Gerade "geklaut"...
Robert
Robert ist Wehrpflichtiger. Robert verschläft und kommt verspätet zum
Dienst.
1973:
Sein Spieß befiehlt ihn zu sich. Er lässt ihn stillstehen und belehrt ihn mit lauter Stimme über seine Pflichten. Robert muss einen GvD-Zusatzdienst leisten. Seine Kameraden feixen.
Robert leistet den GvD-Dienst. Zukünftig ist er pünktlich, um vor seinen
Kameraden besser dazustehen. Den "Anschiss" vom Spieß möchte er nicht
nochmal hören.
Nach Ende der Wehrdienstzeit ist sein späterer Arbeitgeber über die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit von Robert beeindruckt. Er bekommt eine Vertrauensstellung und eine Gehaltserhöhung. Robert erzählt allen, dass er in seiner Bundeswehrzeit viel Gutes gelernt hat.
2011:
Sein Spieß meldet den Sachverhalt an den Kompaniechef. Dieser informiert
die Vertrauensperson, die Gleichstellungsbeauftragte, den Militärpfarrer
und den Sozialdienst. Die Meldung eines BV unmittelbar an den BM wird
geprüft. Die Vorgesetzten werden wegen möglicher Verfehlungen vernommen.
Der Spieß wird zu seinem Schutz abberufen, weil er möglicherweise seine
Dienstpflichten verletzt hat. Die Dienstpläne der letzten zehn Jahre werden
überprüft. Der Divisionskommandeur lässt die Notwendigkeit eines
pünktlichen Dienstbeginns im Friedensbetrieb untersuchen. Eine SOWI-Studie
wird veranlasst. Eine Befragung durch den dienstaufsichtsführenden
Inspekteur scheitert, weil Robert an diesem Tag wieder zu spät kommt. Der
Bataillonskommandeur wird versetzt. Der Kompaniechef wird nicht
Berufssoldat. Der Spieß wird mit Depressionssymptomen in die FU 7 (Abteilung Psychologie)eingewiesen. Der Verteidigungsausschuss befasst sich mit der Angelegenheit. Die Untersuchung ist noch immer nicht abgeschlossen.
Robert hat mittlerweile seine Wehrpflicht absolviert und ist entlassen.
Die Bild-Zeitung berichtet über Führungsschwächen in der Bundeswehr.
Robert meint, verschlafen ist doch nicht schlimm. Er verschläft auch mehrfach bei seinem neuen Arbeitgeber. Dieser entlässt ihn daraufhin.
Robert ist heute HARTZ IV-Empfänger. Robert erzählt allen, die Bundeswehr wäre schuld daran.
(Hinweis: Die Geschichte ist rein fiktiv, ohne Bezug zur Wirklichkeit. Name
ist frei erfunden. Die Übereinstimmung mit realen Personen und Funktionen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt. Die Personalvertretungen wurden nicht beteiligt. Der Autor distanziert sich vorab von seinen Äußerungen. Ich beantrage bereits jetzt die Beteiligung meiner Vertrauensperson.)