ZITAT
Jetzt stellt sich mir die Frage, was intensives zerlegen und zusammensetzen eines G36 bedeutet! Wenn ich dann auch noch lese, dass beim MG zwar das zerlegen und zusammensetzen aber nicht der scharfe Schuss geübt wird, kommt mir das blanke Entsetzen.
Da ich auch schon oft davon gehört habe, dass in vielen ausbildenden Einheiten ein Mangel an Ausbildern vorherscht, wird mein Entsetzen auch noch größer. Vor allem, bei nem 100.000-Mann-Heer!
Ohne jetzt auf "früher war alles besser" zu machen mal ein paar Fakten :
Am Beispiel der Ausbildung bei meinem Eintritt 0.10.1979
Dies war der erste Duchgang für GWDL 15 Monate.
Ziel = der feldverwendungsfähige Soldat.
3 Monate AGA -> Auschließlich grüne Themen
3 Monate SGA -> Ausbildung am Panzer vorl. RS-ATN / MKF Führerschein
9 Monate -> Ausbildung in der Einsatzkompanie
Monat 1 - 3 Geräte- & Gefechtsausbildung & RS-ATN
Monat 4 - 6 Besatzungs / Zugausbildung
Monat 7 - 9 Zug / Kompanieausbildung
In der Regel hat jeder auf seinem Platz mit seinem Gerät mindestens alle Übungen zum Erlangen der Einsatzreife geschoßen.
Grp / Zg - Gefechtsschießen. Mit viel Glück und Shilo auch Kp- Gefechtsschießen.
Ebenfalls inbegriffen : freilaufende Übungen im in der Regel unbekannten Gelände. Immer wieder geil was da alles gelaufen ist. Mehrere Übungsplatzaufenthalte je nach Statonierungsort im Norden oder Süden der Republik.
Damals bestand noch die Change einen Wehrpflichtigen das Handwerkzeug halbwegs vernünftig beizubringen.
Auch hatten wir im Bereich der Kdt vom OG / HG über den jungen Uffz / Stuffz bis zum
Ausnahmefall Fw / OFw und ZgFhr OFw / HFw / Lt / Olt.
Zu meiner Zeit hatte jeder Soldat seine pers. Waffe mit er er auch schoß und deren Haltepunkt er jederzeit kennen mußte.
Das war z. B. nur ein Hobby unseres Kdr`s. War diese defekt, wurde sie schnellsten repariert und wieder benutzt.
Der Rest ist Geschichte. Reduzierung sowohl der Anzahl Soldaten, als auch der Dauer des Wehrdienstes.
In der Praxis bedeutet dies, das Abstriche sowohl an der Qualität der Ausbildung als auch an der Quantität gemacht werden mußten, mit dem hier diskutierten Ergebnis. Das sich dies auch an dem Gerätschaften der Soldaten zeigt ist nur die konsequente Logik aus dieser Entwicklung und zeichnete sich zu meinem Ausscheiden als OFw 1991 bereits ab.
Bei verschiedenen Wehrübungen die ich in der zwischenzeit geleistet habe, mußte ich die Feststellung machen das es bedingt durch die gesunkenen zeitl. Vorgaben zu erschreckenden Ausbildungsdefizten bezogen auf "unsere" Ausbildung kommt.
MG-Schützen die sich beim Zerlegen des MG selbst verletzen sind da noch die harmlose Variante, früher hieß das Lernen durch Schmerzen. Viel schlimmer finde ich persönlich jedoch die geänderte Ausbildung im Bereich der Unteroffiziere / Feldwebel. Attraktivitätssteigerung durch Dienstgradinflation ist zwar ein Weg, doch meiner Meinung nach nur dann wenn die Qualität der Ausbildung erhalten bleibt. Die ist leider nicht der Fall, denn der junge Unteroffizier ist heute ja nicht mehr der Gruppenführer, sondern der Fw. Doch woher lernt er dies, ohne jemals praktische Erfahrung zu sammeln?
Der Grundwehrdienst heute beinhaltet nur noch die absolut notwendigen Basisfertigkeiten. Der Rest soll dann wohl im scharfen Einsatz, so er denn mal kommt gelernt werden....
Und btw.
Das Lösen des Verschlußes beim MG mit etwas Gewalt ist bei dieser "Präzisionswaffe" nicht das Problem
Schlimmer ist wenn der Schütze einen Federbruch im Verschluß nicht bemerkt. Sofern er überhaupt weiß das es eine solche gibt.