. Jun 2026, 22:26 | Beitrag
#4171
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Divisionär Beiträge: 14.127 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
(...) Wurde denn in der Sendung wenigstens ihm widersprochen? Von irgendjemandem? Es war ein 6-minütiges eingespieltes Interview von Illner Dohnanyi und während dem Interview beschränkt sich der Einspruch: "das sieht sogar Olav Scholz anders. Ich will es auch nochmals sagen und bedanke mich an diesem Abend ganz herzlich für dieses Interview." Claudia Major fand das Interview irritierend, insbesondere die Täter-Opfer-Umkehr. Sie sagte auch, dass es historisch in weiten Teilen einecfalsche Darstellung sei. Sie sagte auch das mit der "Kurzen Rock-Theorie". -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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5. Jun 2026, 22:31 | Beitrag
#4172
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Major Beiträge: 6.700 ![]() Gruppe: VIP Mitglied seit: 14.11.2010 |
Eigentlich krass, dass im ZDF Dohnanyi währen 6 Minuten solchen Unsinn geben kann. Man muss aber auch zugeben: Die Ukraine hatte wirklich einen sehr kurzen Rock an. Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Selbst wenn die Abfolge andersherum gewesen wäre, die Ukraine den NATO-Beitritt 2014 als Ziel in die Verfassung geschrieben hätte und Russland erst 2019 Donbass und Krim annektiert hätte, wäre es trotzdem absolut dämlich Russland zuzugestehen, dass es einen Angriffsgrund hatte. In welchem Militärbündnis sich ein Land befindet, geht allein das Land und seine potentiellen Verbündeten etwas an. Oder möchte her Dohnany behaupten, dass die NATO ein Angriffsbündnis gegen Russland ist? Dann würde ich gerne auf die zunehmenden und sich schleichend entwickelnden Auflösungserscheinungen der NATO seit dem Afghanistan- und ganz besonders dem Irakkrieg verweisen. Das Bündnis war auf dem besten Wege in die geschichtliche Rundablage P. Der Großteil der Europäer war bestenfalls halbherzig dabei und auch der faktische NATO-Austritt der USA ist nichts, was erst seit Trump II ein Thema ist. Der Isolationismus und das Wiederaufwärmen der Monroe-Doktrin zeichnete sich bereits seit Mitte der 2000er Jahre am Horizont ab, spätestens Mitte der 2010er. Man war mit den Alliierten unzufrieden und diese taten einen Scheißdreck, die Gründe für die durchaus berechtigte Unzufriedenheit zu beseitigen und sowieso, wenn die USA sich in absehbarer Zeit irgendwo auf etwas eingelassen hätte, dann im Pazifik, Taiwan, wo die Europäer völlig irrelevant wären und man hat das auch ziemlich klar kommuniziert, dass die USA keine Lust auf ein Engagement in Europa hatten und sich auf den Pazifik konzentrieren wollten. Es gab kein, null, überhaupt garnichts, was auf eine Angriffsplanung auf Russland hingewiesen hat. Das hat immer nur Russland und die Russlandtrolle ins Spiel gebracht. Hätte Putin noch 5 bis 10 Jahre gewartet, hätte keiner für die Ukraine interveniert. Selbst 2022 war es ein reiner Krampf, der Ukraine überhaupt Hilfe zukommen zu lassen und offensichtlicher als das Affentheater um Haubitzen aus dem Museum und 2.000 Bundeswehrhelme kann man das Argument "Die NATO wollte Russland angreifen" nicht ad absurdum führen. Abgesehen davon, dass es natürlich richtig ist, dass die NATO eben nicht Russland angreifen wollte, frage ich mich aber, wie du darauf kommst, dass die NATO vor Trump schon am Auseinanderbrechen gewesen wäre. Die NATO hatte eine etwas schwierigere Phase, aber sie konnte sich durchaus auch während der Zeit der IKM behaupten. Keine der US-Regierungen hatte auch nur angedeutet, dass man Europa nicht beistehen würde. Der Shift zum Pazifik wurde mit dem Aufkommen der chinesischen Ambitionen zwar schon unter Obama kommuniziert, aber eben niemals als Auslöser dafür, dass man sich nicht in Europa engagieren oder nicht zu seinen Bündnispflichten stehen würde, das war schlichtweg einfach nicht der Fall. Natürlich wäre der Pazifik zu Hauptlasten der USA gegangen, denn er ist eben nicht Teil der NATO (wobei ein Konflikt dort sehr wohl auch uns betreffen wird, auch militärisch), das war allen Beteiligten klar, die Europäer sollten aber in Europa eben glaubhaft abschrecken können, auch mit geringerem US-Engagement. Das war also nicht irgendwie, weil die USA glaubte, Europa würde unwichtiger werden, sondern weil sie eben wussten, dass sie zwei große Schauplätze nicht bedienen können. Europa hat übrigens sehr wohl darauf reagiert und die US-Regierung war damit zu diesem Zeitpunkt auch zufrieden. Erst die Eskalation in der Ukraine ab 2014 hat auf beiden Seiten des Atlantiks die Politik verschärft. (Wenn ich mir übrigens den Verlauf des Krieges dort anschaue, dann hätten die Europäer schon 2014 gar nicht so schlecht dagestanden, auch ohne die Amerikaner.) Auch irgendwelcher Isolationismus oder dergleichen war eben nicht absehbar, sondern eine belächelte Randerscheinung (Tea-Party, Palin und dergleichen), die bis Trump an die Macht gekommen ist, überhaupt keine Bedeutung hatte, du unterschätzt völlig den radikalen Umbau der GOP unter Trump und die komplette Neuausrichtung, die er zu verantworten hat. Nein, die komplette Eskalation und das Androhen des Scheiterns des Bündnisses hat alleine Trump zu verantworten und ist erst seit Kurzem ein Thema (in seinem Kopf mag das schon länger gewesen sein) da er einfach keine Ahnung hat wie Bündnisse funktionieren oder wie viel die USA davon profitieren, hier in Europa engagiert zu sein. Der Beitrag wurde von Forodir bearbeitet: 5. Jun 2026, 22:32 -------------------- Niemand hat gesagt das es Spaß machen muss!
“You have attributed conditions to villainy that simply result from stupidity.” |
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6. Jun 2026, 08:56 | Beitrag
#4173
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Oberleutnant Beiträge: 1.583 Gruppe: Members Mitglied seit: 22.06.2002 |
[...] Es hat ja einen Grund, warum AfD und BSW gewählt werden, die Leute sind bedauerlicherweise nun mal da. [...] Klaus von Dohnanyi ist in der SPD. Frank-Walter Steinmeier, Rolf Mützenich und Ralf Stegner - die identische Positionen wie Dohnanyi vertreten - sind in der SPD. Weder AFD noch BSW waren seit 2014 in der Regierungsverantwortung. -------------------- George S. Patton Jr. 'Son, only a pimp in a Louisiana whore- house carries pearl-handled revolvers. These are ivory.'
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6. Jun 2026, 09:16 | Beitrag
#4174
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Divisionär Beiträge: 14.127 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
ZITAT Klaus von Dohnanyi ist in der SPD. Frank-Walter Steinmeier, Rolf Mützenich und Ralf Stegner - die identische Positionen wie Dohnanyi vertreten - sind in der SPD. Nein, die haben nicht identische Positionen. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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6. Jun 2026, 14:53 | Beitrag
#4175
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Major Beiträge: 6.700 ![]() Gruppe: VIP Mitglied seit: 14.11.2010 |
[...] Es hat ja einen Grund, warum AfD und BSW gewählt werden, die Leute sind bedauerlicherweise nun mal da. [...] Klaus von Dohnanyi ist in der SPD. Frank-Walter Steinmeier, Rolf Mützenich und Ralf Stegner - die identische Positionen wie Dohnanyi vertreten - sind in der SPD. Weder AFD noch BSW waren seit 2014 in der Regierungsverantwortung. Diese Positionen werden nicht von der Mehrheit in der SPD getragen oder von deren Mitgliedern schon gar nicht in identischer Weise. Das ist bereits noch weiter raus im Flügel. Dohanyi ist auch schon lange nicht mehr für die SPD repräsentativ. Die SPD hatte in ihrer Regierungsverantwortung eine Menge zögerlichen Quark veranstaltet, aber immer klar Russland als Aggressor verurteilt. -------------------- Niemand hat gesagt das es Spaß machen muss!
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6. Jun 2026, 15:08 | Beitrag
#4176
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Herr der Dunkelheit Beiträge: 40.755 ![]() Gruppe: Admin.WHQ Mitglied seit: 21.04.2002 |
Die SPD hatte in ihrer Regierungsverantwortung eine Menge zögerlichen Quark veranstaltet, aber immer klar Russland als Aggressor verurteilt. selbst Mützenich, der immer davon fantasierte als Fraktionschef, dass man doch nur mit Russland reden müsse und dieses nicht provozieren dürfe, hat nie die Aggression abgestritten, das hier ist schon besonders bösartige Faktenverdrehung, die man primär aus dem (rechts)reaktionären russophilen Block (in Deutschland eben AfD+BSW) kennt. -------------------- Wer zum Denken nachdenkseiten braucht, denkt auch, dass ihm ihm die Tankkarte das tanken abnimmt.
Qui tacet, consentire videtur Dass die Russen viele Verluste haben aufgrund ihrer offensiven Vorgehensweise, die sie sich bei Zapp Brannigan abgeschaut haben, ist davon unbenommen. |
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6. Jun 2026, 21:04 | Beitrag
#4177
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Divisionär Beiträge: 14.127 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Klaus von Dohnanyis Argumentation folgt seit Jahren einem Muster, das russische Sicherheitsinteressen in den Mittelpunkt stellt und westliche sowie ukrainische Verantwortung übermässig betont. In der Summe führt das dazu, dass er russische Entscheidung zum Angriffskrieg relativiert. Erst ein Vertreter der klassischen deutschen Ostpolitik-Denkschule, die Russland eigentlich alles durchlässt. Soweit ersichtlich übernimmt er russische Narrative vollständig. Nach Dohnanyi ist die Ukraine mitschuldig daran, dass sie von Russland überfallen wurde. Dohnanyi ist im Endeffekt auch viel zu alt.
Rolf Mützenich ist eintypischer Vertreter der traditionellen SPD-Friedens- und Entspannungspolitik. Nicht prorussisch im engeren Sinne, aber seine Positionen lagen oft nahe an den von Russland bevorzugten Verhandlungslösungen. Ralf Stegner ist ähnlich wie Mützenich. Keine prorussische Grundhaltung im klassischen Sinne, aber eine politische Linie, die auf Deeskalation durch Zugeständnisse gegenüber russischer Aggression setzt. Steinmeier hat seine Positionen nach dem 24. Februar 2022 deutlich angepasst, auch wenn er zuvor die verhängnisvolle deutsche Russlandpolitik massgeblich mitzuverantworten hat. Die berühmte Aussage vom „Irrtum“ der deutschen Russlandpolitik war letztlich eine Selbstkritik. Zum Vergleich: Johannes Varwick: Wie Dohnanyi übernimmt er am vollständigsten russische Narrative. Varwick glaubt, dass die Russen ungerecht behandelt wurden und dass sie sich genötigt sahen zum Angriff auf die Ukraine, auch wenn dies aus seiner Sicht falsch gewesen sei. War Varwick glaubt tatsächlich an das Gute in Putin, wie seine Fragen an den russischen Botschafter bei einem BSW-Treffen kürzlich zeigten. Er gehört zur Kategorie "nützlicher Idiot", weil er nicht merkt, wie er selber russische Positionen unterstützt. Fazit: Dohnanyi verbreitet 100% prorussische Narrative (wie übrigens Varwick auch), Mützenich und Stegner sehen zwar die Wahrheit, wollen sie aber nicht wahrhaben. Sie glauben, dass man mit Zugeständnissen gegenüber Russland sich Frieden erkaufen könne und das Militär/Abschreckung nichts bringt. Sie müssen dies auch glauben, weil sonst ihr Weltbild zusammenbrechen würde. Steinmeier hat begriffen, dass er sich in Russland geirrt hat. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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6. Jun 2026, 21:23 | Beitrag
#4178
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Oberstleutnant Beiträge: 10.901 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 09.11.2015 |
Hat denn Appeasement historisch gesehen irgendwann, irgendwo auf Dauer funktioniert?
-------------------- "The crisis consists precisely in the fact that the old is dying and the new cannot be born; in this interregnum a great variety of morbid symptoms appear." Antonio Gramsci
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6. Jun 2026, 22:13 | Beitrag
#4179
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Divisionär Beiträge: 14.127 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Hauptsächlich sind Beispiele bekannt, wo es nicht funktioniert. Es ist auch klar, weshalb nicht.
-------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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6. Jun 2026, 22:19 | Beitrag
#4180
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Oberstleutnant Beiträge: 12.329 Gruppe: VIP Mitglied seit: 24.10.2010 |
Mir würden allerhöchstens Beispiele einfallen, wo man sich durch Appeasement/Tributzahlungen Zeit erkauft hat, bis man in einer besseren Position war- zum Beispiel die Amerikaner mit den Barbareskenstaaten.
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6. Jun 2026, 22:49 | Beitrag
#4181
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Oberstleutnant Beiträge: 10.901 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 09.11.2015 |
Und wie bezeichnet man Menschen die, trotz überwältigender Faktenlage die auf das Gegenteil hinweist, trotzdem darauf beharren das ihre Hypothese die einzig richtige ist?
-------------------- "The crisis consists precisely in the fact that the old is dying and the new cannot be born; in this interregnum a great variety of morbid symptoms appear." Antonio Gramsci
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6. Jun 2026, 22:52 | Beitrag
#4182
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Herr der Dunkelheit Beiträge: 40.755 ![]() Gruppe: Admin.WHQ Mitglied seit: 21.04.2002 |
wie sehr war der kalte krieg gegenseitiges Appeasement?
Man hat sich schliesslich eigentlich alles zugestanden, auch wenn man natürlich die Gegner der Gegenseite massiv unterstützte. -------------------- Wer zum Denken nachdenkseiten braucht, denkt auch, dass ihm ihm die Tankkarte das tanken abnimmt.
Qui tacet, consentire videtur Dass die Russen viele Verluste haben aufgrund ihrer offensiven Vorgehensweise, die sie sich bei Zapp Brannigan abgeschaut haben, ist davon unbenommen. |
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6. Jun 2026, 23:26 | Beitrag
#4183
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Oberstleutnant Beiträge: 14.334 ![]() Gruppe: VIP Mitglied seit: 01.10.2005 |
wie sehr war der kalte krieg gegenseitiges Appeasement? Man hat sich schliesslich eigentlich alles zugestanden, auch wenn man natürlich die Gegner der Gegenseite massiv unterstützte. Naja man hatte aber auch die Kubakrise und beide Systeme waren nicht wirklich auf Expansion aus man hat sich auf beiden Seiten mit dem Status quo begnügt und beide Seiten wussten das die andere Seite das auch so sah, das war kein Appeasement. |
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6. Jun 2026, 23:55 | Beitrag
#4184
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Oberstleutnant Beiträge: 10.901 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 09.11.2015 |
wie sehr war der kalte krieg gegenseitiges Appeasement? Man hat sich schliesslich eigentlich alles zugestanden, auch wenn man natürlich die Gegner der Gegenseite massiv unterstützte. Wenn beide Seiten bis an die Zähne bewaffnet sind und sich insbesondere auch auf Grund der zu erwartenden katastrophalen Folgen für die eigene Seite dazu entscheiden den Krieg miteinander lieber um fast jeder Preis zu vermeiden, dann ist das mMn. kein Appeasement. -------------------- "The crisis consists precisely in the fact that the old is dying and the new cannot be born; in this interregnum a great variety of morbid symptoms appear." Antonio Gramsci
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7. Jun 2026, 00:43 | Beitrag
#4185
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Herr der Dunkelheit Beiträge: 40.755 ![]() Gruppe: Admin.WHQ Mitglied seit: 21.04.2002 |
ich weiss, sehr abstrakt, flog mir nur bei deiner Frage spontan durch den Kopf
-------------------- Wer zum Denken nachdenkseiten braucht, denkt auch, dass ihm ihm die Tankkarte das tanken abnimmt.
Qui tacet, consentire videtur Dass die Russen viele Verluste haben aufgrund ihrer offensiven Vorgehensweise, die sie sich bei Zapp Brannigan abgeschaut haben, ist davon unbenommen. |
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7. Jun 2026, 13:08 | Beitrag
#4186
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Hauptmann Beiträge: 3.620 Gruppe: Members Mitglied seit: 15.04.2022 |
Appeasement: dem Gegner relevanten Machtgewinn zugestehen ohne sich selbst auf eine (potentielle) Konfrontation vorzubereiten, welche man siegreich bestehen könnte (Prognose).
Verzögern: dem Gegner relevanten Machtgewinn zugestehen und gleichzeitig sich selbst auf eine (potentielle) Konfrontation vorzubereiten welche man siegreich bestehen könnte (Prognose). Bei dieser Definition könnte Chamberlain rehabilitert werden. Kalter Krieg: eine kleinere Machtverschiebung in einem Drittweltland war irrelevant, daher keine relevante Reaktion des Gegners. Korea, Kubakrise, Vietnam waren nah Ansicht der Beteiligten relevant. Polen, Tschechien, Ungarn, Italien, Griechenland ebenso. |
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8. Jun 2026, 10:18 | Beitrag
#4187
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Divisionär Beiträge: 14.127 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Noch etwas zum Hintergrund von Klaus von Dohnanyi:
Klaus von Dohnanyi verhandelte 1969 als damaliger Wirtschaftsstaatssekretär in Moskau die politischen Grundlagen für das erste grosse deutsch-sowjetische Röhren-Erdgas-Geschäft. Dieser historische Deal im Kalten Krieg ermöglichte den Bau der Transgas-Pipeline, die sibirisches Erdgas über die Ukraine und die Tschechoslowakei nach Westeuropa brachte. Die Bundesrepublik lieferte grosse Stahlrohre (unter anderem von Mannesmann und Thyssen) für den Pipelinebau in die Sowjetunion. Im Gegenzug verpflichtete sich die UdSSR zu langfristigen Erdgaslieferungen an westdeutsche Energieunternehmen wie die Ruhrgas AG. Die Finanzierung der Geschäfte stützten Kredite westdeutscher Banken. Die Vereinbarungen begleiteten die neue „Ostpolitik“ der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt (Wandel durch Annäherung), die auf Vertrauensbildung und Entspannung im Ost-West-Konflikt zielten. Historiker und Wirtschaftsexperten betrachten das Engagement Dohnanyis und das Transgas-Abkommen oft als den Grundstein der späteren deutschen bhängigkeit von russischem Erdgas, wie auch in der FAZ-Analyse dargelegt wird. Die Transgas-Pipeline transportierte jahrzehntelang Gas aus Sibirien und Zentralasien nach Mitteleuropa, bis die russischen Gaslieferungen über die Ukraine im Zuge der Konflikte eingestellt wurden. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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8. Jun 2026, 22:31 | Beitrag
#4188
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Major Beiträge: 5.819 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 26.07.2008 |
Abgesehen davon, dass es natürlich richtig ist, dass die NATO eben nicht Russland angreifen wollte, frage ich mich aber, wie du darauf kommst, dass die NATO vor Trump schon am Auseinanderbrechen gewesen wäre. Die NATO hatte eine etwas schwierigere Phase, aber sie konnte sich durchaus auch während der Zeit der IKM behaupten. Keine der US-Regierungen hatte auch nur angedeutet, dass man Europa nicht beistehen würde. Der Shift zum Pazifik wurde mit dem Aufkommen der chinesischen Ambitionen zwar schon unter Obama kommuniziert, aber eben niemals als Auslöser dafür, dass man sich nicht in Europa engagieren oder nicht zu seinen Bündnispflichten stehen würde, das war schlichtweg einfach nicht der Fall. Die Sache ist die, dass die europäischen Verbündeten der USA die NATO spätestens seit den Terrorangriffen auf die Twin-Towers eher so semi-ernsthaft betrachtet haben. Europa begab sich zunehmend in eine (aus der Zeit heraus durchaus gut begründbare) militärische und machtpolitische Dornröschenphase. Die USA haben mehrfach angemahnt, dass man mit der Aktivität der Partner sehr unzufrieden war und so ist es kein Zufall, dass die "Five Eyes" eben nicht die ganze NATO umfasste, sondern nur das "Kern-Commonwealth", was als einziger Teilbereich der NATO aktiv an allen Abenteuern der USA aus dieser Zeit beteiligt war. Darüber hinaus gibt es in den USA schon seit dem Zerfall der Sovietunion eine zunehmende isolationistische Strömung, die im Zuge der Tea-Party-Bewegung erstmalig wieder richtig greifbar wurde. Mit Hindsight sieht man sehr gut, dass diese Strömung spätestens seit Mitte der 2000er politisch relevant wird und ihre Strahlkraft hat sich seitdem fortlaufend verstärkt. Diese isolationistische Strömung findet man übrigens sowohl bei den Republikanern, als auch den Demokraten und sie hat durchaus eine breite Attraktivität in der US-Gesellschaft. Alleine bei den republikanischen Wählern dürfte das Thema bei weit über 50% der Wähler Relevanz haben und auch demokratische Wähler können dem Thema "America First!" durchaus viel abgewinnen (Stichwort: "No More Wars!"). Diese Strömung betrachtet die NATO entweder mit Ablehnung oder versteht sie mehr oder weniger als Gruppe an Vasallen. Politisch sieht man das fortgesetzte Erstarken am besten am Ausscheiden bzw. der (Selbst-)Marginalisierung von Leuten wie Bolton und diverser anderer "Falken" und dem Aufstieg von Figuren wie Vance und Rubio. Trump selbst gehört dabei in kein Lager und langfristig wird dieser Trend selbst nach einem Ausscheiden Trumps erhalten bleiben, egal ob die "alten Republikaner" zurück kehren oder ob die MAGAs weiter, dann unter Vance und Rubio, den Ton angeben. Als Auseinanderbrechen bezeichne ich diese Prozesse bewusst zumeist nicht, sondern eben gezielt als "schleichende Auflösung" oder (an anderer Stelle) "Einschlafen der NATO". Die NATO hätte noch lange weiter vor sich hinvegetiert, wenn es keinen einenden oder brechenden Faktor von Außen oder Innen gegeben hätte. Der Zusammenhalt wäre aber zunehmend weiter von allen Beteiligten in und um die NATO in Frage gestellt worden. Putin hat sehr offensichtlich auf einen Bruch spekuliert und sich verspielt. Die Kritik an der NATO aus den USA bleibt aber weiterhin bestehen und verstärkte sich zuletzt wieder mit dem Irankrieg und dem Unwillen auf Seiten (bzw. zugunsten) der USA zu intervenieren. Ansonsten verweise ich darauf, dass Trump kein Eigenläufer und Vordenker ist. Der bedient sich bereits existierender Strömungen und ist nicht Brandverursacher, sondern ganz explizit Brandbeschleuniger. Das gilt, meiner Meinung nach, auch bei dem Thema NATO. Der Beitrag wurde von Madner Kami bearbeitet: 8. Jun 2026, 22:35 -------------------- "If you get shot up by an A6M Reisen and your plane splits into pieces - does that mean it's divided by zero?" - xoxSAUERKRAUTxox
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9. Jun 2026, 00:05 | Beitrag
#4189
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Major Beiträge: 6.700 ![]() Gruppe: VIP Mitglied seit: 14.11.2010 |
Abgesehen davon, dass es natürlich richtig ist, dass die NATO eben nicht Russland angreifen wollte, frage ich mich aber, wie du darauf kommst, dass die NATO vor Trump schon am Auseinanderbrechen gewesen wäre. Die NATO hatte eine etwas schwierigere Phase, aber sie konnte sich durchaus auch während der Zeit der IKM behaupten. Keine der US-Regierungen hatte auch nur angedeutet, dass man Europa nicht beistehen würde. Der Shift zum Pazifik wurde mit dem Aufkommen der chinesischen Ambitionen zwar schon unter Obama kommuniziert, aber eben niemals als Auslöser dafür, dass man sich nicht in Europa engagieren oder nicht zu seinen Bündnispflichten stehen würde, das war schlichtweg einfach nicht der Fall. Die Sache ist die, dass die europäischen Verbündeten der USA die NATO spätestens seit den Terrorangriffen auf die Twin-Towers eher so semi-ernsthaft betrachtet haben. Europa begab sich zunehmend in eine (aus der Zeit heraus durchaus gut begründbare) militärische und machtpolitische Dornröschenphase. Die USA haben mehrfach angemahnt, dass man mit der Aktivität der Partner sehr unzufrieden war und so ist es kein Zufall, dass die "Five Eyes" eben nicht die ganze NATO umfasste, sondern nur das "Kern-Commonwealth", was als einziger Teilbereich der NATO aktiv an allen Abenteuern der USA aus dieser Zeit beteiligt war. Nein, das ist schlichtweg eine Darstellung die so nicht der Realität entspricht, schon gar nicht in dieser Zeitlinie. Die USA haben eben nicht "mehrfach abgemahnt" in diesem Umfang den du hier suggerierst. In manchen Bereichen war man bestimmt nicht zufrieden mit dem europäischen Engagement der USA, jedoch immer verstanden das die NATO-Mitglieder eben kein Vasallen sind, gerade die Republikaner waren immer hier der harte Kern der Transatlantischen Beziehungen, natürlich war die USa natürlcih immer der bestimende Faktor. (Die Five Eyes haben damit übrigens gar nichts zu tun, ganz andere Baustelle). Darüber hinaus gibt es in den USA schon seit dem Zerfall der Sowjetunion eine zunehmende isolationistische Strömung, die im Zuge der Tea-Party-Bewegung erstmalig wieder richtig greifbar wurde. Mit Hindsight sieht man sehr gut, dass diese Strömung spätestens seit Mitte der 2000er politisch relevant wird und ihre Strahlkraft hat sich seitdem fortlaufend verstärkt. Richtig, und bis 2016 war es eine Randerscheinung. Diese isolationistische Strömung findet man übrigens sowohl bei den Republikanern, als auch den Demokraten und sie hat durchaus eine breite Attraktivität in der US-Gesellschaft. Alleine bei den republikanischen Wählern dürfte das Thema bei weit über 50% der Wähler Relevanz haben und auch demokratische Wähler können dem Thema "America First!" durchaus viel abgewinnen (Stichwort: "No More Wars!"). Auch hier, das ist so nicht der Fall, Isolationismus und "America First" sind eben nicht immer Deckungsgleich und gerade bei verschiedenen Wählern schichten etwas völlig anderes. Die Isolationisten, bzw. das was als solches verkauft wird von den MAGA ist keine breite Basis, sondern ein diffuser Wunsch. Das sieht man ja auch sehr gut das Trump so ziemlich alles macht außer eben einen echten Isolationismus. Diese Strömung betrachtet die NATO entweder mit Ablehnung oder versteht sie mehr oder weniger als Gruppe an Vasallen. Politisch sieht man das fortgesetzte Erstarken am besten am Ausscheiden bzw. der (Selbst-)Marginalisierung von Leuten wie Bolton und diverser anderer "Falken" und dem Aufstieg von Figuren wie Vance und Rubio. Nein, das hat absolut nichts damit zu tun sondern ist eine reine Frage des Loyalismus gegenüber Trump und der MAGA Bewegung, weder Rubio (der ein Wendehals ist) noch Vance haben in dieser Hinsicht eine Überzeugung, sie folgen dem weil es sie im Moment an der Macht hält, beide hatten vor Trump andere Ansichten. Trump selbst gehört dabei in kein Lager und langfristig wird dieser Trend selbst nach einem Ausscheiden Trumps erhalten bleiben, egal ob die "alten Republikaner" zurück kehren oder ob die MAGAs weiter, dann unter Vance und Rubio, den Ton angeben. Trump gehört keinem der Lager an, er ist da durch und durch Opportunist und umgibt sich mit Opportunisten. Er hat aber die Bewegung groß gemacht und ohne ihn wird es keine MAGA geben. Keiner seiner Sykophanten werden es schaffen diese Bewegung am laufen zu halten die jetzt schon Risse zeigt. Als Auseinanderbrechen bezeichne ich diese Prozesse bewusst zumeist nicht, sondern eben gezielt als "schleichende Auflösung" oder (an anderer Stelle) "Einschlafen der NATO". Die NATO hätte noch lange weiter vor sich hinvegetiert, wenn es keinen einenden oder brechenden Faktor von Außen oder Innen gegeben hätte. Der Zusammenhalt wäre aber zunehmend weiter von allen Beteiligten in und um die NATO in Frage gestellt worden. Putin hat sehr offensichtlich auf einen Bruch spekuliert und sich verspielt. Die Kritik an der NATO aus den USA bleibt aber weiterhin bestehen und verstärkte sich zuletzt wieder mit dem Irankrieg und dem Unwillen auf Seiten (bzw. zugunsten) der USA zu intervenieren. Putin hat eben nicht auf ein auseinanderbrechen oder schleichende Auflösung der NATO spekuliert sondern eben gezielt darauf hingearbeitet unter anderem mit der Unterstützung von Trump. Putin wusste eben das die Kritik und das lamentieren an der NATO eben der Ausfluss einer Friedensgesellschaft war die in so etwas wenig Sinn sieht, das aber die politische Elite eben keinen Zweifel daran hatte, das musste erst über Jahre hinweg erodiert werden (und offensichtlich hat es genau das Gegenteil bewirkt). Ansonsten verweise ich darauf, dass Trump kein Eigenläufer und Vordenker ist. Der bedient sich bereits existierender Strömungen und ist nicht Brandverursacher, sondern ganz explizit Brandbeschleuniger. Das gilt, meiner Meinung nach, auch bei dem Thema NATO. Trump ist deutlich mehr als nur ein Symptom, er ist Brandstifter und Brandbeschleuniger, aber natürlich ist er nicht alleine. Es gibt immer Strömungen in einer Gesellschaft die man nutzen kann, wird auch in Polen Gegner der NATO geben, aber gerade im Transatlantischen Bündnis musste er (bzw. seine Hintermänner)sehr lange und sehr gezielt man darauf hinarbeiten das es zum Bruch kommt. Die NATO an sich hat ihn ja auch nicht wirklich interesiert, das ist über die Heritage Foundation gekommen und deren Ansichten waren derart unpopulär das sie bis heute versucht ihren Einfluss auf Trump kleinzureden, das war also kein breiter Konsens irgendwo in der Bevölkerung. Zusammengefaßt: Es gab immer Stimmen die kritisch gegenüber der NATO waren, aber bis zum aufkommen von Trump mit seiner MAGA waren das nie ernsthafte Bestrebungen oder wichtige Stimmen. Erst mit Trump konnten diese ihn als Vehikel benutzen. Der Beitrag wurde von Forodir bearbeitet: 9. Jun 2026, 00:07 -------------------- Niemand hat gesagt das es Spaß machen muss!
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| Vereinfachte Darstellung | Aktuelles Datum: 15. June 2026 - 02:47 |