Hilfe - Suche - Mitglieder - Kalender
Vollansicht: Ölkatrastophe im mexikanischen Golf
WHQ Forum > Allgemein > Allgemeines Forum
LeoOffz
Die Versuche von BP das defekte Bohrloch im mexikanischen Golf dichtzubekommen werden wohl noch bis August dauern (wenn nicht noch einige Hurricanes dazwischenkommen) wenn eine neue Bohrung den Boden der alten erreicht und mit Zement abdichtet.

Im Moment schießen fast 3 Millionen Liter Rohöl plus eine Menge Methan pro Tag aus dem Loch. Der durch Schlamperei und Regelverstösse verursachte Schaden wird für BP so um die 20 Milliarden Dollar betragen und die Fischerei an der U.S. Südküste wird man für einige Zeit vergessen können.

Derzeit versucht man wieder mal eine Haube über den defekten Bohrungsabschlusskopf (Blow Out Preventer, BOP) zu bekommen. Dazu hat man heute die zusammengebrochen Steigleitung dort abgeschnitten. Unterwasserfahrzeuge bereinigen jetzt die Schnittstelle. In den nächsten Tagen wird dann das Häubchen aufgesetzt und -hoffentlich- zumindest ein Teil des austretenden Öls abgefangen.

BP hat neben drei Bohrinseln und etliches Hilfsschiffen auch sechs Schiffe mit jeweils zwei ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen dort am arbeiten.

Die von den Kameras der jeweils eingesetzten Unterwasserfahrzeugen erstellten Bilder kann man live anschauen. Die Bilder aller Kameras auf einem Blick gibt es hier.

Links zu den einzelnen Kameras hier.

Informationen von BP Seite hier.

Unabhängigen Sachverstand gibt es im Gruppenblog The Oil Drum wo tatsächliche erfahrene Experten, Bohringenieure und Professoren aus dem Gebiet, sowie auch einige Amateure die Sache minütlich verfolgen und diskutieren.
Xizor
Ich bin ja doch gespannt, ob nicht doch nochmal der Russische Vorschlag mit der taktischen Kernwaffe aufs Parkett kommt.
Almeran
ZITAT(Xizor @ 3. Jun 2010, 22:05) *
Ich bin ja doch gespannt, ob nicht doch nochmal der Russische Vorschlag mit der taktischen Kernwaffe aufs Parkett kommt.

Um dann per Golfstrom die Küsten Europas zu verseuchen? Viel Spaß.
Die Russen haben das damals an Land gemacht.
DJ Döner
Sehr interessant dazu ist dieses Video hier.... oder anders ausgedrückt: Wie blöd sind die eigentlich da? mata.gif
http://www.youtube.com/watch?v=GHmhxpQEGPo...player_embedded
kato
@Almeran: Der Loop Current, der den Golfstrom speist, biegt deutlich vor der Austrittsstelle um. Sonst wär auch längst ein Ölteppich aufm Weg zur Ostküste und nach Europa.
mr.trigger
Wieso müsste es eigentlich gleich eine Nuklearwaffe sein, würde es etwas in der Größenordnung GBU-43 nicht auch tun?
Xizor
ZITAT(Almeran @ 3. Jun 2010, 23:21) *
Um dann per Golfstrom die Küsten Europas zu verseuchen? Viel Spaß.


So stark wie das Zeug verdünnt wird? Ich bezweifle dass es überhaupt eine messbare Erhöhung des radioaktiven Materials im Wasser geben wird.


ZITAT(mr.trigger @ 4. Jun 2010, 03:07) *
Wieso müsste es eigentlich gleich eine Nuklearwaffe sein, würde es etwas in der Größenordnung GBU-43 nicht auch tun?


Wenn so "wenig" reichen würde hätte man es längst versucht oder zumindest ins Gespräch gebracht.
Ivy Mike
Was will man denn da mit ner Atomwaffe?
ewood223
Wie dick ist denn eigentlich so der Boden über dem Erdölvorkommen?

Ich hoffe wirklich, die Amis kriegen das langsam in den Griff. Und noch vielmehr, daß das mal irgendwas im Amerikanischen Umweltbewußtsein bewegen wird.
sdw
ZITAT(kato @ 4. Jun 2010, 02:08) *
@Almeran: Der Loop Current, der den Golfstrom speist, biegt deutlich vor der Austrittsstelle um. Sonst wär auch längst ein Ölteppich aufm Weg zur Ostküste und nach Europa.


Da liegst du wohl leider nicht ganz richtig:



http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0...,698722,00.html
LeoOffz
Zu dem Einsatz einer Nuklearsprengung um die Quelle zu stopfen.

Die Idee ist in den USA von etlichen Amateurern diskutiert worden und wurde sowohl von den Ölleuten, dem Militär und der Regierung zurückgewiesen.

Die Bohrung beginnt am Boden des Golf in 1500 Meter Tiefe und ist 3000 Meter tief im Grund. Das Öl/Gasgemisch kommt mit erheblichem Überdruck raus. Geologisch sind die 3000 Meter ziemlich durchwachsenes Zeug. Dirkt am Golfboden ist eine 300 Meter dicke wabbelige Puddingmasse. Wenn man die wegsprengt (und damit auch den abgeschotteten Bohrschacht vernichtet kommt das Öl einfach weiter raus nur an undefinierter Stelle und ohne jede Kontrollmöglichkeit. Unter der Wabbelschicht ist das Gestein teils brüchig und hat während der Bohrung erhebliche Probleme bereitet. So sind einige hunderte Tonnen Bohrschlamm während der Bohrung irgendwo in diesem Gestein "versickert". Wenn man also etwas unter dem Wackelpundig sprengt dann kann das Öl in die brüchige Schicht einsickern und wird irgendwo anders im Golf einen Weg nach oben finden. Erst tief im Bohrloch scheint das Gestein stabiler zu sein und die Öl/Gasblase in ihrem Reservoir zu halten. Wenn man bis dahin bohren will um zu sprengen dann dauert das drei+ Monate. Dann kann man auch gleich die jetzt bereits halbfertige Entlastungsbohrung weitermachen lassen und damit den jetzigen Bohrstrang tief unten anbohren und dann mit Zement verfüllen. Damit ist man auf der sicheren Seite.

Wie man übrigens auf den Bildern heute sehen kann hat die Idee mit dem "Häubchen" nicht so gut geklappt. Der BlowOutPreventer, also das Oberteil des Bohrlochs, ist wohl am Abschlussrohr wo man angesetzt hat verbogen sodas die Haube nicht sitzt und das Öl vorbeiströmt. Man hat andere dichter schliessende Hauben bereit aber zu dicht dürfen die auch nicht sein da der BOP inzwischen so instabil ist das man befürchtet durch eine zu dichte Haube den Druck im BOP so zu erhöhen das einem dieser um die Ohren fliegt und die Quelle dann völlig frei fließt.

Da ist vieles schiefgegangen bei BP und geht immer noch schief. Eventuell heisst der Laden nächstes Jahr Shell ...
LeoOffz
Nuke Kim Yong Oil! (video, 3min, Englisch)
LeoOffz
Nochmals ein Update (hoffentlich interessiert es jemanden).

Die Haube auf der Quelle sitzt immer noch schlecht aber BP holt darüber jetzt pro Tag knapp 15.000 Barrel (1 barrel = 117 Liter) Öl pro Tag hoch (plus jede Menge Gas das abgefackelt wird.)

Das hört sich erstmal gut an aber BP hat ein dickes Problem damit.

Die Strafzahlungen die BP leisten muss hängen von der Menge Öl ab die ins Meer läuft. Am Anfang der Geschichte hat BP deshalb gelogen und behauptet das pro Tag nur 5.000 Barrel aus der Quelle kommen. Nachdem die Regierung BP gezwungen hat die Livebilder öffentlich freizugben haben unabhängige Experten hingeguckt und die Quelle auf 15.000-20.000 Barrel pro Tag (einige sehr viel höher) geschätzt. Dann hat BP die geknickte Steigleitung (riser) abgeschnitten um das Häubchen aufsetzen zu können. BP hatte geschätzt das sich ohne den Knick der Ausstrom der Quelle um 20% erhöhen könnte.

Nun aber ist das Häubchen drauf und es werden darüber 15.000 Barrel abgeführt. (Mehr kann derzeit nicht herausgeholt werden, da das BP Schiff nicht mehr als 15.000 Barrel pro Tag verarbeiten kann, man ein zusätzliches Schiff zu spät angefordert hat und dieses erst jetzt aus der Nordsee herbeituckert.)

Die Videobilder vom Golfgrund haben sich aber nicht wesentlich verändert, das heisst es treten weiterhin sehr große Mengen Öl frei ins Meer aus. Insgesamt hat man also die Ergiebigkeit der havarierten Quelle weit unterschätzt und BP sieht sich nun heftigstem öffentlichen Druck ausgesetzt. (Die Geier der Wall Street kreisen auch schon.)

(Die Zahlen in dem folgenden Artikel sind von gestern)

Rate of Oil Leak, Still Not Clear, Puts Doubt on BP
ZITAT
On Monday, BP said a cap was capturing 11,000 barrels of oil a day from the well. The official government estimate of the flow rate is 12,000 to 19,000 barrels a day, which means the new device should be capturing the bulk of the oil.

But is it?
...
The immense undersea gusher of oil and gas, seen on live video feed, looks as big as it did last week, or bigger, before the company sliced through the pipe known as a riser to install its new collection device.

At least one expert, Ira Leifer, who is part of a government team charged with estimating the flow rate, is convinced that the operation has made the leak worse, perhaps far worse than the 20 percent increase that government officials warned might occur when the riser was cut.

Dr. Leifer said in an interview on Monday that judging from the video, cutting the pipe might have led to a several-fold increase in the flow rate from the well.

“The well pipe clearly is fluxing way more than it did before,” said Dr. Leifer, a researcher at the University of California, Santa Barbara. “By way more, I don’t mean 20 percent, I mean multiple factors.”
...


Tja, böser Fehler ...

---

BP wird am Ende vor Gericht natürlich versuchen jegliche Haftung für die gesamte Katastrophe auf andere, z.B. Subunternehmer, abzuwälzen. Wenn das passiert wird sicherlich einer der Anwälte der Gegenseite dieses Bild hochhalten und die Geschworenen werden den Hinweis sicher verstehen:



Vor Gericht werden auch Videos der Auswirkungen der Katastrophe gezeigt werden: No Comment
LeoOffz
Video von einem Rundflug über der Havariestelle. Langsam wird es da so richtig voll und man hat Angst das Schiffe kollidieren könnten.

Die geschätzte Ausflußquote hat man gerade wieder erhöht auf 35.000 bis 60.000 Barrel pro Tag. Kein Wunder das BP langsam Finanzprobleme bekommt ...


Pilgrim
Ich hab mal eine Frage zum Threadtitel;

Heißt das nicht "Golf von Mexico" und nicht "mexikanischer Golf"?
Arado-234
Probleme auf dem Golfplatz....
Aktuell scheint es ja so auszusehen dass die Hauptleckstelle weitgehend abgedichtet ist, der gemessene Druck aber angeblich zu gering ist. Deshalb vermuten die BP'issten dass es noch andere Austrittsöffnungen gibt.
Wenn dann noch eine Idee mittels "großer Bombe" ins Spiel gebracht wird muss einem doch übel werden. Dabei ist ein hausgemachter Tsunami für Anfänger noch das kleinere Übel.

Aber wird nicht "nebenan" auch noch Gas gefördert ? Da würde eine Erdbewegung von solch großem Maße noch fehlen und der ganze Deckel kommt hoch.

Ich frage mich nur, weshalb die ganzen Gläubiger nicht schon ihr Geld aus dem BP Laden abgezogen haben, die BP's sind doch jetzt schon so gut wie tot.

Andre71
ZITAT(Arado-234 @ 25. Jul 2010, 12:09) *
Probleme auf dem Golfplatz....
Aktuell scheint es ja so auszusehen dass die Hauptleckstelle weitgehend abgedichtet ist, der gemessene Druck aber angeblich zu gering ist. Deshalb vermuten die BP'issten dass es noch andere Austrittsöffnungen gibt.
Wenn dann noch eine Idee mittels "großer Bombe" ins Spiel gebracht wird muss einem doch übel werden. Dabei ist ein hausgemachter Tsunami für Anfänger noch das kleinere Übel.

Aber wird nicht "nebenan" auch noch Gas gefördert ? Da würde eine Erdbewegung von solch großem Maße noch fehlen und der ganze Deckel kommt hoch.

Ich frage mich nur, weshalb die ganzen Gläubiger nicht schon ihr Geld aus dem BP Laden abgezogen haben, die BP's sind doch jetzt schon so gut wie tot.



Ich habe gerade erst für 180.000€ Apple Aktien verauft um BP zu kaufen der aktien preis ist genial niedrig im moment und dich chance riesig das BP die ganze sache mindesten genauso gut herauskommt,
wie exxon mobil damals nach dem exxon valdez missgeschick.
Dieses ist eine vereinfachte Darstellung unseres Foreninhaltes. Um die detaillierte Vollansicht mit Formatierung und Bildern zu betrachten, bitte hier klicken.
Invision Power Board © 2001-2014 Invision Power Services, Inc.