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Crazy Butcher
Ich hoffe der Threadtitel lässt nicht den Eindruck entstehen, dass es sich um einen Verschwörungsthread geht. Das tut es nicht und ich bitte auch in die Richtung gehende Theorien hier nicht einzubringen bzw nicht zum Thema zu machen.
Ich denke jedoch, dass wir durchaus die Funktionsweisen und Motivationen in unserer Medienlandschaft beleuchten sollten. Gerade weil es sehr viele verschiedene unabhängige Medien gibt.
Gerne darf auch jeder berichten auf welche Art und aus welchen Quellen er sich informiert und warum er es so für sinnvoll hält. Das fördert evtl. auch das gegenseitige Verständnis, so dass wir uns in Zukunft nicht gleich an die Gurgel gehen. Es ist jeder eingeladen bisherige Vorurteile abzulegen und offen auf den anderen (gerne auch mit konstruktiver Kritik) zuzugehen.

Es gibt sicherlich eine Menge Punkte an denen man bei diesem Thema ansetzen kann. In den letzten Tagen war es bei mir die Berichterstattung über terroristische Anschläge. Ganz aktuell in Stockholm und St. Petersburg.
Nach meinem empfinden gibt es durchaus eine Tendenz deutlich zu machen, dass solche Anschläge immer weniger Eindruck auf die Zivilbevölkerung machen.
Gerne wird aber gerade in den ersten Stunden über Panik/Schock/Starre in den betroffenen Städten berichtet. Berichten jedoch einzelne Reporter vor Ort persönlich, also nicht im Rahmen einer "neutralen" Meldung, sondern mit eigenen Eindrücken, dann heißt es oft, dass es eben keine Panik gibt und die Menschen recht rational mit der Situation umgehen.
Als Beispiel auf Spon:
ZITAT
Die Bevölkerung Sankt Petersburgs wirkte auf uns, selbst am Tag des Anschlags, ähnlich ungerührt wie die Studentin, die uns abgeholt hatte. In den folgenden Tagen haben wir Menschen Kunstwerke bestaunen, lachen, feiern, diskutieren, arbeiten und spazieren gehen sehen. Wir haben mit unseren russischen Gastgebern Gespräche über Weltpolitik, Journalismus, Medien, Bildung und ganz Alltägliches geführt. Natürlich war der Anschlag nicht vergessen, aber er dominierte weder den Alltag noch das Denken der Menschen.

Ähnlich lässt sich das auf andere ähnliche Meldungen übertragen.
Die Panik spielt sich idR nur in unmittelbarer Nähe der Anschlagsorte ab. In der restlichen Stadt gehen die Menschen gewohnt ihren Tätigkeiten nach und lassen eben nicht alles stehen und liegen. Beim Lesen entsteht aber der Eindruck, dass sich alle gleich zu Hause verbarrikadieren.

Was mich zu der Frage führt was die Motivation hinter solchen Schlagzeilen ist. Ist es Effekthascherei? Vielleicht. Nur liest man solche Schlagzeilen auch in Medien, die eigtl. eher für Sachlichkeit bekannt sind. Ich sehe auch nicht, wie mich "Panik" oder "Schockstarre" in der Überschrift zum lesen animieren sollen. Entweder das Thema interessiert mich oder eben nicht.
Was ist euer Eindruck?

Um auf die Anfangs erwähnten Quellen zurück zu kommen.
Wenn es bei mir schnell gehen soll und ich wissen will, OB in der Welt etwas los ist, schaue ich meißtens auf n-tv vorbei. Dort kann man die aktuell wichtigen Ereignisse auf die Schnelle sehen ohne richtig einsteigen zu müssen.
Ist etwas tatsächlich passiert und mich interessiert das WAS mehr Details, dann geht es weiter zu SpOn. Dort werden in der Regel die Ereignisse etwas näher betrachtet, ohne dass man großartig Zeit zum lesen braucht.
Wenn ich mehr Zeit habe, sind faz, Zeit und SZ meine Anlaufpunkte (auch ohne konkrete Ereignisse).
Wenn es um einfache stöbern geht, kann es auch mal die Welt sein, weil es dort auch speziell in Richtung (Militär)geschichte gehende Reihen gibt, die den ein oder anderen wenig beleuchteten Aspekt behandeln.
Last but not least auch gerne die NZZ. Wobei ich hier in erster Linie wegen fehlendem Bezug zu lokalen Themen seltener unterwegs bin. Wenn es um internationale Themen geht, spricht mich die Qualität der Berichterstattung durchaus an.

Englischsprachige Nachrichtenseiten lese ich eher selten, weil der Erkenntnisgewinn im Vergleich zu den zusätzlich (für die o.g. Medien) investierten Zeit eher gering ist.
Da müssen es schon spezielle Aspekte eines bestimmten Themas sein, die da beleuchtet werden und mich besonders interessieren.

Russischssprachige (Nachrichten)Medien konsumiere ich übrigens fast gar nicht. Die meißten von mir gelesenen Artikel von RT und Sputnik habe ich wahrscheinlich über Verlinkungen vom WHQ aus gesehen. Das sind zum Glück tatsächlich nicht viele.
korrespondent.net ist für mich aber eine gute, vergleichsweise neutrale Anlaufstelle für Meldungen aus der Ukraine.
Wenn, dann sind es auch hier eher spezielle Themen, die man im deutschsprachigen Bereich eher nicht beachtet.
MeckieMesser
Bin ich absolut bei Dir. Ähnliche Gewohnheiten bei mir.
International mag ich TheAtlantic und TheEconomist eigentlich ganz gerne. Kolumnen und Meinungen lass ich inzwischen ganz weg. Nervt einfach nur.

Was durchweg auffällt ist die schlechte Qualität der "Randthemen". Wir denken an den SpOn Qualitätsjounalismus wenn Airbus Defence ein Problem hat.
Ich komme aus der IT und merke das dort das gleiche. Einfach unlesbar bis peinlich.

Ich sehe das inzwischen so: In der Wissenschaft wurde der Uiniversalwissenschaftler abgeschafft. Beim Jounalismus scheint man noch auf Allwissende zu setzen.
400plus
Für Aktualität benutze ich meistens SpOn, für etwas mehr Hintergrund FAZ, NZZ, Zeit und SZ (etwa in der Reihenfolge). Die Seite der Welt besuche ich seit der Kooperation mit n24 nicht mehr, die ständigen selbstabspielenden Videos da nerven mich. Es stimmt aber, dass es da teilweise gute Beiträge zur Militärgeschichte gibt. An englischsprachigen Medien benutze ich vor allem den Guardian (insbesondere in punkto GB/Brexit), die BBC, mit Abstrichen die NYT (Krugmans Blog lese ich da ganz gerne) und die WasPo.

Für Sport 11freunde, kicker und (ja, steinigt mich biggrin.gif) Bild (Fußball) und Blick (Federer biggrin.gif)
Seneca
Die New York Times und die Washington Post sind wichtig bei Themen, welche die US-(Außen)politik betreffen. Gar nicht so selten findet man Artikel der NYT oder WaPo einen halben Tag später in überraschend ähnlicher Form bei Spiegel-online.
Bei Balkan-Themen oft gut informiert: "Die Presse" aus Österreich. Türkei (mit deutlichen Einschränkungen): hürriyetdailynews (auf englisch)

Für Journalismus mit Tiefgang, auch von Themen, die momentan nicht im Focus der Medien sind, steht mein persönlicher Favorit, die Frankfurter Allgemeine.
SailorGN
Was mir auffällt: Die inhaltliche Qualität von Onlineartikeln steht sehr oft in Verbindung mit der redaktionellen Qualität. Ein Artikel, der schon in der Überschrift Rechtschreib-, Grammatik- und C&P-fehler aufweist kann meistens inhaltlich auch nicht überzeugen. Da ich selbst auch geschrieben/gelayoutet habe ist das für mich ein Zeichen für mind. zwei "Mängel". Erstens sehr knappe Zeitansätze bei Erstellung und zweitens mangelhafte QS bzw. Supervision in einer Redaktion. Drittenns könnte man noch mangelndes Wissen um die Rechtschreib- und Grammatikhilfe in Word unterstellen smile.gif

Mein persönliches Hauptmedium zur Zeit ist deutschlandfunk.de, da hat man einen guten Mix aus aktuellen Infos, tiefergehenden Artikeln, Interviews und Themen, die keine Schlagzeilen sind. Weitere Infos werden mit wikipedia eingeholt, wobei dort die Qualität stark schwankt. Ich wechsele bspw. sehr gern zwischen den dt., engl. und ggf. frz. Artikelversionen hin und her. Die besseren Artikel haben dann entsprechende Quellenverlinkungen, die sich auch lohnen. Drittes "Medium" sind die Startseiten div. Mailprovider (Yahoo, Hotmail). Qualitativ mehr als nur durchwachsen findet man dort auch mal ne Perle im Dreck... ansonsten ist es unterhaltsam. Bei massiven Anfällen von Masochismus kann man auch mal Kommentare dort lesen biggrin.gif Dient insgesamt aber eher dazu, Anreize für Recherchen ausserhalb der DLF-Filterblase zu bekommen.
SailorGN
Da CB an anderer Stelle auf diesen Thread verwies möchte ich das gern exemplarisch aufgreifen.

Ausgangspunkt war ein verlinktes Dokument zu C-Waffen in Syrien

Neben der geäusserten Kritik am Autor ist es an diesem Beispiel möglich, zumindest einige formale Indizien für die Seriosität einer Quelle/Werkes heraus zu stellen:

1. Der Autor nennt gleich zu Beginn seinen (Klar-)Namen inkl. Erreichbarkeit.
2. Der Text ist eindeutig datiert und strukturiert, eine Gliederung fehlt leider.
3. Der Inhalt ist in einer logischen Folge angeordnet, die Argumentation bleibt am aktuellen Punkt, springt nicht und ist in sich geschlossen.
4. Das Layout folgt dem Inhalt, Satzzeichen sind weder Herdentiere, noch wird auf simplizierende Drei-Wort-Sätze oder halbseitige Relativsatzkonstruktionen zurückgegriffen.
5. Der Autor arbeitet mit Fußnoten, die alle dem Quellennachweis dienen. Angesichts des Themas und der Seitenzahl vielleicht etwas dünn, aber seine maßgeblichen Punkte deckt er damit ab.
6. Der Autor hat neben ein paar persönlichen Erklärungen und Anmerkungen am Ende eine Kurzbiografie angehängt, aus dem nicht nur sein beruflicher Hintergrund hervorgeht, sondern auch seine möglichen Abhängigkeiten und Einstellungen.

Insgesamt ist das ein Text, der sowohl die Einordnung des Autors in vielerlei Hinsicht, wie auch die Prüfung der Inhalte sehr einfach ermöglicht. Es geht daraus hervor, warum sich der Autor für einen Experten hält und welche Grundlagen er für seine Einschätzung herangezogen hat. Darüber hinaus ist er für Rückfragen direkt erreichbar.
rekrats
ZITAT(SailorGN @ 12. Apr 2017, 16:40) *
Da CB an anderer Stelle auf diesen Thread verwies möchte ich das gern exemplarisch aufgreifen.

Ausgangspunkt war ein verlinktes Dokument zu C-Waffen in Syrien

Neben der geäusserten Kritik am Autor ist es an diesem Beispiel möglich, zumindest einige formale Indizien für die Seriosität einer Quelle/Werkes heraus zu stellen:

1. Der Autor nennt gleich zu Beginn seinen (Klar-)Namen inkl. Erreichbarkeit.
2. Der Text ist eindeutig datiert und strukturiert, eine Gliederung fehlt leider.
3. Der Inhalt ist in einer logischen Folge angeordnet, die Argumentation bleibt am aktuellen Punkt, springt nicht und ist in sich geschlossen.
4. Das Layout folgt dem Inhalt, Satzzeichen sind weder Herdentiere, noch wird auf simplizierende Drei-Wort-Sätze oder halbseitige Relativsatzkonstruktionen zurückgegriffen.
5. Der Autor arbeitet mit Fußnoten, die alle dem Quellennachweis dienen. Angesichts des Themas und der Seitenzahl vielleicht etwas dünn, aber seine maßgeblichen Punkte deckt er damit ab.
6. Der Autor hat neben ein paar persönlichen Erklärungen und Anmerkungen am Ende eine Kurzbiografie angehängt, aus dem nicht nur sein beruflicher Hintergrund hervorgeht, sondern auch seine möglichen Abhängigkeiten und Einstellungen.

Insgesamt ist das ein Text, der sowohl die Einordnung des Autors in vielerlei Hinsicht, wie auch die Prüfung der Inhalte sehr einfach ermöglicht. Es geht daraus hervor, warum sich der Autor für einen Experten hält und welche Grundlagen er für seine Einschätzung herangezogen hat. Darüber hinaus ist er für Rückfragen direkt erreichbar.


Der Text ist ein gutes Beispiel für das Problem der Semiprofessionellen Fake News die in den letzten Jahren Einzug gehalten haben (gutes Beispiel sind die Bellingcat Artikel). Der Author wendet einen gewissen Aufwand auf um vorzutäuschen Seriös zu sein ist es aber nicht.

Gründe die nach 30 Sekunden ins Auge stechen?
1.) Selbstzitat
2.) Zitate/Quell sind nicht sauber dargestellt und sehr schwer zu finden im Artikel
3.) Klassische Ablenkungsstrategie. Ich diskutiere 3 "Themen", bei 2 die mit der "eigenen" These nicht zu tun haben wird zitiert, beim 3ten, welches sich mit meiner These auseinandersetzt, gibt es dann keine Zitate mehr.
kato
Es hilft auch einfach mal die Firmen tatsächlich zu recherchieren, unter denen da "veröffentlicht" wird; die Seriösität läßt sich da schnell hinterfragen oder der Autor sich recht schnell in eine gewisse Richtung schieben.

Im obigen Fall handelt es sich um den Alleinvertreter und -Besitzer einer britischen Limited, die finanziell am Break-Even-Point operiert und deren Hauptgeschäft es zu sein scheint als Handelsvertreter für eine niedrig einstellige Zahl nichtbritischer Firmen auf Messen zu dienen.
kato
ZITAT(Crazy Butcher @ 8. Apr 2017, 15:40) *
Wenn es bei mir schnell gehen soll und ich wissen will, OB in der Welt etwas los ist, schaue ich meißtens auf n-tv vorbei. Dort kann man die aktuell wichtigen Ereignisse auf die Schnelle sehen ohne richtig einsteigen zu müssen.
Ist etwas tatsächlich passiert und mich interessiert das WAS mehr Details, dann geht es weiter zu SpOn. Dort werden in der Regel die Ereignisse etwas näher betrachtet, ohne dass man großartig Zeit zum lesen braucht.

Der Vollständigkeit halber, falls man weniger kommerziell gehen möchte:
Für den schnellen - und mobilen - Überblick eignen sich auch Apps entsprechend seriöser Quellen. Ich bevorzuge für obige Zwecke (OB und WAS) die ZDFheute-App. Scrollbarer und aktuell gehaltener headline-Newsticker mit Kurzzusammenfassung nach Klick für das OB, ausführlichere Artikel und Reportagen zu größeren Themen - im Regelfall mit Videos - sowohl auf Startseite als auch in Kategorien sortiert für das WAS und direkt verlinkt die aktuellen Ausgaben der tatsächlichen Nachrichtensendungen als Video.
Schneeball
ZITAT(SailorGN @ 12. Apr 2017, 16:40) *
Da CB an anderer Stelle auf diesen Thread verwies möchte ich das gern exemplarisch aufgreifen.

Ausgangspunkt war ein verlinktes Dokument zu C-Waffen in Syrien

Neben der geäusserten Kritik am Autor ist es an diesem Beispiel möglich, zumindest einige formale Indizien für die Seriosität einer Quelle/Werkes heraus zu stellen:

1. Der Autor nennt gleich zu Beginn seinen (Klar-)Namen inkl. Erreichbarkeit.
2. Der Text ist eindeutig datiert und strukturiert, eine Gliederung fehlt leider.
3. Der Inhalt ist in einer logischen Folge angeordnet, die Argumentation bleibt am aktuellen Punkt, springt nicht und ist in sich geschlossen.
4. Das Layout folgt dem Inhalt, Satzzeichen sind weder Herdentiere, noch wird auf simplizierende Drei-Wort-Sätze oder halbseitige Relativsatzkonstruktionen zurückgegriffen.
5. Der Autor arbeitet mit Fußnoten, die alle dem Quellennachweis dienen. Angesichts des Themas und der Seitenzahl vielleicht etwas dünn, aber seine maßgeblichen Punkte deckt er damit ab.
6. Der Autor hat neben ein paar persönlichen Erklärungen und Anmerkungen am Ende eine Kurzbiografie angehängt, aus dem nicht nur sein beruflicher Hintergrund hervorgeht, sondern auch seine möglichen Abhängigkeiten und Einstellungen.

Insgesamt ist das ein Text, der sowohl die Einordnung des Autors in vielerlei Hinsicht, wie auch die Prüfung der Inhalte sehr einfach ermöglicht. Es geht daraus hervor, warum sich der Autor für einen Experten hält und welche Grundlagen er für seine Einschätzung herangezogen hat. Darüber hinaus ist er für Rückfragen direkt erreichbar.


Alles schön so weit, es steckt sicher ein gewisser Aufwand in so einem Paper. Um meine Kritik abzukürzen noch mal mein Text aus dem anderen Strang:

Die Seite wird von Dan Kaszeta betreut, ein Co-Autor von Bellincat. Bellincat wurde von Eliot Higgins gegründet, der keinen Hehl daraus macht, zum Atlantic Council zu gehören und wohl auch von denen seine Kohle bekommt. Der Atlantic Council ist eine aussergewöhnlich einflussreiche US-amerikanische Denkfabrik und Lobbyorganisation, die von weltweit tätigen Konzernen und ehemaligen ranghohen Regierungsvertretern und Ex-Militärs gesteuert wird und überdies gut vernetzt ist mit zB der Atlantik Brücke oder dem Council on Foreign Relations. Über letztere stellt die Organisation Kontakte zu den Regierungsspitzen im transatlantischen Bereich her, um ihre interessengeleiteten Vorstellungen von Wirtschaft, Politik und Sicherheit in die offizielle Politik einzubringen.

Seine Nähe zu gewissen Institutionen mit eindeutiger Agenda lassen mich einfach an der nötigen Distanz zweifeln. Er ist mit den höchsten Zirkeln der Macht beinahe direkt verbunden. Dr. Uwe Krüger hat das exemplarisch für Deutsche Berichterstatter ja mal aufgedröselt: https://www.amazon.de/Meinungsmacht-Einflus...n/dp/3869620706
SailorGN
@rekrats: Gut gesehen. Ein Selbstzitat ist nicht per se falsch oder unwissenschaftlicht, gerade bei hochspezialisierten Forschungsgebieten muss auf vorherige Arbeiten verwiesen werden, wenn man die darin beschriebenen Sachverhalte braucht aber nicht erneut aufdröseln will. Man kann es auch tun, um eine spezifische Methodik zu erklären, die man bereits zuvor erfolgreich genutzt hat. In diesem Fall ist die Verlinkung zu einem Artikel bei Bloomberg wissenschaftlich eher unnötig. Was die Darstellung der Punkte im Text angeht so ist das in meinen Augen kein sachlicher Fehler. Sie sind erkennbar, fallen auch im Lesefluss auf und es gibt meines Wissens nach dafür keinen etablierten Standard. Kommt immer auf die Formatierung an... Letztendlich sind sie da, an den Stellen an die sie gehören und sie verweisen nicht auf irgendwelche Prosaergänzungen. Zu dem dritten Punkt kann ich nun gar nicht zustimmen. Alle Bereiche haben mit der Thematik zu tun, die Intention wird ja in der Introduction dargestellt. Darüber hinaus ist das erklärende Beiwerk in dieser Thematik und bei dieser Intention unbedingt notwendig. Schliesslich sind C-Waffen ein deutlich exotischeres Thema als Nuklearsprengköpfe, bzw. der Kenntnisstand der Mehrheit ist bei C-Waffen deutlich geringer. Neben den physiologischen und Kenntnissen gehört auch etwas Wissen zu chem. Verfahrenstechnik dazu. Wo Laborchemie und Neuronaufbau noch irgendwo rudimentär in der Schule mal unterrichtet wird geht es hier um deutlich spezielleres Wissen. Ohne den Blick auf allgemeinere Grundlagen dieses Spezialwissens zu richten ist die Diskussion über das Thema sinnlos. Man sieht ja an der Thematik hier im Forum, wie wenig von diesem Wissen in der Breite vorhanden ist.

Was die Nähe zu gewissen Institutionen angeht: Wenn sein Ein-Mann-Unternehmen am Breakevenpoint rumkrebst scheint es ihm ja nix zu nützen wink.gif Grundsätzlich ist so eine Nähe mindestens ein Verdachtsmoment, der ja auch gern Journalisten vorgeworfen wird. Es ist aber auch nicht ganz so einfach: Ohne Nähe keine Information oder Insidertipps (vor allem bei Journalisten, weniger auf den spezifischen Text gemünzt). Wer nur von weitem schaut und anklagt, ohne feste Beweise aus diesen Kreisen, macht sich selbst unglaubwürdig.

Nochmal was zum konkreten Inhalt des Textes: Aus meiner Warte (militärischer Hintergrund mit entsprechenden mehrmonatigen Fachlehrgängen und persönlicher Weiterbildung) sehe ich keine Fehler in den Darstellungen. Was er schreibt ist plausibel, wobei er ja nicht "beweist", sondern (Sach-)Argumente liefert, welche gegen (andere) Thesen sprechen.
Hummingbird
Ich kann in dem Schriftstück von Dan Kaszeta nichts ausmachen, was ich als sachlich falsch einordnen müsste. Daher ist es in diesem Fall nicht wirklich wichtig, welche persönlichen Motive er verfolgt. Er geht gezielt auf die Argumente der russischen Desinformationskampagne ein und alleine das macht seinen Standpunkt deutlich. Solange etwas sachlich richtig ist, ist es aber völlig egal aus welcher Quelle es stammt. Die persönliche Agenda wird fragwürdiger bei gewagten und unbelegten Thesen wie beispielsweise von Söder verbreitet.
Schneeball
ZITAT(Hummingbird @ 13. Apr 2017, 01:54) *
Ich kann in dem Schriftstück von Dan Kaszeta nichts ausmachen, was ich als sachlich falsch einordnen müsste. Daher ist es in diesem Fall nicht wirklich wichtig, welche persönlichen Motive er verfolgt. Er geht gezielt auf die Argumente der russischen Desinformationskampagne ein und alleine das macht seinen Standpunkt deutlich. Solange etwas sachlich richtig ist, ist es aber völlig egal aus welcher Quelle es stammt. Die persönliche Agenda wird fragwürdiger bei gewagten und unbelegten Thesen wie beispielsweise von Söder verbreitet.

Es wäre schön, wenn man alle Nachrichten so beurteilen würde. Wenn ich hier einen Bericht poste von zB. swedhr.org der scheinbare Fakes der White Helmets enttarnt wird es weggebügelt mit "nicht relevant", "kein schönes Englisch", politische Agenda, etcpp. ohne auch nur mit einer Silbe auf den Inhalt einzugehen. Warum ist das so und was ist an dem Bericht fachlich falsch? Für mich war der nämlich ziemlich glaubwürdig vom Inhalt her, soweit ich das beurteilen kann (bin kein Arzt).
Hummingbird
ZITAT(Schneeball @ 13. Apr 2017, 10:11) *
Warum ist das so und was ist an dem Bericht fachlich falsch? Für mich war der nämlich ziemlich glaubwürdig vom Inhalt her, soweit ich das beurteilen kann (bin kein Arzt).
lol, der Artikel hat schon mal im ersten Satz behauptet, die White Helmets wären von der NATO finanziert.
Desweiteren ist es müßig sich darüber aufzuregen, dass die Pressearbeit einer Organisation in einem Bürgerkriegsgebiet keinen professionellen Standards folgt. Das die Öffentlichkeitsarbeit mit eigenen Interessen betreiben sollte eigentlich selbsterklärend sein.
Tankcommander
Nun was glaubwürdiger ist bestimmt die Obrigkeit. wink.gif

Natürlich sind die Medien der Transatlantikbrücke oder Atlantic Council nicht glaubwürdiger als die alternativen Medien, weil die von ihren Lobbys und Finziers genauso abhängig sind wie Staatsmedien.
Für den Propagandakrieg braucht man Medien auch nicht zu besitzen, es genügt schon diese zu finanzieren und Schlüsselpositionen mit entsprechenden Entscheidern zu besetzen.

Glaubwürdig werden Nachrichten erst wenn diese von neutralen Insidern bestätigt werden, was im Falle des Syrienkrieges natürlich schwierig ist.
Die Weisshelme sind natürlich keine neutrale Quelle, und natürlich sind die Vorwürfe bei dem Giftgasangriff handelt es um eine False Flag kombiniert mit Fakenews (mittlerweile kommt auch schon der Verdacht es handelte sich nicht um Sarin) erheblich wahrscheinlicher als das Assad eine US-Intervention provozieren würde. Davon abgesehen dass der Angriff noch nicht einmal millitärisch notwendig gar sinnvoll gewesen wäre. Von der Demoralisierung von fanatischen Islamisten mal ganz zu schweigen.
Schneeball
ZITAT(Hummingbird @ 13. Apr 2017, 11:10) *
ZITAT(Schneeball @ 13. Apr 2017, 10:11) *
Warum ist das so und was ist an dem Bericht fachlich falsch? Für mich war der nämlich ziemlich glaubwürdig vom Inhalt her, soweit ich das beurteilen kann (bin kein Arzt).
lol, der Artikel hat schon mal im ersten Satz behauptet, die White Helmets wären von der NATO finanziert.
Desweiteren ist es müßig sich darüber aufzuregen, dass die Pressearbeit einer Organisation in einem Bürgerkriegsgebiet keinen professionellen Standards folgt. Das die Öffentlichkeitsarbeit mit eigenen Interessen betreiben sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Deutschland zB. finanziert die Propagandatruppe mit 7 mio jährlich, unter anderem mit deinem Geld (mich würd das rasen machen): http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoserv...Weisshelme.html Ist Deutschland plötzlich nicht mehr Teil der NATO? Gegründet wurde sie von James Le Mesurier, einem ehemaligen Agenten der Briten, auch Teil der NATO. Man findet noch weitere Links die Belegen dass auch Holland oder die USA den Weisshelmen Millionenbeträge zukommen lassen. Alle Teil der NATO, soweit ich weiss.

Man kann natürlich nicht Beweisen dass die Weisshelme direkt von der NATO finanziert und gegründet wurden, sind sie vielleicht auch nicht, geschenkt. Aber alle Spuren führen zu NATO Mitgliedern und deren Verbündeten, also ist die Behauptung dass die von der NATO finanziert werden eine verkürzte und zugespitzte Darstellung, aber im Kern richtig. All das ändert zudem nichts an den Analysierten Inhalten der Propagandafilmchen der Weissenhelmchen. Die Nähe dieser Propgandatruppe zu den Kopfabschneidern ist zudem offensichtlich, wenn man grad nicht den Film auf Netflix anschaut:
https://twitter.com/hkx07/status/781614195594756096
https://www.youtube.com/watch?v=eOz0jt_wA8w
Achtung, ganz übler Link:
https://www.liveleak.com/view?i=0a3_1430870428
400plus
ZITAT(Schneeball @ 13. Apr 2017, 12:40) *
ZITAT(Hummingbird @ 13. Apr 2017, 11:10) *
ZITAT(Schneeball @ 13. Apr 2017, 10:11) *
Warum ist das so und was ist an dem Bericht fachlich falsch? Für mich war der nämlich ziemlich glaubwürdig vom Inhalt her, soweit ich das beurteilen kann (bin kein Arzt).
lol, der Artikel hat schon mal im ersten Satz behauptet, die White Helmets wären von der NATO finanziert.
Desweiteren ist es müßig sich darüber aufzuregen, dass die Pressearbeit einer Organisation in einem Bürgerkriegsgebiet keinen professionellen Standards folgt. Das die Öffentlichkeitsarbeit mit eigenen Interessen betreiben sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Deutschland zB. finanziert die Propagandatruppe mit 7 mio jährlich, unter anderem mit deinem Geld (mich würd das rasen machen): http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoserv...Weisshelme.html Ist Deutschland plötzlich nicht mehr Teil der NATO? Gegründet wurde sie von James Le Mesurier, einem ehemaligen Agenten der Briten, auch Teil der NATO. Man findet noch weitere Links die Belegen dass auch Holland oder die USA den Weisshelmen Millionenbeträge zukommen lassen. Alle Teil der NATO, soweit ich weiss.


Nach der Logik finanziert auch die FIFA die Weißhelme, denn da sind Holland, Deutschland und die USA auch Mitglieder.
schießmuskel
Dass die NATO die Weisshelme finaziert ist im Kern ungefähr so richtig wie daß die NATO Waisenhäuser in Afrika baut. Weil deutsches, französisches, und amerikanisches Geld fließt für solche Projekte und das sind alles NATO Mitglider facepalm.gif facepalmfji3.gif wallbash.gif rolleyes.gif hmpf.gif
Schneeball
ZITAT(schießmuskel @ 13. Apr 2017, 13:09) *
Dass die NATO die Weisshelme finaziert ist im Kern ungefähr so richtig wie daß die NATO Waisenhäuser in Afrika baut. Weil deutsches, französisches, und amerikanisches Geld fließt für solche Projekte und das sind alles NATO Mitglider facepalm.gif facepalmfji3.gif wallbash.gif rolleyes.gif hmpf.gif

Und darum schrieb ich ja VERKÜRZT und ZUGESPITZT, aber im Kern richtig. Man kann das richtig verstehen oder es sich so hinlegen, dass es blöd ist und man sich mit dem Inhalt nicht auseinandersetzen muss. Das zweite tut ihr, die Frage ist, warum?

Schau dir den Artikel an, lies dir seine Argumente durch, guck dir das Video an und dann sag mir, wo er falsch liegt. Ich habe keine medizinische Ausbildung die über Erste Hilfe hinausgeht und meine Ausbildung in der Armee liegt Ewigkeiten zurück, soweit, dass ich mich nicht mal an die max Reichweite "meines" Waffensystems erinnern kann. Für mich liest sich die Argumentation schlüssig, aber es kann natürlich auch gut gemachte Propaganda sein. Darum habe ich ja ursprünglich hier gefragt!
Schwabo Elite
ZITAT(Schneeball @ 12. Apr 2017, 19:59) *
Die Seite wird von Dan Kaszeta betreut, ein Co-Autor von Bellincat. Bellincat wurde von Eliot Higgins gegründet, der keinen Hehl daraus macht, zum Atlantic Council zu gehören und wohl auch von denen seine Kohle bekommt. Der Atlantic Council ist eine aussergewöhnlich einflussreiche US-amerikanische Denkfabrik und Lobbyorganisation, die von weltweit tätigen Konzernen und ehemaligen ranghohen Regierungsvertretern und Ex-Militärs gesteuert wird und überdies gut vernetzt ist mit zB der Atlantik Brücke oder dem Council on Foreign Relations.
Mir fällt dieses Narrativ jetzt bei Dir schon wiederholt auf. Ich glaube, Du schätzt das Atlantic Council da sehr durch eine bestimmte Brille gefärbt ein. Das AC ist vor allem mal eine Denkfabrik. Als solche propagiert sie ihre Ergebnisse genau so deutlich wie andere US-Thinktanks auch, vgl. Hoover, Brookings, Heritage, CSIS, CATO, Carnegie (um ein breiteres Spektrum zu nennen, ohne ins Detail zu gehen).

Dass im AC hohe ehemalige Militärangehörige oder Angestellte aus der Wirtschaft sitzen ist wenig verwunderlich und kaum vermeidbar, lässt aber eine wichtige dritte Gruppe aus, auf die ich bereits schon einmal hingewiesen habe: Wissenschaftler, vor allem Politologen, Soziologen und Historiker. Die machen einen Gutteil der Forschungsarbeit, wie bei jedem Thinktank. Ehemalige Offiziere haben in den USA, wie in vielen NATO-Ländern in der Regel ab einem gewissen Dienstgrad studiert. Demzufolge sind die meisten ehemaligen Soldaten beim AC entweder wissenschaftlich aktiv und haben ihr Forschungsfeld nach ihrem Beruf gewählt oder sie sind dort als Manager mit Sachverstand.

Die ehemaligen Angestellten "weltweit tätiger Konzerne" klingen zwar direkt nach "böse Lobbygruppe", aber das ist Deiner Wortwahl von "Konzern" und "Lobby" geschuldet. Du suhlst Dich da im eigenen ideologischen Sud. Wenn ich Pharmazie studiere, nach der Promotion bei Bayer arbeite und anschließend zurück in die Forschung an einem privaten Institut gehe - sowas nennt man einen Thinktank - dann bin ich extrem gut ausgebildet und so nah wie möglich an Markt und Eigentümern der Produktionsmittel. Das qualifiziert mich deutlich mehr für einen Forschungsjob als "nach der Promotion Apotheker geworden".

Ähnlich ist es bei ehemaligen Angestellten von Consulting-Firmen, internationalen Kanzleien oder Firmen mit großen Marktanteilen in Gebieten mit hohem Kontakt zu Russland. Solche Leute können in Thinktanks als Forschungsmanager oder seltener als Forscher selbst und natürlich als Kontaktpersonen zu nicht-wissenschaftlichen Einrichtungen erhebliche Synergieeffekte erzeugen und so dem Thinktank Ressourcen, Gehör und neue Perspektiven ermöglichen.

Das funktioniert aber kein Stück anders an öffentlichen Forschungseinrichtungen. Wenn ich als Historiker nur meine Bücher wälze und mit keinem außerhalb rede, nimmt mich vielleicht noch die Forschungsgemeinschaft wahr, aber sonst keiner. Bei der Akquise von Forschungsmitteln ist es daher ratsam mit außeruniversitären Einrichtungen wie Museen, Archiven oder privaten Stiftungen - nicht selten selbst Think Tanks - zu kooperieren. Und natürlich ist es kein Gift für die Forschung schöne Funde oder Konferenzen mal publik zu machen, mit der Presse zu reden oder einen Twitter-Account zu betreiben. Auch wenn deutsche Geistes- und Kulturwissenschaftler gerne noch immer so tun, als sei das #neuland ein Schmuddelkind. Oder mit der Öffentlichkeit reden überhaupt.

Das AC macht genau das, es entwirft Lagebilder, erstellt Handlungsempfehlungen und bringt verschiedene Akteure zusammen auf Konferenzen oder Workshops. Im Übrigen nicht nur zu sicherheitspolitischen Problemen der transatlantischen Welt, wie Russland, sondern zu allen Regionen und Krisenherden, die für die transatlantische Welt eine Herausforderung darstellen: Afrika, Fernost, Eurasien allgemein, Europa oder Lateinamerika. Zusätzlich gibt es noch thematische Programme: Zukunft Europas, Wirtschaft & Ökonomie, Katastrophenschutz. Für eine Lobbyorganisation, wie sie die wirtschaftsfeindlichen Narrative von links- und rechtsaußen gerne überall sehen, ist man damit deutlich zu breit aufgestellt und hat vor allem zu viele Interessenspartner mit zu diversen Interessen, als dass man da einheitlich agieren könnte. Da würde ich Gruppen wie "Atlantik-Brücke" oder die "Deutsche Atlantische Gesellschaft" eher drunterfallen lassen.

Andererseits hat der Begriff "Lobbyverband" an sich schon politisches Geschmäckle. Das sind Interessenverbände, wie die Dutzenden Bundes- und Landesverbände irgendwelcher Wirtschaftszweige oder Volks- und Berufsgruffen oder die Hochschulrektorenkonferenz auch. Außen- und Sicherheitspolitik fällt im PuG nur mehr auf. wink.gif
Schneeball
ZITAT(Schwabo Elite @ 13. Apr 2017, 14:04) *
ZITAT(Schneeball @ 12. Apr 2017, 19:59) *
Die Seite wird von Dan Kaszeta betreut, ein Co-Autor von Bellincat. Bellincat wurde von Eliot Higgins gegründet, der keinen Hehl daraus macht, zum Atlantic Council zu gehören und wohl auch von denen seine Kohle bekommt. Der Atlantic Council ist eine aussergewöhnlich einflussreiche US-amerikanische Denkfabrik und Lobbyorganisation, die von weltweit tätigen Konzernen und ehemaligen ranghohen Regierungsvertretern und Ex-Militärs gesteuert wird und überdies gut vernetzt ist mit zB der Atlantik Brücke oder dem Council on Foreign Relations.
Mir fällt dieses Narrativ jetzt bei Dir schon wiederholt auf. Ich glaube, Du schätzt das Atlantic Council da sehr durch eine bestimmte Brille gefärbt ein. Das AC ist vor allem mal eine Denkfabrik. Als solche propagiert sie ihre Ergebnisse genau so deutlich wie andere US-Thinktanks auch, vgl. Hoover, Brookings, Heritage, CSIS, CATO, Carnegie (um ein breiteres Spektrum zu nennen, ohne ins Detail zu gehen).

Dass im AC hohe ehemalige Militärangehörige oder Angestellte aus der Wirtschaft sitzen ist wenig verwunderlich und kaum vermeidbar, lässt aber eine wichtige dritte Gruppe aus, auf die ich bereits schon einmal hingewiesen habe: Wissenschaftler, vor allem Politologen, Soziologen und Historiker. Die machen einen Gutteil der Forschungsarbeit, wie bei jedem Thinktank. Ehemalige Offiziere haben in den USA, wie in vielen NATO-Ländern in der Regel ab einem gewissen Dienstgrad studiert. Demzufolge sind die meisten ehemaligen Soldaten beim AC entweder wissenschaftlich aktiv und haben ihr Forschungsfeld nach ihrem Beruf gewählt oder sie sind dort als Manager mit Sachverstand.

Die ehemaligen Angestellten "weltweit tätiger Konzerne" klingen zwar direkt nach "böse Lobbygruppe", aber das ist Deiner Wortwahl von "Konzern" und "Lobby" geschuldet. Du suhlst Dich da im eigenen ideologischen Sud. Wenn ich Pharmazie studiere, nach der Promotion bei Bayer arbeite und anschließend zurück in die Forschung an einem privaten Institut gehe - sowas nennt man einen Thinktank - dann bin ich extrem gut ausgebildet und so nah wie möglich an Markt und Eigentümern der Produktionsmittel. Das qualifiziert mich deutlich mehr für einen Forschungsjob als "nach der Promotion Apotheker geworden".

Ähnlich ist es bei ehemaligen Angestellten von Consulting-Firmen, internationalen Kanzleien oder Firmen mit großen Marktanteilen in Gebieten mit hohem Kontakt zu Russland. Solche Leute können in Thinktanks als Forschungsmanager oder seltener als Forscher selbst und natürlich als Kontaktpersonen zu nicht-wissenschaftlichen Einrichtungen erhebliche Synergieeffekte erzeugen und so dem Thinktank Ressourcen, Gehör und neue Perspektiven ermöglichen.

Das funktioniert aber kein Stück anders an öffentlichen Forschungseinrichtungen. Wenn ich als Historiker nur meine Bücher wälze und mit keinem außerhalb rede, nimmt mich vielleicht noch die Forschungsgemeinschaft wahr, aber sonst keiner. Bei der Akquise von Forschungsmitteln ist es daher ratsam mit außeruniversitären Einrichtungen wie Museen, Archiven oder privaten Stiftungen - nicht selten selbst Think Tanks - zu kooperieren. Und natürlich ist es kein Gift für die Forschung schöne Funde oder Konferenzen mal publik zu machen, mit der Presse zu reden oder einen Twitter-Account zu betreiben. Auch wenn deutsche Geistes- und Kulturwissenschaftler gerne noch immer so tun, als sei das #neuland ein Schmuddelkind. Oder mit der Öffentlichkeit reden überhaupt.

Das AC macht genau das, es entwirft Lagebilder, erstellt Handlungsempfehlungen und bringt verschiedene Akteure zusammen auf Konferenzen oder Workshops. Im Übrigen nicht nur zu sicherheitspolitischen Problemen der transatlantischen Welt, wie Russland, sondern zu allen Regionen und Krisenherden, die für die transatlantische Welt eine Herausforderung darstellen: Afrika, Fernost, Eurasien allgemein, Europa oder Lateinamerika. Zusätzlich gibt es noch thematische Programme: Zukunft Europas, Wirtschaft & Ökonomie, Katastrophenschutz. Für eine Lobbyorganisation, wie sie die wirtschaftsfeindlichen Narrative von links- und rechtsaußen gerne überall sehen, ist man damit deutlich zu breit aufgestellt und hat vor allem zu viele Interessenspartner mit zu diversen Interessen, als dass man da einheitlich agieren könnte. Da würde ich Gruppen wie "Atlantik-Brücke" oder die "Deutsche Atlantische Gesellschaft" eher drunterfallen lassen.

Andererseits hat der Begriff "Lobbyverband" an sich schon politisches Geschmäckle. Das sind Interessenverbände, wie die Dutzenden Bundes- und Landesverbände irgendwelcher Wirtschaftszweige oder Volks- und Berufsgruffen oder die Hochschulrektorenkonferenz auch. Außen- und Sicherheitspolitik fällt im PuG nur mehr auf. wink.gif


Ich weiss, was die machen und das nicht 100% des Outputs Mist ist.

Aber so etwas hier, da fehlen einem die Worte. Das ist doch einfach nur noch Gaga, pure Angstmacherei um die Rendite der eigenen Clientel zu steigern. Mit der Realität hat das doch einfach nichts zu tun. Nun gut, so ein Aluhut passt sicher auch zu Olivgrüner Kleidung:
"Even if Moscow currently has no immediate intent to challenge NATO directly, this may unexpectedly change overnight and can be implemented with great speed"
http://www.atlanticcouncil.org/images/publ...ce_web_0719.pdf

Oder hier, Gerhard Schröder als "Trojanisches Pferd aus Moskau"
http://www.atlanticcouncil.org/images/publ...ird_edition.pdf

pillepalle.gif

Für solche fundierte Analysen haben die ganzen Soziologen und Politikwissenschaftler sicher Monatelang durchgearbeitet smile.gif

Al Qaida bietet der Atlantic Council übrigens auch eine Platform. Ich kapiere einfach nicht, wie man von solchen Leuten auch nur 1 Wort ernst nehmen kann: http://www.atlanticcouncil.org/events/past...e-white-helmets
SailorGN
Zu deinem ersten Link, Deckseite: "This report is written and published in accordance with the Atlantic Council Policy on Intellectual Independence. The authors are solely responsible for its analysis and recommendations. The Atlantic Council and its donors do not determine, nor do they necessarily endorse or advocate for, any of this report’s conclusions."

Was den zweiten Link angeht, nun, auch wenns persönlich ist... da muss ich wirklich lachen. Nicht über den Text, sondern darüber, dass er um 180° gedreht genau das Gleiche ist, was du über das AC geschrieben hast. Es wird sehr genau zerlegt, wer mit wem warum und für wieviel miteinander redet.. Quasi ein Bericht über russische Lobbyarbeit in D.


Edit: Und nun zu etwas völlig anderem. Erstmalig sehe ich unter einem Artikel des Deutschlandfunks folgenden Hinweis: Anmerkung der Redaktion: Recherchen für diesen Beitrag wurden unter anderem durch eine Reisekostenbeteiligung des US-Außenministeriums ermöglicht.
Schneeball
ZITAT(SailorGN @ 13. Apr 2017, 15:30) *
Zu deinem ersten Link, Deckseite: "This report is written and published in accordance with the Atlantic Council Policy on Intellectual Independence. The authors are solely responsible for its analysis and recommendations. The Atlantic Council and its donors do not determine, nor do they necessarily endorse or advocate for, any of this report’s conclusions."

Klar, die Geldgeber beeinflussen nie das Ergebnis einer Studie biggrin.gif Auch wenns persönlich ist... da muss ich wirklich lachen.


ZITAT(SailorGN @ 13. Apr 2017, 15:30) *
Edit: Und nun zu etwas völlig anderem. Erstmalig sehe ich unter einem Artikel des Deutschlandfunks folgenden Hinweis: Anmerkung der Redaktion: Recherchen für diesen Beitrag wurden unter anderem durch eine Reisekostenbeteiligung des US-Außenministeriums ermöglicht.

Und das wundert dich? Es ist doch schon seit Ewigkeiten bekannt, dass Institutionen, Behörden oder Firmen den Journalisten Gefälligkeiten, Kontakte, Informationen etc zukommen lassen. Natürlich beeinflusst das den objektiven Geist eines Journalisten nicht!
Es gibt ganze Bücher, die diese Tätigkeiten dokumentieren und analysieren. Noch nie so ein Buch in der Hand gehabt? Ich kann gerne Empfehlungen aussprechen, wenn es dich interessiert.
SailorGN
Nein. Mich erstaunt, dass der DLF diese Anmerkung macht. Und danke, nein, ich brauche keine solchen Empfehlungen^^ Mir ist bekannt, dass es Gratifikationen aller Art für Berichterstatter gibt... Die Frage im Umkehrschluss ist, warum Journalisten es überhaupt nötig haben, sowas anzunehmen, ja tlw. sogar darauf angewiesen sind. Es ist nämlich sehr einfach: Recherche vor Ort kostet. Kein Journalist kann mehrwöchige Recherchen im Ausland auf gut Glück selbst finanzieren. Nun soll aber so ein Artikel auch "nichts" kosten, d.h. die Leser zahlen immer weniger, womit Medien ohne Zuwendungen, Werbung oder Auftragsberichterstattung ihre Journalisten nicht mehr bezahlen können. Das ist Realität. Immer mehr Journalisten sind Freiberufler und werden besch...eiden bezahlt. Nur von Luft und Idealuismus kann man nicht leben und einen eventuellen Studienkredit abbezahlen... von Familie gar nicht zu reden. Ich weiss ja nicht, in welchem sozialistischen Märchenwunderland du lebst, aber ernsthafte, tiefe Recherche, die sich über Monate und Jahre hinzieht, ist ohne "Zuwendungen" nicht möglich. Selbst das täglich Brot ist schwer und da muss man in der Branche schon "Masse" liefern.

Letztendlich bleibt eben nicht nur die Frage, was bekommt der Journalist, sondern vielmehr, was bekommt der Geber? Ich glaube nicht, dass sich das amerikanische Aussenministerium den Artikel über Startups in Detroit hinterher zur Zensur hat vorlegen lassen, das Kameras/Laptops gefilzt werden oder vorgeschriebene Texte verteilt wurden. Denn bei aller "Neutralitätbesessenheit", selbst der reguläre Besuch einer staatlichen Schule mit staatlichen Lehrplan, staatlich bezahlten Lehrern und staatlich bezahlten Stühlen ist ja schon Indoktrination pur. Staatsangehörigkeit ist eine Gruppenzugehörigkeit und macht damit auch per se voreingenommen... Und was Eltern so für Vorurteile weitergeben....
Schwabo Elite
Müßig bei solchen Standpunkten überhaupt noch zu diskutieren.

Ich weiß, warum wir so ein Thema nie wirklich gefördert haben. Es zieht genau solche schwurbeligen Diskussionpartner an. Der Rest hat sich eh verabschiedet.

Wenn das hier nicht schnell mehr Niveau annimmt, werden wir das Thema schließen.
Schneeball
ZITAT(SailorGN @ 13. Apr 2017, 16:54) *
Nein. Mich erstaunt, dass der DLF diese Anmerkung macht. Und danke, nein, ich brauche keine solchen Empfehlungen^^ Mir ist bekannt, dass es Gratifikationen aller Art für Berichterstatter gibt... Die Frage im Umkehrschluss ist, warum Journalisten es überhaupt nötig haben, sowas anzunehmen, ja tlw. sogar darauf angewiesen sind. Es ist nämlich sehr einfach: Recherche vor Ort kostet. Kein Journalist kann mehrwöchige Recherchen im Ausland auf gut Glück selbst finanzieren. Nun soll aber so ein Artikel auch "nichts" kosten, d.h. die Leser zahlen immer weniger, womit Medien ohne Zuwendungen, Werbung oder Auftragsberichterstattung ihre Journalisten nicht mehr bezahlen können. Das ist Realität. Immer mehr Journalisten sind Freiberufler und werden besch...eiden bezahlt. Nur von Luft und Idealuismus kann man nicht leben und einen eventuellen Studienkredit abbezahlen... von Familie gar nicht zu reden. Ich weiss ja nicht, in welchem sozialistischen Märchenwunderland du lebst, aber ernsthafte, tiefe Recherche, die sich über Monate und Jahre hinzieht, ist ohne "Zuwendungen" nicht möglich. Selbst das täglich Brot ist schwer und da muss man in der Branche schon "Masse" liefern.

Das brauchst du mir nicht erzählen, damit rennst du offene Türen ein. Es gibt eben Dinge, die auf dem "freien Markt" nur begrenzt funktionieren und vernünftiger Journalismus gehört wohl dazu.


ZITAT(SailorGN @ 13. Apr 2017, 16:54) *
Letztendlich bleibt eben nicht nur die Frage, was bekommt der Journalist, sondern vielmehr, was bekommt der Geber? Ich glaube nicht, dass sich das amerikanische Aussenministerium den Artikel über Startups in Detroit hinterher zur Zensur hat vorlegen lassen, das Kameras/Laptops gefilzt werden oder vorgeschriebene Texte verteilt wurden. Denn bei aller "Neutralitätbesessenheit", selbst der reguläre Besuch einer staatlichen Schule mit staatlichen Lehrplan, staatlich bezahlten Lehrern und staatlich bezahlten Stühlen ist ja schon Indoktrination pur. Staatsangehörigkeit ist eine Gruppenzugehörigkeit und macht damit auch per se voreingenommen... Und was Eltern so für Vorurteile weitergeben....

Natürlich gibts da keine Zensur im eigentlichen Sinne, das hat auch niemand behauptet. Aber was glaubst du, wie oft bezahlen die dir eine Reise wenn zu kritisch bist mit ihnen? Die Zensur, wenn man das so nennen möchte, findet an einem ganz anderen Ort statt.
goschi
ZITAT(Schneeball @ 13. Apr 2017, 18:10) *
Es gibt eben Dinge, die auf dem "freien Markt" nur begrenzt funktionieren und vernünftiger Journalismus gehört wohl dazu.

Was wäre aus deiner Sicht denn "vernünftiger Journalismus"?
schießmuskel
War doch abzusehen, dass das ein Bullshit Thread wird sobald hier gewisse Foristen ihre Agenda puschen.
Alles NATO USA CIA abhängige, beeinflusste und finazierte Medien und Institute. Man kann also heute keine Zeitung, Sender oder Institut mehr ernst nehmen. Und genau dieser Relativismus ist es der dann unsere Medien und Denkfabriken untermeniert und damit RT und co. als gleichwertig oder gar das kleinere bel dastehen lässt.

Haben westliche Medien und Denkfabriken bewusst und unbewusst gelogen und lügen immer noch? Ja!
Gibt es ausserhalb der westlichen Welt Medien und Institute die besser und fundierter ihre Konsumenten informieren ? Nein!
Redeagle
Ich vermisse Neutralität in den Medien.
Beispiel: Bildauswahl. Die Macht der Bilder jeh nach Auswahl wird eine gewisse Grundstimmung vermittel.
Wird die Person grimmig oder in aufbrausender Haltung dargestell =" Aha der ist der Böse auf seiner Seite sollte ich nicht sein!" / Lachend und freundlich = "Er ist der Gute dem muss ich glauben!" Wenn eine Aussage als VT gebrandmarkt wird, zwingt man den Leser gedanklich dazu diese Haltung abzulehnen, wenn er nicht zu den "Bösen" zählen will..
Ganz deutlich in kommentierten Nachrichten zu erkennen.

In Gewisserweise findet fast immer eine Vorverurteilung statt (anhand der Überschrift und Bildwahl).

Thema Quellen... Nachrichten werden oft nur eingekauft (Reuters DPA usw) ohne nachgeprüft zu werden. Oder es werden politisch genehme Tweets herangezogen und als Fakten dargestellt. Andere die es nicht sind (aber aus ähnlichen Kanälen kommen) wiederrum Propaganda.

Vergleicht einfach mal die Nachrichten aus 1990 und von heute. Heute geht es darum Meinungen zu transportieren und nicht zwingend die Wahrheit.

Das klingt zwar "Schwarz und Weiß" (und extrem Vereinfacht ), aber im Groben funktioniert es so.
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[Edit Rechtschreibung]
Stefan Kotsch
Neutrale Medien gab es nie und wird es nie geben. Was aber zunimmt ist die Quantitiät und Dichte an Medien, allein schon durch das Internet. Die Medienwelt wie viele sie vermissen ist passe. Entweder lernen wir mit der Informationsmenge vernünftig umzugehen oder wir laufen den nächsten Rattenfängern hinterher die wiedermal die revolutionäre Alternative versprechen, die ebenso wiedermal darin besteht die Vergangenheit die es so nie gab für die Zukunft zu reanimieren, was regelmäßig damit endet, dass die Meinungsfreiheit beschnitten wird um der jeweiligen Wunschwahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.
Seydlitz
Sehe ich ähnlich. Völlig "Neutrale" Medien, wie sie hier von manchen erträumt werden, kann es so kaum geben, weil immer noch Menschen (Journalisten) die Berichte, Artikel, Nachrichten und Reportagen erstellen. Und diese befinden sich in den allermeisten Fällen halt auch in einem Angestellten bzw Abhängigkeitsverhältnis. Wobei das absolut nicht bedeutet, dass der jeweilige Journalist von seinem Arbeitgeber gezwungen wird, die Unternehmensphilosophie zu vertreten. Zudem wird ein Journalist, welcher ja auch ein denkendes Wesen ist, sprich eigene politische und- oder sonstige Vorstellungen besitzt, nicht bei einem Unternehmen anheuern, was den eigenen Vorstellungen komplett gegensätzlich gegenüber steht.
In einem Staat mit freiheitlich demokratischen Werten gibt es eine freie Presselandschaft, sprich von (Informations-) Unternehmen, welche Positionen von Links über die Mitte bis Rechts vertreten. Die jeweiligen Grenzen (Extremismus) sind Gesetzlich geregelt, es gibt eine mehr oder weniger unabhängige Justiz, welche diese Grenze überwacht bzw. vermeintliche Streitfälle regelt.
Das häufig auftauchende Argument der Einheitspresse, merkwürdigerweise gegenüber der "westlichen" Presse, und nicht gegen Länder, welche in Sachen Pressefreiheit eher auf den hinteres Rängen rangieren, verwundert mich doch immer wieder. Gefühlt gibt es in Deutschland doch eine recht weit gefasste Presselandschaft, in der mehr oder weniger jeder seinen persönlichen Standpunkt in bestimmten politischen oder Gesellschaftlichen Themen wiederfinden sollte. Natürlich nicht immer im gleichem Medium oder Unternehmen, dazu gibt es wohl doch zuviel Vielfalt wink.gif

Ein Problem sehe ich eher in der Geschwindigkeit, in der heute Informationen verlangt werden. Mancher beansprucht quasi eine Liveschaltung, oder halt eine sehr kurze Zeitspanne nach einem Ereignis.
Qualitativ guter Journalismus benötigt aber halt eine gewisse Zeit, denn Informationen müssen überprüft werden, Quellen erst mal aufgetan werden etc. Also werden relativ schnell ungeprüfte oder nur oberflächlich überprüfte Infos veröffentlicht, gerade was die online Medien betrifft. Genauer recherchierte Beiträge erscheinen dann auch häufig erst 2-3 Tage nach dem jeweiligen Ereignis.
Und auch die Presse muss ihre Angestellten irgendwie bezahlen, sprich sie müssen auch Geld durch den Verkauf ihrer Arbeit einnehmen. Durch Leser, welche sich ausschließlich oder überwiegend auf kostenfreie online Informationen abstützen, entsteht auch Druck. Die Anzahl an kostenpflichtigen +Mitgliedschaften für "gute" Artikel steigt gefühlt. Und auch eine gedruckte Ausgabe, gerade zum Wochenende, hat für mich deutlich mehr Qualität.
Hummingbird
ZITAT(Seydlitz @ 14. Apr 2017, 22:59) *
Wobei das absolut nicht bedeutet, dass der jeweilige Journalist von seinem Arbeitgeber gezwungen wird, die Unternehmensphilosophie zu vertreten.
Das kommt aber leider häufig vor, dass Berichterstattung aus Rücksichtnahme auf Werbekunden unterbunden wird. Gerade bei kleinen, privatwirtschaftlichen Medienbetrieben ist das leider sehr häufig der Fall. Stell dir z.B. vor, ein privater Fernsehsender kommt in die Breduille, unangenehme Nachrichten über einen wichtigen Werbekunden verbreiten zu sollen. Oder ob sich ein Redakteur einer Lokalzeitung es sich erlauben kann oder will, es sich mit dem Oberbürgermeister zu verscherzen und dadurch schlichtweg im Zugang zu wichtigen Veranstaltungen ausgeschlossen wird. Auch bei internationalen Veranstaltungen sind die Plätze für Medienvertreter begrenzt und da wird schlichtweg selektiert, wer eine Akkreditierung erhält. Aber bei großen Veranstaltungen wo eine entsprechend große Medienpräsenz vorhanden ist, wirkt sich das weniger extrem aus, als bei kleinen Medienunternehmen auf lokaler Ebene. Seit durch das Internet immer mehr für den Konsumenten kostenlose Medien frei verfügbar geworden sind und ein dementsprechender Preisverfall eingetreten ist, wird auch immer deutlicher, das Qualitätsjournalismus schlichtweg Geld kostet. Und woher dieses Geld kommt, ist immer eine wichtige Frage.
Seydlitz
Ich stimme dir zu, dass qualitativ guter Journalismus nicht zum Nulltarif zu haben ist.
Aber wie häufig es vorkommt, dass Rücksicht z.B. auf Werbekunden genommen wird, darüber lässt sich streiten. "Häufig" würde ich ,natürlich auch nur gefühlt, nicht verwenden. Das es Rücksichtnahme gibt, keine Frage.
Ein privater Fernsehsender ist ja doch eher keine ganz kleine Nummer. Extremfälle sind mir jetzt spontan nicht bekannt. So z.B der VW Abgasskandal. Und in der Politik gibt es aus meiner Sicht einfach schlicht zu viele Quellen, welche bereitwillig Informationen weitergeben. Gerade die Lokalpolitik empfinde ich in Punkto Berichterstattung zuweilen ganz unterhaltsam, auch durch veröffentlichte Leserbriefe.
Das ist aber natürlich auch nur meine eigene Wahrnehmung im Heimatlandkreis, gut möglich das es andere Beispiele gibt.
Und abschließend, falls ein Journalist sich in seiner Berichterstattung zu sehr eingeschränkt fühlt, sollte er die Konsequenzen ziehen und den Arbeitgeber wechseln. Ich weiß das klingt jetzt erstmal sehr leicht gesagt, gerade für Lokalreporter, welche in ihrer Region gerne ihren Job behalten möchten. Aber im Endeffekt geht es jedem anderen Arbeitnehmer genauso, kommt man partout nicht mit den Arbeitsbedingungen klar, ist es auf Dauer besser sich umzuorientieren.
Es gibt wie gesagt mit Sicherheit unterschiedlichste Einschränkungen, aber doch empfinde Deutschland als gut aufgestellt, was das Angebot an unabhängiger Presse betrifft.
Hummingbird
ZITAT(Seydlitz @ 15. Apr 2017, 01:13) *
So z.B der VW Abgasskandal.
Wie gesagt, je größer der Fokus, desto breiter wird das Spektrum der Berichterstattung und desto weniger "Rücksichtnahmen" gibt es. Aber gerade auf lokaler Ebene, wo nicht viele unterschiedliche Medien am Werk sind, die sich eine unabhängige Berichterstattung erlauben können, sind derartige "Rücksichtnahmen" nicht gerade selten.
Redeagle
Da stimme ich euch zu.

Bei russiches Quellen weiß man das sie politisch eingefärbt sind .... Nur im Westen wird man schnell getäuscht.

Es gibt auch wenige Zeitungen (oder Medien allgemein) die wirklich unabhängig sind. Oft ist es so, dass Zeitungsvielfalt/ TV/Radio Sendervielfalt nur Optisch existiert aber eben dem gleichen Besitzer/Konzern angehören.

Man kann sich mal informieren z.b. wieviele Zeitungen an seinem Kiosk verkauft werden und wem diese Zeitungen wirklich gehören. Mit etwas Elan kann man das erweitern und Überegional weiter schauen. Mit etwas fleiß ergänzt man noch die politische Ausrichtung der Besizer.

Beispiel Köln:
ZITAT
Wikipedia: Der Verlag DuMont verfügt in der Kölner Medienlandschaft über eine enorme Meinungsmacht, da – abgesehen von der Lokalausgabe der Bild-Zeitung – alle lokalen Tageszeitungen in Köln und den umliegenden Gemeinden im Verlag M. DuMont Schauberg erscheinen.

( in Köln ist quasi alles im Besitz von " DuMont", oder in Hannover - Niedersachsen bis Rostock gehört alles zur Familie "Matt"; oder andersherum was gehört alles zu"Bertelsmann", ...."Springer" usw.. )


Was ich damit sagen möchte ist das uns eine Informationsvielfalt vorgegaukelt wird, die es so in dem Ausmaß gar nicht gibt.
Heißt also wenn was weiß ich es 10 Zeitungen gibt wovon 7 das Selbe schreiben (weil sie direkt/indirekt zusammen gehören) und die drei anderen eben nicht... wem glaub ich dann, wenn ich die Verstrickungen nicht kenne?
Was auch wichtig ist (fnde ich) sind die vielzitieren Forschungsinstitue /Stiftungen.... wer steht denn hier dahinter ? ...Umfragen usw.



Etwas OT aber spielt in die selbe Schiene :
Vielleich etwas zu simpel gedacht : Was z.B. für mich ein Unding ist sind Wahltrends im Vorfeld einer Wahl. Viele Menschen lassen sich "einfangen" weil sie eben zu den Gewinnern gehören wollen.
Warhammer
Für dich ist das ein Unding. Wieder andere möchten das gerne wissen, weil es sie interessiert.

Das hat mMn nun wirklich nichts mit gutem oder schlechtem Journalismus zu tun.

Das ist generell ein Problem bei der Besprechung von Medien. Ichvhab sehr häufig das Gefühl, dass gerade die Strömungen die derzeit am meisten Medienkritik üben da oft viele Dinge mit reinwerden, die ihnen einfach nicht gefallen und der eigene nAgenda/dem eigenen Meinungsbild widersprechen.

Geht oft einher mit einem gewissen Alleinvertretungsanspruch der eigenen Meinung.
Redeagle
Deswegen schrieb ich ja auch "Etwas OT" wink.gif Dennoch kann man mit solchen Trends Meinungen beeinflussen.

BTT: Ich wollte mit dem Text lediglich aufzeigen das die Medienvielfalt, genauer betrachtet, viel kleiner ist als die Meisten allgemein denken. Mit dieser "sugerierten" Vielfalt an Produkten, die das Gleiche berichten (weil sie zusammengehören) lässt sich nunmal die Meinungshoheit erringen und Menschen beeinflussen.

Allerdings da geb ich Euch Recht: Es passiert einen ganz schnell, dass man genau das Gegneteil des Artikelns annimmt eben weil man weiß das der Artikel "mir die geläufige Meinung aufzwingen möchte".. Quasi so eine Art Abwehrhaltung.. Doch versuche ich anders ran zu gehen. Auch ich Lese Spon & Co. Ich frage mich "Wer profitiert davon, macht das alles überhaupt so Sinn?!" .. Mittlerweile lese ich soweit (International) quer (vorsicht Ironie) das man fast sagen kann "die Wahrheit" liegt irgendwo zwischen SPON und RT

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Ich möchte an der Stelle auch das WHQ-Forum loben die Meinungen sind oft heftig Konträr, aber genau auf diese Weise erfährt man sehr viel Hintergrundwissen und/oder über Nebenschauplätze die man gar nicht im Blick hatte.

Das WHQ ist für mich eine wichtige Quelle geworden im Bereich der Informationsbeschaffung abseits der Standartmedien. xyxthumbs.gif
400plus
ZITAT(Redeagle @ 15. Apr 2017, 13:01) *
Was ich damit sagen möchte ist das uns eine Informationsvielfalt vorgegaukelt wird, die es so in dem Ausmaß gar nicht gibt.
Heißt also wenn was weiß ich es 10 Zeitungen gibt wovon 7 das Selbe schreiben (weil sie direkt/indirekt zusammen gehören) und die drei anderen eben nicht... wem glaub ich dann, wenn ich die Verstrickungen nicht kenne?


Das mag regional (wo es meistens ohnehin nur 2-3 Lokalzeitungen gibt, wenn überhaupt) vielleicht noch zutreffen, aber überregional sind die meisten großen Blätter einfach null verbandelt. Der Spiegel gehört den Augstein-Erben, den Mitarbeitern und Gruner & Jahr; die FAZ hat ihre eigene Fazit-Stiftung. Die SZ gehört zur Südwestdeutsche Medien Holding (da sieht man auch schön, dass selbst wirtschaftliche "Verwandschaft" nicht unbedingt zu ähnlicher Berichterstattung führt, denn zur gleichen Holding gehört auch der Schwarzwälder Bote). Die Zeit gehört zu Holtzbrinck, Welt und Bild zu Springer, die taz hat ihre eigene Genossenschaft, die NZZ ist eine AG. Alles Zeitungen mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung und unterschiedlichen Eigentümern.
Redeagle
Geh noch ein paar Ebenen weiter hoch.
Soweit ich weiß gehört SZ der Famile Schaub der auch ein Großteil der Ostdeutschen Zeitungen gehören.
Gruner und Jahr gehört meines Wissens nach mittlerweile zu Berttelsmann.
400plus
Ich sprach ja explizit von den Überregionalen, auch zur SWMH gehören neben der SZ noch die Stuttgarter Nachrichten, die Stuttgarter Zeitung, der Schwarzwälder Bote u.a. Die großen 5-6 überregionalen Zeitungen im deutschsprachigen Raum sind aber trotzdem alle wirtschaftlich unabhängig voneinander und haben auch alle eine eigene politische Ausrichtung.

PS: Wir hatten das Thema auch hier schonmal.
Redeagle
Ich weiß nicht ob diese Details der Medienkonzerne zuweit Off Topic werden? (Frage an die Mod´s, ist diese Art Dikussion erwünscht? )

Familie Schaub und die SZ Wikipedia:

ZITAT
Keimzelle der Medien Union GmbH ist die Tageszeitung Die Rheinpfalz mit Sitz in Ludwigshafen am Rhein. Diese Zeitung wurde 1945 durch den Verleger Josef Schaub, den Vater des heutigen Hauptgesellschafters der Medien Union, Dieter Schaub, mit Einwilligung der damaligen französischen Besatzungsmacht gegründet. Ausgehend von dieser Zeitung wurde nach und nach durch Zukäufe die heutige Medien-Union gebildet.

Ein Geschäftsführer der Rheinpfalz-Gruppe ist der Vorsitzende der Geschäftsführung des Süddeutschen Verlages (siehe Süddeutscher Verlag).

Die Medien Union GmbH ist zu 44,36 % an der Südwestdeutschen Medien Holding GmbH (SWMH) beteiligt, die unter anderem die Stuttgarter Nachrichten sowie die Stuttgarter Zeitung publiziert. Die Süddeutsche Zeitung, die größte überregionale Abo-Tageszeitung in Deutschland, gehört seit 2002 zu 18,75 % der SWMH, mit Wirkung zum 29. Februar 2008 zu 81,75 %.

Zur Medien Union GmbH gehören des Weiteren die Freie Presse mit Sitz in Chemnitz und die Westermann Druck- und Verlagsgruppe mit Sitz in Braunschweig, außerdem die Jobware Online-Service GmbH mit Sitz in Paderborn und der Walhalla-Fachverlag in Regensburg.


das finde ich schon überregional.

Familie Schaub ist nur ein Beispiel.. Familie Funk wäre noch zu erwähnen oder halt Springer, Bertelsman aber vielleicht sollte man sich nicht zu sehr und zu tief in den Konzernen verrennen.. wie sie intern struckturiert und organisiert sind kann man von außen nicht wirklich sagen. Oder um zum Thema zurückzukommen " wie es die Art des unabhängigen Journalismuses beeinflusst" ist Spekulation.

400plus
Ich meinte, dass die einzelnen Zeitungen lokal sind, mit Ausnahme der SZ.
Seydlitz
Das würde aber auch implizieren, dass die Zeitungen, welche alle den gleichen Besitzer haben, auch wirklich von diesem angeleitet sind, auch die selbe Meinung zu vertreten. Vielleicht etwas kompliziert geraten der Satz.
Sprich die Zeitungen wären gleichschaltet und würden angeleitet bzw. überwacht werden. Aber nur weil jemand, meinetwegen eine Familie, mehrere Zeitungen besitzt, bedeutet dass nun mal nicht ,dass diese auch wirklich alle die gleiche Meinung vertreten. Zumal solch eine Einflussnahme doch wohl auch auffallen würde, die Journalisten müssten ja von Irgendjemanden "Beaufsichtigt" werden, um die vom Besitzer gewünschte Meinung zu vermitteln. Das ist mir doch sehr weit her geholt. Rein wirtschaftlich gesehen würde es wohl auch mehr Sinn machen, wenn ein Besitzer mehrerer Zeitungen auch unterschiedliche Zielgruppen abdeckt, anstatt sich auf eine Sichtweise und damit Kundengruppe festzulegen. (mehrere Zeitungen berichten das selbe)
Alle hier von @400plus genannten Medien sind in privater Hand. RT ist hingegen ein vom russischen Staat finanzierter (Propaganda) Sender. Ob man es hören will oder nicht, dass sind aus meiner Sicht deutliche Unterschiede.
Redeagle
ZITAT(400plus @ 15. Apr 2017, 16:01) *
Ich meinte, dass die einzelnen Zeitungen lokal sind, mit Ausnahme der SZ.


Auch die Freie Presse wird in ganz Sachsen gelesen und ist der SZ im Süden gleichzusetzen.
400plus
ZITAT(Seydlitz @ 15. Apr 2017, 16:11) *
Sprich die Zeitungen wären gleichschaltet und würden angeleitet bzw. überwacht werden. Aber nur weil jemand, meinetwegen eine Familie, mehrere Zeitungen besitzt, bedeutet dass nun mal nicht ,dass diese auch wirklich alle die gleiche Meinung vertreten. Zumal solch eine Einflussnahme doch wohl auch auffallen würde, die Journalisten müssten ja von Irgendjemanden "Beaufsichtigt" werden, um die vom Besitzer gewünschte Meinung zu vermitteln. Das ist mir doch sehr weit her geholt. Rein wirtschaftlich gesehen würde es wohl auch mehr Sinn machen, wenn ein Besitzer mehrerer Zeitungen auch unterschiedliche Zielgruppen abdeckt, anstatt sich auf eine Sichtweise und damit Kundengruppe festzulegen. (mehrere Zeitungen berichten das selbe)


Ja, sehe ich auch so. Dazu kommt ja auch noch, dass die Eigentümerstrukturen ja oft komplexer sind, als "Y gehört zu X". Gruner & Jahr hält beim Spiegel nur 25.5%, und auch die SZ gehört nicht der Familie Schaub alleine- der Großteil des Süddeutschen Verlages gehört zur SWMH, diese wiederum gehört zu 44% der Medien Union, die wiederum mehrheitlich (aber nicht vollständig) der Familie Schaub gehört.

ZITAT(Redeagle @ 15. Apr 2017, 16:20) *
Auch die Freie Presse wird in ganz Sachsen gelesen und ist der SZ im Süden gleichzusetzen.


Die SZ hat aber bundesweite Verbreitung, genau wie die FAZ, Zeit, Welt, taz, Bild (und meintwegen die Frankfurter Rundschau und das Handelsblatt). Die Freie Presse nunmal nicht, deswegen wird sie normalerweise nicht zu den überregionalen Zeitungen gezählt.
Crazy Butcher
Den ersten Punkt wollte ich auch gerade erwähnen. Den Besitzer interessiert in erster Linie eine hohe Auflage. Da muss nicht unbedingt eine politische Färbung hinter stehen. Man will möglichst viele Leser erreichen und versucht auch möglichst viele Richtungen abzudecken und kauft entsprechend ein. Die Qualität und letztenendlich auch Richtung der einzelnen Medien entsteht mMn innerhalb der Zeitunsgredaktion und kommt nicht zwangsläufig von Außen.
400plus
ZITAT(Crazy Butcher @ 15. Apr 2017, 16:22) *
Den ersten Punkt wollte ich auch gerade erwähnen. Den Besitzer interessiert in erster Linie eine hohe Auflage. Da muss nicht unbedingt eine politische Färbung hinter stehen. Man will möglichst viele Leser erreichen und versucht auch möglichst viele Richtungen abzudecken und kauft entsprechend ein.


Interessante Studie hierzu: Gentzkow & Shapiro 2010

SailorGN
Die Medienholdings in D sind das Ergebnis langer und schmerzhafter Konsolidierungsmaßnahmen. Die Auflagen gehen bei den meisten Verlagen zurück, damit auch Werbeeinnahmen und andere Erlöse. Gemeinsame Holdings machen die Akquise von Anzeigenkunden leichter und bringen in manchen Bereichen (bspw. Sport) auch Synergieefekte (nur noch ein Schreiberling statt drei). Grundsätzlich hat aber keine Holding/Unternehmen wirklich Interesse an "Gleichschaltung", weil das bei uns ein absoluter Auflagenkiller wäre. Deshalb werden tlw. auch defizitäre Regionalzeitungen am Leben gehalten, weil sie trotz Minus signifikante Auflagenzahlen für die Gruppe bringen. Ausserdem erschliesst Vielfalt auch Konsumentengruppen, weshalb es trotz Printflaute immer wieder Versuche gibt, neue Nischenblätter/Magazine zu etablieren.

Natürlich kann man aber auch sehen, dass bestimmte Ausrichtung auch bestimmte Typen Redakteure/Journalisten anzieht. Ein taz-lesender Journalistikstudent geht nicht zur BLÖD, aber nicht nur wegen der "Peergroup Redaktion" sondern auch wegen des Konsumentenkreises. Zurück zur Einheitspresse ala Neues Deutschland oder VB geht nicht, weil die Informationslandschaft zu vielfältig ist und der Konsument andere Möglichkeiten hat (und fordern würde).
der_finne
ZITAT(Seydlitz @ 15. Apr 2017, 16:11) *
Das würde aber auch implizieren, dass die Zeitungen, welche alle den gleichen Besitzer haben, auch wirklich von diesem angeleitet sind, auch die selbe Meinung zu vertreten. Vielleicht etwas kompliziert geraten der Satz.
Sprich die Zeitungen wären gleichschaltet und würden angeleitet bzw. überwacht werden. Aber nur weil jemand, meinetwegen eine Familie, mehrere Zeitungen besitzt, bedeutet dass nun mal nicht ,dass diese auch wirklich alle die gleiche Meinung vertreten. Zumal solch eine Einflussnahme doch wohl auch auffallen würde, die Journalisten müssten ja von Irgendjemanden "Beaufsichtigt" werden, um die vom Besitzer gewünschte Meinung zu vermitteln. Das ist mir doch sehr weit her geholt. Rein wirtschaftlich gesehen würde es wohl auch mehr Sinn machen, wenn ein Besitzer mehrerer Zeitungen auch unterschiedliche Zielgruppen abdeckt, anstatt sich auf eine Sichtweise und damit Kundengruppe festzulegen. (mehrere Zeitungen berichten das selbe)
Alle hier von @400plus genannten Medien sind in privater Hand. RT ist hingegen ein vom russischen Staat finanzierter (Propaganda) Sender. Ob man es hören will oder nicht, dass sind aus meiner Sicht deutliche Unterschiede.


Zumindest für Springer ist das ja mehr oder weniger bekannt das, egal ob Welt oder Bild, in eine bestimmte Richtung geschrieben wird. Immer pro Israel und pro USA. Siehe auch deren Grundsätze:

„1. Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas.
2. Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
3. Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.
4. Die Ablehnung jeglicher Art von Totalitarismus.
5. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.“

http://www.axelspringer.de/artikel/Die-Essentials_40218.html

Zur Auflockerung hält man sich noch ein, zwei "Freigeister", genauso macht SPON es umgekehrt mit Fleischhauer. Fox dürfte dann die nächste Stufe sein.

Wundert mich das das Argument immer kommt, man kann klar Leute nach Meinung anstellen und in der Branche auch sehr schnell austauschen.
Col. Breytenbach
ZITAT(SailorGN @ 15. Apr 2017, 17:49) *
[...] Grundsätzlich hat aber keine Holding/Unternehmen wirklich Interesse an "Gleichschaltung", weil das bei uns ein absoluter Auflagenkiller wäre. Deshalb werden tlw. auch defizitäre Regionalzeitungen am Leben gehalten, weil sie trotz Minus signifikante Auflagenzahlen für die Gruppe bringen. [...]


"Gleichschaltung" ist das falsche Wort. DuMont hat aber 2016 mit der Zusammenlegung der Redaktionen eines Boulevardblatts ("Berliner Kurier") mit einer seriösen Traditionszeitung ("Berliner Zeitung") in einer "Berliner Newsroom GmbH" gezeigt wohin die Reise geht. Ähnliches gab es schon bei "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" sowie "Berliner Morgenpost" und "Welt". Neu ist, das Zusammenlegen von seriöser Zeitung und Boulevard.

Durch die Verkleinerungen der Redaktionen Deutschlandweit kommt es dazu, dass Internationale und Nationale "News" fast ausschließlich von der dpa übernommen werden. Man hat dadurch oft den Eindruck, dass "alle dasselbe schreiben".
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