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2. May 2026, 21:04 | Beitrag
#1
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Ein (Teil-)Thread, den ich schon lange eröffnen wollte:
Western – ein Genre, das heute oft unterschätzt oder missverstanden wird, aber zu den grössten Leistungen des Kinos gehört. Western sind in vieler Hinsicht das Gegenteil moderner Filme: - grossartige Landschaftsaufnahmen statt schneller Schnitte - wenig Handlung, aber viel Bedeutung - lange Einstellungen, Zeit zum Beobachten - kurze, brutale Gewaltausbrüche statt Daueraction - kein (künstlicher) Humor Gerade das macht sie so besonders. Der Western erzählt nicht primär eine Geschichte – er zeigt einen Zustand: Einsamkeit, Verantwortung, Gewalt und deren Konsequenzen. Viele dieser Filme funktionieren fast wie Tragödien, in denen das Ende unausweichlich ist. Früher war der Western eines der erfolgreichsten Genres überhaupt, weil er grundlegende Themen verhandelt hat: Ordnung vs. Chaos, Zivilisation vs. Wildnis, Moral vs. Gewalt. Heute wirken diese Filme für viele Zuschauer „langsam“ oder „ereignisarm“, weil sich Sehgewohnheiten verändert haben – hin zu Tempo, Erklärung und permanenter Reizüberflutung. Ich persönlich mag besonders die späten und modernen Western, die den Mythos hinterfragen und oft sehr düster sind (Unforgiven, Hostiles). Gleichzeitig zählen für mich auch die (Italo-)Western von Sergio Leone dazu – sie sind stilisiert, aber im Kern bereits eine Dekonstruktion des klassischen Westerns. Für mich sind Western deshalb keine nostalgischen Filme, sondern zeitlose Werke, die man (teilweise) auch heute noch schauen kann – und vielleicht gerade heute wieder verstehen sollte. Ich habe bei dieser Liste stark gesiebt und viele gute Western nicht berücksichtig, dafür aber auf meinen Geschmack abgestellt und auf Western, die ich im Kino gesehen habe oder sonst gut kenne und schätze (Vier Fäuste für ein Halleluja passt nicht diese Liste, läuft aber selbstverständlich ausser jeglicher Konkurrenz): Once Upon a Time in the West (1968) – Sergio Leone Darsteller: Henry Fonda, Charles Bronson, Claudia Cardinale Ein geheimnisvoller Fremder mit Mundharmonika verfolgt einen Killer in einer Geschichte um Land, Eisenbahn und Macht. Eine Witwe gerät zwischen die Fronten wirtschaftlicher Interessen. Der Film zeigt das Ende des Wilden Westens und den Übergang in die moderne Zeit. Hostiles (2017) – Scott Cooper Darsteller: Christian Bale Ein Offizier eskortiert einen sterbenden Häuptling durch feindliches Gebiet. Beide Seiten tragen tiefe Wunden und Schuld. Der Film ist ein düsterer Abgesang auf Gewalt und die Unmöglichkeit echter Versöhnung. The Good, the Bad and the Ugly (1966) – Sergio Leone Darsteller: Clint Eastwood, Eli Wallach, Lee van Cleef Drei Männer jagen während des Bürgerkriegs einem versteckten Goldschatz hinterher. Bündnisse wechseln ständig, Vertrauen gibt es nicht. Ein stilisierter, epischer Western über Gier und Überleben. The Searchers (1956) – John Ford Darsteller: John Wayne Ein verbitterter Bürgerkriegsveteran sucht jahrelang nach seiner entführten Nichte. Seine Besessenheit treibt ihn immer tiefer in moralische Abgründe. Der Film hinterfragt Rache, Rassismus und den Mythos des Helden. McCabe & Mrs. Miller (1971) – Robert Altman Darsteller: Warren Beatty, Julie Christie Ein Spieler baut mit einer Geschäftspartnerin ein Bordell in einer Goldgräberstadt auf. Der Traum vom Erfolg scheitert an wirtschaftlicher Macht. Ein leiser, realistischer Anti-Western ohne klassische Helden. Unforgiven (1992) – Clint Eastwood Darsteller: Clint Eastwood, Gene Hackman Ein ehemaliger Revolverheld übernimmt widerwillig einen letzten Auftrag. Die Jagd nach Tätern wird zur Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit. Der Film entlarvt die Gewalt und zerstört die Legende des Westernhelden. The Man Who Shot Liberty Valance (1962) – John Ford Darsteller: John Wayne, James Stewart Ein Anwalt wird durch eine legendäre Tat berühmt, doch die Wahrheit dahinter ist anders. Der Film zeigt, wie Mythen entstehen und die Realität verdrängen. Es geht um den Übergang von Gewalt zu Zivilisation. Dances with Wolves (1990) – Kevin Costner Darsteller: Kevin Costner Ein Soldat lebt isoliert im Westen und freundet sich mit einem Sioux-Stamm an. Er beginnt, deren Kultur zu verstehen und sich von seiner eigenen zu entfremden. Der Film zeigt den Westen aus einer neuen, humanistischen Perspektive. The Cowboys (1972) – Mark Rydell Darsteller: John Wayne Ein Rancher muss mit unerfahrenen Teenager-Jungs einen Viehtrieb durchführen. Unterwegs lernen sie Verantwortung und Härte des Lebens kennen. Der Film zeigt den Generationenwechsel im Westen und ist vermutlich eher einer der realistischeren Western. True Grit (2010) – Coen Brothers Darsteller: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld Ein junges Mädchen engagiert einen rauen Marshal, um den Mörder ihres Vaters zu finden. Die Reise wird zur Prüfung von Mut und Moral. Der Film verbindet klassische Erzählweise mit nüchterner Härte. Der Stoff wurde 1969 bereits einmal mit John Wayne verfilmt. The Wild Bunch (1969) – Sam Peckinpah Darsteller: William Holden Eine alternde Outlaw-Bande plant einen letzten grossen Coup. In einer sich wandelnden Welt sind sie Relikte der Vergangenheit. Der Film zeigt brutale Gewalt und das Ende des klassischen Westernzeitalters. High Noon (1952) – Fred Zinnemann Darsteller: Gary Cooper Ein Sheriff wartet auf einen Verbrecher, der zurückkehrt, um Rache zu nehmen. Die Bürger der Stadt lassen ihn im Stich. Ein konzentriertes Drama über Pflicht, Mut und moralische Einsamkeit. Der Beitrag wurde von Glorfindel bearbeitet: 8. May 2026, 11:05 -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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2. May 2026, 22:42 | Beitrag
#2
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Major Beiträge: 5.761 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 26.07.2008 |
Mein Name ist Nobody (1973) - Tonino Valerii (basierend auf einer Idee von Sergio Leone)
Darsteller: Terence Hill, Henry Fonda, Jean Martin Ein junger, aufstrebender Revolverheld will seinem alternden Vorbild einen würdigen Abgang bescheren, indem er ihn auf Kollisionskurs mit einer Horde Banditen bringt. The Quick and the Dead aka "Schneller als der Tod" (1995) - Sam Raimi Darsteller: Gene Hackman, Sharon Stone, Russel Crowe, Gary Sinise, Leonardo DiCaprio, Lance Henriksen, Roberts Blossom, Pat Hingle Der Bürgermeister und (nicht so ganz) ehemalige Outlaw einer Westernstadt fordert zu einem Schießduellwettbewerb heraus. Es findet sich eine Riege bunter Figuren in seiner Stadt ein, aus der jeder seine ganz eigene Motivation hat daran teilzunehmen und mehr als einer davon möchte vor allem eine alte Rechnung mit dem Bürgermeister begleichen. Die Ballade von Buster Scruggs (2018) - Coen Brothers Darsteller: Ungefähr eine halbe Million Leute, die bekanntesten davon: James Franco, Brendan Gleeson, Liam Neeson, Tyne Daly, Tom Waits, Clancy Brown Eine schwarzkomödiantische Westernanthologie aus 6 Kurzfilmen. Der titelgebende Kurzfilm begleitet den Revolverhelden Buster Scruggs, der in 4th Wallbrechender Weise seine Eindrücke und Gedanken mit dem Zuschauer teilt, auf dem Weg zu seinem unerwartet letzten Duell. Brokeback Mountain (2005) - Ang Lee Darsteller: Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Anna Faris, Anne Hathaway 1963 trifft der schweigsame und emotional in sich zurückgezogene Ennis Del Mar auf den unbeschwerten Jack Twist. Die beiden verdienen sich ihr Geld als Schafhirten und sollen einen Sommer lang eine Herde an den isolierten Hängen des Brokeback Mountain hüten. Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive Beziehung und der Film begleitet die beiden Männer, die sich alle paar Jahre treffen um diesen besonderen Sommer wieder aufleben zu lassen. -------------------- "If you get shot up by an A6M Reisen and your plane splits into pieces - does that mean it's divided by zero?" - xoxSAUERKRAUTxox
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2. May 2026, 23:54 | Beitrag
#3
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Interessante Ergänzungen, danke dafür.
Für mich gehören diese Filme aber eher zu "Variationen" des Genres, während ich mich bewusst auf Western konzentriert habe, die den Kern des Genres definieren und weiterentwickeln. Gerade bei Leone, Eastwood oder auch neueren Filmen wie Hostiles geht es um die Auseinandersetzung mit Mythos, Gewalt und deren Konsequenzen. Brokeback Mountain finde ich ebenfalls stark, sehe ihn aber eher als Drama im Western-Setting – wobei er interessante Aspekte des Genres sichtbar macht, die klassische Western oft nur andeuten. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 00:06 | Beitrag
#4
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Ein interessanter Aspekt im Western: Männlichkeit, Einsamkeit und (versteckte) Nähe.
Der klassische Western zeigt oft Männer in isolierten, extremen Lebenssituationen, wenig soziale Strukturen (kaum Familie, kaum stabile Gemeinschaft), starke emotionale Zurückhaltung. Gefühle werden selten ausgesprochen – stattdessen zeigen sich Bindungen über Loyalität, Schweigen oder Gewalt. Dadurch entstehen Beziehungen, die oft sehr intensiv sind, aber kaum benannt werden. Gerade zwischen Männern gibt es im Western häufig eine Form von Nähe, die nicht offen thematisiert wird, sondern nur indirekt sichtbar ist. Man kann davon ausgehen, dass bei Cowboys durchaus auch eine homoerotische Komponente mitspielt. Über das bzw. übersteigerte Männlichkeit haben wir in diesem Forum auch schon diskutiert. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 04:14 | Beitrag
#5
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Major Beiträge: 5.761 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 26.07.2008 |
Gerade bei Leone, Eastwood oder auch neueren Filmen wie Hostiles geht es um die Auseinandersetzung mit Mythos, Gewalt und deren Konsequenzen. Da passt "Mein Name ist Nobody" ganz gut in deine Maßgabe. Der Film nutzt die zyklische Natur der Gewalt und Selbstjustiz sowohl als Rahmen-, als auch als Haupthandlung. Er beginnt damit, dass der alternde, berühmte Revolverheld Beauregard sich bei einem Barbierversuch zur Wehr setzen muss und endet mit genau der gleichen Szene, diesmal allerdings mit dem Deuteroganisten "Nobody", der Beauregard schließlich in seinem letzten Duel "besiegte". In der Haupthandlung versucht "Nobody" Beauregard auf eine letzte, große Konfrontation mit der "Wilden Horde" zuzusteuern, obwohl dieser sich eigentlich nur in Europa zur Ruhe setzen und seine Vergangenheit hinter sich lassen will. Allerdings steht dem die "Wilde Horde" nicht nur wegen Nobodys Bestrebungen entgegen, da diese Beauregards Bruder ermordeten und, weil sie vermuten, dass Beauregard sich rächen will, diesen bereits im Fadenkreuz haben. Beauregard interessiert das aber eigentlich nicht, denn er möchte nur die Schulden die sein Bruder bei ihm hat eintreiben, damit er sich seinen Ruhestand finanzieren kann. Der Film trägt seinen Ursprung im Kopf von Sergio Leone, trotz seines leicht klamaukigen Überbaus, sehr deutlich zur Schau und ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Film von Sergio Leone aussehen würde, wenn er einen Terence-Hill/Bud Spencer Spagetthiwestern machen würde Und so darüber nachgedacht, würde ich noch nennen: Last Man Standing (1996) - Walter Hill Darsteller: Bruce Willis, Christopher Walken, Bruce Dern Der Großstadtgangster "John Smith" strandet auf seiner Flucht vor seinen Taten in der kleinen Ortschaft Jericho, irgendwo im Südwesten der USA der Prohibitionszeit. Die Ortschaft befindet sich je zur Hälfte in den Händen der italienischen und irischen Mafia und Smith beginnt ein gefährliches Spiel mit beiden Seiten, bei dem es um Geld, Eitelkeiten und, natürlich, eine Frau geht. Der Film ist nominell ein Gangsterfilm, was sich bei genauerem Hinsehen aber als Fassade heraus stellt, denn die Handlung ist ein ganz klassischer Western: Der einsame Revolverheld kommt in eine kleine Ortschaft und räumt dort auf. Der Outlaw ist die einzige Kraft, die mit rauchender Mündung Ordnung ins Chaos bringt. Der Beitrag wurde von Madner Kami bearbeitet: 3. May 2026, 07:22 -------------------- "If you get shot up by an A6M Reisen and your plane splits into pieces - does that mean it's divided by zero?" - xoxSAUERKRAUTxox
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3. May 2026, 09:13 | Beitrag
#6
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
„Mein Name ist Nobody“ sehe ich ähnlich – thematisch passt er durchaus, gerade als Abschied vom klassischen Revolverhelden und mit der Leone-DNA im Hintergrund. Für mich bricht der Film aber durch seinen ironischen und teilweise klamaukigen Ton etwas mit der Linie, die ich in meiner Liste verfolgt habe.
"Last Man Standing" kenne ich natürlich ebenfalls - ein teurer Flopp an der Kinokasse, der dann gewissen Kultcharakter als DVD erlangte. Ist die bekannte Struktur aus "Für eine Handvoll Dollars", die wiederum auf Kurosawas „Yojimbo“ zurückgeht. Also ein klassischer Westernplot in anderem Gewand. Gerade diese Mischung aus Western-DNA und Gangsterfilm verleiht ihm einen eigenen, durchaus reizvollen Charakter und der Film gefällt mir persöhnlich trotz der allgemein miesen Kritik. Für mich bleibt er eher eine Variation des Genres als ein Werk, das den Western inhaltlich weiterführt oder vertieft. Aber genau solche Grenzfälle finde ich aber spannend, weil sie zeigen, wie flexibel das Genre eigentlich ist. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 09:21 | Beitrag
#7
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Oberstleutnant Beiträge: 14.231 ![]() Gruppe: VIP Mitglied seit: 01.10.2005 |
Hmm ich vermisse
-Der Schwarze Falke -Rio Bravo -Die Glorreichen Sieben (1960) |
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3. May 2026, 10:34 | Beitrag
#8
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
"Der Schwarze Falke" (The Searchers) ist fĂĽr mich ohnehin einer der zentralen Western ĂĽberhaupt und deshalb klar gesetzt.
"Rio Bravo" und "Die glorreichen Sieben" sehe ich persönlich etwas anders. Beides sind sehr gute, klassische Western – gerade "Rio Bravo" ist handwerklich extrem stark und "Die glorreichen Sieben" natürlich ikonisch. Beide Filme gehören jedoch nicht zu meinen Lieblingsfilmen, auch wenn sie zu den bekanntesten Western überhaupt gehören. Ich habe meine Auswahl bewusst stärker auf Filme konzentriert, die den Western nicht nur repräsentieren, sondern auch hinterfragen oder weiterentwickeln. Deshalb sind bei mir eher die düsteren, reflektierten oder späten Western vertreten (Unforgiven, Hostiles, McCabe & Mrs. Miller etc.). Das ist weniger eine Wertung gegen die genannten Filme, sondern eher eine Frage der Perspektive und des Geschmacks. Auch wenn der Western heute kaum noch populär ist, war er über Jahrzehnte hinweg eines der erfolgreichsten Filmgenres überhaupt. Vom Beginn der Tonfilmzeit in den 1930er Jahren bis in die 1960er Jahre wurden in Hollywood tausende Western produziert – von einfachen B-Movies bis hin zu grossen Studioproduktionen. Der Western war gewissermassen das "Standardgenre" des amerikanischen Kinos und hat grundlegende Themen behandelt: Ordnung vs. Chaos, Zivilisation vs. Wildnis, Individuum vs. Gesellschaft. Aus dieser enormen Masse ragen immerhin einige Dutzend Filme wirklich heraus, welche ich für sehenswert halte. Man könnte so eine Liste sicher auf 30 Filme erhöhen. Ich muss aber auch sagen, dass ich natürlich nicht alle Western gesehen habe, wenn auch viele. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 12:28 | Beitrag
#9
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Feldwebel Beiträge: 300 Gruppe: Members Mitglied seit: 09.01.2023 |
Auch wenn der Western heute kaum noch populär ist, [...] Um nur mal den einen Punkt rauszugreifen: ich glaub schon dass das Genre an sich weiterhin noch recht beliebt ist, sich jedoch vom Kino in die Serien/Streaming-Ecke verschoben, und ein wenig weg vom 1800er-Setting als Neo-Western in die Neuzeit. Serien wie Longmire, Landman, Justified, Outer Range, Hell on Wheels, Billy the Kid und nicht zuletzt das ganze Duttonverse-Universum, mit seinen gefühlt 5751 Yellowstone-Ablegern, sind und waren ja zuletzt immer noch recht populär. |
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3. May 2026, 12:41 | Beitrag
#10
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
The Son und Deadwood wären noch Westernserien.
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3. May 2026, 12:48 | Beitrag
#11
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Generalmajor d.R. Beiträge: 20.759 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 05.06.2002 |
-Die Glorreichen Sieben (1960) Die Glorreichen Sieben ist ein interessantes Beispiel weil es ein Remake von Kurosawas The Seven Samurai ist. Zeigt sehr gut wie austauschbar selbst Genre definierende Setttings sind. -------------------- WHQ Tech- & Managerbubble
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3. May 2026, 19:43 | Beitrag
#12
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Fähnrich Beiträge: 110 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 10.05.2022 |
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3. May 2026, 19:52 | Beitrag
#13
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Das stimmt, gerade "Die glorreichen Sieben" oder auch "Für eine Handvoll Dollars" zeigt sehr schön, wie gut sich grundlegende Erzählmuster übertragen lassen – von Kurosawas "Seven Samurai" in den Western und später in viele andere Genres. Und Western und Samurai-Film sind im Kern zwei Varianten derselben Erzähltradition.
Die Inhalte sind zwar nicht banal, aber bewusst einfach gehalten. Die Handlung ist oft reduziert – ein Konflikt, ein Auftrag, eine Konfrontation – und genau das schafft Raum für Atmosphäre, Landschaft, Figuren und moralische Entscheidungen. Der Western lebt weniger vom Plot als von der Art, wie erzählt wird. Insofern ist die Geschichte austauschbar – aber die Wirkung entsteht durch Inszenierung und Haltung, nicht durch Komplexität der Handlung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen klassischen Western und Italo-Western liegt in der moralischen Zeichnung der Figuren. Im klassischen Western gibt es oft noch eine klare Trennung zwischen Gut und Böse. Der Held steht zumindest grundsätzlich auf der Seite von Ordnung, Recht und Gemeinschaft, auch wenn er persönlich ambivalent sein kann. Im Italo-Western verschiebt sich das deutlich. Die Figuren bewegen sich meist in Grauzonen. Es geht weniger um Gut gegen Böse als um unterschiedliche Interessen, Macht und Überleben. Viele Figuren sind nicht "gut", sondern höchstens weniger skrupellos als andere. Damit wird der Italo-Western insgesamt zynischer und gleichzeitig realistischer – der moralische Kompass ist nicht mehr gegeben, sondern muss vom Zuschauer selbst gefunden werden. Ein typischer, aber besonders harter und zynischer Vertreter des Spaghetti-Westerns, der stärker auf ungewöhnliche Figuren und harte Effekte setzt als auf inhaltliche Tiefe ist Blindman. Ein blinder Revolverheld wird angeheuert, um (nicht Rinder oder Winchester-Gewehre, sondern) eine Gruppe von Frauen sicher durch gefährliches Gebiet zu eskortieren, damit die Frauen am Zielort verkauft werden können. Unterwegs gerät er in Konflikt mit einer brutalen Bande, die die Frauen für sich beansprucht. Blindman gehört eher zu den experimentellen Randbereichen des Genres. Im japanischen Kino gibt es die Figur Zatoichi, ein blinder Masseur und Glücksspieler, der ein extrem gefährlicher Schwertkämpfer ist, aber äusserlich unscheinbar, welche wohl als Vorbild für Blindman gedient hat. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 20:00 | Beitrag
#14
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Ja, im weiteren Sinn kann man die Lederstrumpferzählungen durchaus als Vorläufer oder frühen Vertreter des Westerns sehen. Sie behandeln viele typische Motive des Genres: die Grenzerfahrung zwischen Wildnis und Zivilisation, den Einzelgänger in einer noch unerschlossenen Welt sowie den Konflikt zwischen verschiedenen Kulturen. "Der letzte Mohikaner" von Michael Mann mit Daniel Day-Lewis ist in diesem Zusammenhang auch ein sehr sehenswerter Film, der diese Themen eindrucksvoll umsetzt. Für mich gehört er allerdings eher in eine erweiterte Kategorie und nicht in meine engere Top-12-Westernliste. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 21:16 | Beitrag
#15
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Elder Forenmen Beiträge: 7.828 Gruppe: Ehrenmoderator Mitglied seit: 08.04.2002 |
Ich kann mich an die meisten Filme die ich gesehen habe, kaum erinnern. Daher ist alles, was hängenbleibt irgendwie "prägend" im wahrsten Sinn.
Hängengeblieben aus dem Genre Western ist bei mir noch "Django" von 1966. Die Geschichte war wahrscheinlich ziemlich banal und ging um Rache und Gold und Einfluss in und um nen ziemlich schlammiges Kaff, aber - Typ mit Sattel auf der Schulter zieht Sarg durch die schlammige Landschaft, - Im Sarg ist ein MG, mit dem er in 40 Sekunden Dauerfeuer eine ganze Bande umschießt, - irgendwie kriegt er die Hände kaputtgehauen und schafft es zum Schluss trotzdem noch auf dem Friedhof, die restlichen Wiedersacher umzuschießen. Ich glaub, das war irgendwie gut und ein bisschen absurd. Das MG-Feuer war zumindest unerwartet und absurd lang (was haben wir gelacht). Das Main Theme war auch gut. -------------------- Thou canst not kill that which doth not live. But you can blast it into chunky kibbles.
Limitless are the ways of mankind in its virulent capacities Ironic it may seem, for us a chance exists to see In us also lies the capacity to transcend |
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3. May 2026, 21:23 | Beitrag
#16
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Hauptmann Beiträge: 3.129 ![]() Gruppe: VIP Mitglied seit: 27.07.2007 |
Nehmen wir Serien? Dann würde ich unbedingt noch Justified nennen wollen. Ein US Marshal wird in seine Heimat im ländlichen Kentucky versetzt und wird dort mit seiner Familie und deren Verbindungen in die Kriminalität konfrontiert. Das ganze beruht auf Geschichten von Elmore Leonard mit dem für ihn typischen Protagonisten in Graustufen, einsilbigen Dialogen und Humor. Funktioniert sehr gut als Neo-Western in der Gegenwart.
-------------------- Warning! Unpleasant spoiler: You lost the game!
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3. May 2026, 21:32 | Beitrag
#17
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Elder Forenmen Beiträge: 7.828 Gruppe: Ehrenmoderator Mitglied seit: 08.04.2002 |
War Rambo 5 eigentlich ein Western?
-------------------- Thou canst not kill that which doth not live. But you can blast it into chunky kibbles.
Limitless are the ways of mankind in its virulent capacities Ironic it may seem, for us a chance exists to see In us also lies the capacity to transcend |
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3. May 2026, 21:33 | Beitrag
#18
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Elder Forenmen Beiträge: 10.398 ![]() Gruppe: Ehrenmoderator Mitglied seit: 02.11.2002 |
Wenn wir auch über Serien und Genreflexibilität sprechen, dann werfe ich Serenity mit in den Ring :-D
Und ich erinnere mich an einen Film aus den 80ern, der war auch wie glorreiche Sieben nur im All, aber er fällt mir nicht mehr ein :-D hab ihn gefunden: Sador – Herrscher im Weltraum Kann man wohl nicht ganz ernst nehmen aber ich hatte eine tolle Kindheit Der Beitrag wurde von HGAbaddon bearbeitet: 3. May 2026, 21:40 -------------------- Klagt nicht, trinkt!
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3. May 2026, 21:51 | Beitrag
#19
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
Ich kann mich an die meisten Filme die ich gesehen habe, kaum erinnern. Daher ist alles, was hängenbleibt irgendwie "prägend" im wahrsten Sinn. Hängengeblieben aus dem Genre Western ist bei mir noch "Django" von 1966. (...) Das ist genau ein Punkt beim Western: Durch die enorme Masse an Filmen sind viele schwer voneinander zu unterscheiden – gerade die durchschnittlichen Produktionen. Deshalb macht ein Kanon überhaupt erst Sinn, um die wirklich prägenden Werke herauszufiltern. Bei Django bleibt aber tatsächlich einiges hängen, gerade weil der Film bewusst mit Erwartungen bricht. Die ikonischen Bilder sind stärker als die eigentliche Handlung: Franco Neros Auftritt mit Sarg und schwarzem Cavalry-Hut, die schlammige, trostlose Umgebung, die extreme Gewalt (iirc u.a. nackte Frau am Kreuz) und natürlich das MG, das eher wie ein Fremdkörper wirkt (technisch, von der Zeit etc.). Gerade diese Mischung aus Härte, Stil und leichter Absurdität macht den Film so einprägsam – weniger wegen der Geschichte, sondern wegen seiner Bilder und seines Tons. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 22:09 | Beitrag
#20
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Divisionär Beiträge: 13.980 ![]() Gruppe: Moderator Mitglied seit: 10.09.2003 |
War Rambo 5 eigentlich ein Western? Rambo 5 habe ich damals im Kino gesehen. "Rambo: Last Blood" hat zwar ein paar Western-Anleihen – etwa den zurückgezogenen Einzelgänger auf seiner Ranch oder das Motiv der Verteidigung des eigenen Territoriums –, ist aber kein eigentlicher Western. Dafür fehlt ihm das, was viele grosse Western auszeichnet: eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Gewalt, Moral und deren Konsequenzen und oder und grandiose Landschaftsaufnahmen. Im Vergleich zu Filmen wie Unforgiven oder Hostiles, die Gewalt reflektieren und hinterfragen, setzt Rambo 5 einfach auf Gewaltdarstellung ohne Anspruch auf inhaltliche Tiefe. Stattdessen ist der Film eher ein gewöhnlicher Rache- und Actionfilm mit einigen Western-Versatzstücken. -------------------- WHQ-forum.de - der FlakPz Gepard unter den Foren für Militär und Sicherheitspolitik!
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3. May 2026, 23:18 | Beitrag
#21
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Major Beiträge: 5.761 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 26.07.2008 |
War Rambo 5 eigentlich ein Western? Rambo 5 habe ich damals im Kino gesehen. "Rambo: Last Blood" hat zwar ein paar Western-Anleihen – etwa den zurückgezogenen Einzelgänger auf seiner Ranch oder das Motiv der Verteidigung des eigenen Territoriums –, ist aber kein eigentlicher Western. Rambo 5 ist vor allem Stallones Offenbarungseid. Genau wie Rambo 3 ist der Film ein unreflektierter politischer Kommentar, nimmt dankbar sämtliche zeitgenössischen Klischees an und feiert das, was er tut und zeigt. Anders als Rambo 3, funktioniert Last Blood aber noch nicht mal als überzogener Actionkracher und was bleibt ist ein "Castle-Doctrine"-feiernder, latinohassender MAGA-Fanfilm. Der Beitrag wurde von Madner Kami bearbeitet: 3. May 2026, 23:20 -------------------- "If you get shot up by an A6M Reisen and your plane splits into pieces - does that mean it's divided by zero?" - xoxSAUERKRAUTxox
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8. May 2026, 10:47 | Beitrag
#22
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Hauptmann Beiträge: 2.741 ![]() Gruppe: Members Mitglied seit: 09.01.2004 |
Wenn wir auch �ber Serien und Genreflexibilit�t sprechen, dann werfe ich Serenity mit in den Ring :-D Das wäre auch meine Antwort, die Ästhetik ist bei Firefly/Serenity ja auch sehr bewusst auf Western ausgelegt. Eine kleine, nicht immer gesetzestreue Crew an der Frontier, Industriebarone, eine expandierende Zentralregierung, kleine Städte, Saloonstreitigkeiten und Gangs. Im gleichen Atemzug würde ich auch wenigstens Staffel 1 von The Mandalorian ins Spiel bringen, auch das ist ein Weltraumwestern und der Protagonist passt voll ins von Glorfindel skizzierte Bild. -------------------- |
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| Vereinfachte Darstellung | Aktuelles Datum: 16. May 2026 - 11:33 |