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Seydlitz
Nachdem das Ergebnis ja nun feststeht, denke ich das es vielleicht doch die ein oder andere Meinung zu diesem Thema geben könnte.

Der Wahlausgang ist ja doch etwas überraschend, zuletzt sahen viele ja die Fürsprecher für einen EU Verbleib vorne.
Neben der Frage, ob denn das Referendum in 2 Jahren auch wirklich so umgesetzt wird wie heute abgestimmt wurde, dürfte es weitere Fragen zu Nordirland und Schottland geben. Beide Länder haben Mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt.
ZITAT
Während Nordirland und Schottland mit sehr großer Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union stimmten, entschieden die Wähler in England und Wales sich in den meisten Regionen klar für den Brexit. Eine Ausnahme bildete wie erwartet die Hauptstadt London. Dort stimmten 60 Prozent der Wähler für den Verbleib.Die Wahlbeteiligung lag bei hohen 72,2 Prozent.


wahlergebnisse
zeit.de > Diese Nacht verändert Europa
Seydlitz
Erste Konsequenzen:
ZITAT
Cameron tritt nach Brexit-Votum zurück - Aktienmärkte im freien Fall
Der britische Premierminister David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. Er zog damit am Freitag die Konsequenzen aus seiner Niederlage beim EU-Referendum für einen Brexit.

Er werde noch drei Monate im Amt bleiben, sagte Cameron am Freitag. Austrittsverhandlungen mit der EU sollten anschließend mit einem neuen Premierminister beginnen. "Das Land braucht eine neue Führung", sagte der konservative Politiker.

welt
Warhammer
Dann kommt jetzt bestimmt Boris zum Zug.
Den halte ich für schwierig.
Schwabo Elite
Das Vereinigte Königreich wählt en EU-Austritt. Premier Cameron kündigt seinen Rücktritt für die absehbare Zukunft an. Er will aber zunächst noch für Stabilität im Lande sorgen.

http://www.theguardian.com/politics/live/2...brain-in-europe
http://www.theguardian.com/politics/2016/j...uropean-tragedy
Turtlegrim
Aufgrund der proeuropäischen Haltung Schottlands denken die wohl jetzt Ihrerseits über ein Referendum nach, da sie den Kurs so wohl nicht mitgehen wollen.
Das Ergebnis zu dem Brexit ist anscheinend relativ deutlich für einen Verbleib in der EU ausgefallen.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/...zerbrechen.html

Sollte das wirklich so passieren kann man mal gespannt sein wie die Auswirkungen (zusätzlich zu denen die jetzt primär erstmal kommen) sich auf Gesamt GB und dessen Struktur auswirken.
schießmuskel
Der Rücktritt Camerons ist berechtigt, er war es der aus innenpolitischem Kalkül den starken Mann vor Europa markiert hat und einen new Deal gefordert hat. Er war es der Anti europäischen Tendenzen Nachgegeben und sogar gestützt hat. Mit dem Referendum hat er sich jetzt selbst beerdigt. Schade, man hätte das EU Referendum vor dem Schottland Referendum durchführen sollen, dann hätten sich die Schotten verabschiedet.

Eigentlich Schade, ich weiß, dass die Eu ein rieseiger bürokratischer Krake ist, aber die Grundidee Europa zu vereinigen und in 2-3 Generationen mal einen gemeinsamen Bundestaat zu haben wäre großartig. Mit solchen Entwicklungen wird da nichts draus und in jedem Land gibt es Faranges die jetzt mächtig Wind in den Segeln haben.
Glorfindel
ZITAT(schießmuskel @ 24. Jun 2016, 10:47) *
Der Rücktritt Camerons ist berechtigt, er war es der aus innenpolitischem Kalkül den starken Mann vor Europa markiert hat und einen new Deal gefordert hat. Er war es der Anti europäischen Tendenzen Nachgegeben und sogar gestützt hat. Mit dem Referendum hat er sich jetzt selbst beerdigt. Schade, man hätte das EU Referendum vor dem Schottland Referendum durchführen sollen, dann hätten sich die Schotten verabschiedet.
(...)

Völliger Blödsinn. Man sollte jetzt zuerst einmal klaren Kopf behalten und nicht von einer unüberlegten Entscheidung die nächste Treffen. Ein Auseinanderbrechen von bestehenden europäischen Staaten ist wesentlich gefährlicher als der Austritt Grossbritanniens aus der EU. Wenn man das überlegt durchführt, wird es schon irgendwie gehen.
Madner Kami
Nordirland ist historisch und politisch zu nahe mit London verbandelt, als dass der EU-Austritt Großbritanniens eine Loslösung begründen würde. Bei Schottland sieht das allerdings anders aus, denn dieser Teil das Landes definiert zu einem nennenswerten Teil sich über den historischen und teils auch politischen Gegensatz. Über kurz oder lang, wird das zu einer Loslösug führen, auch weil Schottland als wirtschaftsschwaches Land mehr von der EU bekommt, als für die EU tun muss (anders als England zum Beispiel).

Witzig finde ich jetzt, wie andere EU-Teile plötzlich über einen Austritt diskutieren. Insbesondere Schweden schmeißt dem Fass die Krone ins Gesicht. Wenn die dortigen Nationalisten anfangen, die verfehlte EU-Immigrationspolitik als Begründung herzunehmen, dann beweist das den kompletten Perspektiv- und Realitätsverlust der politischen Rechten wie kaum etwa anderes.
400plus
Schottland hat zu mehr als 60% fuer die EU gestimmt, da wird sich die Frage nach der Unabhaengigkeit jetzt sicher wieder stellen. Nordirland duerfte haarig werden- mehrheitlich fuer die EU gestimmt, und ich glaube die Stimme ging auch oft entlang der Unionisten-Republikaner-Grenze. Cameron ist schon quasi weg, und Corbyn muss eigentlich auch weg, seine Pro-EU-Kampagne kam mir immer sehr halbherzig vor.

Insgesamt macht mir weniger der Brexit an sich Sorgen, als, dass die "Leave"-Kampagne gewonnen hat. Das war ein geradezu Trumpscher Wahlkampf, mit krassen Luegen (z.B. dass die Tuerkei kurz vorm EU-Beitritt stehe), einem gewissen Anti-Intellektualismus ("This country has had enough of experts"), und dem Verweis auf ein mythisches Britannien, das man unbedingt wieder "great" machen muesse. Ich hoffe, das ist kein Vorzeichen fuer November.

Ueberraschend fuer GB auch, wie krass die Buchmacher daneben lagen: Gestern gab es teilweise 1:10 odds fuer Brexit...
Glorfindel
ZITAT
Bei Schottland sieht das allerdings anders aus, denn dieser Teil das Landes definiert zu einem nennenswerten Teil sich über den historischen und teils auch politischen Gegensatz.

Der historische und politische Gegensatz ist allerdings sowohl was Irland betrifft wie auch Schottland zum Teil herbeifabuliert. Im Übrigen kann es kaum Ziel der EU sein, dass europäische Staaten wegen dieser Frage auseinander brechen.
ede144
ZITAT(Madner Kami @ 24. Jun 2016, 11:53) *
Nordirland ist historisch und politisch zu nahe mit London verbandelt, als dass der EU-Austritt Großbritanniens eine Loslösung begründen würde. Bei Schottland sieht das allerdings anders aus, denn dieser Teil das Landes definiert zu einem nennenswerten Teil sich über den historischen und teils auch politischen Gegensatz. Über kurz oder lang, wird das zu einer Loslösug führen, auch weil Schottland als wirtschaftsschwaches Land mehr von der EU bekommt, als für die EU tun muss (anders als England zum Beispiel).

Witzig finde ich jetzt, wie andere EU-Teile plötzlich über einen Austritt diskutieren. Insbesondere Schweden schmeißt dem Fass die Krone ins Gesicht. Wenn die dortigen Nationalisten anfangen, die verfehlte EU-Immigrationspolitik als Begründung herzunehmen, dann beweist das den kompletten Perspektiv- und Realitätsverlust der politischen Rechten wie kaum etwa anderes.


Den größten Fehler, den die EU jetzt machen könnte, ist Schottland zu ermutigen sich von Großbritannien zu lösen. Damit macht man ein Fass auf, das in Brüssel und Madrid einigen Leuten schwer auf die Füße fallen könnte. Großbritannien jetzt schnell und schmerzlos austreten lassen und dann langsam Assozierungsabkommen verhandeln damit man irgendwann mal einen Status ähnlich der Schweiz erlangt.

Intern muss man sich überlegen, wie die Strukturen verändert werden müssen. Aber klar muß auch sein, das man nicht die Hand schlägt, die einen füttert. Vielleicht sollte Olaf mal den Fokus auf die besonders lauten Schreier legen.
400plus
Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass die Schotten da grosse Ermutigungen brauchen: http://www.telegraph.co.uk/news/2016/06/24...u-and-sinn-fei/

PS: Wirklich unnoetig, ist dass Spanien zuendelt: Spain proposes 'shared sovereignty' over Gibraltar after Brexit vote

@ ede: Wer ist Olaf confused.gif
Turtlegrim
Ich denke aber mal auch das alles im Moment eher einer spontanen Reaktion auf den Schock entspringt.
Wenn man den erstmal verdaut hat, und die Staatschefs wieder klar denken können, dann wird man sich auch wieder mit vernünftigen Lösungen beschäftigen.

Ich gehe ähnlich wie 400plus davon aus, das die Auswirkungen des Austritts nicht so dramatisch werden wie sie im Moment gehandelt werden.
warten wir die nächsten Tage ab wenn sich alles ein wenig runtergekocht hat.
schießmuskel
ZITAT(Glorfindel @ 24. Jun 2016, 11:52) *
ZITAT(schießmuskel @ 24. Jun 2016, 10:47) *
Der Rücktritt Camerons ist berechtigt, er war es der aus innenpolitischem Kalkül den starken Mann vor Europa markiert hat und einen new Deal gefordert hat. Er war es der Anti europäischen Tendenzen Nachgegeben und sogar gestützt hat. Mit dem Referendum hat er sich jetzt selbst beerdigt. Schade, man hätte das EU Referendum vor dem Schottland Referendum durchführen sollen, dann hätten sich die Schotten verabschiedet.
(...)

Völliger Blödsinn. Man sollte jetzt zuerst einmal klaren Kopf behalten und nicht von einer unüberlegten Entscheidung die nächste Treffen. Ein Auseinanderbrechen von bestehenden europäischen Staaten ist wesentlich gefährlicher als der Austritt Grossbritanniens aus der EU. Wenn man das überlegt durchführt, wird es schon irgendwie gehen.


Was meinst du, habe ich irgendwas von dem gesagt was du da schreibst. Ich sagte den Brexit hat Cameron mit iniziiert und das der Brexit allen Eu Gegener Aufwind gibt. Was daran jetzt "völliger Blödsinn" sein soll weiß ich nicht. Aber Hauptsache erst mal einen pejorativen Einstieg gegenüber einem anderen Diskussionsteilnehmer machen. xyxthumbs.gif
Schwabo Elite
ZITAT(Glorfindel @ 24. Jun 2016, 12:08) *
ZITAT
Bei Schottland sieht das allerdings anders aus, denn dieser Teil das Landes definiert zu einem nennenswerten Teil sich über den historischen und teils auch politischen Gegensatz.

Der historische und politische Gegensatz ist allerdings sowohl was Irland betrifft wie auch Schottland zum Teil herbeifabuliert. Im Übrigen kann es kaum Ziel der EU sein, dass europäische Staaten wegen dieser Frage auseinander brechen.


Nein, kann es nicht. Die EU wird da auch sicher die Füße still halten. Aber wenn Schottland aus dem UK austreten sollte, mit dem deutlichen Willen der EU beizutreten, wäre es auch fatal von der EU Ablehnung zu signalisieren. Sollte ein weiteres Referendum kommen in Schottland, würde das noch heikler werden für die EU. Und für die Beziehungen des UK zur EU. Ich zöge daher ein zweites Referendum (wenn überhaupt) nach der "Scheidung" vor. Keine Schnellschüsse.

Für Nordirland gilt im Prinzip Gleiches. Aber die Lage ist noch undeutlicher und vertrakter. In den 70ern fiel das Votum ja mit 98 Prozent für einen Verbleib im UK aus. Allerdings war die Wahlbeteiligung bei 56 Prozent. Viele anti-UKler waren also wohl lieber daheim statt bei einer sicher verlorenen Wahl. Das Problem hierbei war vor allem, dass die Wahl zwischen "Remain in the UK" und "Leave the UK and join the Republic of Ireland" getroffen werden musste. Eine echte Unabhängigkeit war also nicht drin, es wurde de facto über zwei Punkte abgestimmt.

Nun, 40 Jahre danach, hat sich aber Vieles geändert. Es gab eine lange Phase des Friedens, aber zugleich steigt der Nationalismus in Europa wieder an. Davon profitierte zuletzt auch die nordirische Unabhängigkeitsbewegung. Mit all ihren hässlichen Seiten, wie dem Terror.
400plus
Die geographische Verteilung der Stimmen ist schon sehr interessant: http://www.spiegel.de/politik/ausland/brex...-a-1099133.html
Schneeball
ZITAT(Turtlegrim @ 24. Jun 2016, 12:27) *
Ich gehe ähnlich wie 400plus davon aus, das die Auswirkungen des Austritts nicht so dramatisch werden wie sie im Moment gehandelt werden.
warten wir die nächsten Tage ab wenn sich alles ein wenig runtergekocht hat.

Was soll denn schon schlimmes passieren? Das Leben geht weiter und für GB gibt es diverse gangbare Wege. Blöd ist hald, dass jetzt so ein Pausenclown wohl die Führung des Landes übernimmt.. wann sind denn die nächsten Wahlen?


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Wirklich schlimm sind nur diese unsäglichen nationalistischen Tendenzen. Das Projekt EU finde ich im Prinzip eine tolle Sache, wenngleich ich als Schweizer sehr froh bin aktuell nicht dabei zu sein.
400plus
2020. "Dramatisch" ist natuerlich ein weites Wort. Nein, weder die EU noch Grossbritannien wird im Chaos versinken. Aber es besteht doch die nicht so geringe Chance, dass sowohl die EU als auch das UK ihr Gesicht deutlich veraendern. Keine Ahnung ob ein schottischer Austritt jetzt "dramatisch" waere, aber eine weitreichende Veraenderungen waere es wohl schon wink.gif Und auch die EU wird sich ueberlegen muessen, wie sie jetzt weitermacht- Wilders fordert ja schon den "Nexit". Und einen wirtschaftlichen Schaden wird es hoechstwahrscheinlich auch gehen, wobei der wahrscheinlich das UK mehr treffen wird als die EU. Alles in allem sehe ich das Votum schon als einen ziemlichen Schuss in den Fuss an.

Edit: You can't make this shit up facepalmfji3.gif
Schwabo Elite
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06...abstimmung-live

"Schottland sieht seine Zukunft al Teil der EU"

Nicola Sturgeon, Premierministerin Schottlands, will ein zweites Unabhängigkeitsreferendum.
Schwabo Elite
Dazu die BBC mit Text und Video: http://www.bbc.com/news/uk-scotland-scotla...litics-36621030
ede144
ZITAT(400plus @ 24. Jun 2016, 12:15) *
Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass die Schotten da grosse Ermutigungen brauchen: http://www.telegraph.co.uk/news/2016/06/24...u-and-sinn-fei/

PS: Wirklich unnoetig, ist dass Spanien zuendelt: Spain proposes 'shared sovereignty' over Gibraltar after Brexit vote

@ ede: Wer ist Olaf confused.gif


Die Leute die schauen was mit dem Geld so passiert
400plus
Ah, danke.

Ein Misstrauensvotum gegen Corbyn liegt jetzt auch vor.
xena
Auf alle Fälle werden die britischen Parlamentarier jetzt eine Riesen Arbeit haben alle mit EU-Vorgaben basierende Gesetze und Verordnungen zu entflechten und was eigenes daraus zu machen. Und gleichzeitig die Verhandlungen führen mit der EU über die Entflechtung internationaler Verträge, die über die EU gelaufen sind und man so mit im Boot sitzt. Ob die Länder diese in dieser Form dann auch wieder mit UK schließen werden? Interessant wird auch wie die Finanzwelt darauf reagieren wird. Wird es UK schaffen diese in London zu halten oder wandern sie ab? Was wird aus Schottland? Werden die sich in ein paar Jahren tatsächlich abspalten? Was passiert mit den Ölfeldern vor Schottland? Zu wen werden die zugeschanzt? Wenn sie zu Schottland kommen, wären sie sogar mit einem Schlag relativ reich.

Ich fände es nicht so dramatisch, wenn jetzt Polen und Ungarn auch ein Referendum machen würden und dann auch gehen, weil diese Länder eh nur Nettoempfänger waren. Ich war einer so schnellen Osterweiterung immer skeptisch gegenüber gestanden. Allerdings wäre es fatal, wenn Dänemark oder die Niederlande oder gar Schweden gehen würden. Wie auch immer, die EU wird sich verändern. Es gab früher auch so Theorien, dass die EU in Zukunft aus einem harten Kern bestehen wird (quasi die Gründungsmitglieder) und einige assoziierte Länder rundherum. Der harte Kern, der politisch zusammen wachsen will und einige, die nur wirtschaftlich enger angebunden sein wollen. Gut möglich, dass die EU jetzt tatsächlich in diese Richtung gehen wird.

Wie auch immer, UK wird wirtschaftlich abrutschen und bei weitem nie wieder dieses Niveau erreichen, den sie bis jetzt hatten. Vor allem wenn Schottland geht, können sie ihre Großmannssucht total vergessen (was sie eigentlich ja jetzt auch schon konnten). Bin gespannt wie weit die EU den Briten Zugeständnisse gewährt, wie groß der Einfluss der Industrie sein wird, die sich so Konkurrenz vom Hals schaffen will, oder die Lobby der kontinentalen Finanzwelt Einfluss nehmen wird... usw...

Es werden spannende Jahre...
Schneeball
ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 15:11) *
Ich fände es nicht so dramatisch, wenn jetzt Polen und Ungarn auch ein Referendum machen würden und dann auch gehen, weil diese Länder eh nur Nettoempfänger waren. Ich war einer so schnellen Osterweiterung immer skeptisch gegenüber gestanden. Allerdings wäre es fatal, wenn Dänemark oder die Niederlande oder gar Schweden gehen würden. Wie auch immer, die EU wird sich verändern. Es gab früher auch so Theorien, dass die EU in Zukunft aus einem harten Kern bestehen wird (quasi die Gründungsmitglieder) und einige assoziierte Länder rundherum. Der harte Kern, der politisch zusammen wachsen will und einige, die nur wirtschaftlich enger angebunden sein wollen. Gut möglich, dass die EU jetzt tatsächlich in diese Richtung gehen wird.

Die Osterweiterung der EU ging für meinen Geschmack viel zu schnell. Sinnvoll war die mMn nicht und wohl eher politisch motiviert analog der Osterweiterung der NATO.


ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 15:11) *
Wie auch immer, UK wird wirtschaftlich abrutschen und bei weitem nie wieder dieses Niveau erreichen, den sie bis jetzt hatten. Vor allem wenn Schottland geht, können sie ihre Großmannssucht total vergessen (was sie eigentlich ja jetzt auch schon konnten). Bin gespannt wie weit die EU den Briten Zugeständnisse gewährt, wie groß der Einfluss der Industrie sein wird, die sich so Konkurrenz vom Hals schaffen will, oder die Lobby der kontinentalen Finanzwelt Einfluss nehmen wird... usw...

Die Geschäftswelt ist so verflochten, da blickt doch eh niemand mehr durch. Das sehe ich hier ausnahmsweise positiv. Da ja alle irgendwie profitiert haben werden es Industrie und Gewerbe sicher in einer ähnlichen Form weiter führen wollen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, das GB mittelfristig irgendwie gross abrutschen wird.
Alligator
Verflucht sei Cameron, dieser Gorbatschow 2.0! Als ob die EU nicht schon genügend andere Probleme hat... hmpf.gif
xena
Ja, es sind die Geister, die er selbst rief... rofl.gif
400plus
ZITAT(Schneeball @ 24. Jun 2016, 14:21) *
Ich kann mir auch nicht vorstellen, das GB mittelfristig irgendwie gross abrutschen wird.


Wird halt auch darauf ankommen, worauf man sich einigt. Hier werden verschiedene Szenarien in Bezug auf Handelsbarrieren durchgerechnet- bei einem "Schweiz/Norwegen"-Modell kommen sie auf einen Anstieg der Handelskosten um 1.37%, in einem "Das UK als WTO-Land"-Modell auf einen Anstieg von 2.92%. Aber das ist natuerlich der direkte Effekt aufgrund von teuerem/schwierigeren Handel. Insgesamt gehen m.W. die meisten Studien von einem kontrafaktischen Einkommensverlust von 2-8% aus.
Kameratt
ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 15:11) *
Ich fände es nicht so dramatisch, wenn jetzt Polen und Ungarn auch ein Referendum machen würden und dann auch gehen, weil diese Länder eh nur Nettoempfänger waren.

rofl.gif
Madner Kami
ZITAT(400plus @ 24. Jun 2016, 11:53) *
Schottland hat zu mehr als 60% fuer die EU gestimmt, da wird sich die Frage nach der Unabhaengigkeit jetzt sicher wieder stellen. Nordirland duerfte haarig werden- mehrheitlich fuer die EU gestimmt, und ich glaube die Stimme ging auch oft entlang der Unionisten-Republikaner-Grenze. Cameron ist schon quasi weg, und Corbyn muss eigentlich auch weg, seine Pro-EU-Kampagne kam mir immer sehr halbherzig vor.


Und

ZITAT(400plus @ 24. Jun 2016, 13:23) *
Die geographische Verteilung der Stimmen ist schon sehr interessant: http://www.spiegel.de/politik/ausland/brex...-a-1099133.html


Die Statistiken bezüglich wer stimmt für was, ist ohnehin krass. Unterm Strich haben die Alten und die Armen für den Austritt gestimmt und die Jungen und Arbeiter dagegen. Das ist wie bei uns beim durchschnittlichen Wählerpotential der FDP. Diejenigen die nichts mehr zu verlieren haben und diejenigen denen es egal ist, wenn der Karren vor die Wand gefahren wird, solange die Rente noch gezahlt wird in den nächsten zehn Jahren, versauen allen anderen die Chancen, die sich durch die EU ergeben haben und das waren nicht wenige. Gerade die EU-Freizügigkeit ist ein massiver Wirtschaftsfaktor, dessen Bedeutung man kaum unterschätzen kann. Ebenso die Unterstützung von Forschung und Lehre durch die EU und die fallen nun alle weg. Dass die Umkehrung insbesondere der Alterspyramide unseren veralternden westlichen Gesellschaften noch so richtig auf die Füsse fallen wird, war ja allen klar, aber hier sieht man das mal so richtig, was da auf uns alle zukommt.

ZITAT(400plus @ 24. Jun 2016, 11:53) *
Insgesamt macht mir weniger der Brexit an sich Sorgen, als, dass die "Leave"-Kampagne gewonnen hat. Das war ein geradezu Trumpscher Wahlkampf, mit krassen Luegen (z.B. dass die Tuerkei kurz vorm EU-Beitritt stehe), einem gewissen Anti-Intellektualismus ("This country has had enough of experts"), und dem Verweis auf ein mythisches Britannien, das man unbedingt wieder "great" machen muesse. Ich hoffe, das ist kein Vorzeichen fuer November.


Oh doch, ist es. Dieses Referendum, so zutreffend so manche Kritik an der EU auch ist, wird zum großen Teil durch Nationalismen getragen. Man muss sich ja nur mal die Argumente anschauen. Ein ständiges wir gegen die, böse Einwanderer (als ob das UK das Zuwanderungsproblem erst und nur dich die verfehlte Politk des letzten Jahres hätte; hallo auch an Schweden und die Niederlande in diesem Zusammenhang), "Die (EU-Ausländer) klauen unsere Jobs!!!!111" und die zeitgleich zutreffende und dennoch nebulöse Angst vor einem Souveränitätsverlust. Die Stoßrichtung ist klar und wer sich europaweite Trends der letzten Jahre angesehen hat, weis sehr genau wohin die Reise geht. Umso mehr, je schlimmer der wirtschaftliche Fallout des Austritts wird.

ZITAT(Glorfindel @ 24. Jun 2016, 12:08) *
ZITAT
Bei Schottland sieht das allerdings anders aus, denn dieser Teil das Landes definiert zu einem nennenswerten Teil sich über den historischen und teils auch politischen Gegensatz.

Der historische und politische Gegensatz ist allerdings sowohl was Irland betrifft wie auch Schottland zum Teil herbeifabuliert. Im Übrigen kann es kaum Ziel der EU sein, dass europäische Staaten wegen dieser Frage auseinander brechen.


Nicht im Geringsten. Das brodelt da alles unter der Oberfläche und köchelt auf der gleichen Stufe, wie in Deutschland der Hang zum Rechtskonservatismus. Im Alltag begegnet man dem ganzen Themenkomplex nur selten, aber wenn das Thema mal ansatzweise auf den Tisch kommt, kocht die Suppe schnell über (siehe PEGIDA/AfD).

ZITAT(ede144 @ 24. Jun 2016, 12:12) *
Den größten Fehler, den die EU jetzt machen könnte, ist Schottland zu ermutigen sich von Großbritannien zu lösen. Damit macht man ein Fass auf, das in Brüssel und Madrid einigen Leuten schwer auf die Füße fallen könnte. Großbritannien jetzt schnell und schmerzlos austreten lassen und dann langsam Assozierungsabkommen verhandeln damit man irgendwann mal einen Status ähnlich der Schweiz erlangt.

Intern muss man sich überlegen, wie die Strukturen verändert werden müssen. Aber klar muß auch sein, das man nicht die Hand schlägt, die einen füttert. Vielleicht sollte Olaf mal den Fokus auf die besonders lauten Schreier legen.


Die EU-Strukturen müssen sich verändern, das ist gar keine Frage. Die Angst vor dem Souverantiätsverlust kommt ja nicht von nirgendwo, sondern ist handfest. Die EU ist strukturell zutiefst undemokratisch und das ist ein katastrophaler Missstand den es zu beheben gilt. Ironischerweise ergibt sich dieser Missstand aber aus der Verweigerung der Souveräntitätsabgabe der Einzelländer, denn die Regierungen wollen nicht, dass mit dem EU-Parlament ein echter Souverän neben und über ihnen geschaffen wird. Stattdessen wird durch die Kommission und Kommisare gemauschelt, die ja defakto Legistlative und Exekutive in einem sind und die von den einzelnen Länderregierungen entsandt und ernannt werden. Insbesondere das UK ist da ganz groß mit dabei gewesen und jetzt wird genau diese systemische Undemokratie als Grund für den Austritt genommen. Erst scheißt man selbst in die eigene Bude und beschuldigt dann den Nachbarn, wenn es stinkt.

Bezüglich der Anfeuerung der Loslösung Schottlands, braucht die EU garnichts machen, das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Gründe sind einfach: Schottland hängt am Finanztropf. Jetzt von der EU und nach dem Austritt... Ganz genau. Und London hat weder die Mittel noch den Willen, Schottland zu geben was es braucht. Ansonsten wird die EU aber auch so nichts unternehmen. Weder Spanien, noch Belgien, noch Italien haben da ein Interesse dran. Deutschland und Frankreich, als die Geldmaschinen der EU, sowie schon mal garnicht. Man hat aus dem Fehler der Osterweiterung hoffentlich gelernt. Schottland und, falls es wider Erwarten passieren sollte, Nordirland, wird man trotzdem mit Kusshand nehmen.

ZITAT(400plus @ 24. Jun 2016, 12:15) *
Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass die Schotten da grosse Ermutigungen brauchen: http://www.telegraph.co.uk/news/2016/06/24...u-and-sinn-fei/

PS: Wirklich unnoetig, ist dass Spanien zuendelt: Spain proposes 'shared sovereignty' over Gibraltar after Brexit vote


Wenn Spanien zündelt, ist Spanien der erste der explodiert, ganz genau erkannt. Das Sticheln bezüglich Gibraltar ist aber Status Quo zwischen den Ländern und insofern als amüsantes Necken unter Klassenkammeraden zu betrachten. Solange sie nicht anfangen sich zu prügeln, ist alles in Ordnung. Gibraltar selbst würde eh nicht nach Spanien wollen.

ZITAT(Turtlegrim @ 24. Jun 2016, 12:27) *
Ich denke aber mal auch das alles im Moment eher einer spontanen Reaktion auf den Schock entspringt.
Wenn man den erstmal verdaut hat, und die Staatschefs wieder klar denken können, dann wird man sich auch wieder mit vernünftigen Lösungen beschäftigen.

Ich gehe ähnlich wie 400plus davon aus, das die Auswirkungen des Austritts nicht so dramatisch werden wie sie im Moment gehandelt werden.
warten wir die nächsten Tage ab wenn sich alles ein wenig runtergekocht hat.


Wenn es einen Zeitpunkt gibt in dem UK längerfristig Geld zu versenken, zwecks Dividende, dann jetzt und in den nächsten paar Tagen. Das Pfund ist im freien Fall und zwar so stark, dass Frankreich heute morgen schon die britische Wirtschaft als fünftstärkste Wirtschaftkraft der Welt abgelöst hat. Gefühlt dürfte das noch ein paar Tage anhalten und wird sich sicherlich sehr bald erstmal wieder stabiliseren jund erholen und zwar schon alleine deswegen, weil der wirkliche Ausstieg nicht über Nacht passiert. Die Briten bleiben meines Wissen nach ja noch zwei Jahre Teil der EU (das geisterte heute irgendwo als Randnotiz mit rum, aber selbst wenn das schneller vonstatten geht, ist das trotzdem keine Nacht- und Nebelaktion).
Was die Realwirtschaft anbelangt... Tja. Da hängt jetzt alles von den Verhandlungen ab, die in den nächsten zwei Jahren stattfinden werden. Die EU täte übrigens gut daran, den Briten keine Zölle aufzuzwingen und das aus einem einfachen macht- und wirtschaftspolitischen Kalkül: Wenn sie die Briten aus der EU-Wirtschaft abkaspeln, wird die heimische britische Wirtschaft notwendig einen Aufschwung erhalten, weil viele Produkte derzeit billiger importiert werden, als selbst hergestellt werden können. Es ist offensichtlich, warum das nicht im Interesse der EU liegen kann, sondern im Interesse des UKs wäre.
Was im UK in den nächsten Jahren jedenfalls erheblich einbüsen wird, ist die Forschung und Lehre. Was die EU-Gelder finanzieren, können die Briten nicht ersetzen, trotzdem sie gerade so noch Nettoeinzahler in die EU waren. Oh und die berühmten 350 Milliarden, die man ins National Health Service kippen wollte, sobald man sie nicht mehr der EU geben müsste? Ja genau, wer hätte es gedacht... Farage kassiert wichtigstes Versprechen der Brexit-Bewegung ein facepalm.gif

ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 15:11) *
Auf alle Fälle werden die britischen Parlamentarier jetzt eine Riesen Arbeit haben alle mit EU-Vorgaben basierende Gesetze und Verordnungen zu entflechten und was eigenes daraus zu machen. Und gleichzeitig die Verhandlungen führen mit der EU über die Entflechtung internationaler Verträge, die über die EU gelaufen sind und man so mit im Boot sitzt. Ob die Länder diese in dieser Form dann auch wieder mit UK schließen werden? Interessant wird auch wie die Finanzwelt darauf reagieren wird. Wird es UK schaffen diese in London zu halten oder wandern sie ab? Was wird aus Schottland? Werden die sich in ein paar Jahren tatsächlich abspalten? Was passiert mit den Ölfeldern vor Schottland? Zu wen werden die zugeschanzt? Wenn sie zu Schottland kommen, wären sie sogar mit einem Schlag relativ reich.


Ich lehne mich mal sehr weit aus dem Fenster und prophezeie: Die Loslöung des UK aus der EU, hat bezüglich der Arbeits-, Handels- und Produktionsgesetze kaum bis garkeine Auswirkung. Alle derzeitigen EU-Gesetze sind ja meines Wissens nach als Landesgesetze übernommen worden. Klar wird man hier und dort dann und wann mal was canceln, aber auch hier gilt: Was einmal geschrieben, steht geschrieben. Man schaue sich dich einfach mal an, wann das letzte mal ein Gesetz abgeschafft wurde...
Und sowieso, solange das UK mit der EU Handel betreiben möchte, muss man sich nach EU-Standards verhalten, wie jeder andere Businesspartner auch, denn die EU ist in der Regel der stärkere bei den Verhandlungen.

ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 15:11) *
Ich fände es nicht so dramatisch, wenn jetzt Polen und Ungarn auch ein Referendum machen würden und dann auch gehen, weil diese Länder eh nur Nettoempfänger waren. Ich war einer so schnellen Osterweiterung immer skeptisch gegenüber gestanden. Allerdings wäre es fatal, wenn Dänemark oder die Niederlande oder gar Schweden gehen würden. Wie auch immer, die EU wird sich verändern. Es gab früher auch so Theorien, dass die EU in Zukunft aus einem harten Kern bestehen wird (quasi die Gründungsmitglieder) und einige assoziierte Länder rundherum. Der harte Kern, der politisch zusammen wachsen will und einige, die nur wirtschaftlich enger angebunden sein wollen. Gut möglich, dass die EU jetzt tatsächlich in diese Richtung gehen wird.


Die EU-Osterweiterung war sowieso ein Fehler. Was das an politische und wirtschaftliche Verwerfungen auf beiden Seiten gegeben hat, war absolut unnötig. Was die und die EU gebraucht hätten, wäre wirtschaftliche Kooperation und kein Beitritt, aber seis drum, damit muss man jetzt halt leben und es geht ja aufwärts, wenn auch langsam und vielleicht auch langsamer als es hätte gehen können. Dass unsere "Oststaaten" die EU verlassen werden, wird sobald jedenfalls nicht geschehen, denn die haben das gleiche Problem wie Schottland: Ohne EU-Moos, nix los. Dass die Niederlande austreten würden, sehe ich auch nicht passieren und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Ohne die EU ist Rotterdam tot. Und zwar so richtig. Und ohne Rotterdam... Tja lieber Gert. Wir haben euch alle bei den Moneten. Deutschland hat aus zwei Weltkriegen gelernt und den Dritten haben wir gewonnen bzw. es wird noch ein ganzes Weilchen bis zum nächsten "Endsieg" dauern. Auch bei den Griechen, die jetzt wieder aufmucken. Das ist ein Sturm im Wasserglas und sie haben die Wahl entweder weiter mitzumachen oder den eigenen Wagon zum Entgleisen zu bringen.

ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 15:11) *
Wie auch immer, UK wird wirtschaftlich abrutschen und bei weitem nie wieder dieses Niveau erreichen, den sie bis jetzt hatten. Vor allem wenn Schottland geht, können sie ihre Großmannssucht total vergessen (was sie eigentlich ja jetzt auch schon konnten). Bin gespannt wie weit die EU den Briten Zugeständnisse gewährt, wie groß der Einfluss der Industrie sein wird, die sich so Konkurrenz vom Hals schaffen will, oder die Lobby der kontinentalen Finanzwelt Einfluss nehmen wird... usw...

Es werden spannende Jahre...


Sehr gut erkannt. Großbritannien hat auch hundert Jahre nach dem Ende ihres Kolonialreiches noch nicht gemerkt, dass es auf dem gleichen Boden wie der Rest der Welt steht und sie setzen gerade zu einer ganz harten Landung an. Sie haben aber trotzdem ganz gute Chancen da noch heil davon zu kommen. Was tatsächlich passieren wird, hängt meiner Meinung nach fast ausschließlich von der EU ab. Kooperiert man, hält man die Briten von ganz alleine klein. Tut man dies nicht, säät man die Saat für den eigenen Untergang. Großmannsucht und Rachedenken auf dem Kontinent, ist jedenfalls ein ganz schlechtes Konzept. Was die EU braucht, ist der Blick in den Spiegel, der Blick nach Innen und kein Feindbild

Oh und weil es hier gerade so gut hinpasst... Democracy, Schtonk!

"What is the EU?" is the second top UK (Google) question on the EU since the #EURefResults were officially announced

Ganz genau, die Briten fragen nach dem Austrittsvotum "Was ist die EU" und "Was passiert bei einem Austritt aus der EU?" wallbash.gif
400plus
ZITAT(Madner Kami @ 24. Jun 2016, 16:12) *
Oh doch, ist es. Dieses Referendum, so zutreffend so manche Kritik an der EU auch ist, wird zum großen Teil durch Nationalismen getragen. Man muss sich ja nur mal die Argumente anschauen. Ein ständiges wir gegen die, böse Einwanderer (als ob das UK das Zuwanderungsproblem erst und nur dich die verfehlte Politk des letzten Jahres hätte; hallo auch an Schweden und die Niederlande in diesem Zusammenhang), "Die (EU-Ausländer) klauen unsere Jobs!!!!111" und die zeitgleich zutreffende und dennoch nebulöse Angst vor einem Souveränitätsverlust. Die Stoßrichtung ist klar und wer sich europaweite Trends der letzten Jahre angesehen hat, weis sehr genau wohin die Reise geht. Umso mehr, je schlimmer der wirtschaftliche Fallout des Austritts wird.


Ja, ich meinte auch mehr in Bezug auf das Wahlergebnis. Die Stossrichtung und auch die Waehlerbasis scheinen mir bei Trump und UKIP/Leave teilweise sehr aehnlich zu sein- dort der ehemalige Rust Belt, hier das postindustrielle Oedland zwischen Oxford-Cambridge und der schottischen Grenze.

PS: Zur guten alten Empire-Zeit war vor kurzem ein guter Artikel in Foreign Policy: Welcome to the Fantasy Island of Little England: "Historical reality is not allowed to disturb the perfection of the Leave campaign’s imagined providence. Thus, in one breath, the Leave campaign’s golden place without history is England’s green and pleasant land — albeit an England imagined without the accompanying British Empire, given that that would involve recognition of all immigrants that came along with it. But in a contradiction only tenable when history is recast as fantasy, in the same breath, this golden place is also imperial Britain, ruling the waves; but this Britannia is not located in any historical reality, for that would mean confronting the tricky chronological truth that the empire collapsed before the U.K. joined the EU in 1973, so EU membership cannot possibly have frustrated imperial ambitions that fell apart on their own."
xena
Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man in den Jahren, wo die Verhandlungen laufen, auch versuchen wird den Austritt wieder zu verhindern, wenn es wirtschaftlich bergab geht, wenn die Industrie lauthals verkündet, man werden in Zukunft Arbeitsplätze streichen, weil das Geschäft mit der EU komplizierter wird, wenn Banken und Versicherungen drohen zu gehen und die Wirtschaftsexperten in langen Diskussionssendungen im TV den Untergang Großbritannien ausdiskutieren und es zu Unruhen im Königreich kommt, die Gewerkschaften wegen der drohenden Probleme wieder kräftig Zulauf bekommen und somit wieder zu alter Größe aufsteigen usw...

Man wird sehen...
400plus
ZITAT(Madner Kami @ 24. Jun 2016, 16:12) *
Oh und die berühmten 350 Milliarden, die man ins National Health Service kippen wollte, sobald man sie nicht mehr der EU geben müsste?


Es waren 350 Millionen - pro Woche aber, weil die Briten Dinge gerne in "pw" ausdruecken wink.gif
Aber ja, das war eines der besten Beispiele fuer die Trumpsche Kampagne von "Vote Leave":
- Von den 350 Millionen pro Woche gehen erstmal 100 Millionen direkt wieder via Thatchers Britenrabatt zurueck. Direkt, die kommen nicht mal in Bruessel an bzw. verlassen London gar nicht erst.
- Von den verbliebenen 250 Millionen pro Woche geht dann ein grosser Teil auch wieder als Subventionen zurueck nach GB. Insgesamt bleiben dann noch etwas um die 130 Millionen pro Woche uebrig, also ein rundes Drittel dessen, was auf Nigels Bus herumparadiert wurde. Darauf wurde auch von den Remainern, von Zeitungen und von Forschungsinstituten und Behoerden hingewiesen- die Behauptung blieb aber weiter im Umlauf, wurde weiter verbreitet, und noch am Montag haben in einer Umfrage 47% der Befragten den Mist geglaubt (FT). Man kommt also mit allem weg, so lange man es nur oft genug wiederholt.
Alligator
ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 14:51) *
Ja, es sind die Geister, die er selbst rief... rofl.gif

Mir fallen dazu nur noch die nicht jugendfreien Worte Lawrows ein... wallbash.gif Und die Schotten müssen sich ja jetzt so richtig verarscht fühlen, erst "zwingt" die EU sie im UK zu bleiben und nun das. Viel Spaß die Zahnpasta wieder in die Tube reinzudrücken, kann ich da nur sagen.
ZITAT(xena @ 24. Jun 2016, 16:34) *
Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man in den Jahren, wo die Verhandlungen laufen, auch versuchen wird den Austritt wieder zu verhindern [...]
Man wird sehen...

Wenn man das versucht, kann es dazu führen, dass viele Menschen in der EU sich in ihrer Auffassung, dass die EU undemokratisch ist, bestätigt fühlen werden und das kann wiederum dazu führen, dass die Nationalisten noch mehr Aufwind bekommen... Ich bin immer noch fassungslos von dieser geöffneten Büchse der Pandora...
SpezPi(Ppl)301
Stupid as mud.....
xena
Es könnte aber auch sein, dass mit den Brexitverhandlungen der Druck zur Neugestaltung der EU so groß wird, dass die Neugestaltung vielem von dem was die Briten wollen recht nahe kommt und man in einigen Jahren noch einmal abstimmen wird. Vor allem wenn es tatsächlich auf ein Zweiklasseneuropa, mit einem Kerneuropa und einem weichen Europa rundherum, hinauslaufen wird, könnte es den Briten besser schmecken. Derzeit ist eigentlich alles möglich, denn für die EU wird es nicht ohne Folgen bleiben und Veränderungen müssen jetzt sowieso folgen, sonst geht die EU in einem großen Krach unter.
Dave76
ZITAT
How the United Kingdom voted on Thursday… and why

Friday, 24 June, 2016
By Lord Ashcroft

The UK has voted to leave the European Union. On referendum day I surveyed 12,369 people after they had voted to help explain the result – who voted for which outcome, and what lay behind their decision.

http://lordashcroftpolls.com/2016/06/how-t...-voted-and-why/


Warhammer
Ich sehe bei den Briten eine große Gefahr für deren Autoindustrie. Und zwar nicht insbesondere die heimischen Marken (in fremden Händen), sonder insbesondere für Honda und Co. die dort produzieren. Die sitzen da ja nicht, weil sie GB als Einzelmarkt so geil finden, sondern weil sie damit mitten im Wirtschaftsraum der EU hocken.

Und GB strotzt ja auch nicht gerade vor Industriejobs, da sollten die verbleibenden nicht in Gefahr geraten.
Madner Kami
ZITAT(Warhammer @ 24. Jun 2016, 22:35) *
Ich sehe bei den Briten eine große Gefahr für deren Autoindustrie. Und zwar nicht insbesondere die heimischen Marken (in fremden Händen), sonder insbesondere für Honda und Co. die dort produzieren. Die sitzen da ja nicht, weil sie GB als Einzelmarkt so geil finden, sondern weil sie damit mitten im Wirtschaftsraum der EU hocken.

Und GB strotzt ja auch nicht gerade vor Industriejobs, da sollten die verbleibenden nicht in Gefahr geraten.


Nicht nur weil sie in der EU hocken, sondern auch wegen der Steuern. Es wird immer wieder übersehen, was das UK für eine Steueroase ist, ähnlich wie Irland.
Parsifal
Was hätte Europa angesichts der angedachten TTIP-Freihandelsabkommen davon GB mit Zöllen zu belegen? Andersherum ist ebenfalls erstmal kein Sinnvoller Grund zu finden Zölle auf Waren und Dienstleistungen zu erheben. Die Wertpapiermärkte sind zwar jetzt etwas betroffen, aber nix schlimmes. Das erholt sich wieder.

Politisch ist es halt nun so, dass weder Beiträge nach Brüssel überwiesen noch Subventionen nach London fließen. Solange das gleich aufgeht gibts hier erstmal nur die Änderungen, dass London nun direkt an die Subventionsempfänger auszahlt. Etwas ähnliches wie die Schweiz könnte man sich schon vorstellen. Ich sag mal so, die Briten haben sich gegen das politische Europa entschieden und nicht gegen ihre Zugehörigkeit als Europäer. Wenn ich nach GB fahre werde ich nicht mehr und nicht weniger herzlich empfangen als vorher auch. In Pfund wechseln und Links fahren muss ich ja so oder so. Auf der Insel sitzen Konsumenten und Produzenten und solange das so ist solange ist zwischen der Insel und dem Festland ein Interesse füreinander da.
xena
Die Briten werden jedenfalls weiterhin made in germany kaufen, aus dem gleichen Grund warum sie es bisher gekauft haben und das nicht wegen der EU-Zugehörigkeit. Waren werden also so oder so weiterhin von der EU nach UK fließen, allein schon deswegen, weil UK kaum etwas selbst herstellt. Es bleibt aber die Frage wie viel Waren von UK nach EU fließen werden. Ich denke, es wird, zumindest für uns, nicht so hart ausfallen. Dumm wird es, wenn die Brexit-Leute auch Recht bekommen und es UK danach mindestens genauso gut gehen wird, wie bisher. Das wäre dann wirklich ein Aufruf auch an andere EU-Mitglieder.

In sämtlichen Interviews wird Junkers nicht müde zu betonen, dass die Trennung so schnell wie möglich vollzogen werden sollte... Er würde ihnen anscheinend nicht all zu große Freiheiten gewähren wollen, vielleicht wegen der Vorbildfunktion und so? Naja, schaun mer mal...
Warhammer
@Madner Kami
Ja, die Steuern sind der Grund, warum sie sich innerhalb der EU gerade in GB angesiedelt haben. Aber sie wären trotz Steuern wahrscheinlich nicht dahin gegangen, wenn GB nicht in der EU gewesen wäre.

@Parsifal
Klar werden neue Handelsverträge ausgehandelt werden. Allerdings sehe ich nicht, wie GB hier aus einer Position der Stärke heraus verhandeln sollte. Sprich, der Deal wird,wie auch schon für andere, Freihandel gegen Unterordnung unter EU Reglement und Zahlung von Mitgliedsähnlichen Beiträgen lauten.

Damit muss GB immer noch einen Großteil der in Brüssel erdachten Regelungen beachten und zahlen, ohne direkt Einfluss nehmen zu können. Damit haben sie dann eine Menge gewonnen.

Die Brexiter überschätzen halt gewaltig mit wem das Königreich mittlerweile auf Augenhöhe verhandeln kann und mit wem nicht.
Havoc
ZITAT(Parsifal @ 24. Jun 2016, 22:11) *
Was hätte Europa angesichts der angedachten TTIP-Freihandelsabkommen davon GB mit Zöllen zu belegen? Andersherum ist ebenfalls erstmal kein Sinnvoller Grund zu finden Zölle auf Waren und Dienstleistungen zu erheben. Die Wertpapiermärkte sind zwar jetzt etwas betroffen, aber nix schlimmes. Das erholt sich wieder.

Politisch ist es halt nun so, dass weder Beiträge nach Brüssel überwiesen noch Subventionen nach London fließen. Solange das gleich aufgeht gibts hier erstmal nur die Änderungen, dass London nun direkt an die Subventionsempfänger auszahlt. Etwas ähnliches wie die Schweiz könnte man sich schon vorstellen. Ich sag mal so, die Briten haben sich gegen das politische Europa entschieden und nicht gegen ihre Zugehörigkeit als Europäer. Wenn ich nach GB fahre werde ich nicht mehr und nicht weniger herzlich empfangen als vorher auch. In Pfund wechseln und Links fahren muss ich ja so oder so. Auf der Insel sitzen Konsumenten und Produzenten und solange das so ist solange ist zwischen der Insel und dem Festland ein Interesse füreinander da.


Da geht es jetzt nicht um Zölle. GB wird vermutlich wie die Türkei der Europäischen Zollunion angehören. Nur wird man zukünftig bei der Warenausfuhr und Einfuhr zwischen EU und GB ein Verzollung durchführen. GB wird nicht mehr Teil des elektronischen Zollverfahrens der EU sein (In Deutschland mit ATLAS - Verfahren umgesetzt) und ohne Handelsrechnung, Ausfuhrbegleitdokumente geht dann auch nichts mehr. Die Zeiten vom Verladen und später die Rechnung schreiben sind dann vorbei. Für GB bedeutet das auch, dass es für Investoren als "Einfallstor" in die EU uninteressant wird. Firmen, welche Waren in die EU importieren wollen, werden es dann nicht mehr über britische Häfen machen. Der freie Geldverkehr innerhalb der EU ist dann von London aus auch nicht mehr möglich.
Da die Briten es irgendwie nicht eilig haben, den Austritt zu erklären, glaube ich auch die britische Regierung weiß, dass sie sich ins eigene Bein geschossen haben und dem einen oder anderem Briten dämmert es, dass das eine sau blöde Aktion war. Das Referendum zeigt ja auch die regionalen, sozialen und generationsübergreifenden Risse innerhalb des vereinigten Königreichs. Ich denke, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Parsifal
Ganz lesenswert wie ich finde:
Die Welt - Der Brexit ist die Rache der Abgehaengten - Meinung von Alan Posener


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Meine Meinung: Ich weiß nicht was ich denken soll. Erstmal hat sich nichts gravierend für mich geändert. Ich weiß nicht ob es gut oder schlecht ist, aber ich denke wir sollten akzeptieren dass es für die jeweiligen Wähler wohl Gründe gab so zu entscheiden. Ob es was sinnvolles wird oder eine Katastrophe liegt jetzt sicher auch daran wie wir mit der Situation umgehen. Ich würde einen Briten jedenfalls weiter so behandeln wie ich einen Briten bisher behandelt habe - so gleich wie es meine unterbewussten Vorurteile gegenüber anderen Menschen es zulassen. Brite und EU spielen in meiner Wertewelt nicht die höchste Rolle, denn was kann einer schon dafür wo er geboren wurde.
400plus
Neben den technischen Fragen bei Ein- und Ausfuhr von Gütern wird sich vor allem auch die Frage der Dienstleistungsfreiheit stellen, die ja eine der vier zentralen Freiheiten des europäischen Wirtschaftsraumes ist, und an der das UK sicher besonders interessiert sein dürfte. Bisher war m.W. die Position der EU (z.B. im Zuge der Verhandlungen mit der Schweiz), dass es die 4 Freiheiten nur als Ganzes gibt- gerade an der Personenfreizügigkeit hat man sich ja aber im UK gestoßen. Das dürften sehr interessante Verhandlungen werden.
Warhammer
Tja, die Banken in Paris und Frankfurt wetzen sicherlich schon die Messer.

Die City ist ja auch deshalb so beliebt, weil sie mit einigen Vorteilen direkt in den EU-Raum integriert ist. Es gibt ja Gründe, warum die Vanken der City praktisch komplett für remain getrommelt haben.
400plus
http://www.ideasforindia.in/article.aspx?article_id=1653

ZITAT
Why then is immigration such a hot-button issue, shaping the discussion around the Brexit debate as well as the Trump campaign? The reason is that economic dislocation caused by impersonal market forces inevitably results in a search for visible scapegoats. No doubt xenophobia and racism is at work among some of Trump and Brexit supporters. But these are symptoms of a deeper problem. The economic reason behind the wave of xenophobia, whether it is the anti-immigrant rants of Donald Trump or UKIP (UK Independence Party) leader Nigel Farage, is really a misdirected rage at visible scapegoats of globalisation. - See more at: http://www.ideasforindia.in/article.aspx?a...h.uEhoTcdv.dpuf
Seydlitz
Für Großbritannien wird es einiges an Herausforderungen geben in der Zukunft. Für die EU natürlich auch, aber ich hoffe doch andere bzw einfachere.
Es stellt sich ja schon die Frage, ob es in 1-2 Jahren überhaupt noch ein Vereinigtes Königreich in seiner jetzigen Form geben wird. Schottland hat in einem Ausmaß von der EU profitiert, dass England alleine nicht bieten kann. Alleine durch den finanziellen Aspekt ist eine weitere Zugehörigkeit zur EU deshalb nachvollziehbar, von den politischen/gesellschaftlichen Unabhängigkeitsbestrebungen mal abgesehen.

Für Nordirland erscheint mir die Lage nicht ganz so klar. Dort wird es wohl darauf ankommen wie sich in Zukunft die Bevölkerung zusammensetzt, ob sich der Anteil deutlich zu einer katholischen Mehrheit verschiebt, oder nicht. Jedenfalls erscheint mir dort die Zugehörigkeit zur EU nicht als ähnlich wichtig wie für Schottland.

Für England selbst wird es Änderungen geben müssen, bezüglich des weiteren Handels mit dem EU-Raum. Die EU darf sich nicht unter Wert verkaufen. Nicht um Großbritannien jetzt irgendwie schaden zu wollen, sondern um deutlich zu machen, welche Vorteile die Zugehörigkeit zur EU bedeutet. Würde man GB jetzt ähnliche Konditionen einräumen, bzw alles mehr oder weniger beim alten belassen, wäre das ein fatales Signal an andere "Unabhängigkeitsvertreter" , z.B. in den Niederlanden. Gesteht man nicht EU Mitgliedern ähnliche Möglichkeiten ein, ohne dafür auch was leisten zu müssen (Zahlungen) , denn stellt sich doch die Frage warum überhaupt eine EU? Neben dem eigentlich offensichtlichen Grund der Friedenserhaltung in Europa, welche aber leider für viele Menschen mittlerweile als Selbstverständlichkeit hingenommen wird, obwohl die letzten Jahre doch recht deutlich zeigen, dass es so gut wie überall negatives nationales Potential gibt.
Dave76
ZITAT(Seydlitz @ 25. Jun 2016, 12:34) *
[...]

Für Nordirland erscheint mir die Lage nicht ganz so klar. Dort wird es wohl darauf ankommen wie sich in Zukunft die Bevölkerung zusammensetzt, ob sich der Anteil deutlich zu einer katholischen Mehrheit verschiebt, oder nicht. Jedenfalls erscheint mir dort die Zugehörigkeit zur EU nicht als ähnlich wichtig wie für Schottland.

[...]

In Nordirland ist die Frage untrennbar mit der Vereinigung mit der Republik verbunden, Sin Feinn fordert jetzt natürlich einen sofortigen Border Poll, wohingegen die Unionisten dies natürlich als opportunistisch zurückweisen. Die Stimmung in Nordirland war aber auch bisher immer noch deutlich für einen Verbleib im UK und eine recht deutliche Mehrheit gegen die Vereinigung. Dies könnte sich jetzt natürlich im Verlaufe des Brexits und den damit verbundenen möglichen negativen Folgen ändern, allerdings würden sich solche deutlichen Stimmungsveränderungen sicherlich erst in einigen Jahren manifestieren, zur Zeit sehe ich deshalb in Nordirland absolut keine Chance für eine Referendum wie in Schottland, laut dem Good Friday Agreement kann ja nur dann eine Abstimmung initiert werden, wenn die öffentliche Meinung klar in Richtung Vereinigung tendiert.
Madner Kami
ZITAT(Warhammer @ 25. Jun 2016, 01:25) *
@Madner Kami
Ja, die Steuern sind der Grund, warum sie sich innerhalb der EU gerade in GB angesiedelt haben. Aber sie wären trotz Steuern wahrscheinlich nicht dahin gegangen, wenn GB nicht in der EU gewesen wäre.


Stimmt absolut und das wollte ich auch garnicht verneinen. Es ging nur darum, dass der Zugang zum EU-Markt da nicht der alleinige treibende Faktor ist, sondern die Faktorenkombination von Steuern und Zugang.

ZITAT(Havoc @ 25. Jun 2016, 01:56) *
Da die Briten es irgendwie nicht eilig haben, den Austritt zu erklären, glaube ich auch die britische Regierung weiß, dass sie sich ins eigene Bein geschossen haben und dem einen oder anderem Briten dämmert es, dass das eine sau blöde Aktion war. Das Referendum zeigt ja auch die regionalen, sozialen und generationsübergreifenden Risse innerhalb des vereinigten Königreichs. Ich denke, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.


Die Regierung des UK wird das ganze so lang hinziehen, wie sie einen Vorteil daraus ziehen können. Die EU hingegen versucht sie genau deswegen jetzt so schnell wie möglich aus Brüssel zu vertreiben (zurecht und notwendigerweise, imo). Das typische Machtpokerspiel von Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Anders war das auch garnicht zu erwarten, bei der Baggage die jetzt das Steuer übernehmen wird.

ZITAT(Parsifal @ 25. Jun 2016, 09:49) *


Ich hab den Text jetzt zwar nur kurz angelesen, aber der Titel an für sich ist schon mal Blödsinn. Die Sozialschwachen gehören in erheblichen Teilen zwar dem Brexitzustimmerlager an, aber sie alleine hätten das nicht stemmen können. Es sind in nicht unerheblichem Maße die Alten und die christlichen Konservativen, die dem Brexit zum Durchbruch verholfen haben. Dave hatte dazu auch einen schönen Artikel verlinkt, der das ganze wunderbar aufgedröselt hat. Diesem Artikel war ich inhaltlich schon begegnet, hatte den Link aber nicht mehr zur Hand (vielen Dank an Dave nochmal in dem Zusammenhang). Unterm Strich kann man es, sehr stark verkürzt, so zusammenfassen: Jeder mit Kindern, der zur Miete wohnt und eine lange Zukunft vor der Nase hat, hat gegen den Austritt gestimmt. Jeder der Stütze kassiert, in zehn bis fünfzehn Jahren tot ist und wer ein eigenes Haus hat, hat für den Brexit gestimmt. Auch super interessant, die Verwerfungslinie zwischen Christen und Muslimen. Während die Christen sich von Europa isolieren wollen, wollen die Muslime eine offene europäische Union.

Daves Link:

ZITAT(Dave76 @ 24. Jun 2016, 19:35) *
ZITAT
How the United Kingdom voted on Thursday… and why

Friday, 24 June, 2016
By Lord Ashcroft

The UK has voted to leave the European Union. On referendum day I surveyed 12,369 people after they had voted to help explain the result – who voted for which outcome, and what lay behind their decision.

http://lordashcroftpolls.com/2016/06/how-t...-voted-and-why/



ZITAT(400plus @ 25. Jun 2016, 10:58) *
Neben den technischen Fragen bei Ein- und Ausfuhr von Gütern wird sich vor allem auch die Frage der Dienstleistungsfreiheit stellen, die ja eine der vier zentralen Freiheiten des europäischen Wirtschaftsraumes ist, und an der das UK sicher besonders interessiert sein dürfte. Bisher war m.W. die Position der EU (z.B. im Zuge der Verhandlungen mit der Schweiz), dass es die 4 Freiheiten nur als Ganzes gibt- gerade an der Personenfreizügigkeit hat man sich ja aber im UK gestoßen. Das dürften sehr interessante Verhandlungen werden.


"Die klauen unsere Jobs!!!11 Also die Jobs die wir eh nicht machen würden, weil sie viel zu schlecht bezahlt werden, aber es sind unsere Jobs!!!!111" So oder so ähnlich tönt es ja schon lange. Man kennt es aus South Park und besser könnte man die Realität nicht wiedergeben. Auch heute wieder, als ich von der Arbeit kam, treffe ich den (alkoholabhängigen und arbeitsunwilligenfähigen) Vater einer alten Freundin und er fragt mich, wieviele Leute denn hinter unseren stark frequentierten Leergutannahmemaschinen arbeiten. Als ich im die Zahl 1 nannte, war er völlig erstaunt und erregte sich über den absolut unmenschlichen Umstand und meinte, dass man dafür doch mal ein paar der Ausländer nehmen könnte, im Tenor von "Scheißarbeit für wenig Geld, die man diesen Untermenschen Ausländern doch geben könnte, damit sie nicht einfach nur Geld vom Staat hinterhergeworfen bekommen". Der Blick in den Spiegel ist für viele einfach unerträglich, habe ich manchmal den Eindruck. Anyways, ich motze schon wieder nur rum. Was ich sagen wollte ist, dass das UK (und auch wir) von der Freizügigkeit amssivst profitieren. Klar stört die Konkurrenz und hier und da wird sicherlich der ein oder andere Betrieb auf der Strecke bleiben, aber das ist kein einseitiges Problem das nur durch das Angebot zu Stande kommt, es liegt auch ganz einfach an der Nachfrage und mal davon abgesehen ist es auch volkswirtschaftlich tatsächlich so, dass es immer besser ist, wenn die Arbeit von überhaupt von jemandem gemacht wird, als von gar keinem, auch wenn ein Teil der Bezahlung ins Ausland abfließt.

ZITAT(Warhammer @ 25. Jun 2016, 11:55) *
Tja, die Banken in Paris und Frankfurt wetzen sicherlich schon die Messer.

Die City ist ja auch deshalb so beliebt, weil sie mit einigen Vorteilen direkt in den EU-Raum integriert ist. Es gibt ja Gründe, warum die Vanken der City praktisch komplett für remain getrommelt haben.


Aus zuverlässiger Quelle kann ich sagen: So manche Bank ist bereits dabei ihren Sitz zu verlegen, auch wenn Unternehmen wie Morgan Stanley das bisher offiziell verneinen. Dublin freut sich jedenfalls schon einen Ast. Was die regulären Betriebe angeht, so hat FeFe da ein gutes Zitat ihn einem seiner Leserbriefe gefunden: "Keine Sorge, wir machen rechtzeitig eine Niederlassung in der EU auf."

Hah, auch die Financial Times hat es schon zum Thema: Banks begin moving some operations out of Britain Ein bisschen Schadenfroh bin ich da ja schon, muss ich jetzt mal so ehrlich zugeben. Mir tut es nur um die Leute leid, die da jetzt ungewollt mit durch müssen und das sind ja nicht gerade wenige.
Madner Kami
And so it begins...

ZITAT
Sturgeon: steps taken for second independence legislation

Scotland's first minister has said her government will enter into "immediate discussions" with the EU to protect its position in the bloc after a Brexit.

Speaking today, she said Holyrood will begin the process of launching a second independence referendum and would establish an advisory board to carry out discussions on the country's constitutional future.

[...]



Sorry für den Doppelpost, aber das wollte ich nicht ohne Aufmerksamkeit zu erregen in den Vorpost stopfen.
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